Ohne Mut, keine Innovationen

In dieser Zeit, in der die Welt – zumindest die Industrieländer – von Wirtschaftskrisen, Finanzkrisen und globalen Krisen erschüttert wird,  frage ich mich häufig, ob wir uns nicht in erster Linie in einer Innovationskrise befinden.

Man wirft den Finanzinstituten vor, nicht mehr der Antrieb der Wirtschaft zu sein. Die grossen Anlagefonds begnügen sich oft mit der Optimierung der Geschäftsführung in Unternehmen und verdienen ihr Geld, indem sie die Produktivität jener Gesellschaften verbessern, die damit ins Hintertreffen geraten sind. Die Emerging Countries hingegen sind heute so etwas wie die Fabrik der Welt und gestatten es den reicheren Ländern, sich zu geringeren Kosten mit Produkten und Dienstleistungen einzudecken – und so das Wachstum dieser Ländern zu begünstigen.

Verbirgt sich dahinter nicht eine gewisse Unfähigkeit auf Seiten der Wirtschaft, in den entwickelten Ländern Innovation zu fördern? Wenn Novartis im Bereich Forschung und Entwicklung (R&D) Stellen abbaut und Logitech sein Projekt Google TV aufgibt, so drängt sich diese Frage unweigerlich auf.

Die heutigen Produkte haben ihren Ursprung oft in Ideen, die in längst geschlossenen Forschungslabors entstanden sind.

Roboter-Festival an der ETH Lausanne, Mai 2011. (Bild: Keystone)

Innovation muss nicht in erster Linie rentieren: Roboter-Festival an der ETH Lausanne, Mai 2011. (Bild: Keystone)

Innovation ist anscheinend eine Verschwendung. Wenn man der Auffassung ist, die Sonne sei nichts anderes als ein riesiger Verbrauch von Atomenergie und das Leben selbst sei nur möglich durch einen weit höheren Verbrauch an Energie als von der Menschheit jemals produziert werden kann, so muss man zum Schluss kommen, dass Innovation ein Verfahren ist, das wesentlich mehr Misserfolg als Erfolg produziert. Wie viele gescheiterte Forschungsprojekte, wie viele Konkurse junger Start-ups bedarf es, bevor ein Medikament auf den Markt kommt oder ein iPad über den Ladentisch geht? Meine Erfahrung sagt mir, dass weniger als eines von tausend Projekten realisiert wird (ohne Garantie für einen späteren Erfolg).

In den letzten 50 Jahren ist ein paradoxes Phänomen entstanden. Die Innovationen haben sich sowohl in der Informationstechnologie als auch im Gesundheitswesen vervielfacht (in jeder Abteilung eines Spitals wird man heutzutage fast erschlagen von den unzähligen Medizintechnologien, die unsere Lebenserwartung erhöht haben). Trotzdem haben die grossen Unternehmen aber oft ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung reduziert. Die grossen Labors von IBM oder Bell sind fast verschwunden.

Manchmal hat es den Anschein, dass die Universitäten zu Partnern der grossen Unternehmen und zur alternativen Quelle der Innovation geworden sind. Aber es ist nicht sicher, ob die Mittel vergleichbar sind und bisweilen stellt man sogar die bestehenden Budgets infrage.

Das Problem ist komplexer. Steve Blank, neuer «Innovationspapst» im Silicon Valley, beichtete letzthin, dass Innovation kein rationaler Prozess und deshalb nicht zu beherrschen sei. Er vergleicht sie stattdessen mit der Kreativität der Künstler. Auch das sei eine Verschwendung. Ein Bereich ohne Produktivität oder Erfolgsmessung.

Ebenso wenig wie die Experten habe ich ein Patentrezept gegen die Krisen, aber meine Intuition sagt mir, wir sollten etwas riskieren und auf kreative Menschen setzen. Ich weiss auch, dass weder Subventionen noch ein Zauberstab Innovation garantieren können, dass sich nicht jedes Jahr ein Steve Jobs aus dem Hut zaubern lässt und dass staatliche Strategien mehr als einmal Schiffbruch erlitten haben. Es handelt sich also um ein gefährliches Abenteuer mit erheblichen Risiken.

Die heutigen Produkte haben ihren Ursprung oft in Ideen, die in längst geschlossenen Forschungslabors entstanden sind, und ich befürchte, dass uns ohne solche Labors bald einmal die Ideen für die Zukunft ausgehen werden. Google hat dieses Risiko wohl verstanden und zahlreiche Initiativen gestartet, die – zu Recht oder zu Unrecht – scharf kritisiert wurden. Oft habe ich das Gefühl, der Internetriese sei mit seinen neuen Ideen allein auf weiter Flur.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es zum Überleben nicht reicht, lediglich Schulden abzubezahlen und ich befürchte sogar, dass es das Ende jeder Innovation bedeuten würde, alles primär nach finanziellen Massstäben zu beurteilen. Einen neuen Aufschwung können wir nur schaffen, wenn wir den Mut aufbringen, die verschwenderische Freisetzung kreativer Energien zu akzeptieren.

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43 Kommentare zu «Ohne Mut, keine Innovationen»

  • Cybot sagt:

    Gerade in der Schweiz fehlt nicht nur der Mut, es werden jedem, der versucht etwas auf die Beine zu stellen, auch noch jede Menge Hindernisse in den Weg gelegt. Bloss nichts neues ist hier schon lang die Devise.

    • Das finde ich nun aber doch etwas zu negativ, hier geht es um Produkte, nicht um Politik.

    • Cybot, zu mindest der Satz; Bloss nichts Neues, ist ganz bestimmt falsch, vor allem wenn man bedenkt, dass mittlerweile bald auf jedem, noch so abgelegenen Bauernhof ein PC oder Laptop steht. Kaum ein Land ist so intensiev technisiert wie die Schweiz! Vielleicht sollte man sich besser fragen, was brauchen wir denn noch, wir haben ja alles? Immer auf Inovationen bezogen!

  • zurbrügg sagt:

    Es geht uns einfach zu gut! Und der immer allmächtiger werdende Staat mit seinen Vorschriften, Abgaben und unzähligen Gesetzen verhindert, dass gute Ideen von Kleinunternehmern umgesetzt werden können. Wir sind nicht mehr weit von Verhältnissen wie in der DDR, und den andern Kommunistischen Regimes entfernt, wenn es so weitergeht. Und das in der ältesten Demokratie!

    • L. Schütz sagt:

      Was, hä? Älteste Demokratie? Bitte Fakten, Beweise, etc. bevor Sie solchen hahnebüchenen Unsinn verzapfen, bzw. behaupten. Haben Sie immer noch nicht geschnallt, dass es verschiedene Arten von Demokratie gibt und die Ch-Demokratie eine regelrechte Scheindemokratie ist! Peinlich, solch naives Geschwätz!

      • Peter G sagt:

        Was, hä? Scheindemokratie? Bitte Fakten, Beweise, etc. bevor Sie solchen hahnebüchenen Unsinn verzapfen, bzw. behaupten. Peinlich, solch naives Geschwätz!

      • zurbrügg sagt:

        Als ob das so wichtig wäre, welches Land die älteste Demokratie hat….Ach ja stimmt, es gibt verschiedene Demokratische Systeme, denken wir nur schon an die selige Deutsche Demokratische Republik!

    • Conrad Krausche sagt:

      Dieser Kommentar strotzt vor Übertreibungen und Fehlern. Erstens sind wir nicht die älteste moderne Demokratie, das ist die USA. Zweitens wurde der Begriff Demokratie im Antiken Griechenland erfunden und Drittens war die Schweiz lange Zeit überhaupt nicht demokratisch, sicher nicht im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit. Was den Vergleich mit dem Ostblock anbelangt, so ist das Schwachsinn. Wir besitzen eine Marktwirtschaft, keine Planwirtschaft. Der Staat ist überhaupt nicht allmächtig, es ist im Gegenteil mehr und mehr umgekehrt – Grossunternehmen und Finanzmärkte diktieren, der Staat folgt.

  • Hans Imeichen sagt:

    Ein guter Artikel. Sehe ich genau gleich. Aber was erwartet man von einem langweiligen Controller, der dem Trivialstgen überhaupt nachgeht: Soll/Ist-Vergeliche und danach Kostenreduktion. Da zerfetzt es jede Innovation. Wir werden von Asien überholt mit Innovationen. Und dann sieht alles noch viel übler aus. Mut zur Innovation! Und bitte vom Staat massiv unterstützt! Auch wenn man mal Konkurs geht soll das nicht CH-bürgerisch als „gescheitert“ angesehen werden. Aufstehen – und zur nächsten mutigen Idee schreiten! Da liegt das Geld. Aber sicher nicht beim langweiligen Controller!

    • IngWalterHo sagt:

      Innovation ist mehr als Invention (Erfindung). Eine Innovation soll sich im Markt bewähren. Ich sehe den Staat als Innovationsförderer bezüglich Rahmenbedingungen und nicht als Geldgeber: Die Kleinstfirma soll nicht vom ersten Tag an schon administrativ oder unter der Steuerlast untergehen. Wir haben Stärken, die wir nutzen, wieder einführen oder verteidigen sollten:
      Schulen, Lehre, offene Gesprächskultur über Hierarchien hinweg, Rechtssicherheit, Sinn für Fairness, Qualitätsbewusstsein . Aber auch Schwächen: Schadenfreude, Sozialneid, Hang zur Bequemlichkeit und Gleichmacherei.

  • Fritz Suter sagt:

    Künstilche Intelligenz (KI) wird die nächste grosse Sause geben. Was gestern PC, heute Mobiles wird – so ungalublich es tönt – morgen der Heimroboter sein. Wohl dem Land, das hier den Durchbruch schafft. Das wird sogar die Autoindurstrie vom Potential her bei weitem in den Schatten stellen. Leider spüre ich nichts von einem Sog in der Foschung zu KI in der CH. In Japan schon. Wir sollten endlich aufhören den Banken nachzuweinen. Das ist Schnee von gestern. Schweizer sollten sich auf Ihre Innovationsfähigkeit besinnen.

    • Fritz Sutter, KI ist sicher genau das, was was die immer umfangreicher werdende Menschheit braucht ! Klar wird diese Technik nicht aufzuhalten sein, ebensowenig wie die automatisierung durch Computer, erstrebenswert hingegen ist sie nicht, es hat schon genug Leute, welche lieber arbeiten würden als einfach auf den Abend und das Geld von der Gemeinde warten!

    • Hans Müller sagt:

      Ich stimme Ihnen zu mit der Zukunft von KI und Robotik. Trotzdem möchte ich Sie darauf hinweisen, dass in der Schweiz nicht nichts in diesem Bereich passiert. An der ETH gibt es 5 Robotik Labs (www.iris.ethz.ch) und eine Gruppe für Machine Learning. An der Uni Zürich gibts das Artificial Intelligence Lab und ein Institut für Neuroinformatik. Im Tessin gibts auch ein Institut für Künstliche Intelligenz und an der EPFL nochmals 4-5 Labs im Bereich Robotik/KI. Vom Bund wird die Zusammenarbeit dieser Labs zusätzlich unterstützt von http://www.nccr-robotics.ch.

  • Wachstum war nötig, als noch Mangel und Entbehrung herrschten. Aber jetzt, da wir viel mehr haben, als was wir brauchen und die Güter sogar immer kürzer leben, nur damit wir sie wieder nachproduzieren können, ist Wachstum dem Wohlstand sogar im Weg. Die allerbesten Innovationen, die die Welt heute braucht, bestehen nicht in immer mehr und noch mehr Gütern, sondern in Erfindungen, die dazu führen, dass wir immer weniger benötigen und trotzdem in Wohlstand leben, mit viel Freizeit. Aber das ist defintiv „wirtschafts“feindlich (Wirtschaft im heutigen Sinn: Wachstum und Rendite).

    • Carlos Obligatos sagt:

      Frau Binsberger, ich persönlich finde, dass Ihr Beitrag am wertvollsten ist. So viele gebildetet Leute teilen sich hier mit. Aber viel kluges kommt dabei nicht raus. Wir leben in einem hedonistischen absolut materialistischen totaliären Staat. Uns geht es viel zu gut. Wir wissen nicht mehr, um was es eigentlch geht. Familien werden gegründen. Beide Eltern Arbeiten, Kinder kriegen zu wenig Aufmerksamkeit, kriegen dann Ritalin (die Pharmaind.freut sich). Jeder redet von Depressionen, fragte mal in den brasilianischen Slums, ob Sie sich mit Depressionen auskennen? Sie verstanden mich nicht..

  • Christoph sagt:

    Wieder mal ein Beitrag der mir gefällt. Es ist überhaupt eine Schande, wie das Geld heute göttlichen Status erlangt hat. Klar, es ist wichtig, aber schlussendlich ist es langweilig und essen kann man es auch nicht. Selbst Mörgelis Bettflaschen sind spannender als jeder Kontoauszug.
    Ein kleiner Bauchladen ist heute eine fast unmöglich zu realisierende Sache, weil hunderte Vorschriften dagegen stehen und die Menschen schreien nach noch mehr Gesetzen. Man könnte auch sagen, die Angst lähmt uns, allerdings weiss niemand so genau, vor was er sich eigentlich fürchtet. Und Schisser sind Looser.

  • Hans Maag sagt:

    Unsere Hochschulen bilden bald nur noch Verwalter, Juristen, Politologen, Nationalökonomen, Sozialwissenschafter, Finanzheinis, Kunstwissenschafter/innen, und andere Wohlfühl-Berufsleute aus. Das Resultat ist, dass uns 15 000 Ingenieure fehlen, Physiker, Chemiker und Pharmakologen rar werden und bald jeder, der einen PC bedienen kann meint, er sei ein Informatiker. Wenn dies so weitergeht, so werden nur noch Spezialisten/innen der Psychobranche einen Job finden um alle die Burn-out Opfer und Arbeitslosen zu „begleiten“.

    • Michael Bloom sagt:

      Da muss ich leider zustimmen!

    • IngWalterHo sagt:

      Warum soll jemand heute Natur- oder Ingenieurwissenschaften studieren? Welche Wertschätzung (Lohn/Bonus/Aufstiegsmöglichkeiten) erhält ein Wirtschaftsjurist, ein Investmentbanker, ein Betriebsökonom oder eben ein Ingenieur/Naturwissenschaftler?
      Welche Chance auf dem Arbeitsmarkt hat ein Ingenieur, der nicht ins Linienmanagement gewechselt hat und schon über 45 Jahre als ist? Zur Karriere braucht es einen Ökonomie- oder Jus-Abschluss – zuerst Ingenieur/Physiker etc. Werden ist nur Umweg. Die Naturgesetze gelten weltweit – phantasielos angewendet sind sie weltweit billig zu haben.

  • Am besten finde ich den Vergleich mit einem Künstler! Das zeigt von mir aus genau in die Richtung, wo das Problem ist, falls überhaupt vorhanden.Der Künstler fragt niemand ob sein Bild das er mahlen will auch begehrt ist! Fast das gleiche gilt für vieles was entwickelt und produziert wird. Wurde schon mal jemand gefragt, welche Farbe nächstes Jahr mode sein solle? Der Farbstoffkonzern sagt wir produzieren hellgelb und die Mode und anschliessend der Kunde hat sich anzupassen. So funktioniert doch Inovation, leider.

  • Peter Fuhrmann sagt:

    Mit diesem Artikel kann ich mich vollständig einverstanden erklären. Exemplarisch zeigt sich das in der Atomausstiegs-Debatte. Es gab Zeiten, in denen neue Rahmenbedingungen als Herausforderung angenommen wurden. Heute werden zuerst mal die Hände verworfen und gejammert, das gehe nicht. Wenn wir in einem geplanten Zeithorizont von 30 – 40 Jahren nicht fähig sind, solche Herausforderungen zu meistern, dann sind wir armselig dran. Insbesondere, weil schon Möglichkeiten vorhanden sind. Politik und vor allem Wirtschaft sind fixiert darauf, bestehendes zu zementieren. Neue Ideen kosten zu viel.

  • Mike Harrop sagt:

    Nice article. Innovation ? All it needs is a few crazy tools – believe me. The real problem is TOO MANY IDEAS. If someone has a mechanism for storing ideas so they can be re-used later, let me know. Pleeez. Thanks, Mike in Geneva.

  • Marko Umek sagt:

    Wir haben IMHO mehrere Problem:

    1) Zuwenig Ideen (da stimme ich mit dem Author überein)
    2) Zuviel vagabundierende Geld …
    3) … bei zu wenigen Menschen.

    Das Geld wird kommt eben nicht mehr dorthin, wo Ideen produziert oder noch besser umgesetzt werden. Überaus reiche Menschen haben können es sich leisten von den Zinsen zu leben. Sie brauchen kein Risiko mehr einzugehen. Wenn sie freizügig sind mit dem Geld, wird es gespendet. Aber dies beseitigt allenfalls Ungerechtigkeiten, aber verbessert nicht die Zukunftsfähigkeit. Und dann bekommen die Erben dies auch noch geschenkt. No Future!

  • fischer sagt sagt:

    Wie wenn die Innovation schon das grosse A und O der wirtschaft sei. Doch wenn man im Bereich der Politik genauer hinschaut, so muss man doch vielfach feststellen, dass die liebe Politik selber gar nicht in der Lage ist, sich den neuen geistigen Gegebenheiten zu widmen. Betrachtet man die Innovation in der Politik, so muss man ja gerade feststellen, dass gerade im Bereich Bildung und Forschung der Rotstift massiv angesetzt worden ist. Mit, und dank solchen Vorkehrungen kann dem Land auch nicht stark geholfen werden. Auch bei der UNI/ETH sind sponsoren und sehr stark vorhanden. Man bemüht nicht

    • fischer, wenn Sie die Hochschulen schon ansprechen! in dieser Umgebung wimmelt es ja nur so von gescheiten Leuten, aber niemand bringt es fertig, denn Steuerzahler über die effektive Innovationswirkung auf die Gesammtwirtschaft unseres Landes für alle verständlich aufzuklären! Ob man da etwa Angst hat vor einem objektiven Resultat?

  • Maja sagt:

    Dachte die Schweiz sei so ein inovatives Land! Die Hauptsache eine Gegenbehauptung aufstellen und schon kommt man in die Zeitung. Mich nervt das langsam.

  • Yves Latour sagt:

    Teil 1
    Ich habe selber bisher an etwa 10 Startups in der Seed-Phase mitgewirkt und sehe das oben beschriebene Problem – natürlich nur aus meiner eigenen bescheidenen Optik – etwa so:

    Für grosse Konzerne sind die Finanzierungskosten von viel grösserer Bedeutung als die Höhe der aufzubringenden Beträge. Sobald Innovation nicht mehr im absoluten Kerngebiet eines Konzerns stattfindet, sind Innovationen viel zu unberechenbar – eben Top oder Flop. Weil so die Risikobeurteilung für institutionelle Investoren und Banken schwieriger wird, steigen dadurch die Finanzierungskosten.

  • Yves Latour sagt:

    Teil 2
    Für einen grossen Konzern ist es billiger, eine Innovation dank seiner relativ tiefen Finanzierungskosten teuerer, dafür ausgereifter, einzukaufen, als selber auf gut Glück Innovationen erzwingen zu wollen.
    Auf den zweiten Blick wird auch klar, dass ein Konzern eine funktionierende Innovation aktiv verbuchen kann, deshalb ist es letztlich egal, wie teuer der Kauf der Innovation war. Es ist wie mit teuerer und billiger Kunst: die billige ist ähnlich einer Konsumausgabe und verfällt wertlos; die teure ist werterhaltend also ein Aktivum/Asset. Wer mehr bezahlt, kann unter Umständen sparen.

  • Yves Latour sagt:

    Teil 3
    Unsere Unis/ETHs sorgen für genügend Innovationspotential. Wird dieses Potential von Unternehmertypen und Risikokapitalinvestoren als Produkte/Dienste vermarktet, sind diese darauf angewiesen, dass zu einem späteren Zeitpunkt Konzerne mit ihren Finanzkraft weiteres Kapital aufbringen und über ihre gewaltigen Distributionskanäle vermarkten.

  • Yves Latour sagt:

    Teil 4
    Die Politik muss dafür sorgen, dass in der Schweiz die ganze Innovationskette prosperiert. Diese reicht von Hochschulen (Innovationspotential) und risikofähigen wohlhabenden Einzelpersonen (Business Angels) bis zu Konzernen und Banken. Bisher ist dies der Politik gelungen.

    Wer sich interessiert, soll doch mal einen Blick auf https://www.investiere.ch/ (z.T. mit ETH Startups) werfen.

  • Sammy sagt:

    Der beste Weg die Innovation zu töten, ist sie zu administrieren…
    bei uns in der Firma heisst das dann „Innovation Management“.
    Ein Instrument wo die kravattierten Excel- und PowerPoint-verliebten HSG-Nichtswisser darüber urteilen was innovativ sein soll.

  • Roland sagt:

    Wirklich neue Innovationen können eigentlich nur noch schon bestehenden Produkten das Wasser abgraben. Dem steht heute eine mächtige Firmenlobby gegenüber, die das mit allen Mitteln verhindern will.

  • Rudolf Kupper sagt:

    Persönlich bin ich der Meinung, es brauche in der Schweiz eine neue Berufsgattung, den Innovationsverwerter, der geniale Entwicklungen erfolgreich produziert und vermarktet, und es gleichzeitig dem genialen Erfinder/Entwickler ermöglicht, weiterhin kreativ zu sein, ohne sich mit unternehmerischen Problemen herumzuschlagen. Innovative Menschen gibt’s in der Schweiz genug, aber Unternehmer, die aus einer Innovation einen Erfolg machen können, viel zu wenige.

  • karl manz sagt:

    Inovation und Risikobereitschaft muss man den kleinen Kindern schon beibringen nicht erst and der Uni. Die Schweizer sind immer noch in das alte denken verankert. Geht zur Post oder SBB dann habt Ihr eine sichere Stelle fuer das Leben. Leider stimmt auch das nicht mehr.

  • Hans Maag sagt:

    Innovation bedeutet Risikobereitschaft. Einer der grossen Killer dieser beiden Qualitäten war und ist die ISO-Zertifizierung, die hinter jeden Fortschritt einen Controller, sprich Bremser setzt. Mir wurde einmal eine Studie zurückgewiesen mit dem Argument, Teile davon seien mit Bleistift geschrieben. In der Politik läuft dies genauso. Studien, ich denke da an Carlo Rubbias Entwurf eines Thoriumreaktors werden von Finanz- und Politikspezialisten ignoriert, sogar bekämpft. Aber eben, heute haben die Verwalter, Politiker, sprich Ignoranten das Wort und führen uns in den Abgrund, siehe EU.

  • Michael Bloom sagt:

    Unsere verbeamtete Wohlstandsgesellschaft hat die Wissenschaft als permanentes Feindbild und als Projektionsfläche für Ängste und für Unethisches aufgebaut und darauf reduziert. Schulmedizin, Nukleartechnik, Mobilfunk, Gentechnik, Nanotechnik, Robotik, Pharmaindustrie, IT. Dem wird Quacksalber-Humbug und Guru-Esoterik jeder Art als menschlich, ganzheitlich und nachhaltig propagiert, obwohl die Menschen in den wissenschaftlich starken Ländern eindeutig eine grössere Lebensqualität und grössere politische F>reiheiten haben.

  • Michael Bloom sagt:

    Nur wissenschaftliche Bildung und die daraus Innovation können uns voranbringen. Unsere Politiker, die vorwiegend nichts mit Wissenschaft am Hut haben oder dieser gegenüber gar ablehnend eingestellt sind, möchten uns ständig einreden, dass wir die Personenfreizügigkeit und die Handelsverträge mit der EU brauchen. Das ist eine unsinnige und defensive Haltung, ohne Selbstvertrauen. Wenn wir gute Produkte haben, werden diese auf dem Weltmarkt gekauft, egal ob wir Verträge mit der EU haben. Siehe Apple, Logitech. Wenn wir keine guten Produkte haben, werden uns Verträge mit der EU auch nicht helfen

  • Michael Bloom sagt:

    Die Wissenschaft hat in unserer Gesellschaft von verzichtbaren Schwätzern (Politologen, Werbe- Kommunikations- und Medien-Spezialisten“, Psychologen, Sozialwissenschaftern, Finanz-Orakel-Deutern, subventionierten Künstlern, Alternativ-„medizinern“, etc.) kein gutes Ansehen. Dabei hat gerade das wissenschaftliche Denken unsere Gesellschaft auf vorher nie gekannte Art weitergebracht. Wissenschaftliches Denken steht dafür, dass Behauptungen begründet und bewiesen werden müssen. Dies ist Demokratie und Aufklärung pur. Dies ist das Ende von totalitärem „Guru-tum“ und von Vorurteilen.

  • Hans Maag sagt:

    Ein weiteres Thema ist die Durchdringung jeglicher Tätigkeit durch unsinnige Vorschriften. In Frankreich in einem Bed-and-Breakfast erlebt: Zum Frühstuck standen auch selbstgemachtes Joghurt und Konfitüre auf dem Tisch. Alle Gäste lobten die Qualität. Die Gastwirtin klärte uns auf, dass sie diese in Kürze durch industrielle Erzeugnisse ersetzen müsse, das Anbieten und der Verkauf dieser von ihr selbstgemachten Produkte seien in Zukunft verboten.

  • M Bakir sagt:

    Voraussetzung für Innovationen sind:
    1 – die Erkenntnis, dass Innovatoren sind für ihre Innovationen anerkannt. Investoren, Professoren und Manager, die bei Inanspruchnahme aller Anerkennung und Vorteile zu töten Innovationen bestehen.
    2 – Inkubatoren sind notwendig, um Unterschlupf Innovatoren, bis sie weiter fortgeschritten sind. Dies würde ihnen mehr Anerkennung und Verhandlungsmacht geben.
    3 – Ein Bundes spezialisiertes Finanzinstitut zu finanzieren und investieren in Innovationen. Wenn dynamisch und creative bleibt, könnte es finanzieren und profitieren.

  • IngWalterHo sagt:

    Innovation in der Grossfirma ist gefährlich für die eigene Karriere, da jeder Verbesserungsvorschlag Kritik am Status Quo impliziert. Ziel ist Konformität anstelle Performance – Administration statt Verantwortungsübernahme. Der Opportunist sticht den Leader aus. Der servile Manager überholt die charakterlich gefestigte Führungspersönlichkeit. Blind werden amerikanische Management-Modelle übernommen, bei welchen Ideen nur noch von oben kommen dürfen, dafür im Gegenzug die Verantwortung für das eigene Tun nach oben geschoben werden.
    Innovation bedingt Veränderung. Zur Chance gehört das Risiko.

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