Die Politik muss der SRG zu Hilfe eilen

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Keinerlei Handlungsspielraum: SRG-Direktor Gilles Marchand hält die Standortverlegung für falsch. (Foto: Keystone/Peter Klaunzer)

Die SRG beschäftigt in Zürich viermal so viele Personen wie in Bern: 2766, inklusive TPC-Mitarbeitende. In Bern sind es 701. Dieses Ungleichgewicht wird jetzt noch verstärkt. Ab 2020 zählt die SRG in Zürich 3000 Angestellte, in Bern nur noch etwa 500. Dabei hat sich die SRG noch vor Jahresfrist gegen die zerstörerische No-Billag-Initiative gewehrt – mit Argumenten der regionalen Ausgewogenheit, der kulturellen Vielfalt sowie der ausgeprägten föderalen Strukturen. Nun konzentriert sie die politische Berichterstattung in Zürich.

Die nationalrätliche Fernmeldekommission will der SRG nicht ins Handwerk pfuschen, wie sie am Dienstag entschieden hat. Kommissionsmitglieder sagen, sie fänden den Entscheid, das Radiostudio nach Zürich zu verlegen, zwar falsch. Doch die Politik solle sich nicht in die Organisation der SRG einmischen. Es gibt jedoch mehrere Gründe, warum sie das unbedingt machen sollte:

  • Die SRG wird von den Schweizer Haushalten finanziert, die jährlich obligatorisch 360 Franken Abgabe bezahlen. Die Politik ist verpflichtet, Organisation und Verwendung der Mittel zu reglementieren. Sie tut das auch weitgehend. Nur die Standortvielfalt ist im Gesetz nicht präzisiert. Bis jetzt war das nicht nötig.

  • Die SRG-Chefs waren sich noch vor wenigen Jahren einig, dass Radio und Fernsehen an unterschiedlichen Standorten betrieben werden müssen. Die sogenannte Binnenkonkurrenz solle erhalten bleiben, sagten sie 2010, als Teile von Radio und Fernsehen zusammengelegt wurden. Im publizistischen Kernbereich, der Information, wollte man die Zusammenlegung verhindern, weil örtlich getrennte Redaktionen immer auch die Angebotsvielfalt bereichern. Radio blieb deshalb in Bern, Fernsehen in Zürich.

  • Das hat sich geändert: In einem Papier, mit dem die SRG bei den Kommissionsmitgliedern lobbyierte, schrieb sie zum ersten Mal davon, Radio, Fernsehen und den Onlinekanal miteinander «verschmelzen» zu wollen. Wenn die SRG all diese Inhalte künftig aus einer Hand produziert, geht jedoch viel an Qualität und Professionalität verloren, an politischer, kultureller und geographischer Identität ohnehin. Wenn die SRG Arbeitsplätze und Produktionsprozesse konzentriert mit dem Argument des Spardrucks und der digitalen Entwicklung, so wie das private Medienhäuser machen, stellt sich die Frage nach ihrer Existenzberechtigung.

  • Die Radiostudio-Verlegung hat Parallelen zum Admeira-Entscheid von 2015. Auch damals wurde der Entscheid kurz nach einer heiklen, für die SRG existenziellen Abstimmung kommuniziert. Auch damals war der Entscheid falsch, weil sich die SRG mit der Werbeallianz Admeira ins Hoheitsgebiet der privaten Medien vordrängte. Die SRG machte den Schritt nach drei zermürbenden Jahren des Rechtsstreits und mühsamen Firmenaufbaus selber rückgängig. Die Politik hätte das verhindern können, indem der Bundesrat das Projekt untersagt hätte. Klare Vorgaben der Politik sind dringend nötig.

Auch SRG-Direktor Gilles Marchand hielt die Standortverlegung für falsch. Sie rentiere zu wenig, sagte er an einer Geschäftsleitungssitzung im vergangenen Frühling. Zudem widerspreche sie der föderalistischen Tradition der SRG. Das steht in einem Sitzungsprotokoll, das dem Tagesanzeiger vorliegt. Eine Abkehr von den Plänen wäre jedoch problematisch, befand Marchand: Die SRG würde sich damit dem politischen Druck beugen, was ein schlechtes Signal wäre.

Das Parlament sollte ihr zu Hilfe eilen und die Verschmelzungspläne stoppen.

10 commentaires sur «Die Politik muss der SRG zu Hilfe eilen»

  • werner boss dit :

    Was richtig ist und was falsch, das wird weiterhin im gewohnten Rahmen von der SRG bestimmt! Daran hat sich gar nichts geändert. Mich wundert nur wie die SRG noch immer so viele Firmen für ihre Werbebotschaften überreden kann, wo dem Zuschauer das Fernsehen doch so richtig verleidet wird.

  • Pietro Federico Gallo dit :

    Dieser Kommentar beweist ja genau, dass die No-Billag-Initianten mit ihrer Argumentation Recht hatten; die SRG ist also DOCH abhängig von der Politik und nicht unabhängig.

  • arnold gasser dit :

    Was für ein Nicht-Problem wieder einmal. Der SRG muss gar niemand zu Hilfe eilen. Dass da ein paar Nasen mehr in Zürich arbeiten, wird in der Berichterstattung absolut nicht auffallen und keinen Unterschied machen.

  • Claude Fontana dit :

    Psst, das Fernsehen soll doch nur noch die Bürgerlichen erreichen. Jetzt, wo man « unabhängig und Eigenverantwortlich » ist. da hat man Angst vor kritischen sichten von Links.

    • werner boss dit :

      Wäre schön, wenn SRG auch mal ein wenig selbstkritik üben würde. Was haben sie doch das blaue vom Himmel versprochen, mit weniger Personal auszukommen und nun wird für ein eventuell eintreffendes Ereignis über zwei bis drei mutmassenden Personen hin und her diskutiert und am nächsten Tag ist alles anders!

    • Claudia Brüllmann dit :

      Hr. Fontana: es geht nicht ums Fernsehen, sondern ums Radio, dessen Mitarbeiter vom Stadtzentrum in Bern an den Stadtrand von Zürich umgetopft werden sollen. Ins Fernsehstudio, wo es gar nicht genug Platz hat. Das ist ein echter Schildbürgerstreich und hat mit links oder rechts nichts zu tun.

  • Hans Meier dit :

    Was hat das mit Standortvielfalt zu tun, wenn fast alle mit öffentlichen Mitteln oder Zwangsabgaben finanzierten Bundesbetriebe, zu denen letztlich auch die SRG gehört, in Bern konzentriert sind? Ihr gebt vor, Standortvielfalt haben zu wollen? Fein, dann verlegt die Berner SRG-Mitarbeiter nach Solothurn oder Freiburg oder Baden. Offenbar ist jedes noch so seichte Argument gut genug, um die linke Berner und ihren staatlich alimentierten Verwaltungs- und Staatapparat zu protegieren. Vielfalt, das ich nicht lache… Ohne den ganzen Bundesapparat, den Staatsbetrieben und den Zwangszuwendungen aus den anderen Kantonen wäre Bern wirtschaftlich schon längst nicht mehr überlebensfähig.

  • Marina Zingg dit :

    Die Struktur zuerst, nachher die Mitarbeitenden und Konsumenten !!
    Die SRG will mit der Zusammenlegung u.a. Kosten sparen, die Kosten haben die Miarbeitenden zu tragen; Verlust des kulturellen Umfelds, ( Vereine, Sport, Kunst, usw. ) Verlust von Beziehungen, langwierige Wohnungssuche, für Kinder Eigewöhnung in neue Schulklaseen usw. Die Versprechungen der SRG vor der Bilag Sbstimmung wurden mit Füssen getreten. Die nationale Fernmeldekommission, die auch nicht einverstanden ist mit dem Entscheid, die aber dazu schweigt. Was ist das für eine Politik? Die Mitarbeitenden sollten sich organisieren und sich auf allen Ebenen Gehör verschaffen und für ihre Anliegen eintreten.

  • res friedli dit :

    die SRG hält nicht, was sie verspricht!

    die SRG liegt mit ihrer digital-strategie falsch. statt dezentral und weniger abhängig von den global players irren die leutschenbächler in die einfältigkeit grosser newsroom-organisationen.

    der SRG-irrtum fällt heute bereits auf. die schweiz verliert ihre differenzierte stimme.

    obwohl die schweizer gerade dafür gebühren bezahlen.

  • groeg dit :

    Ich sehe es so. In einer Gesamtbetrachtung fällt die Ueberdimensionierung der SRG Apparate In der Westschweiz, aber vor allem im Tessin auf.Mein Vorschlag: 25% Aufwandsreduktion (vor allem Personal) in der Westschweiz, 50% im Tessin.Kommt hinzu, dass beide lokalen Organisationen einen viel zu hohen Anteil an Gebühren erhalten.Da muss man nochmals kürzen.Beide (die Kunden meine ich)profitieren vom sehr vielfältigen Filmangebot der Nachbarländer, zu denen sie ein wenig gestörtes Verhältnis haben.Anders in der Deutschschweiz.Ich finde die seit Jahrzehnten andauernde Dominanz deutscher Medien unerträglich.Schon in den 50er Jahren war das so, auflagenmässig.Jetzt besitzen Deutsche auch noch unsere Medien Fürchterlich.Die Auswirkung wird total unterschätzt.

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