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Frauenpower!

Ewa Hess am Dienstag den 12. April 2016

Ich traf schon früh am Nachmittag ein – mitten in der Riesenbaustelle, die sich Zürich-West nennt, liegen die Hallen des Art Dock wie ein grosser bunter Wal auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Auf dem Zaun davor prangen die Namen von vielen Künstlern – und von nur ganz wenigen Künstlerinnen. Dafür hängen über dem Eingang zwei kugelrunde blaue Brüste.

Was: Vernissage der Ausstellung «Frauenpower», 100 Jahre (1916–2016), 144 Zürcher Künstlerinnen, noch bis 18.8., Mo–Fr 12–20 Uhr, Sa + So 10–18 Uhr
Wann: Samstag, den 9.4., 15–20 Uhr
Wo: Art Dock, Hohlstrasse 258–260, Zürich

Private View

Schon vor dem Eingang wird klar, dass es um Frauen geht (ein Werk von Lilian Hasler).                     Fotos: Ewa Hess

Als Bice Curiger später die Eröffnungsrede der Ausstellung «Frauenpower» hält und den Chef des Art Docks, Ralph Bänziger, einen «grossen bärtigen Feministen» nennt, gibt es Gelächter. «Ich bin doch ein Macho», korrigiert der 75-jährige Architekt, dessen unermüdliches Engagement den Ort überhaupt möglich macht und dem so viele Getreue an diesem Nachmittag gefolgt sind, um die lokale Kunst zu feiern. Diesmal ganz im Zeichen des XX-Chromosoms.

Ralph Bänziger hält die Büste von Helen Dahm hoch, Bice Curiger spricht über «Frauenpower»

Ralph Bänziger hält die Büste von Helen Dahm hoch, Bice Curiger spricht über «Frauenpower»

Kürzlich hat ja die «New York Times» die Xenix-Bar zur hipsten Bar Zürichs erklärt (Kollegin Meier hat auf Watson.ch berichtet). Art Dock müsste in der gleichen Logik zur coolsten Galerie der Stadt proklamiert werden, da es sich dabei ebenfalls um eine authentisch ungezähmte Stätte der Urbanität handelt, die sich dem Diktat der neoliberalen Stromlinienförmigkeit komplett entzieht.

Art Dock

Authentisch ungezähmt: ein Zuhause der Zürcher Kunst am Fuss des Prime Tower

Als Erstes treffe ich den Kultfotografen Willi Spiller. Er blickt in den langen schmalen Raum im hintersten Raum der Halle, wohin die von den Art-Dock-Aktivisten Fritz Billeter und Ralph Bänziger geretteten Nachlässe des Zürcher Bildhauer-Paars Otto Müller und Trudi Demut für die Zeit der Wechselausstellung hingeschoben worden sind. Es sieht fantastisch aus – die grossen und kleinen Müller-Köpfe so eng aneinandergestellt, der grosse geheimnisvolle Raum voller Kunst.

Vernissagenbesucher Manon (ganz links mit brille), Willi Spiller (vor einem Bild von Chantal Wicki) und ein Werk von XY

Vernissagenbesucherin Manon (ganz links mit Brille), Fotograf Willi Spiller und ein Werk von Marlyse Brunner.

«Stell dir vor», sagt Willi, «ohne Art Dock wäre das alles vielleicht im Hagenholz gelandet» (das ist die grosse Zürcher Kehrichtverbrennungsanlage). Tatsächlich gilt offensichtlich in Zürich nicht anders als anderswo die Maxime, dass keiner im eigenen Einzugsgebiet für einen Propheten gehalten werden kann. Und anlässlich der aktuellen Schau zeigt sich: vor allem keinE für eine Prophetin.

Objekte von XY, Vernissagengäste, der «Schienensaal»

Objekte von Barbara Roth, Vernissagengäste, der «Schienensaal»

Weil, meine Damen und Herren, schliesslich schreiben wir das Jahr 2016, und die Sache mit der Frauenemanzipation ist eigentlich längst gegessen. Und doch, wie will man es sich erklären, dass hier im wilden Art Dock, zwischen den rostigen Schienen und der grossen Baugrube des vielleicht bald schon hier stehenden Justiz- und Polizeizentrums ein Kontinent an Zürcher Frauenkunst wie aus dem Nichts auftaucht? Wieso erst jetzt?

Werke von Jenny Losinger-Ferri (links), Noomi Gantert (Mitte) und Barbara Hée

Werke von Jenny Losinger-Ferri (links), Noomi Gantert (Mitte) und Barbara Hée

Es kommt einem ein bisschen vor wie an dieser Biennale Venedig, als Harald Szeemann die ganzen Chinesen aus dem Ärmel geschüttelt hatte und alle staunten: Wo kommt denn das alles plötzlich her? (Es kam aus der Sammlung Sigg, weiss man jetzt, aber das tut hier nichts zur Sache). Meine Damen, was gab und gibt es in Zürich für tolle Künstlerinnen!

Der Nachlass von Otto Müller, links eine büste vom Schriftsteller Paul Nizon

Der Nachlass von Otto Müller, rechts eine Büste vom Schriftsteller Paul Nizon

Allein die Bildhauerinnen füllen Bände: Nebst der Quasi-Hausherrin hier, also Trudi Demut, noch Annemie Fontana, Marianne Olsen, Rosa Studer-Koch, Irene von Moos, Nelly Bär, Ellen Weyl-Bär, Isabelle Waldberg-Farner, Hermana Mörach-Sjövall, Alice Schenk, Liliane Csuka … Brauchen Sie mehr Namen? Es gibt mehr. Die Ausstellung im Art Dock sollte flugs zur Schulpflicht erklärt werden.

Otto Müllers Nachlass schaut vom Rande zu, Svelana Hanselmanns malerische Installation über den alten Schienen

Otto Müllers Nachlass schaut vom Rande zu, Svetlana Hansemanns malerische Installation über den alten Schienen.

Gut, der Name «Frauenpower» ist … wie soll man sagen … ein bisschen antiquiert? Die Organisatoren selber hadern etwas damit. Denn «Frauenpower», das klingt nach einem esoterischen Feminismus der ersten Stunde und entlockt, wie Isolde Schaad in einem schönen Einführungstext schreibt, der jüngeren Frauengeneration höchstens ein breites Gähnen. Frauenpower ist heute etwas, das nicht mehr schwesterlich zur Parole erklärt werden muss, das gibt es ganz selbstverständlich, und die jüngeren Künstlerinnen würden niemals unter einer «Frauenkunst»-Flagge antreten wollen. Jede ist ein Individuum «in her own right».

WErke von Helen Dahm, Klaudia Schifferli und Marion Strunk

Werke von Helen Dahm, Klaudia Schifferli und Marion Strunk

Aber, wie Bice Curiger am Schluss ganz richtig sagt, das Wort mag veraltet wirken, die Ausstellung (2500 Quadratmeter!) tut es nicht. Und der Name passt. Aus diesen 144 Kojen strahlt einem eine Schaffenskraft entgegen, die zum grossen Teil noch unbekannt und auch unerforscht geblieben ist. Darum ist die Ausstellung auch eine «Grundlage für kommende Forschung», wie Bice Curiger es in ihrer ruhigen Art schon mal ankündigt.

Art-Dock-Präsident Fritz Billeter, Skulpturen von Sieglinde Wittwer, die beliebten Würste

Art-Dock-Präsident Fritz Billeter (Mitte), Skulpturen von Sieglinde Wittwer, rechts die beliebten Würste.

Da ist also die grosse Helen Dahm «als Anker». Die erste Frau, die den Zürcher Kunstpreis bekommen hat. Dann kommen eben die vielen Bildhauerinnen, von denen einige Schülerinnen der grossen Französin Germaine Richier sind. Richier, die in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt einer internationalen Wiederanerkennung steht, war ja mit dem Zürcher Bildhauer Otto Bänninger verheiratet war und hat sich auch um die Ausbildung in Zürich verdient gemacht.

«Faces» von Garance

Wandfüllend: «Faces» von Garance

Dann alle die «Konkretinnen», also die Damen, die im Schatten der Zürcher Konkreten Bill, Graeser, Lohse standen und erst jetzt mit ihrer ganzen der Strenge dieser Kunstrichtung abgerungenen Verspieltheit wiedererstrahlen: Nebst der schon zu Ausstellungsehren gekommenen Verena Loewensberg auch noch Nelly Rudin, Jenny Losinger-Ferri, Elena Lux-Marx, Hey Heussler oder Elsie Wyss. Und viele weitere!

Einblick in die Künstlerinnen-Kojen, der Hausherr Ralph Bänziger

Einblick in die Künstlerinnen-Kojen (links Werke von Edith Schindler, rechts Helen Dahm), Hausherr Ralph Bänziger

Auch Einzelpositionen wie Hanny Fries dürfen nicht vergessen werden. Und dann die ganze Fraktion der «electric bodies» (Bice Curiger nach Klaus Theweleit). Also Manon, Heidi Bucher, oder Ella Lanz. Die jüngsten wie Judith Albert, Kathrin Freisager oder Ursina Gabriela Roesch (sie hat die Ausstellung auch kuratiert). Entdeckungen wie Garance oder Textilkünstlerinnen wie Lissy Funk oder Elsi Giauque.

Gut besuchte Vernissage hört dem Spiritus Rector Ralph Bänziger zu, der laut eigener Aussage «Dure bi rot» auftritt

Gut besuchte Vernissage, man hört dem Spiritus Rector Ralph Bänziger zu, der laut eigener Aussage «Dure bi rot» auftritt.

Die Vernissage ist schon mal sehr gut besucht, und es zeigt sich, dass ein weiter zurückliegendes Geburtsdatum auch eine Gnade sein kann. Obwohl – oder gerade weil – Weiss die vorherrschende Haarfarbe der Vernissagenbesucher ist, wirkt das Zusammentreffen der Unentwegten der Zürcher Kunst genauso elektrisch wie das Erwachen der von Geschlechtszwang befreiten Körper in der «Transformer»-Ausstellung von Jean-Christophe Ammann von 1974, welche die Vernissagenrednerin in diesem Zusammenhang erwähnt. Diese Menschen haben in ihren Leben einiges erprobt und viel gewagt. Die Gegenwart mit ihrer multimedial zerstückelten Aufmerksamkeit hat für einmal ein Nachsehen. Man gönnt sich eine Bratwurst, ein Gläschen Weisswein, und gibt sich der intensiv materiellen Ausstrahlung der real anwesenden Werke hin.

Uuthentisch ungezähmt: Art Dock in Zürich West

Ein urbanes Biotop: Art Dock in Zürich West. Die Nutzungserlaubnis läuft im August ab.

Die Zukunft allerdings, die Zukunft … Die macht den Betreibern von Art Dock doch etwas Sorgen, wenn sie sie auch wegzulachen versuchen. Denn die Frist der Nutzung läuft im August ab. Sollte das etwa die letzte Ausstellung hier werden? Ralph Bänziger, der überall gleichzeitig anwesende Spiritus Rector mit Polterstimme, ruft am Schluss noch scherzhaft zu einer Demo bis vors Stadthaus auf.

Denn Art Dock darbt, hat kein Geld und keine Aussicht auf Besserung, Präsident Fritz Billeter fasst die Bilanz folgendermassen zusammen: Die letzte, von der Kritik bejubelte Ausstellung «Wahnwelten» habe bei Art Dock mit 40 Rappen pro Eintritt zu Buche geschlagen (und mit vier verkauften Bratwürsten pro Kopf). Der Eintritt wird nämlich ohne Kontrolle erhoben, man soll die 15 Franken in eine Urne am Eingang reinwerfen. Macht offensichtlich nicht jeder. Von der Stadt, die jetzt gerade Millionen in die Dada-Feier und die Manifesta investiert, habe man exakt 4000 Franken Unterstützung bekommen.

Freiwillige Hilfskräfte in der Buvette, Blick in den Magma-Dock

Freiwillige Hilfskräfte in der Buvette, Blick in den Magma-Dock

Wirkungsvoller als eine Pfefferspray-Demo (obwohl manche ergraute Ex-Kombattanten gar nicht so abgeneigt zu sein scheinen und die Nüstern wie Schlachtrösser blähen) wäre vielleicht wirklich eine Erwähnung in der «New York Times». Oder im «Economist»? Das sind Organe, die im Stadthaus ernst genommen werden. Man müsste die Sache vielleicht an die Hand nehmen.

 

 

Im Bett mit Pipilotti

Claudia Schmid am Dienstag den 1. März 2016

Becker will nicht. Der Kunsthausdirektor will sich partout nicht fotografieren lassen. «Ich bin nicht der Protagonist hier, suchen Sie die Künstlerin», sagt Christoph Becker und lacht. Vielleicht ist er auch etwas fotomüde, weil im Kunsthaus gerade ein Anlass den anderen jagt: eben noch Dada-Kostümball. Und jetzt, zwei Wochen später, das Opening der grossen Pipilotti-Rist-Ausstellung. Die Menschen strömen ins Haus, die Vernissage gerät zum glorreichen Heimspiel für die in Zürich wohnhafte Künstlerin und das Museum.

Was: Pipilotti Rist, «Dein Speichel ist mein Taucheranzug im Ozean des Schmerzes»
Wo: Kunsthaus Zürich
Wann: Vernissage am Donnerstag, dem 25. Februar 2016, Ausstellung bis 8. Mai

Bilder, die man nicht vegisst: Pipilottis Kunsthaus-Zauber

Bilder, die man nicht vergisst: Pipilottis Zauberlandschaften. Fotos: C. Minjolle/Kunsthaus

Es sind mehrere Hundert Menschen, die der weltberühmten Rheintalerin am Donnerstag die Ehre erweisen. Der Vortragssaal, wo Kuratorin Mirjam Varadinis die Einführungsrede hält, ist schwarz vor lauter Vernissagegästen, es gibt kein Durchkommen, die Luft ist dick, die Stimmung familiär. Kinder toben herum, und es gibt auffallend viele (bunt gekleidete) Frauen.

Kennt sich mit X-Chromosom aus: Brida von Castelberg (links), die Architektin Tila Theus mit Neffe Nico und seiner Frau Gabriela, Rists Galerist, Executive Director von Hauser Wirth James Koch

Kennt sich mit X-Chromosomen aus: Brida von Castelberg (links), die Architektin Tila Theus mit Neffe Nico und seiner Frau Gabriela sowie Rists Galerist, Hauser & Wirths James Koch (Mitte), Künstler Costa Vece mit Angelika Bühler (Fondation Beyeler). Fotos: Claudia Schmid

Das hat wohl unter anderem auch damit zu tun, dass Pipilotti Rist viele (bunt gekleidete) Weggefährtinnen hat, die sie bei der Ausstellung unterstützt haben. Etwa Gynäkologin Brida von Castelberg, die im glossarartigen Katalog zur Ausstellung über das X-Chromosom sinniert. Rists Schwester Tamara hat die Vorhänge am Eingang genäht, und die vielen Videotechnikerinnen aus dem Team der Künstlerin stellten sicher, dass die zahllosen Videos der Künstlerin aus den letzten 30 Jahren tadellos auf Bildschirme, Textilien und Skulpturen projiziert werden konnten. Natürlich war auch der männliche Kulturbetrieb da. Die Verleger (Lars Müller, Patrick Frey und andere), Autoren wie Martin Suter, Künstler (Huber und Huber, Costa Vece) und Galeristen.

Gäste des Abends: Anne Keller Dubach, die kenntnisreiche head Citizenship & Art beim sponsor Swiss Re mit Schriftsteller Martin Suter und seiner Frau Margrith Nay Suter

Gäste des Abends: Anne Keller Dubach, Head Citizenship & Art des Kunsthaus-Sponsors Swiss Re, mit dem Schriftsteller Martin Suter und seiner Frau Margrith Nay Suter (links), die Künstlerin mit «ihrer» Kunsthaus-Kuratorin Mirjam Varadinis. Schmid/Minjolle

Weil so viele kamen – wir wüssten nicht, wann wir im Kunsthaus mehr Leute gesehen hätten –, konnte man nicht einfach durch die Ausstellung spazieren. Man musste sich den Gang in Pipilottis einzigartiges Zauberland förmlich verdienen – und eine gefühlt endlose Weile anstehen, bis man überhaupt in den Bührle-Saal reinkonnte. Ein paar Gäste gönnen sich erst mal eine Bratwurst am Vorderen Sternen beim Bellevue in der Hoffnung, es möge später leerer werden.

Familiär und ausgelassen: Kinder und Künstlerin wirbeln umher

Familiär und ausgelassen: Kinder und Künstlerin wirbeln umher. Schmid

Die Künstlerin finden wir nicht in der Ausstellung, sondern ganz entspannt am Boden sitzend mit Freunden im Vortragssaal. Oder ist sie am Tanzen? Jedenfalls wirbelt sie wie ein Vögelchen umher. Kaum hat man sie auf einer Treppe ausgemacht, steht sie eine Minute später gegenüber vor dem DJ-Pult, wo DJane Hyde Serge Gainsbourg auflegt. Oder sie tanzt allein mit ihren selbst gemachten Kissen, die sie auf der Schulter trägt – ausgestopfte Hosen und Pullover –, froh und ausgelassen wie ein Kind. «Das sind die günstigsten Kissen zum Selbermachen überhaupt. Zuerst wollten wir sie in der Ausstellung auf den Boden legen, damit man sich darauf die Videos anschauen kann. Allerdings war uns das dann doch ein wenig zu makaber, so einzelne Beine und Oberteile.»

Die Künstlerin mit einer ihrer vielen Freundinnen, der Sängerin Erika Stucky sowie Stuckys Tochter Maxine, tanzend und lachend im Kunsthaus.

Die Künstlerin mit der Sängerin Erika Stucky sowie Stuckys Tochter Maxine (links), tanzend im Vortragssaal. Schmid

Pipi hatte sich für die Ausstellungseröffnung eine Party gewünscht. «Ich möchte, dass wir alle tanzen», war denn auch ihr Wunsch des Abends. «Und ich möchte, dass ihr mir alle erzählt, was ihr in der Ausstellung gearbeitet respektive gesehen habt.»

Zwillingsbrüder und Künstler: Huber Huber (links), Unterhosen-Leuchter, Pixelwald Stimmungen, die man nicht vergisst

Zwillingsbrüder und Künstler: Huber und Huber (links), Rists Unterhosenleuchter, Pixelwald. Schmid

Oh ja, Pipi, wir sahen Bilder, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst: einen fast vollständig abgedunkelten Bührle-Saal, dessen 1400 Quadratmeter fast vollständig ohne Stützen auskommen und so zu neuem Leben erweckt werden. Eine riesige, weiche Wohnlandschaft mit sanfter Musik, in der auf praktisch jedem Gegenstand und Möbel Videos versteckt sind. Und die neuste Arbeit der Künstlerin, einen Pixelwald aus 3000 LED-Leuchten. Man könnte Tage in diesem wohltuenden Kunst-Spa verbringen, ja gar im weichen Bett schlafen, auf dessen Bettwäsche auch eine Arbeit läuft. «Wir haben extra Bettwäsche zum Wechseln gekauft, weil sich die Leute ins Bett legen dürfen», sagte Kuratorin Mirjam Varadinis.

Nicht nur Künstlerin darf sich in ihr Bett legen - die Laken werden gewechselt . Foto L. Huber

Nicht nur die Künstlerin darf sich in ihr Bett legen – die Laken werden gewechselt. Foto L. Huber

Die letzten Monate hat sie mit Pipilotti an der Ausstellung gearbeitet. «Das war schon sehr praktisch und einmalig, mal mit einer Künstlerin zu arbeiten, die ganz in der Nähe wohnt und zu uns herunterkommen kann, wenn es ein Problem gibt.» Rist, die beim Triemli wohnt, ist nämlich erst die zweite lebende Schweizerin in der 110-jährigen Geschichte des Kunsthauses, die eine Einzelausstellung bekommt – nach Verena Loewensberg (und diese ist auch schon eine Weile her, nämlich 1981). Die dritte, Helen Dahm, musste sich 1963 den Raum mit Germaine Richier teilen.

Drei Generationen Schweizer Künstlerinnen: Werke von Verena Loewensberg (1981 im Kunsthaus), Helen Dahm (1963 im Kunsthaus), Pipilotti rist (2016 im Kunsthaus)

Zwei lebende Schweizer Künstlerinnen pro Jahrhundert: Werke von Verena Loewensberg (links, 1981 im Kunsthaus), Helen Dahm (Mitte, 1963 im Kunsthaus), Pipilotti Rist (rechts, 2016 im Kunsthaus)

Um 21 Uhr – zwei Stunden nach der offiziellen Eröffnungsrede – wurden die Gäste aus der Ausstellung hinauskomplimentiert und mit Hörnli und Ghacktem in den Vortragssaal gelockt. In Rists Wahlheimatstadt wird eben nicht lange gefackelt: Wenn das Kunsthaus schliesst, schliesst es eben. Das ist in Ordnung: Diese Ausstellung ist so schön, dass jeder nochmals (zu Randzeiten!) in Ruhe dorthin zurückkehren muss. Und in der Zwischenzeit feiert Pipilotti Rist mit uns ihre Party. Schön ists!

Zürich ist bezaubert - Party time im Kunsthaus. Minjolle

Zürich ist bezaubert – Partytime mit DJane Hyde im Kunsthaus. Minjolle