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Der perfekte Ferien-Krimi

Fabian Kern am Donnerstag den 27. Juni 2013

BuchcoverDer weisse Sand rieselt durch die Finger und wird von der leichten Meeresbrise zerstreut. Salzwasser und Seetang würzen die Luft, die Wellen plätschern sanft auf den Strand. Jene Krimileser, die sich nach solchen Sinneseindrücken sehnen, aber vielleicht noch nicht gleich in die Ferien fahren darf, denen sei «Bretonische Brandung» ans Herz gelegt. Die Fans von Jean-Luc Bannalecs erstem Krimi aus der Bretagne, «Bretonische Verhältnisse», werden das Buch längst verschlungen haben.

Denn Bannalecs Beschreibung der «Glénan» ist atemberaubend. Glénan? Bretonischen Nicht-Kennern sei erklärt: Das ist ein Archipel vor der bretonischen Südküste, bestehend aus rund einem Dutzend kleiner und kleinster Inseln mit Traumstränden wie in der Südsee. Und weil an einem dieser Strände drei Leichen angespült werden, ist das ein Fall für den Hauptkommissar von Concarneau, Georges Dupin. Der Kommissar aus Paris, der auch nach Jahren im Département Finistère immer noch als Fremdling behandelt wird, muss sich somit einer seiner grossen Ängste stellen: Booten. Die faszinierende Umgebung der Glénan zieht Dupin aber von Beginn weg derart in ihren Bann, dass ihm die Ermittlungen auf hoher See erstaunlicherweise schon bald nichts mehr ausmachen.

Le Loc'h

Am Strand von «Le Loc'h» werden drei Leichen angespült.

Drei Tage nur dauert dieser zweite Fall von Dupin in Frankreichs Nordwesten. Dennoch ist er viel weniger schnell zu durchschauen als noch jener bei Bannalecs Erstling. Es stellt sich heraus, dass die drei Männer zwar ertrunken sind, dass aber jemand nachgeholfen hat. Dupin muss sich mit den speziellen Verhältnissen auf den Glénan schnell vertraut machen, damit die Spur nicht erkaltet und legt sich dabei wie gewohnt mit diversen Behörden und seinem Intimfeind, dem Polizeipräfekten, an. Trotz der intensiven Ermittlungen lässt sich der kaffeesüchtige Kommissar aber von der Landschaft und dem rauen Charme der Bretonen vereinnahmen – und mit ihm der Leser.

Les Glénan

Warme Südsee? Nein, kalter Atlantik!

Der unbekannte Autor – Bannalec ist nur ein Pseudonym – hat sich gegenüber von «Bretonische Verhältnisse» gar noch gesteigert. Er legt nicht nur einen zweiten Fall für Dupin vor, sondern entwickelt seine Figuren weiter. Man lernt das Team von Dupin etwas näher kennen. Riwal gibt einiges aus seinem Privatleben preis, und sogar der von Dupin gering geschätzte Kadeg vermag Sympathien zu wecken. Deshalb hat man etwas Mitleid mit den beiden Inspektoren, denn die Zusammenarbeit mit Dupin ist nicht einfacher geworden. Doch man versteht das Verhalten des eigenwilligen Kommissars etwas besser. Neben literweise Kaffee braucht er seine Ruhe, um seine Gedanken ganz auf den Fall zu konzentrieren, weshalb er die Recherchearbeit an sein Team delegiert. Ein kriminalistisches Genie braucht seinen Freiraum, um sich zu entfalten.

Bleibt zum Abschluss die Frage: Bekommt Bannalec eigentlich Geld von «Tourisme Bretagne»? Wenn nicht, könnte er das ungeniert verlangen. Denn wer von seinen Büchern keine Lust auf eine Reise in den faszinierenden Zipfel Frankreichs erhält, der ist ein unverbesserlicher Reisemuffel. Für den Strand oder Balkonien – «Bretonische Brandung» ist der perfekte Ferien-Krimi.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Brandung. Kommissar Dupins zweiter Fall. Kiepenheuer & Witsch. Köln, 2013. 352 Seiten, ca. Fr. 25.-.

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Ein Kommentar zu “Der perfekte Ferien-Krimi”

  1. Thomas Baer sagt:

    Ich habe die “Bretonische Brandung” noch nicht gelesen, dieses Vergnügen spare ich auf für den nächsten Urlaub im Süden der Bretagne. Wir fuhren diesen Mai ferienhalber nach Névez. Im Gepäck viele Bücher, darunter die “Bretonischen Verhältnisse”. Unser zuhause, ein kleines bretonisches Steinhaus direkt am Atlantik, kühle Winde, Sturm, Sonne…. Einfach traumhaft. An einem regnerischen Tag war dann dieser Krimi an der Reihe. Vergnügen pur und das Schönste, ich war mittendrin im Geschehen. Ein paar Kilometer im Hinterland Pont Aven, der Hauptschauplatz, der erste Mord. Der zweite Mord in unmittelbarer Nähe unseres Hauses! Schöner ist eigentlich ein Krimi gar nicht zu lesen! Ah ja, die Glénan-Inseln liegen in Sichtweite. Ich freue mich auf den nächsten Mai.