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Ein süsser Abschluss

Fabian Kern am Dienstag den 16. Juli 2013

BuchcoverKrimiserien sind nicht nur im Fernsehen beliebt, sondern auch in Buchform. Unglaublich, welche Fülle von Polizisten, Detektiven und Hobby-Sherlocks sich bücherregalmeterweit durch den deutschen Sprachraum ermitteln. Bei manchen steht der jeweilige Fall im Vordergrund, bei anderen die persönliche Geschichte der Figuren, wieder andere gewichten beides gleich stark. Zur zweiten Kategorie gehört sicherlich Paul Lascaux mit seiner inzwischen sechs Bücher umfassenden Serie um die Berner Detektei Müller & Himmel. Es ist der letzte Fall des ungleichen Erfolgsduos.

Wildschweingehege im Tierpark Dählhölzli

Tatort: Das Wildschweingehege im Berner Tierpark Dählhölzli.

Ein Banker wird im Wildschweingehege des Tierparks Dählhölzli in Bern gefunden. Verstümmelt und herzlos – wörtlich gemeint. Kurze Zeit später kommt ein talentierter Konditor in seinem eigenen Betrieb zu Tode, ebenfalls mit fremder Hilfe. Die beiden Morde scheinen zusammen zu hängen. Nur wie? Störfahnder Spring und seine junge Kollegin werden mit der Aufklärung betraut, doch wieder einmal kommt er nicht weit. Die Unterstützung der Detektei Müller und Himmel ist gefragt. Doch auch das bewährte Gespann hat seine liebe Mühe mit der Aufklärung. Die Motivationsprobleme von Nicole Himmel und Spring sind dabei auch nicht gerade hilfreich. Heinrich Müller ist zunehmend auf sich allein gestellt und muss sich zusammenreissen, um den Täter zu entlarven.

Paul Lascaux

Vom Bodensee an die Aare: Paul Lascaux alias Paul Ott.

Angefangen hat alles im Emmental. Vor fünf Jahren führte Paul Ott, seit 1974 in Bern wohnhafter Ostschweizer, unter dem Pseudonym Paul Lascaux seinen Detektiv Heinrich Müller in der Provinz mit der Ethnologie-Studentin Nicole Himmel zusammen. Weil die beiden auf Anhieb eine perfide Mordserie aufklärten, nahm Heinrich die aufgeweckte Nicole in seine Detektei auf. Seither hat das – rein berufliche – Paar praktisch im Jahrestakt einen Fall mit jeweils kulinarischem Hintergrund gelöst. War im ersten Fall Käse das bestimmende Thema, so drehte sich in der Folge alles um Wurst, Schnaps, Brot und Wein. In «Schokoladenhölle» findet die Serie nun ihren süssen Abschluss. Das Sujet Schokolade zieht sich konsequent durch das Buch. An allen Ecken und Enden knabbern die Figuren an der süssen Köstlichkeit. Und natürlich bewegen sie sich wieder in gemächlichem Tempo durch die Geschichte – passend zu Bern.

Lascaux hat sich entwickelt. Nach wie vor ist er in der vielfältigen Geschichte sehr fein in seiner Sprache, bietet treffende Vergleiche und Beschreibungen und vermittelt dabei viel Lokalkolorit. Im Gegensatz zum Debüt «Salztränen» steht aber nicht mehr der aktuelle Fall im Vordergrund, sondern die Figuren. Deshalb tut man gut daran, sich die Vorgänger zu Gemüte zu führen, bevor man den sechsten Fall liest. Für Einsteiger ist es schwierig – obowhl hinten im Buch alle vorgängigen Fälle kurz zusammengefasst werden. Der Ton ist sehr familiär, die Atmosphäre fast intim – vergleichbar mit einem Theaterstück. Wenn man nicht mit der Vorgeschichte der Figuren vertraut ist, fühlt man sich wie ein Eindringling an einem Familienfest. Denn nicht nur Lascaux hat sich entwickelt, sondern auch dessen Protagonist Heinrich Müller. Vom einsamen Detektiv hat er sich zum Inhaber eines Familienunternehmens gemausert. Ob er sich nach diesen sechs Fällen tatsächlich zur Ruhe setzt? Die Antwort kennt nur Paul Ott, respektive dessen Alter Ego Paul Lascaux.

Paul Lascaux: Schokoladenhölle. Ein feinherber Kriminalroman. Gmeiner-Verlag. Messkirch, 2013. 230 Seiten, Fr. 14.90.

Die weiteren Bücher der Serie von Paul Lascaux: Salztränen (2008), Wursthimmel (2008), Feuerwasser (2009), Gnadenbrot (2010), Mordswein (2011).

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