Beiträge mit dem Schlagwort ‘Heidi Bucher’

«No english, no english!»

Blog-Redaktion am Mittwoch den 12. Oktober 2016

Die Frieze Art Fair in London, heuer im 13. Jahr, war immer die widerborstigere, intellektuelle Schwester der Art Basel (meine These). Erstens, weil die Engländer unter alles, was sie sagen oder tun, einen doppelten Boden legen – somit auch unter das Treiben am Kunstmarkt.

Und zweitens, weil die Messe aus dem Schoss von Kunstmenschen stammt, den Uni-Oxford-gebildeten Gründern des Kunstmagazins «Frieze» (nämlich den 2014 zurückgetretenen Amanda Sharp und Matthew Slotover), und nicht von Businessmenschen. Die Kunsties hoben das Messeformat mit ambitiösen Auftragsprojekten auf ein neues Level. Sie verleihen ihr «Edgyness».

Auch eine Neuauflage: Portia Munsons «Pink Project: Table» (1994/2016) an der diesjährigen Frieze in London. Munson zeigte das Werk zum ersten Mal 1994 an der legendären «Bad Girls»-Ausstellung. Foto: Andy Rain (Reuters)

Auch eine Neuauflage: Portia Munsons «Pink Project: Table» (1994/2016) an der diesjährigen Frieze in London. Munson zeigte das Werk zum ersten Mal 1994 an der legendären «Bad Girls»-Ausstellung. Foto: Andy Rain (Reuters)

Was: Kunstmessen Frieze und Frieze Masters
Wo: Regent’s Park, London
Wann: 6. bis 9. Oktober 2016

Frieze London: Sammler in Sneakers, Urs Fischers (mitte) und Picasso bei Helly Nahmad

Frieze London: Sammler in Sneakers, Urs Fischers verstörende Porträts (Mitte) und Picasso bei Helly Nahmad.

Aus der Anfangszeit bleibt mir in Erinnerung, wie ich in einer von Kultdesigner Peter Saville geführten Gruppe durch die Messekojen gelenkt wurde, als wären wir eine Vögele-Reisegruppe. Ästhetik-Guru Saville steuerte zielsicher Galeristen an und befragte die Verblüfften nach dem Einfluss ihres Outfits auf die Geschäfte. Ein anderes Mal versuchte Christian Jankowski eine 65-Meter-Superjacht mit einem Aufschlagpreis von 10 Millionen Pfund, wenn sie mit einem Kunstzertifikat erworben wurde, an den Mann zu bringen. (Der Versuch misslang; so blöd sind Supersammler nicht.)

Dieses Jahr drang Subversives noch  stärker durch die Ritzen der goldenen Kunstmarktkulissen. Das heisst, wenn man sich die Musse für die «Projects» (dieses Jahr kuratiert von Migros-Museum-Mann Raphael Gygax) und Live-Performances nehmen konnte – und nicht wie der Sammler in seinen kanarienfarbigen Sneakers auf der Pirsch nach käuflicher Kunst von Stand zu Stand hetzte.

kreativität der Klo-Ladys: Toiletteninstallation von Julie Verhoeven (links und Mitte), virtuelle Realität von Jon Rafman

Kreativität der Klo-Ladys: Toiletteninstallation von Julie Verhoeven (links und Mitte), virtuelle Realität von Jon Rafman.

Im inneren Eingangsbereich und im Gartencafé bemerkte ich deshalb dunkelhäutige «Verkäufer», die auf einem Tüchlein auf dem Boden gefälschte Louis-Vuitton-Taschen feilboten, eine Aktion des britisch-norwegischen Duos Ali Eisa und Sebastian Lloyd Rees. «No english, no english» antwortete mir einer der Verkäufer auf meine scherzhafte Frage, ob so ein Stück zu kaufen sei.

Das bunte Treiben setzte sich fort in den Toiletten, die Julie Verhoeven in eine durchgeknallte Bühne der sonst übersehenen, aber offenbar genauso kreativen Toilettenaufseherinnen umgemünzt hat – samt formschönen Stoffnachbildungen von Exkrementen, fantasievollen Tampon-Arrangements und bunten WC-Papierrollen. Ist nicht jeder ein Künstler, also auch die Toilettenaufseherin der Frieze? Der Parcours durch die Gegenwelt der Kunstmesse kulminierte in Sibylle Bergs und Claus Richters dystopischem Theater «Wonderland Ave»: In einer modularen Wohnbox sah und hörte man roboterhafte Maschinen sprechen, die die Kontrolle über Menschen gewonnen haben. Spitzenmässige Performance.

Algorithmen und Roboter beherrschen den Menschen in der dystopischen Vision von Sybille Berg & Claus Richter, «Wonderland Ave», 2016 /links und Mitte), Eichard Billinghams Familienfotos

Algorithmen und Roboter beherrschen den Menschen in der dystopischen
Vision von Sibylle Berg & Claus Richter, «Wonderland Ave», 2016 (links und Mitte), Richard Billinghams Familienfotos.

Die digitale Welt hatte einen auch an den Kojen im Griff. Am Stand der Seventeen Gallery konnte man sich auf einer aus Metallelementen geformten Schlange niederlassen und sich eines dieser seltsam unförmigen Brillengestelle ins Gesicht setzen. Es stellte sich als Oculus Rift Headset von Amazon heraus, und es entführte in das rätselhafte Paralleluniversum des Kanadiers Jon Rafman.

Nicht weit davon war eine Art Go-go-Tanz-Plattform postiert, wo sich ein junger, bärtiger und sehr gut gebauter Mann im glänzend-silbernen Höschen vielversprechend vor dem Publikum produzierte. Allerdings nicht körperlich, sondern verbal: Der ägyptische Künstler Mahmoud Khaled rang sichtlich verzweifelt um Erklärungen, was die «neue Kunst von heute» in einer zunehmend gewaltdurchtränkten Gegenwart denn eigentlich sei.

Was ist Kunst? Was ist Kunst in Zeiten der Gewalt? ... fragt der ägytische Künstler hier. Mahmoud Khaled, Untitled (Go-go Dancing Platform) Speak, 2016, vor dem Eingan steht eine lange Besucherschlange

«Was ist Kunst? Was ist Kunst in Zeiten der Gewalt?», fragt der ägyptische Künstler hier. Mahmoud Khaled, Untitled (Go-go Dancing Platform) Speaks, 2016, vor dem Eingang der Messe steht eine lange Besucherschlange (rechts).

Bei Krisen empfiehlt sich bekanntlich ein Blick in die Vergangenheit, und so ist es kaum erstaunlich, dass seit einiger Zeit die Kunst der 60er- bis 90er-Jahre wieder evaluiert wird. Dazu kuratierte Nicolas Trembley eine Spezialsektion mit elf Galerien, die wegweisende Ausstellungen aus den 90er-Jahren wieder inszenierten. Das funktionierte wie in einer Zeitmaschine, und unversehens fand man sich in der ersten Soloshow von Wolfgang Tillmans in der Galerie Bucholz & Buchholz aus dem Jahr 1993 wieder, in der intime Bilder von Freunden auf Beifälligkeiten und unscheinbare Alltagsbilder stiessen; oder vor den Fotografien des desolaten Elternhauses des britischen Fotografen Richard Billingham bei Anthony Reynolds.

«The Nineties» – ach! Was waren das noch für Zeiten, als sich Künstler, ohne Superstudios und Superproduktionen, an der Realität rieben und in den Privatwohnungen ihrer Galeristen ausstellten!

9.Blick zurück in Nostalgie in der Spezialsektion «The Nineties», kuratiert von Nicholas Trembley: Wiederinszenierung von Wolfgang Tillmans Solo-Show aus dem Jahr 1993 (links), Tillmans im Talk, Tate-direktor Serota im Gespräch mit florian Berktold von Hauser & Wirth

Blick zurück in der Spezialsektion «The Nineties», kuratiert von Nicolas Trembley: Wiederinszenierung von Wolfgang Tillmans Soloshow aus dem Jahr 1993 (links), Tillmans im Talk (Mitte), Tate-Direktor Serota im Gespräch mit Florian Berktold von Hauser & Wirth.

Aber bekanntlich gehts bei Kunst auch um Transzendenz, und dafür bot die Parallelmesse Frieze Masters, eine eklektische Schatzkammer voller Preziosen von der Antike bis in die Gegenwart, Hand.

In das Angebot, das von Kunst vom Spätneolithikum über römische Marmorskulpturen bis zu megalomanen Picasso-Werken (bei Helly Nahmad) und James Rosenquist (Thaddaeus Ropac) und Sigmar Polke (Zwirner) reicht, fügten sich die Latex-Abzüge von Innenräumen der wiederentdeckten Schweizerin Heidi Bucher (bei Jean-Claude Freymond-Guth, neuerdings aus Basel) erstaunlich gut. Auffallend viele Kabinette und Wunderkammern begegneten mir, schon seit geraumer Zeit der Flavour of the Season. Tiepolo neben Georg Baselitz, William Blake neben Mariano Fortuny, Lucien Freud neben Goya und Ingres – das sprüht Funken!

Jäger und Sammler an der Frieze Masters: Am Stand von Hauser & wirth unter einem Arrangement von Werken von Francis Picabia bei Hauser & Wirth & Moretti

Jäger und Sammler an der Frieze Masters: Am Stand von Hauser & Wirth & Moretti unter einem Arrangement von Werken von Francis Picabia.

Bei Hauser & Wirth, der den Stand (zusammen mit Altmeister-Händler Moretti) in die Form eines Sammlerapartments goss, hingen florentinische Meister neben Picabia, Picasso neben Dieter Roth, Marlene Dumas neben Alexander Calder. Gemessen am Besucheransturm am VIP-Tag war der Stand ein Grosserfolg, und man sah Nicholas Serota, das Über-Ego der Tate, mit Florian Berktold smalltalken, derweil sich auf dem Sofa unter einem schönen Arrangement von Francis-Picabia-Werken Sammler wie der deutsche Flick-Erbe Christian «Mick» Flick ausruhten.

Der «wilde» Hauser & Wirth-Stand mit Skulpturen von Louise bourgeois, Hans Josephsohn und Paul McCarthy

Der «wilde» Hauser-&-Wirth-Stand mit Skulpturen von Louise Bourgeois, Hans Josephsohn und Paul McCarthy.

In witziger Entsprechung zum edlen Sammlersalon übrigens liess die global arbeitende Schweizer Galerie an der zeitgenössischen Frieze den Stand in die Messie-Höhle eines imaginären Künstlers verwandeln. Leere Bierflaschen neben millionenschweren Skulpturen von Louise Bourgeois und Paul McCarthy, an die Wand gepinnt Postkarten von Queen Elizabeth und Prince Charles neben Gemälden von Christopher Orr. Dazwischen standen dicht an dicht potenzielle Käufer.

Die Atmosphäre glich der eines Schlussverkaufs.

DSC_897700* Gastautorin Brigitte Ulmer lebt als freischaffende Kunst- und Kulturjournalistin in London und Zürich. Für die «Bilanz» berichtet sie über Kunst und verantwortet das jährliche Künstlerrating. Für Private View berichtet sie fortan regelmässig aus London. (Bild: Gian Franco Castelberg)

#Bebbimegalife

Claudia Schmid am Mittwoch den 29. Juni 2016

Ist es ein schlechtes Zeichen für Zürich? Mehrere dynamische Junggalerien und Galerien wechseln nach Basel. Am Rande der Art Basel gab zu reden, dass Jean-Claude Freymond-Guth die Stadt gewechselt hat. Denn er hat mit seinem intelligenten Programm im Löwenbräu in Zürich wichtige Akzente gesetzt (Private View berichtete hier). Mit seiner ersten Ausstellung in Basel hat er auch sofort den Vogel abgeschossen: Hannah Weinberger, die eine Einzelausstellung in den neuen geheimnisvollen Herzog-&-de-Meuron-Räumen des heimkehrenden «Bebbi» Freymond-Guth hat, bekommt kurz nach der Vernissage den mit 20’000 Franken dotierten Kunstpreis der Schweizer Guggenheim-Stiftung (zum Preis gehört auch ein Finanzierungsbeitrag an eine spätere Ausstellung). Glückwunsch, hier geht es erst mal zum Vernissagenbericht unserer Basler Korrespondentin Claudia Schmid:

Zum gigantischen Galerienraum geht es hinunter: Die Galerietreppe und der Galerielift, mit Jean-Claude Freymond-Guth und der Designerin Julie Egli

Zum gigantischen Galerienraum geht es hinunter: Die Galerietreppe und der Galerielift, mit Jean-Claude Freymond-Guth und der Designerin Julie Egli.

Was: Previewtage der neuen Galerie Freymond-Guth & Eröffnung der Ausstellung «On seen» von Hannah Weinberger
Wann: Samstag 4. Juni, und Sonntag, 12. Juni 2016
Wo: Riehenstrasse 90 B (im Innenhof), Basel

Jean-Claude Freymond-Guth führt ein #Bebbimegalife. So heisst einer seiner lustigen Hashtags, den er auf Facebook beim Posten von Bildern seiner neuen Galerie benutzt. Wir finden den Ausdruck treffend, denn er sagt in einem Wort, worum es hier geht: Der Galerist, ursprünglich ein «Basler Bebbi», ist in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Und dort ist es gerade mega. Denn der 37-Jährige lebt und arbeitet wieder in der Rheinstadt – in einer neu gebauten Galerie. Im gleichen Komplex befindet sich auch seine Wohnung.

Hannah Weinbergs Installation: Ein Spiel mit Reflexionen, Klängen, Bildern

Hannah Weinbergs Installation: Ein Spiel mit Reflexionen, Klängen, Bildern.

Nach Jahren in Zürich, zuletzt als Mieter im Zürcher Löwenbräuareal, entschied sich Freymond-Guth, auf Basel zu setzen. «Basel ist im Moment gerade einzigartig, was die Mischung aus Freiraum, Do-it-yourself, Hochkultur und Dynamik angeht.» In Zürich-West, wo sich das Löwenbräu befindet, war zuletzt «alles ziemlich kühl und durchgedacht. Es leben ja fast nur noch Expats dort.» Freymond-Guth ist nicht der Einzige, der die Museumsstadt Basel als Galerienstadt wiederentdeckt. Auch die Zürcher Oskar Weiss und Oliver Falk erhoffen sich etwas vom Rheinknie. Seit diesem Frühjahr betreiben sie an der Rheingasse die Galerie Weiss Falk.

Einblicke in die von Herzog & de Meuron entworfenen Räume. Links «On see» von Weinberger, rechts der Showroom mit Werken von Heide Bucher und anderen

Einblicke in die von Herzog & de Meuron entworfenen Räume. Links «On seen» von Weinberger, rechts der Showroom mit Werken von Heidi Bucher und anderen Künstlern der Galerie.

Im Fall von Freymond-Guths neuem Standort handelte es sich um ein Angebot, das er nicht ausschlagen konnte: Umgebaut von Herzog & de Meuron, birgt das architektonische Kleinod in den ehemaligen Räumlichkeiten des Basler Denkmalpflege-Archivs eine turnhallengrosse Ausstellungsfläche (850 Quadratmeter!). Aber eben nicht am Tageslicht, sondern im Keller. Den Untergrund muss man sich erst mal erobern – mittels einer steilen Wendeltreppe, die 41 Stufen nach unten führt. Unten Bunker-, oben Bungalow-Feeling. Ein kraftvoller Mix, der begeistert.

Location, location. location: Grad hinter der Messe Basel gelegen, wurde Jean-Claude Freymond-Guths «boîte magique» zum beliebten Treffpunkt der Messe

Location, location, location: Unweit der Messe Basel gelegen, wurde Jean-Claude Freymond-Guths «boîte magique» zum beliebten Treffpunkt der Messe.

Zudem liegt das neue Domizil von «Freymond-Guth Ltd. Fine Arts Depuis 1788» – so der stilvolle Claim der Galerie – nur wenige Meter hinter der Messe Basel. Eine bessere Position während der Art Basel gibt es nicht. Und eine friedlichere Aussicht auch kaum: Die Galerie liegt am Rande eines blühenden Gemeinschaftsgartens mitten in einer Siedlung. Die gestressten Messebesucher kamen in Scharen, und man wusste nicht recht, ob sie hingebungsvoller die Kunst verschlangen oder einfach nur ins Grüne schauten.

Friedliche Aussicht ins quartier: Ins Grüne schauen aus der Box heraus

Friedliche Aussicht ins Quartier: Ins Grüne schauen und Oranges trinken in der Box.

Der Eingangsraum besticht durch eine offene Front; die wie ein Riesenfenster wirkt. Man setzt sich in den «Rahmen» und ist gut drauf. Auf dieser Ebene gibt es auch eine Bar, Transportkisten als Hocker, dahinter das grosszügige Büro der Galerie mit Innenhof, daran schliesst sich die private Wohnung von Freymond-Guth an.

Künstlerin Hannah Weinberger (links) und die vielen Besucher ihrer Vernissage

Künstlerin Hannah Weinberger (links) und die vielen Besucher ihrer Vernissage.

Von aussen würde man niemals drauf kommen, dass sich im Untergeschoss eine Galerie versteckt. Eine Boîte Magique sei das, sagt Freymond-Guth, der die letzten Tage Freunde und Bekannte in sein neues Paradies eingeladen hat. Alle kamen vorbei: viele junge Künstler, darunter Pedro Wirz oder Johannes Willi, Galeristen wie Giangi Fonti mit Heike Munder und Familie, Leute von Herzog & de Meuron, darunter Senior Partner Ascan Mergenthaler, oder Liste-Chef Peter Bläuler. Es war ein toller Friends-and-Family-Anlass mit vielen schreienden Kindern und Babys.

Vernissagegäste: Roger Meier (Neutral Innovation), XY von xy, Giangi Fonti, Galerist aus Neapel

Vernissagegäste: Roger Meier (Neutral Innovation), Kiki Seiler vom Kunstraum Riehen, Giangi Fonti, Galerist aus Neapel und Partner der Migros-Museum-Chefin Heike Munder.

Eine Wendeltreppe führt nach unten (für Faule gibts auch einen Warenlift), dort beginnt der Kunstparcours von Hannah Weinberger. Die in Basel lebende Künstlerin hat mit «On seen» eine perfekt auf die Räumlichkeiten abgestimmte Video- und Audioinstallation geschaffen – es ist die bislang grösste Ausstellung der omnipräsenten Senkrechtstarterin (sie steigt auf der «Bilanz»-Künstlerliste direkt auf Platz 38 ein). Ihre Filme, auf denen schwimmende Quallen, Seifenblasen, Baustellen, ein kauendes Kamel im Amsterdamer Zoo, wippende Plastikmännchen im Schaufenster, Feuerwerke und weitere wundersame Dinge des Lebens zu sehen sind, führen immer tiefer in die Kellerräumlichkeiten hinein.

Rechts das Video mit dem Kamel (aus Weinbergers Installation), links die Bloody Mary Fraktion: Künstlerinnen Selina Grüter, Gina Folly und Michèle Graf

Links die Bloody-Mary-Fraktion mit den Künstlerinnen Selina Grüter, Gina Folly und Michèle Graf. Rechts: Ein kauendes Kamel aus dem Amsterdamer Zoo, zu sehen in der Bild-, Sound- und Ahnungslandschaft von Hannah Weinberger bei Freymond-Guth.

Der riesige, dunkle Ausstellungsraum mit seinen schweren Bunkertüren wird so nicht nur durch die Videos, sondern auch durch schwere Vorhänge geprägt, die einen, geheimen Gängen gleich, in neue Räume lotsen, und auf denen auch Videos gezeigt werden. Auf den Betonwänden und den Vorhängen entstehen, durch Reflektionen von Videos, plötzlich eigenständige Lichtinstallationen. Auch speziell komponiert wurden die Tonspuren. Weinberger ist denn auch als Audiokünstlerin bekannt, viele ihrer Arbeiten bestehen hauptsächlich aus Klang. Hier bei Freymond-Guth vermischt sich etwa der Klang, der entsteht, wenn man die Wendeltreppe runterkommt, mit dem metallenen «Wendeltreppen»-Schritt aus Lautsprechern.

Fenstergespräche: In und vor der Boîte versammelt sich das Kunstvolk gerne. Links Künstler Pedro Wirz (der Bart ist etwas kürzer)

Fenstergespräche: In und vor der Boîte versammelt sich das Kunstvolk gerne. Rechts Künstler Pedro Wirz (der Bart ist etwas kürzer).

«On seen» ist ein prominenter Auftritt für die erst 28-jährige Hannah Weinberger, die noch vor drei Jahren die Master-of-Fine-Arts-Schulbank an der ZHDK drückte. Mit einem weiteren Teil ihrer Video-Komposition war sie während der Art auch an den Swiss Art Awards zu sehen – wenige Meter von der Galerie entfernt. Neben Weinbergers Ausstellung ist im Galeriekeller übrigens auch Freymond-Guths Showroom untergebracht. An den rohen Betonwänden hängen Arbeiten von Heidi Bucher, Sylvia Sleigh oder Sullivan Billy. Aber zurück zur «Boîte magique» oben. Als hätte Hannah Weinberger eine Audiospur darüber gelegt, erklingt jetzt auch noch das Orchester des Circus Knie, der auf der Rosentalanlage bei der Messe gastiert.

Ach, diese Ex-Bebbi! Sie wissen, dass es sich neben einem Zirkus bestens leben lässt  – ob es Knie ist oder die Art Basel, spielt eigentlich keine Rolle

Das geheimnisvolle Logo der Galerie - der Eintritt in die Welt des Galeristen Jean-Claude Freymond-Guth

Das Logo der Galerie – die Pforte zur Welt von Jean-Claude Freymond-Guth.