Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jamie Cameron’

Totems und Module

Ewa Hess am Montag den 7. April 2014

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Unterwegs zur neuen Ausstellung von Joe Bradley (im Tram Nr. 17) fährt die Frage mit: Was wird es diesmal sein? Denn – Picasso lässt grüssen – Bradley malt immer wie ein anderer Künstler. Die Galeristin Eva Presenhuber zeigt «SS Potlicker And Friends» in der grossen Halle ihrer Galerie im Maag-Gebäude. Sie hat noch kleinere Räume im Löwenbräu, doch gewisse Künstler mögen den grossen Raum besser. Den zu bespielen hat etwas Heroisches an sich. Dieser «Bigger than life»-Raum braucht grosse Kunst.  Es wäre fatal, wenn sich «gross» nur in der Dimension, nicht aber im geistigen Format offenbarte.

“SS-Potlicker”: Was für ein Titel! Seine Bedeutung entzieht sich der Ratio und der Künstler macht uns nicht einmal an der Eröffnung den Gefallen, irgendetwas zu erklären. Ist  auch besser so, denn Künstler, die stundenlang im Kuratoren-Jargon über ihre Kunstwerke schwadronieren, sind schwer ernst zu nehmen.  Die Bilder selbst treffen aber in die Magengrube. Ich weiss nicht, ob sich das aus den Abbildungen hier erschliesst, aber sie haben eine direkt unheimliche Ausstrahlung. Bradley hat sie in seinem Atelier Upstate New York mit einem Roller, wie man ihn zum Streichen der Wände  braucht, auf die am Boden ausgelegte Leinwand gestrichen und in der Rolle transportiert. Erst in Zürich wurden sie in der Galerie auf die Rahmen gespannt, unter der Aufsicht des Zeremonienmeisters Bradley. Seine früheren Bilder, vor allem in der vorhergehenden Ausstellung bei Eva Presenhuber, waren figurativ, sentimental, zuweilen auch aggressiv. Man kann nicht sagen, dass all das in den neuen geometrischen Totems abwesend wäre. Diese «Checker» mit ihrem mir-nichts-dir-nichts Schachbrett-Muster haben es faustdick hinter den Ohren. Vor allem der mit der gelben oberen rechten Ecke. Ist das vielleicht der ominöse SS-Potlicker (SS-Hungerleider) des Ausstellungstitels? Polkes höhere Wesen lassen grüssen.

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Der Auktionator Simon de Pury kommt spät mit seiner grossgewachsenen Frau Michaela Neumeister. Sie trägt Netzstrümpfe in Farbe nude und silberfarbene Pumps – die Frau von Mars! Als de Pury noch Philips war, tauschten unter seiner kundigen Anleitung einige Bradleys die Hand, zu Preisen, die in ihrer Höhe angenehm überraschten. Die Bilder in der Ausstellung kosten zwischen 9000 Dollar für kleine Werke auf Papier bis zu 175000 Dollar für die grossen Totems in der Haupthalle. Einige wurden schon an der Vernissage Sammlern versprochen.

De Pury ist in Stimmung  und erzählt am Dinner nach der Vernissage (Zürich 5, Lokal namens Times) über sein Leben nach dem Ausstieg aus dem Geschäftsleben (Philips heisst nicht mehr Philips de Pury). Beatrix Ruf (Kunsthalle Zürich) kommt mit Künstler Jamie Cameron, sie unterhält sich mit Paul Tanner von der grafischen Sammlung der ETH. Es stellt sich heraus, dass sowohl de Pury wie Jamie Cameron gern als DJ unterwegs sind. Als de Pury erzählt, wie er einst einen Maybach versteigert hat, den Jay Z und Kanye West für ein Video zu Schrott gefahren haben, hört der ganze Tisch zu. Ausser Peter Fischli und dem Star des Abends Joe Bradley, die tief in einem Fachgespräch stecken  – die Werke der beiden Künstler gründen  tief, um auf eine (scheinbar!) schnell lesbare Formel zu kommen. Es ist einer der ersten lauen Abende des Jahres und zur späten Stunde sitzt man in Decken gewickelt vor dem Lokal. Einer nach dem anderen gehen die Gäste, zurück in ihre Hotels und Wohnungen. Adieu, good bye, winkt man –  eine instant Familie bricht auseinander.

 

Simon de Pury und Michaela Neumeister

Simon de Pury und Michaela Neumeister

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Joe Bradley (links) im Gespräch mit Peter Fischli

 

Beatrix Ruf und Jamie Cameron

Beatrix Ruf und Jamie Cameron

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Eva Presenhuber hält eine Rede, vorne Galerist Gavin Brown

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Gertraud Presenhuber  und Alex Ritter (Kunstabteilung der Stadt Zürich) vor dem Lokal nach dem Dinner