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Durchhalten auf dem Dreispitz

karen gerig am Montag den 31. Januar 2011

Volles Haus für elektronische Künste an der Museumsnacht 2011.

Über 2500 Eintritte verzeichnete das Haus für elektronische Künste (Haus-ek) zur Premiere auf dem Dreispitz an der Museumsnacht vor anderthalb Wochen. Die Hälfte davon blieb auch gleich zur Party, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Und die meisten schlenderten wohl auch durch die angrenzenden Kunsträume Oslo 8 und Oslo 10 sowie die Künstlerateliers und das Fotolabor von Pascale Brügger, um einen Augenschein zu nehmen. Ein gelungener Einstieg für das Dreispitz-Areal, das bekanntlich zum Kunstquartier werden soll.

Doch ein gelungener Einstieg bedeutet noch nicht, dass die dort angelaufenen Projekte auch nachhaltig Erfolg haben werden. Bis der «Dreispitz» wirklich lebt, vergehen nämlich noch einige Jährchen. Dann soll auch die Hochschule für Kunst hier eingezogen sein (im Jahr 2015), soll mindestens ein Restaurant den Aufenthalt versüssen (Zeitpunkt: unbekannt), soll die BLT den Anschluss an den ÖV gewährleistet haben (Zeitpunkt: unbekannt), sollen Loft-Wohnungen entstanden sein (Bezug: unbekannt) etc.

So sollte der Neubau fürs Kunsthaus Baselland und das Haus für elektronische Künste aussehen. (Visualisierung CMS)

Noch ist vieles unklar. Ob das Kunsthaus Baselland etwa tatsächlich aufs Areal ziehen wird. Ob der Neubau, in dem es zusammen mit dem Haus-ek untergebracht werden soll, entstehen wird, oder ob für letzteres eine andere Lösung gefunden werden muss – der nicht nur provisorische, sondern definitive Umbau der bestehenden Halle etwa. Das Kunsthaus Baselland hat sich zwar für einen Umzug ausgesprochen, doch die Finanzierung steht noch in den Sternen. Direktorin Sabine Schaschl geht nicht davon aus, dass diesbezüglich vor dem Sommer Klarheit herrschen wird. Man warte beim Kanton wohl einerseits die Theater-Abstimmung ab und andererseits die Neuwahlen der Regierung – vorher spricht im Kanton Baselland keiner über Geld, schon gar nicht, wenn es um Kultur geht.

Nichtsdestotrotz wird auf dem Dreispitz munter gearbeitet. Pascale Brügger eröffnet morgen Dienstag offiziell ihr Fotolabor. Im Haus-ek wird die Eröffnung im Mai vorbereitet, fürs Oslo 10 wird noch das Kuratorenteam gesucht (Eröffnung der ersten Ausstellung wird ebenfalls im Mai sein), die Künstler und Künstlerinnen haben ihre weissgestrichenen Ateliers bezogen.

Blick in die Fotogalerie Oslo 8.

Als erster Ausstellungsraum wird im April das Oslo 8 eröffnen, die Galerie von Christoph Kern und Thomas Diewald. Geplant ist eine Ausstellung mit René Burri. Ein Wagnis, so allein auf weiter Flur, oder? «Ja, wir sind die Ersten», sagt Kern. «Und – ehrlich gesagt – wir sind sehr gespannt, wie es werden wird.» Ursprünglich hätten auch das Haus-ek und Oslo 10 im April eröffnen wollen – eine gemeinsame Vernissage wäre sicher gut gewesen, hätte mehr Publikum generiert. Auch in Zukunft würden gemeinsame Events wohl mehr Leute anziehen. Laut Kern finden diesbezüglich lose Gespräche statt.

Noch aber fühlt man sich sehr einsam auf dem Weg zum Oslo 8. Doch Kern blickt optimistisch in die Zukunft. Für den Fotografen ist dies die erste Galerie, die er führt. Er arbeitet nebenbei immer noch Vollzeit als Fotograf, sollte das Projekt Olso 8 also scheitern, wäre das zwar äusserst schade, aber nicht existenzbedrohend. Auch für Thomas Diewald ist die Galerie nicht die einzige Beschäftigung. «Natürlich hoffen wir, dass es funktioniert» sagt er. Mit der Fokussierung auf Fotografie-Ausstellungen könnte das gelingen, schliesslich gibt es in Basel keine vergleichbare Institution. Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass Galerien auf dem Dreispitz es bisher schwer hatten: Michel Fischer (2001-2003) gab nach zwei, Groeflin/Maag (2004-2007) nach drei Jahren auf. Im neuen Konzept des Dreispitz als Kunstquartier sollte dies ändern – doch ist dies nicht allzu ferne Zukunftsmusik? Noch befindet sich das Quartier in einer unabsehbar langen Warteschlaufe. «Durchhalten ist angesagt» formuliert es Christoph Kern wohl richtigerweise.

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7 Kommentare zu “Durchhalten auf dem Dreispitz”

  1. Chris sagt:

    Darf ich drauf hinweisen dass im Dreispitz letztes Jahr auch eine durchaus erfolgreiche und international beachtete Kunstmesse mit über 80 Galerien stattgefunden hat und im Juni dieses Jahres auch wieder stattfinden wird? Die oben genannten Unternehmen sind also keineswegs die ersten die das Risiko der Besiedelung des Dreispitzareals auf sich nehmen… (die Rede ist von der VOLTA, die nach 3 Jahren im Kleinhüniger Hafen und einem Gastspiel in der Markthalle die nächsten Jahre in der Dreispitzhalle stattfinden wird).

    Und ein Restaurant ist eigentlich auch vorhanden (http://www.baselcitystudios.com/schmatz).

    Momentan ist glaube ich wirklich der Anschluss ans ÖV und der Verkehr im inneren des Areals das grösste Problem (es sind ziemliche Distanzen von A nach B zu überwältigen, auch wenn man von den Parkhäusern im inneren des Areals Gebrauch macht), aber alles in allem geht es meiner Meinung nach auf dem Dreispitz schon um mehr als blosses Durchhalten.

    Lg,
    Chris

    • Karen Gerig sagt:

      Lieber Chris,
      das Dreispitz-Areal ist unbestritten stärker ins Bewusstsein gerückt, begünstigt durch Veranstaltungen wie die Voltashow, wie dem Designmarkt, der Museumsnacht und vielen anderen Events. Bei meinen Überlegungen geht es allerdings nicht um diese einmaligen Events, sondern um langfristige Projekte, die das ganze Jahr geöffnet haben, und darum, ob diese auch ausserhalb von Vernissagen oder Parties einen genügend grossen Besucherstrom generieren können.
      Lg Karen N.

      • Chris sagt:

        Hoi Karen,

        Das ist so, doch sind es eben diese einmaligen, oder besser gesagt, jährlichen (Gross-)Events die die Aufmerksamkeit auf das ganze Areal ziehen und gleichzeitig die Probleme offen zu legen. Langfristige Projekte haben die Fähigkeit aus der Not eine Tugend zu machen und dadurch anpassungsfähiger zu sein. Diesen Luxus haben kürzere Events nicht, es muss sofort alles passen, sonst ist man weg.

        Dennoch denke ich dass vor allem die Galerien ausserhalb der Vernissagenzeit Probleme haben könnten wenn sie ihren Kunden keine Parkplätze vor der Tür bieten können (Kunstsammler sind nicht mit dem Velo unterwegs und ein 4-Minuten-Spaziergang kann gelegentlich viel verlangt sein) und die Künstler in den Ateliers werden keine Freude haben wenn sie nach einer 20minütigen Tramfahrt (zB von der CargoBar aus) Nachts um eins noch eine Viertelstunde laufen müssen (ebenso die Studenten an der Hochschule morgens um 8).

        Wie dem auch sei, ich begrüsse die Entwicklung und vor allem begrüsse ich kritische Artikel die den Status Quo präsentieren. Mehr davon! 😉

        LG,

        Chris

  2. Jean Spencer sagt:

    Liebe Leute

    Die Gentrification wird wohl noch früh genug vorbeischauen… Das Kunstquartier wird nur solange Kunstquartier sein dürfen, bis es genug trendy ist. Danach werden die Investoren kommen, alles renovieren oder abreissen und so die Mieten ins unendliche Steigen lassen. Ich finde es gut in die Zukunft blicken, dann aber bitte genug weit. Eigentlich sollte man nämlich den Jetzt-Zustand geniessen, mit all den Freiheiten die er einem lässt. Oder kenne ich die Dreispitz-Situation zu schlecht?

  3. Chris sagt:

    hoi Jean,

    Naja, teilweise hast du ja schon jetzt recht (die UBS hat ein rieeeeeesen Gebäude gekauft und wird dort ab 2013 Loft-Wohnungen rein- bzw. draufbauen, wie auch im Artikel steht).

    Dennoch, der feine Unterschied zu einem “normalen” Stadtquartier, a) dass es keine “Ureinwohner” gibt die von den steigenden Preisen verjagt werden könnten, und b) dass das gesamte Areal der Christoph Merian Stiftung gehört, welche verpflichtet ist ganz klar definierte Ziele und Aufgaben zu verfolgen.

    Ich zitiere:
    “Die Aufgabe der Christoph Merian Stiftung ist es, sich für Menschen in Not, für eine gesunde Umwelt, für die Lebensqualität und die Kultur in Basel einzusetzen.
    Die Basis für ihre Aktivitäten ist das Vermögen, das ihr von Christoph und Margaretha Merian-Burckhardt vermacht wurde. Ausschliesslich der Ertrag wird für die vielfältigen Aktivitäten der Stiftung eingesetzt, das Stiftungskapital muss erhalten bleiben.

    Das Testament verpflichtet die Christoph Merian Stiftung, ihre Tätigkeit auf die Stadt Basel zu beschränken.” (Ich nehme an das Dreispitz wird hier also als Stadtgebiet angesehen).

    Die CMS hat es grundsätzlich nicht nötig die Kunst/Kultur zugunsten von elitärem Wohnraum zu verdrängen, sondern kann beides gemeinsam fördern (und die Bewohner der Lofts können ganz in der Nähe Kunst für ihre Wohnungen kaufen).

    Ich hoffe die Zukunft wird mich nicht eines Besseren belehren…

    Cheers,

    C.

  4. Alfred Neumann sagt:

    Schicki Micki. Wo ist der Lebensraum. Wer denkt Kunst, ist das Leben irrt. Wir wollen Platz zum Leben und Beizen um uns zu treffen. Wir wollen am Stammtisch politisieren damit wir unsere Meinung nicht in der Zeitung oder schlimmer, im Fernsehen oder Internet beziehen müssen. Kunst, na ja der grösse Unsinn für welchen Leute Geld ausgeben.

  5. Daniel Seiler sagt:

    Dieses Anspruchsverhalten ist schon etwas erschreckend…. Und statt warten, könnte man ja etwas unternehmen. Vielleicht kann man ja eine Fussgängerbrücke über die Tramgleise von der Münchensteinerstrasse her ins Dreispitzareal entwerfen und der Stadt präsentieren….