Ein herber Verlust für die Schweiz

Philipp Hildebrand, der aussergewöhnlich talentierte Präsident der SNB trat am Montag zurück und setzte damit einer Angelegenheit ein Ende, die zum Skandal hochstilisiert worden war. Er hat dies auf sehr souveräne Weise getan. Philipp Hildebrand ist im besten Sinne des Wortes kaltblütig und verfügt über finanzpolitische Visionen von aussergewöhnlicher Schärfe und Klarheit.

Bei der Festsetzung des Mindestkurses von 1.20 Franken gegenüber dem Euro hat er auch Mut bewiesen. Als ehemaliger «Trader» ist er es gewohnt, Risiken einzugehen. Für die SNB waren sie wohl kalkuliert. Für ihn aber nicht. Wie lässt es sich erklären, dass Philipp Hildebrand zuliess, dass seine Frau Transaktionen in einem Ausmass ausführen konnte, dass seine Glaubwürdigkeit zu Schaden kommen musste? Und wie kann er ohne formelle Beweise überzeugend darlegen, dass nicht er selbst diese Transaktion tätigte, die dem Ehepaar mehrere Zehntausend Franken einbrachte? Diese beiden Fragen bleiben unbeantwortet. Er hat nur sein eigenes Wort, um sich von der Verantwortung zu befreien.

Als ehemaliger ‹Trader› ist er es gewohnt, Risiken einzugehen. Für die SNB waren sie wohl kalkuliert. Für ihn aber nicht.

Philipp Hildebrand, 9. Januar 2012.

Ein talentierte SNB-Präsident ist zurückgetreten: Philipp Hildebrand, 9. Januar 2012.

Von da an ist es ein kurzer Weg zum Zweifel, vor allem, wenn er von einem Christoph Blocher genährt wird, der verzweifelt versucht, von seinen letzten Misserfolgen abzulenken. Indessen erfordert die Arbeit eines Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank nach Herrn Hildebrands eigenen Worten hundertprozentige Glaubwürdigkeit.

Vermutungen fallen bei solchen Angelegenheiten mehr ins Gewicht als Tatsachen, selbst wenn sich daraus keine Vorwürfe ergeben. Philipp Hildebrand hat seinen moralischen Fehler anerkannt, aber die Vorwürfe der Spekulation sind nicht stichhaltig; 70‘000 Franken Gewinn aus einer Transaktion? Bankiers seines Kalibers können zehnmal so viel Gewinn machen. Was wäre sein Motiv? Sein Streben nach Macht übersteigt ganz sicher seinen Geldbedarf. Und gerade darum geht es: Macht. Seine Kritiker machten keinen Hehl daraus, dass ihnen eben diese ein Dorn im Auge war. Die SVP und ein Teil der bürgerlichen Parteien hätten ihn gerne unter das Joch der Politik gestellt. Aber Hildebrand hielt zu Recht an seiner Unabhängigkeit fest.

Die Schweiz verliert auf der internationalen Bühne etwas an Reputation, vor allem aber auch einen ausgezeichneten Präsidenten der SNB, der es verstand, die Wirtschaft anzukurbeln, wenn es nötig war; er hat die UBS gerettet, sich aber nicht davor gescheut, ihre Missbräuche zu tadeln und die Schraube bei den Reglementen anzuziehen. All das bescherte ihm starke Gegner.

Wenn die Schweiz auch aus dieser Krise geschwächt hervorgeht, so ist Christoph Blocher auf seine Rechnung gekommen. Er fordert zwar strengste Sanktionen für jene, die das Bankgeheimnis verraten haben. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, hat Blocher aber keine Hemmungen, sich zum Komplizen eines Whistleblowers zu machen, der sich betrügerischen Methoden bediente.

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