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Ewa Hess am Montag den 14. April 2014
Der Galerist entfacht Feuer

Der Galerist entfacht Feuer

Die Menschen biegen an diesem Abend um die Ecke und in den Hinterhof an der Zwinglistrasse hinein mit einem kleinen  Lächeln des antizipierten Wiedersehens  im Blick. Es ist wie an Weihnachten nach Hause zu kommen. Klaudia Schifferle, die kleine blonde Heldin von damals, macht bei Stephan Witschi die Honneurs und zeigt ihre neusten Werke.

Witschi, als ehemaliger Schauspieler ein Mann der expressiven Geste, hat die Kreis-4-Stimmung seiner Vernissagen im Griff. Selbst die malerisch überquellenden Mülltonnen spielen ihre Rolle (Requisite der Hinterhof-Romantik). Es gibt Grillwürste, man sitzt an Holztischen, und als sich der Galerist beim Einnachten auf den Boden wirft, um die Finnenkerze mit eigenem Lebensatem zur Flamme zu pusten, schmilzt jede kunsthistorische Arroganz und ertränkt sich fröhlich in der nächststehenden Flasche Turbinenbräu.

Die Gäste gehen zuerst auf einen Sprung in die hell erleuchteten Galerieräume hinein und kommen vergnügt heraus. Keine Frage, die neusten Werke der Schifferle machen Laune. Die Collagen sind eigentlich keine, weil sie nach dem Collagieren peinlichst genau abgemalt wurden. «Ich habe noch nie so lange so genau gemalt», ruft die Künstlerin. Die Collagen stellen Frauen dar – beschäftigte Kreaturen, mit voller Agenda,  mit Hanteln in der Hand oder mit einem Schuh auf dem Kopf.

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Klaudia Schifferles neuste Werke: “Paperdolls”, gemalte Collagen

Als Mitbegründerin der Frauenband Kleenex (1978), die sich dann später in Liliput umbenennen musste, und prominente Teilnehmerin der 1980-Schau «Saus und Braus» im Strauhof Zürich legte Schifferle einen fulminanten Start ihrer Laufbahn hin. Das 25-jährige Energiebündel, dichtend, musizierend, malend, war damals ein wichtiger Mittelpunkt der Szene. 1982 war sie jüngste Teilnehmerin an der documenta 7 in Kassel. Dann wurde es ruhiger um sie. Seit einigen Jahren ist sie wieder da: Mit der Ausstellung «sumsum im universum» im Helmhaus Zürich hat die Künstlerin und Musikerin sie bereits 2010 Einblicke in ihr ruhiger, introvertierter gewordenes Schaffen geboten.

Mit Peter Fischli gemeinsam hat sie damals das Cover zum Katalog der «Saus & Braus»-Schau gestaltet. Fischli ist auch da, die beiden Frontfiguren unterhalten sich lange und ernsthaft neben der Mülltonne. Fischlis Werk gemeinsam mit dem vor einem Jahr verstorbenen David Weiss hat inzwischen die höchsten Weihen der Kunstwelt bekommen, inklusive Retrospektiven in grössten Museen der Welt. Klaudia Schifferle hat den Kunstpreis 2012 der Stadt Zürich bekommen. «Die 1955 in Zürich-Schwamendingen geborene Schifferle wird für ihr «in Zürich gewachsenes und mit Zürich verbundenes Gesamtwerk» ausgezeichnet» hiess es damals in der Pressemitteilung.

Eine Diskrepanz, die keine ist. Denn an diesem warmen Vorfrühlingsabend ist man eine Familie. Die Reporterin Barbara Bührer, der Schauspieler Andrea Zogg, die Bühnenbildnerin Madlaina Fischli, die Kunsthistorikerin Laurence Frey, der Regisseur Christian von Castelberg, der Fotograf Willi Spiller, der ETH-Kurator Paul Tanner, die Sammler Regula und Ruedi Bechtler, viele sind da und einige kaufen ganze Serien der Collagen (60×30 cm, je 5500 Franken). So soll es sein, so ist es gut, Sumsum im Universum.

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Willi Spiller und Tina, Stephan Witschi und die Künstlerin Klaudia Schifferle. Foto: ewh

«Nachtwächterin» Barbara Bürer und Schauspieler Andrea Zogg

«Nachtwächterin» Barbara Bürer und Schauspieler Andrea Zogg

Frontfiguren: Peter Fischli und Klaudia Schifferle

Frontfiguren: Peter Fischli und Klaudia Schifferle