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Grüsse von John Waters, er kommt!

Ewa Hess am Dienstag den 9. Dezember 2014

War das eine Aufregung! Zuerst die Gala des Swiss Institute in New York, dann Art Basel in Miami Beach. Hier schon mal Entwarnung: Alles ging gut. Was sage ich gut, es war noch nie besser! Swiss Institute still going strong, und in Miami haben sich die Sammler die Werke aus den Händen gerissen. Und weil nach den Exzessen des Marktes immer ein schaler Nachgeschmack bleibt, wird Private View heute zwei Männer feiern, die dem goldenen Kalb nie dienten, stets aber den Mainstream herausgefordert haben – als Priester des ausgefallenen Geschmacks. Meet John Waters und This Brunner.

This Brunner (rechts) und seine atmosphärische Tashlin-Installation am Benefiz des Swiss Institute am 1. Dezember in New York

This Brunner (rechts) und seine atmosphärische Tashlin-Installation am Benefiz des Swiss Institute am 1. Dezember in New York.

This Brunner kennen Sie bestimmt: Der immer mit einer lässigen Eleganz gekleidete Gentleman war 35 Jahre lang der künstlerische Leiter der Zürcher Arthouse-Kinos. Er revolutionierte die Schweizer Kinoszene, zeigte Anfang der Siebzigerjahre Warhols frühe Untergrundfilme in Zürich, auch Fassbinder, Herzog – die Leute sind Schlange gestanden! Es waren die ersten Nocturnes in der Stadt. Als wir vor fünf Jahren This Brunner interviewt haben, fragten wir ihn, ob der Film oder die Kunst seine erste Liebe seien. Wir: Was war Ihre erste Liebe? This: Kino, natürlich. «Hänsel und Gretel». Wir, erstaunt: Was, «Hänsel und Gretel», der Kinderfilm? This, lachend: Ja. Am Schluss bin ich beim Hänsel hängen geblieben. (Hier das von Matthias Lerf und mir für die «SonntagsZeitung» geführte Interview in voller Länge).

Ja, vielleicht ist Film seine erste Liebe, aber die grosse Lebensliebe von This Brunner (eigentlich Matthias) war der legendäre Zürcher Galerist Thomas Ammann, und nach dessen frühem Aidstod blieb This Kunst – seine lebenslange Passion. Wer schon mal in seiner Wohnung war, weiss, wie voll sie ist mit auserlesenen Werken, die nicht selten dem charismatischen Kinomann von den Künstlern selbst geschenkt worden sind. (Dass er den Schlüssel zu Andy Warhols Pariser Wohnung einst hatte, gibt er offen zu).

Installationen von This Brunner: Links und rechts «Elevation 1048» in Gstaad, in der Mitte Installationsobjekt «Magnificent Obsessions»

Installationen von This Brunner: Links und rechts «Elevation 1048» in Gstaad, in der Mitte das Objekt «Magnificent Obsessions».

Ich weiss aber nicht, wie stark es sich bereits herumgesprochen hat, dass This Brunner jetzt selbst Kunst macht. Seine Installationen haben mit Kino zu tun – es sind atmosphärische Inszenierungen der Szenen und der Gefühle, die Kino auslösen kann. This macht die besten, intensivsten Szenen aus seinen Lieblingsfilmen sozusagen zu Kunstobjekten, welche sie doch eh sind. Genial! Ich habe im Januar die Installation in Gstaad gesehen, anlässlich der Alpenbiennale «Elevation 1049». Da hat er Szenen aus Daniel Schmids Filmen in einem alten Bunker eingerichtet. Es war ein Highlight der von Neville Wakefield und Olympia Scarry kuratierten Schau, und das will etwas sagen, waren doch tolle Künstler wie Olivier Mosset, Christian Marclay und Fischli/Weiss dabei.

Die Galas des Swiss Institute sind immer ein Vor-Art-Basl-Miami-Beach-Highlight in New York, das Gedränge war gross, und selbst die Sexepertin Ruth Westheimer(links)  kam und twitterte begeistert vor einer Skulptur der deutschen Künstlerin Sarah Ortmeyer

Die Galas des Swiss Institute sind immer ein Vor-Art-Basl-Miami-Beach-Highlight in New York, das Gedränge war gross (rechts), und selbst die Sexepertin Ruth Westheimer (links) kam und twitterte begeistert vor einer Eis-Skulptur der deutschen Künstlerin Sarah Ortmeyer.

Für die Gala am Swiss Institute hat This Brunner Szenen aus den Komödien von Frank Tashlin, genannt Tish Tash, inszeniert. Die Stimmung war berückend, und der Auktionator Simon de Pury hat sich zum Ausruf hinreissen lassen, dass dies die beste Installation sei, die er je im Swiss Institute gesehen habe. Ja, «the best ever»! Die grosse Überraschung des Abends war die Laudatio, die ein anderer Freund von Brunner hielt: the one and only John Waters, der König des Trash-Kinos.

Die Ansprache hielt Waters per Video. Als ein besonderes Schmankerl, liebe Freundinnen und Freunde von Private View, kann ich nun diese Videobotschaft mit euch teilen. John Waters hat es mir erlaubt! Be our guests.

John Waters Video - seine mutter wollte immer, dass er This Brunner heiratet!

John Waters’ Video – seine Mutter wollte immer, dass er This Brunner heiratet!

Ohne Frage, John Waters ist ein Fan von This Brunner. (Den Text von Waters’ Videobotschaft habe ich unten für Sie transkribiert, so geht kein Wort verloren). Und da ich ganz sicher bin, dass es in Zürich auch viele Waters-Fans gibt, will ich am Ende dieses Beitrags die beste Nachricht nicht verschweigen: John Waters kommt! Im August 2015 veranstaltet das Kunsthaus eine schöne Waters-Schau unter dem sprechenden Titel: «How much can you take?». Für das Haus ein doppelter Anlass zur Freude, denn die ausgestellten Fotos und Kunstobjekte werden danach in den Besitz des Kunsthauses übergehen. This Brunner schenkt sie dem Kusnthaus! Ja, seine  gesamte John-Waters-Sammlung: Fotografien, Drehbücher, Objekte. So bleibt von dieser Freundschaft auch der Öffentlichkeit ein Schatz erhalten. Wenn das nicht wie Weihnachten klingt!

John Waters beim Autostoppen quer durch Amerika, wovon sein letztes Buch «Carsick» erzählt, in den USA ein Bestseller

John Waters beim Autostoppen quer durch Amerika, wovon sein letztes Buch «Carsick» erzählt (in den USA ein Bestseller) und This Brunner in seiner Zürcher Wohnung unter einem Werk von Waters, das er bald dem Kunsthaus Zürich schenkt (Das Porträt von This machte Basil Stücheli für die NZZ).

Video-Transkription:

«Hi I am John Waters and I would love to be with you tonight. But I am in the middle of the spoken word act for my John Waters Christmas Tour. Ho! Ho! Ho!

The Swiss Insititute special Tribute. I meant to give it to This Brunner from the day I’ve met him. When he as a projectionist was facing a jail term for showing my film «Pink Flamingoes» in a coutry known for good taste, Switzerland!

This has perfect taste, high or low, he knows what is acceptable and I was following his leading from the day I’ve met him. I came to know great people through This: Fischli and Weiss, Walter Keller, Bice and Jacqueline, Maja Hoffmann, Thomas Ammann. I’ve had many glamourous nights with This in Gstaad, too, even if I was the only one to ski down the ski lift after the fancy dinners. And the Cannes Film Festival! This always knew, which film would be hot. And he appreciated the low life, too. I’ve shown him the sex bars in New York, This have shown me the sex bars in Zurich. He was trusted everywhere. Sex Bars? Fancy Museum? All the same.

This, who suffers the indignity of sometimes being referred to as «this» in America, because of his name, has made a huge contribution to the arts. His love and knowledge of films is legendary. His brilliant eye collecting is amazing. He understands contemporary art and is educational in explaining it to others. Sturtevant – he had her before any other collector did. He is a first read journalist, too. And most recently a fine artist. Whose installations are not only smart, but beautifull, and willing. This Brunner is an ultimate gentleman. My mother, who was slow coming around to gay marriage, always said: «Why can’t you marry This Brunner»?

He never purpously hurts anybody. If takt were gold, This would be the richest man on earth. He is a great friend, too. He keeps secrets. He returns you phone calls, even if you had bad reviews by press or fines. This, I salute you. A swiss diplomat of a very highest order.»

John Waters als «Bad Santa»

John Waters als «Bad Santa».

Und hier noch – als kleines Samichlaus-Geschenk – die John-Waters Xmas Playlist, die er auf seiner Tour kommentiert. Enjoy!