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Don't give me fucking Mehrheitsfähig!

Joel Gernet am Donnerstag den 12. Mai 2011


Um ein Haar wäre es nicht soweit gekommen – aber heute erscheint mit «Remember me Naked» das neue Album von Blood of Gold. Und am Abend wird das taufrische, zweite Album der Basler Band in der Kaserne getauft. Ein grosser Tag also für das Quintett um Tausendsassa Baschi Hausmann und Sängerin Martina Böhler – beide auch bekannt als Frontmann, beziehungsweise Frontfrau, von Fucking Beautiful, quasi dem bösen grossen Bruder von Blood of Gold. Aber dazu später. Zuerst wollen wir natürlich wissen, warum uns das zweite Album der Goldblüter beinahe vorenthalten worden wäre.

Das geht so: «Ich erzähle euch noch schnell etwas», sagt Baschi am Ende des Interviews nach kurzem Zögern lachend (im Video ist der Ausschnitt weiter vorne zu sehen). «Eigentlich wollte ich mit dieser Band im letzten Dezember aufhören.» Das neue Album sei bereits im Kasten gewesen und alle Bandmitglieder waren zufrieden und stolz, erklärt der ehemalige Lovebugs-Bassist. Aber dass ihm nun wieder einmal das viele Herumtelefonieren, Emailen und der weitere mühsame Promo-Kram bevorsteht (den man als Manager der eigenen Band zwangsläufig auf sich nehmen muss), darauf habe er einfach keine Lust gehabt. «Doch die Band, die Fans und meine Freunde ermutigten mich weiterzumachen.» Und deshalb wird die zweite CD von Blood of Gold also heute auf eben diese Fans losgelassen. Beim Musik-Dealer und live in der Kaserne.

Melancholisch, poetisch und vielseitig sei es geworden das neue Album, erklärt Martina Böhler, die auf «Remember me Naked» erstmals ebenfalls Songs geschrieben hat. Zum Beispiel die Textpassage, auf welche sich der Albumtitel bezieht. Im Pressetext der Band wird der Album-Sound als Mischung von Folk, Americana und Pop beschrieben. Luftige Refrains und melancholischen Balladen gehören da ebenso dazu wie experimentelle Fragmente.

Aber warum der Bandname Blood of Gold? Die Bandbesetzung ist ja schliesslich die selbe wie bei der gemeinsamen Glam-Rock-Band Fucking Beautiful? «Vor ein paar Jahren veränderten sich die Songs, die ich schrieb. Sie wurden langsamer, hatten mehr Lücken und passten nicht zu Fucking Beautiful.» Also habe er gemeinsam mit Martina «Blood of Gold» ins Leben gerufen. Der Bandname des Projekts wurde dem Titel eines Fucking-Beautiful-Songs entliehen. Dass jetzt auch der Rest der Band («alles weltklasse Musiker) aus den gleichen Leuten besteht, sei Zufall.

Zählt man die CDs der «beiden» Bands zusammen, steht nun das sechste gemeinsame Album innerhalb einer Dekade an. Hat man da noch Ambitionen in Bezug auf das Musikbusiness? «Was ich erwarte? Genau gar nichts!», entgegnet Baschi und redet sich in Rage. Heute gehe es nicht mehr um das Verkaufen von Platten, sondern um Konzerte. «Die Musikindustrie hat alles verschlafen», da würde er nicht einmal den illegalen Downloadern die Schuld am Niedergang der Kommerz-Zunft geben. Es werde immer von mehrheitsfähiger Musik gesprochen. Aber was im Radio gespielt werde, sei nicht mehrheitsfähig. «Entweder sind alle wie Lady Gaga oder man versucht, so zu sein wie Coldplay.» Wenn er sich aber im Kollegenkreis oder im Netz umschaue, sehe er eine derart grosse Vielfalt von Musik, dass er davon nichts hören will. «Don`t give me fucking Mehrheitsfähig!», sagt er lachend. Und schiebt nach: «Ich war noch nie mehrheitsfähig und das ist gut so.» Das finden wir auch.

Blood of Gold – Remember Me Naked. Release: 12. Mai 2011 (Beautiful Records)
Plattentaufe: Do. 12. Mai, Kaserne Basel

Die CD-Kritik zu «Remember me Naked» gibt es übrigens heute in der BaZ zu lesen.

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