Bomben im Bundeshaus

Sonnenuntergang über dem Bundeshaus in Bern. Foto: Yoshiko Kusano (Keystone)

Die Bundesratswahlen 2018 werden alles andere als Nullachtfünfzehn. Dafür sorgt die interessante Ausgangslage mit der Doppelvakanz. Das Medieninteresse ist gross, und wie schon früher bei ähnlichen Ausgangslagen wird jede Zuckung registriert und analysiert. Um auch das Publikum zu erreichen, müssen die Aussagen und Wörter knallen. Und wie stellt man das an? Um möglichst viele Volltreffer zu landen oder eine kleine Bombe zu platzieren, bedienen sich viele Journalisten und Politiker auffällig oft bei Begriffen aus dem Militärjargon.

So legten laut verschiedenen Kommentatoren die ersten Heckenschützen an, kaum hatte der Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin seine Kandidatur bekannt gegeben. Zu blass sein Schaffen, fanden sie, zu wenig demütig sein Auftritt. CVP-Nationalrätin Viola Amherd, viel genannte Kronfavoritin aus dem Wallis, ist zwar im Stadium der Noch-Nicht-Kandidatin. Aber sie kämpft bereits an verschiedenen Fronten: Gegen Nierensteine, gegen das Gericht und gegen Heckenschützen. Ein Heckenschütze ist laut Definition eine Person, die aus dem Hinterhalt auf Menschen schiesst, entweder als Kämpfer in einem Krieg oder in krimineller Absicht. In der Realpolitik einer Bundesratskampagne sind das jedoch in aller Regel Leute aus den eigenen Reihen, also weder feindliche Kämpfer noch irgendwelche Banditen. Hinterhältig sind sie allemal.

Wenn Journalisten sich überschätzen

Ruhiger nehmen kann es die St. Gallerin Karin Keller-Sutter. Die Freisinnige hat kaum ernst zu nehmende Konkurrenz. Auch wenn Ständerat Hans Wicki aus Nidwalden den Winkelried gibt und sich für seinen Kanton in die Schlacht wirft. Trotz der klaren Favoritenrolle kommt selbst sie nicht ohne «militärisches Geleit» aus: So suchen die FDP-Frauen schon seit Wochen eine zweite Kandidatin, damit diese der Ständerätin dereinst Flankenschutz auf dem FDP-Ticket leisten kann – bisher ein klassischer Rohrkrepierer.

Militärische Begriffe gefallen nicht nur wegen ihrer Anschaulichkeit. Entweder halten sich Journalisten für so erfahren, dass sie die strategischen und taktischen Züge erkennen und in der Sprache der Feldherren benennen. Im schlechteren Fall gebärden sich Journalisten selbst als Königsmacher und versuchen, die Kandidaten hinauf- oder herunterzuschreiben. Die Gründe dafür reichen vom Lokalpatriotismus, persönlichen Animositäten bis hin zur Überschätzung der eigenen Rolle.

Eine hat gezeigt, wie mans macht

Wie viel Militärisches steckt aber tatsächlich in der Wahl eines neuen Bundesrats? Es gibt einige Eigenschaften, die ihren Ursprung in einer geschickten Kriegsführung haben und von Vorteil für eine erfolgreiche Bundesratskandidatur sind: Selbstverständlich gehören Disziplin und viel Durchhaltevermögen dazu. Ein neueres Phänomen ist die Notwendigkeit einer minutiösen Planung mit Einbezug aller Eventualitäten. Denn heute kann bereits eine unglücklich aufgegleiste Ankündigung der Kandidatur einen Flurschaden anrichten, der nicht mehr zu bereinigen ist.

Wie man es heute macht, hat Keller-Sutter vorgeführt: Ein paar Wochen verstreichen lassen und sich ferienhalber überhaupt nicht mehr äussern. Dann ein überzeugender Auftritt, der kaum mehr Fragen offen lässt. Aber am Schluss darf man sich nichts vormachen. Wie alle Kriegstechniken haben auch Strategie und Taktik beim Kampf um einen Bundesratssitz ein Ziel: den anderen zu besiegen, zu schlagen und selbst zu gewinnen.