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«Es ist an der Zeit, dass jemand diesen Schritt wagt»

Luca Bruno am Mittwoch den 8. Mai 2013
Sandro Bernasconi, Festivalleiter (l.) und Vereinspräsidentin Danielle Bürgin (r.) präsentieren das Lineup des «Open Air Basel» 2013.

Sandro Bernasconi, Festivalleiter (l.) und Vereinspräsidentin Danielle Bürgin (r.) präsentieren das Lineup des «Open Air Basel» 2013.

Bern und St. Gallen haben schon lange eins, Zürich ist seit kurzem ebenfalls ziemlich erfolgreich mit dabei und jetzt zieht auch Basel endlich nach. Die Rede ist natürlich vom stadteigenen Openair-Festival. Am 9. und 10. August 2013 soll auf dem Kasernenareal das brandneue «Open Air Basel» zum ersten Mal über die Bühne gehen.

Zum allerersten Mal? Nun, nicht ganz! Schliesslich fand während den letzten drei Jahren an gleicher Ort und Stelle schon das «Viva Con Agua Kaserne Basel Festival» statt. Ein neuer Name und ein noch internationaleres Lineup sollen dem Festival jetzt aber zu noch mehr Glanz verhelfen. Anlässlich der gestrigen Medienkonferenz haben wir uns nach der Programmverkündigung mit Festivalleiter Sandro Bernasconi über Lineup, Eintrittspreise und Zukunftsvisionen des Festivals unterhalten…

Stilsicherer Surfrock aus Los Angeles: «Tell Me (What’s On Your Mind)» vom empfehlenswerten, letzten September erschienenen Debütalbum der Allah-Las (Samstag, 20:30)

Das Musikfestival auf dem Kasernenareal tritt ab diesem Jahr unter einem neuem Namen an. Was sind die Gründe für die Umbennenung?
Sandro Bernasconi: «Viva Con Agua» ist weiterhin Teil des Festivals, konzentriert sich allerdings ab sofort wieder auf sein Kerngeschäft. «Viva Con Agua Kaserne Basel Festival», wie das Festival während den vergangenen drei Jahren hiess, war ja ein ziemlich langer Name, womit die meisten Besucher das Festival schlussendlich nur unter «Viva Con Agua-Festival» wahrgenommen haben. «Viva Con Agua» ist aber ein Verein, der Geld für Trinkwasserprojekte sammelt, und nicht etwa ein Festivalveranstalter. So haben wir uns also entschieden, für diese und alle weiteren Ausgaben unter einem neuen Namen aufzutreten. Während einer Brainstorming-Session haben wir dann ziemlich schnell gemerkt, dass der Name «Open Air Basel» bislang nicht in Verwendung war. Ein ziemlich selbsterklärender Name, wie ich finde. Und auch gegenüber Konzertagenturen muss man sich ab sofort nicht mehr erklären.

Eine weitere Neuerung betrifft die Preispolitik des Festivals: Ab sofort sind die Konzerte der Headliner nicht mehr gratis…
Ja, wir halten die Preise aber dennoch sehr tief. 30 Franken für einen Zweitagespass, da sollte die Hemmschwelle also nicht all zu hoch liegen. Umgerechnet zahlt man somit 15 Franken pro Abend oder 5 pro Band. Wenn man die Bands unseres Lineups anschaut, dann würde man schnell zwischen 25 und 35 Franken pro Künstler ausgeben, wenn man sich diese Acts einzeln anschauen würde.

Das Lineup der Ausgabe 2013.

Das Lineup der Ausgabe 2013.

Des Weiteren geht es uns auch um eine längerfristige finanzielle Absicherung des Festivals. Es soll nicht jedes Jahr wieder eine Zitterpartie werden, ob man das Festival im Folgejahr nochmals auf die Beine stellen kann, wenn einmal das Wetter nicht mitspielt. In den letzten Jahren hatten wir bezüglich Wetter fast immer Glück, aber wenn es einmal regnen sollte, dann hat die Vergangenheit gezeigt, dass nur etwa ein Fünftel des erwarteten Publikums kommt. Und dann spielen Künstler vor leeren Rängen, was in niemandes Interesse sein kann. Bei unserem Vorgängermodell waren wir stets darauf angewiesen, dass Künstler für reduzierte oder gar keine Gagen auftreten, was meiner Meinung nach auch nicht der richtige Weg sein kann. Schliesslich leisten alle diese Künstler ja auch etwas und arbeiten das ganze Jahr an ihrer Musik, demzufolge sollten sie auch normal bezahlt werden.

Es gibt viele Festivals in der Schweiz und die meisten verlangen Eintritt. Ganz viele Basler gehen an ebenso viele Festivals und geben dafür gerne ihr Geld aus. Dementsprechend hoffe ich, dass es in Basel genug musikinteressiertes Publikum gibt, welches dazu bereit ist, auch einmal für ein Konzert in Basel etwas zu bezahlen. Ich denke, es ist an der Zeit, dass jemand diesen Schritt wagt.

Gewisse Teile des Festivals bleiben aber nach wie vor kostenfrei: Es wird an beiden Nachmittagen Gratiskonzerte inklusive Rahmenprogramm geben. Schliesslich ist es uns wichtig, dass Quartier und Anwohner auch weiterhin in das Festival integriert sind. Am Abend wird dann ein Teil des Kasernenareals – und zwar lediglich der Teerplatz – abgesperrt. Denjenigen, die nicht dazu bereit sind Eintritt zu bezahlen, bleibt also die Möglichkeit, sich auf die Wiese zu setzen und das Konzert von dort aus gratis geniessen zu können – einfach in reduzierter Lautstärke und ohne audiovisuelles Erlebnis natürlich.

Apropos Lautstärke. Wie sieht es bezüglich dem leidigen Thema «Lärm» aus?
Vor zwei Jahren hat der damalige Headliner Dendemann sein Set um fünf Minuten überzogen. Aufgrund des anschliessend negativen Feedbacks seitens der Anwohner erhielten wir daraufhin eine Kürzung der Bespielungszeit samt zusätzlicher Lautstärkenbegrenzung. Seither darf die Lautstärke ab 22 Uhr – also für den Headliner – anstatt der üblichen 100db nur noch maximal 96db betragen und es muss um Punkt 23:30 Schluss sein. Letztes Jahr hat das auf alle Fälle prima geklappt und wir haben dementsprechend auch nur sehr gutes Feedback von Anwohnerseite aus erhalten.

Überzeugten schon an der letztjährigen BScene: Lee Fields & The Expressions. Soul, der diesen Namen auch wirklich verdient. (Samstag, 19:00)

Wo und wie könnte das «Open Air Basel» in Zukunft noch grösser werden?
Für dieses Jahr steht zuerst einmal die Etablierung des Festivals unter seinem neuen Namen im Zentrum. Aber natürlich gibt es auch jetzt schon ganz viele Visionen und Szenarien, die wir in Zukunft gerne umsetzen würden. So wäre es natürlich schön, wenn man die Bühne auch noch am Sonntag nutzen könnte – selbstverständlich nicht bis in alle Nacht hinein, sondern eher am Nachmittag oder am frühen Abend. Sehr gerne auch mit einer etwas «ruhigeren» Programmierung wie beispielsweise einem Singer/Songwriter-Abend.

Bestehen dabei Pläne, nebst der Openairbühne auch noch gleichzeitig die Rossställe oder die Reithalle der Kaserne zu bespielen?
Nein, wir wollen ein Openair- oder noch besser ein Stadtfestival sein. Die Kaserne ist ja nach wie vor Partner des Festivals und wir dürfen ihre Räumlichkeiten auch weiterhin für Backstage, Catering, Lager, etc. nutzen, was für die Infrastruktur des Festivals sehr wichtig ist – sonst müssten wir ja alles von Grund auf neu aufbauen. Logistisch wäre es somit gar nicht möglich, dass wir jetzt parallel zu unserem Openairprogramm zusätzlich noch Künstler hätten, die drinnen spielen. Und wenn wir an den Festivaltagen weiterhin so schönes Wetter wie in der Vergangenheit haben, wäre es ja eigentlich auch ziemlich schade, wenn man sich bei helllichtem Tag in einen dunklen Raum hinein begeben müsste…

Auch die deutsche Indie Rock-Gruppe Kettcar, die gemessen an ihren sehr enttäuschenden letzten beiden Alben ihre besten Tage offensichtlich hinter sich hat, ist Teil des Lineups. Aber «Deiche» und «Landungsbrücken raus» bleiben selbstverständlich auch weiterhin zwei wunderbare Songs. (Freitag, 20:30)

Wie bereits bei den vergangenen Ausgaben überschneidet sich das Festival auch dieses Jahr wieder mit dem Kulturfloss. Gäbe es Möglichkeiten, dieser Überschneidung zukünftig aus dem Weg zu gehen?
Im Sommer ist in Basel ganz generell immer viel los. Es ist schwierig oder besser gesagt fast unmöglich, ein Wochenende zu finden, an welchem gar nichts läuft. Das Basel Tattoo (19.-27.7.), das Theaterfestival Basel (29.8.-9.9.) und die Sportnacht (24.8.), welche alle ebenfalls auf dem Kasernenareal stattfinden, sowie bestimmte Vorschriften der Allmendverwaltung, die jeweils eine Woche Pause zwischen Grossevents vorsehen, machen es für uns unmöglich, dem Kulturfloss aus dem Weg zu gehen. Wir haben mit den Verantwortlichen vom Festival «im Fluss» allerdings bereits mehrere Meetings organisiert und sind noch immer daran, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuarbeiten.

Und was sind ihre persönlichen Highlights des Lineups?
Ich freue mich natürlich auf GusGus. Eine grossartige Liveband! Das durfte ich zwar bereits früher schon oft feststellen, als ich die Band dann aber letztes Jahr am Iceland Airwaves-Festival in Reykjavik erneut gesehen habe, hat sie mich einfach umgehauen. In ihrer momentanen Form darf man die Band also erst recht nicht verpassen. Die Abstimmung ihrer Lichtshow mit ihrem Sound, ihre Ausstrahlung, sowie die Qualität ihrer Beats ist einfach einzigartig.

Und dann freue ich mich natürlich auch auf Lee Fields. Wir reden gerne von «Soulmusik» und viele probieren sich daran «Soul» zu machen, aber schlussendlich sind wir einfach nicht mit dieser Musik aufgewachsen und kennen sie nur vom Hörensagen. Wenn man dann also mal jemanden wie Lee Fields sieht, der mit solcher Musik wirklich gross geworden ist, nimmt man das einfach als etwas ganz anderes wahr, wie wenn man eine Band sieht, die erst später zum «Soul» gefunden hat.

Darauf freut sich der Festivalleiter ganz besonders: GusGus aus Island. Hier mit «Over» von ihrem letzten Album «Arabian Horse», welches 2011 auf dem Qualitätslabel Kompakt erschienen ist. (Freitag, 22:15)

«Open Air Basel»: Freitag und Samstag, 9. und 10. August 2013 auf dem Kasernenareal. Mehr Informationen, Lineup, etc. hier und hier.

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