Barbarische Sitten

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Das Leiden der Krebse: US-Fernsehköchin Martha Stewart zeigt, wie sie Hummer im kochenden Wasser zubereitet. Foto: Carlos Barria (Reuters)

Wer in den Bestimmungen des Bundes zum Tierschutz stöbert, findet Dinge, die man nicht unbedingt in einem Gesetzestext erwartet. Zum Beispiel die Anleitung zum Töten eines Pferdes. Die Schusswaffe muss senkrecht an der Stirn posiert werden, exakt an jenem Punkt, wo sich die Diagonalen zwischen Ohren und Augen kreuzen. Nur so trifft man das Hirn, ist das Pferd schnell tot. Zeichnungen von Pferdeköpfen illustrieren die Verordnung «Tierschutz beim Schlachten».

Elektroschock oder Schlag auf den Kopf?

Nach dieser Lektüre wird man sich am Tisch eher für die vegetarische Menuvariante entscheiden. Die Anleitung zum Pferdetöten klingt brutal, und ist doch das, was man – zumindest politisch – unter einem schonenden Umgang mit Tieren versteht. Der Bundesrat will dies fördern. Er hat diese Woche die Tierschutzvorschriften angepasst und unter anderem verboten, dass Krebse lebendig ins siedende Wasser geworfen werden, ohne vorherige Betäubung. Auch sollen die Krustentiere nicht mehr im eiskalten Wasser gehalten werden, sondern in einem Milieu, in dem sie sich auch in der Natur aufhalten.

Werden in der Schweiz wirklich Krebse lebendig gesotten? Es sei in der Gastronomie üblich, schrieb das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in seiner Medienmitteilung. Viele Köche haben aber schon zu anderen Methoden gewechselt: Sie betäuben die Krebse zuerst mit Elektroschocks oder einem Schlag auf das Gehirn. Weil der Hummer ganz, mit Kopf, auf den Teller kommen muss, kann dieser nicht einfach abgetrennt werden. Kürzlich erzählte ein renommierter Küchenchef dieser Zeitung, dass in der Branche Verwirrung herrsche, weil in Deutschland das vorgängige Betäuben der Krebse verboten sei. Offenbar geht man dort davon aus, dass dies das Leiden der Tiere vergrössert, dass das Sieden bei lebendigem Leib tierfreundlicher ist.

Die Tradition als Rechtfertigung

Was stimmt wohl? Selbst wenn die Krebse reden könnten – sie wüssten nicht, wie es ihren Artgenossen im Jenseits ergangen ist. Man muss sich damit abfinden, dass das Töten und Essen von Lebewesen barbarisch und mit Leid verbunden ist. Es braucht psychologische Abwehrmechanismen, um das auszublenden. Etwa den Verweis auf Traditionen. Als das Parlament letzten Sommer ein Importverbot für Stopfleber von zwangsgefütterten Gänsen diskutierte, gingen in der Westschweiz die Emotionen hoch. Eine jahrhundertealte Tradition wäre gefährdet, hiess es. Dass das Füttern der Gänse eine Tierquälerei sondergleichen ist, die niemand ernsthaft gutheissen kann, wird mit der Tradition gerechtfertigt. Es gibt auch Leute, die können Fleisch nur essen, wenn sie nicht wissen, von welchem Tier es stammt.

Wer Tiere wirklich schonen will, müsste auf Fleisch verzichten. Doch eine fatalistische Haltung ist hier weniger gut, denn mit ihr liesse sich genauso gut ein rücksichtsloser Fleischkonsum rechtfertigen. Besser ist daher die Strategie des Bundesrats, die Vorschriften anzupassen, um Tiere – trotz unserer barbarischen Sitten – so gut wie möglich zu schützen.

25 commentaires sur «Barbarische Sitten»

  • Lexi dit :

    Sehr guter Beitrag. Good Karma in Bezug auf den Verzehr von anderen Lebewesen ist sicherlich empfehlenswert.

  • Muttis Liebling dit :

    Gleichzeitig auf Fleisch zu verzichten und den globalen Ernährungsnotstand auszurufen, ist unlogisch. Es ist das Eine, Tiere nicht zum Schlachten zu füttern, als Tiere, die es nun mal gibt, natürlich sterben zu lassen, statt sie zu verzehren. Nicht anderes passiert in der Natur täglich.

    In der Natur gibt es den ‘natürlichen Tod’ mit grosser Wahrscheinlichkeit so gut wie gar nicht. Alle werden gefressen, nachdem sie selbst gefressen haben. Die Fleischfresser eben nur Fleisch. Sonst gäbe es unsere Welt, so wie sie ist, gar nicht.

    Wer sich also heute ernährungsethisch sehen möchte, wendet sich vehement gegen alle Formen der Tierhaltung, auch die biologische. Aber das wenige Fleisch, was dennoch anfällt, darf verzehrt werden. Weiterhin keinen biologisch natürlichen Tod für Tiere.

    • Niklas König dit :

      Nur schade, dass annähernd alle Tiere, die geschlachtet werden vorher gemästet werden. Dies mit Weizen/ Soja, welches aus Entwicklungsländern stammt. Wenn es Pflanzen aus dem Gebiet des ursprünglichen Regenwaldes in Südamerika sind, wird es sogar mehr als doppelt so « teuer », weil der Wald verbrannt wird und anschliessend die Pflanzen, die direkt verzehrt deutlich mehr Energie bereitstellen, den Umweg über Tiere machen.

      So, und jetzt sag nochmal, dass, wenn ich auf tierische Produkte verzichte, nicht etwas für den « Welthunger » tue.

  • flori antha dit :

    Wer Tiere wirklich schonen will, muss auf Ernährung verzichten. Auch bei der Produktion und Lagerung von pflanzlicher Nahrung werden Millionen von Tieren vergast, vergiftet und geschreddert. Daher sind genau solche Regelungen des Bundesrats sehr zu begrüssen.

    • Niklas König dit :

      Wo gehobelt wird fallen Spähne. Man kann aber den Dreck deutlich reduzieren, indem man eben auf pflanzliche Nahrung setzt – alles andere sind Ausreden, die zu keiner Verbesserung der Situation führen.

      Schau dir doch mal den Fleischatlas 2018 an, der vor kurzem veröffentlicht wurde, es wäre zu empfehlen, wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese.

      Was für Tiere sind das eigentlich, die « vergast, vergiftet und geschreddert werden »?

      Meines wissens passiert das nur tagtäglich bei der Produktion von Eiern (eines der Abfallprodukte, das sich vermeiden lässt), bei welcher die männlichen, kleinen, süssen Küken auf einem Fliessband in einen Schredder transportiert werden, weil sie keine Eier legen können.

  • brendle dit :

    Und wie barbarisch ist es den armen Salat oder Spinat zu schneiden? Wissen diese Gemüseapostel denn, ob nicht auch Pflanzen Gefühle haben?

  • Martin Maletinsky dit :

    « Man muss sich damit abfinden, dass das Töten und Essen von Lebewesen barbarisch und mit Leid verbunden ist »: ich kann nachvollziehen wie man zu dieser relativ fundamentalistischen Einschätzung gelangen kann, auch wenn ich sie als Fleischesser naturgemäss nicht teile.

    Solange aber eine satte Mehrheit (zu der ich gehöre) den Fleischkonsum als legitim betrachtet, scheinen mir solche Aussagen wenig sinnvoll, denn sie gefährden moderatere und realisierbare Anliegen, das Wohl der Nutztiere während ihrer Lebenszeit zu verbessern.

  • Daniel Grossen dit :

    Natürlich ist dieser Entscheid zu begrüssen, doch würde es der Bundesrat wirklich ernst meinen in dieser Sache, hätte er auch beim Thema der Stopfleber nicht einknicken dürfen. Mit dem lebend Kochverbot der Schalentiere tritt man ja keiner Lobby auf die Füsse. Beim Gänsestopfen jedoch sehr wohl, und da rückt man dann schnell wieder von seinen Prinzipien ab. Nicht wirklich glaubwürdig, solch ein Verhalten.

  • Peter dit :

    Und was ist mit schächten? Da lässt man die tiere ausbluten…und rechtfertigt es mit der religion. Auch nicht nett.

    • Hans Meier dit :

      Deshalb ist das Schaechten ja auch verboten in der Schweiz.

      • werner boss dit :

        Und wer kontrolliert ob dieses  » Verbot  » auch eingehalten wird bei so viel Rechten welche den Bezügern dieser Sorte Fleisch unter der Hand zugestanden werden?? Unsere Linken ganz bestimmt nicht!

  • Niklas König dit :

    brendle:

    Nach offizieller Lehrmeinung haben Pflanzen kein zentrales Nervensystem. Ergo fühlen sie nicht.

    Andererseits ist man sich da ja nie ganz sicher, wer weiss, wie das in 50 Jahren ist oder so. Daher: Sollte man immer noch auf Fleisch verzichten.

    Und wissen sie auch wieso?

    Ich werde es dir verraten: Jede Kuh, jedes Schwein, jedes Huhn frisst sooooooo viel Pflanzen, bis es entweder geschlachtet wird oder zu alt ist, um adäquat ausgebeutet zu werden und Milch/ Eier abzusondern.

    Das ist unglaublich. Man kann davon ausgehen, dass jährlich so an die 100 Milliarden Tiere geschlachtet werden. Hinzu kommen die Tiere, die gehalten werden für Milch/ Eier. Stell dir das mal vor, wieviel arme, arme Pflanzen die fressen. Grausam.

    DENK DRÜBER NACH SCHREIBST, BITTE!!!!

  • Chris dit :

    Hummer nicht im eiskalten Wasser halten? Ich habe selbst jahrelang Hummer an der US Ostküste gefischt. Hummer lieben kaltes Wasser. Im Sommer ziehen sie sich in tiefe Lagen zurück, wo das Wasser nur noch 3-4 Grad hat. In warmem Wasser werden Hummer langsam, daher kommt auch jene Garmethode wo Hummer über kaltem Wasser aufgesetzt werden. Durch die ansteigende Wärme schlafen sie buchstäblich ein. Man hört keinen Ton und sieht keine Bewegung.

    Interessanterweise spricht niemand davon, wie Fische in Fangnetzen sterben, wo sie regelrecht ersticken. Der Fisch ist ein höheres Lebewesen als der Hummer. Sein nächster Verwandte ist die Mücke!

  • Olivier Grossen dit :

    « Man muss sich damit abfinden, dass das Töten und Essen von Lebewesen barbarisch und mit Leid verbunden ist. »

    Natürlich bin ich für restriktive Tierschutzgesetze und für einem anständigen Zmgang mit Tieren, insbesonder bei derer Haltung, Transport und Schlachtung. Aber ich finde die oben zitierte Aussage eine pbertrieben Vermenschlichung und im Rahmen einet Gesetzesdebatte etwas zu Emmotional geartet. Ich debke, wir sollten uns statt über Bolzenschuss oder Elektroshock lieber Gedanken über die asymeteische Umverteilung, Hunger, Krieg, Kriminalität, bessere Bildung für alle, nachhaltige Energiegewinnung, etc. machen.
    Vielleicht auch in die Erforschung von künstlichem Fleisch (Laborfleisch). Verbote lösen das Problem des Schlachtens nicht, es wird einfach wo anders im Ausland gemacht.

  • Michael Sander dit :

    Ich habe kein Problem damit, wenn sich jemand (aus welchen Gründen auch immer), vegetarisch ernähren möchte.
    Unerträglich ist hingegen, wenn sich Leute wegen ihrer diesbezüglichen Einstellung moralisch aufplustern und ihre Fleisch essenden Mitmenschen als « Barbaren » abqualifizieren oder ihnen gar diese Ernährung verbieten wollen.

    • Hanspeter Niederer dit :

      Die übliche faule Leier. « Wenn ich dir deinen Ernährungsstil « erlaube », darf auch ich punkto Ernährung alles machen, was mir beliebt. »

      • Hans Meier dit :

        Nein. Es geht um dieses muehsame, staendige Missionieren. Ich « erlaube » gar niemandem seinen Ernaehrungsstil, sondern es interessiert mich einfach nicht. Ich lasse die anderen Leute in Ruhe. Genauso erwarte ich aber, ebenfalls in Ruhe gelassen zu werden!

      • Jacques dit :

        Was spricht dagegen? Evolutionsbiologisch sicher nichts. Mensch ist « Allesfresser » (Jäger und Sammler). – Das andere wäre Glaubenssache. Für das gibt es in der Bundesverfassung die « Glaubens- und Gewissensfreiheit. » gemäss Artikel 15. Sonst fragen Sie den Arzt oder Apotheker.

        • Hanspeter Niederer dit :

          Der Mensch soll der Legende nach als Alleinstellungsmerkmal über die ausgeprägteste Empathiefähigkeit verfügen im Tierreich. In Tat und Wahrheit aber überzieht er seine Mitgeschöpfe, welche er zu « Nutztieren » degradiert mit einem gnadenlosen Terrorregime, welchem jährlich über 60 Milliarden landlebende Tiere zum Opfer fallen. Dass der Mensch Allesfresser ist, ergibt sich nur aus seinem gierigen Fressverhalten, nicht aber aus seiner Biologie. Und die Zeit der Höhlenbewohner ist meines Wissens auch schon seit längerem vorbei.

  • Eiabeth Petras dit :

    Zumindest der Klimaschutz: Die Fleischproduktion gehört zu den großen Klimakillern. Oder der Gewässerschtuz: Gülle gefährdet Grundwasser. Und nicht zuletzt das Leiden der Tiere! Noch sieht es in der schweiz zwar etwas besser aus als anderswo, doch die Massentierhaltung in Europa ist extrem grausam, ca. die Hälfte der Masthühner (so genannte Hähnchen) und fast alle Puten leiden unter fußballendermatitis, oft schweren Läsionen, dazu kommen Skelettdeformationen, und die Entstehung multiresistenter Bakterien, z. B. Campylobakter, auch Viren mutieren in diesem Milieu schneller, weil der Wirtswechsel der Viren beschleunigt wird, das führt zu Keulungen, grausam mit CO2 als Tötungsgas… Im Endeffekt wird so auch die Gesundheit der Menschen, die Wirksamkeit der Antibiotika gefährdet!

  • S.Schweizer dit :

    Rau und emotional verarmt (barbarisch) ist vielmehr unsere Behandlungsart und wie wir mit dem Leben an sich und allen Lebewesen (inkl. uns selbst) umgehen. Ob Flexitarier, Pescetarier, Vegetarier, Veganer, Freeganer, Fructarier „Sein oder nicht sein“ wird nach marktwirtschaftlichen Prinzipen bewertet. Wir Menschen sind selbstzerstörerisch veranlagt. Wir behandelt uns selbst wie Ware, behandeln Tier und Boden wie Ware. Fakt! Wir intellektualisieren alles und haben uns so sehr in der Materie verloren dass wir gar nicht mehr merken und spüren was unserer eigentliche Lebensgrundlage darstellt. Deshalb tun wir Dinge wie Wasser privatisieren und gehen mit Pestiziden und Gen-Tech so unverantwortlich um das es einer Massenvergiftung gleich kommt. Wird schon schief gehen!

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