Die SVP muss ihr Doppelspiel beenden

Nach den Verlusten bei den Wahlen fährt die SVP dieser Tage bereits die nächste Niederlage ein: Während die SP schon vor Wochen ein breites Feld von valablen und weitum bekannten Kandidaten für den Bundesrat vorstellen konnte, muss die grösste Partei die Namen von möglichen Bundesräten geradezu zusammenkratzen. Im Welschland zeigen mit Guy Parmelin und Jean-François Rime zwar akzeptable Politiker ihr Interesse. In der Deutschschweiz hingegen, wo die Blocher-Partei ihren Schwerpunkt sieht, steht von den nationalen Politikern bisher nur der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann zur Verfügung. Von der SVP selber dürfte er indes kaum Unterstützung erhalten, da er immer wieder von der Parteilinie abweicht.  

In ihrer schwierigen Lage propagiert die SVP-Leitung mitunter Namen wie den Nidwaldner Bildungsdirektor Res Schmid oder den Ausserrhoder Finanzdirektor Köbi Frei. Das ist, als würde man einen Stadtpräsidenten einer mittelgrossen Stadt plötzlich zum idealen Bundesratskandidaten erklären. Denn mit 53’000 respektive 41’000 Einwohner haben Ausserrhoden und Nidwalden gerade etwa so viele Einwohner wie Biel (50’000) oder Thun (41’500). Ohne Umweg über den National- oder Ständerat gilt ein Regierungsmandat in einem Kleinstkanton bisher nicht als Empfehlung fürs höchste Amt im Land.  

Zu gut dürfte ihnen in Erinnerung sein, wie die SVP in ihrem Spiel zwischen Konkordanz und Opposition ihren Alt-Bundesrat Samuel Schmid jedes Mal verunglimpften.  

Einige der bisher genannten SVP-Kandidaten für den Bundesrat: Hannes Germann (o. l.), Res Schmid (o. r.), Köbi Frei (u. l.) und Guy Parmelin (u. r.).

 

Die missliche Lage hat sich die Partei selber zuzuschreiben. Nun rächt sie, dass sie mehr als ein Jahrzehnt lang ein unehrliches Spiel zwischen Opposition und Regierungspartei getrieben hat: An gestandenen Personen würde es der grössten Kraft im Land eigentlich nicht mangeln, nur sagen erfahrene Figuren wie der ehemalige Thurgauer Regierungsrat Roland Eberle, der Bauernverbands-Präsident Hansjörg Walter oder der Unternehmer Peter Spuhler gleich reihenweise ab. Zu gut dürfte ihnen in Erinnerung sein, wie die SVP in ihrem Spiel zwischen Konkordanz und Opposition ihren Alt-Bundesrat Samuel Schmid jedes Mal verunglimpften, wenn er die Haltung des Gesamtbundesrates vertrat und nicht jene seiner Partei. Ein gestandener Politiker will sich nicht derart verheizen lassen.  

Wenig erstaunlich ist, dass die SVP neuerdings wieder offen lässt, ob sie sich nicht doch ganz in die Opposition zurückziehen will. An Wahlen Ende Oktober zeigte sich schliesslich, dass sie mit dem bisherigen Doppelspiel nicht mehr in der Lage ist, Wählerprozente zu gewinnen. Möglicherweise sind die Parteistrategen nun zum Schluss gekommen, dass die Volkspartei künftig nur noch dann zulegen kann, wenn sie als echte und volle Oppositionspartei so richtig auf den Putz haut.  

Wie sich die Partei auch immer entscheidet: Aus der unbequemen Lage kann sie sich nur befreien, wenn sie ihr Doppelspiel endlich beendet und sich für eine klare Strategie entscheidet: Macht sie intern und extern klar, dass sie sich als Regierungspartei einfügen will, dürften echte Papabili wie der Thurgauer Eberle doch noch zusagen und die Partei hat gute Chancen, am 14. Dezember tatsächlich einen zweiten Sitz zu erhalten. Erklärt sie hingegen, dass sie sich inklusive ihres Bundesrates Ueli Maurer in die Opposition verabschiedet, kann sie sich in den kommenden Wochen die Fortsetzung der erniedrigend erfolglosen Suche nach valablen und zur Verfügung stehenden Kandidaten ersparen.  

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>