Nicht jedes Leben ist gleich viel wert

In der Schweiz wird für die Gesundheit von Mutter und Kind alles unternommen. Wie konnte sich dieser Fall ausgerechnet hier zutragen? (Foto: Keystone/Gaetan Bally)

Seit gestern steht der Schweizer Grenzwächter vor Gericht, der im Sommer 2014 einer schwangeren syrischen Flüchtlingsfrau mutmasslich die medizinische Hilfe verweigerte und damit den Tod des Ungeborenen in Kauf nahm. Das Kind kam tot zur Welt, der Mann ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Militärstrafgericht, das den Fall verhandelt, klärt unter anderem die Frage: Wann beginnt das Leben eines Menschen?

Aus rechtlicher Sicht mag dies entscheidend sein. Doch als Gesellschaft müssen wir uns fragen, warum der Grenzwächter so gehandelt hat, obwohl doch in der Schweiz für eine schwangere Frau in jedem Stadium der Schwangerschaft alles unternommen wird, damit sie und das Kind gesund bleiben. Jeder noch so kleine Fleck auf dem Ultraschallbild wird genau untersucht.

Unsere Werte gelten nicht absolut

Vor einigen Wochen kamen die Zwillinge eines befreundeten Paares in Zürich zwei Monate zu früh zur Welt. Die beiden Expats – sie kommt aus den USA, er aus England – sind voller Dankbarkeit und Bewunderung für das schweizerische Gesundheitssystem, in dem die Familie bestens umsorgt und betreut wird. Die Zwillinge sind noch immer auf der Neonatologie, es geht ihnen gut, die Kosten für die Behandlung übernehmen Krankenkasse und Invalidenversicherung.

Eine schöne Geschichte. Sie zeugt von unseren Werten. Gemäss diesen ist das Leben eines Menschen das höchste Gut, das man unter allen Umständen schützen muss. Doch der Fall des Grenzwächters und der syrischen Familie zeigt, dass dieser Wert nicht absolut gilt. Er gilt für uns Inländer. Für Schweizer, Niedergelassene, oder auch für Expats. Aber nicht für Flüchtlinge, die sich nicht in der Schweiz aufhalten dürfen, weil sie laut dem Dublin-Abkommen nach Italien überstellt werden können. Dem mutmasslich Schuldigen wird nun der Prozess gemacht, seine früheren Korps-Mitarbeiter werden dabei als Zeugen befragt.

Kollektive Schuld

Doch wie hätten die Zeugen selber gehandelt? Vielleicht hätten auch sie gezögert, die Schwangere in ein Spital zu bringen. Und selbst ein Teil der Bevölkerung mag – zumindest insgeheim – der Ansicht sein, dass ein illegal anwesender Flüchtling nicht dieselbe medizinische Versorgung für sich beanspruchen könne wie eine Schweizerin. Die Grenzwächter sind die handelnden Organe einer Gesellschaft, deren Ziel es ist, Migranten von der Schweiz fernzuhalten oder sie schnellstmöglich wieder ausser Landes zu schaffen, sollten sie sich hierhin verirrt haben. Je nach Umständen ist das Leben eines Menschen zweitrangig.

Italienische Ärzte und Behörden äusserten sich im Sommer 2014 entsetzt darüber, wie die schwangere Frau in der Schweiz behandelt worden ist. Ausgerechnet in der Schweiz, sagten sie. Das Land mit der besten Gesundheitsversorgung, das Land, in dem stets alles korrekt abläuft. Das ist richtig. Doch dann gibt es noch die Schattenseite, der blinde Fleck. Das Verhalten des Grenzwächters mag unmenschlich gewesen sein, und es ist richtig, dass der Fall gerichtlich aufgearbeitet wird. Doch es gibt auch eine Kollektivschuld. Eine unbewusste, in der Gesellschaft tief verankerte Haltung, die besagt, dass das Leben eines Flüchtlings weniger wert ist als unseres.

125 Kommentare zu «Nicht jedes Leben ist gleich viel wert»

  • Martin Frey sagt:

    Diesen Artikel finde ich nun höchst problematisch. Vorab muss man festhalten, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt, und auch für die beschuldigten Grenzwächter die Unschuldsvermutung gilt. Dieses juristische Grundsatz scheint (wieder mal) für die Medien je nach Thema und ‚Aufhänger‘ völlig irrelevant.
    Zudem muss man festhalten, dass nicht nur alle Migranten, sondern auch Asylbewerber in den Genuss aller nötigen medizinischen Massnahmen kommen, falls sie diese bedürfen. Bei der Frage, die nun juristisch aufgearbeitet wird, geht es bekanntlich um etwas ganz anderes: War die Notlage erkennbar, haben die Grenzer (grob-) fahrlässig gehandelt und sich ggf. unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht? Dies, und nur dies gilt es zu beurteilen, im Kontext der Verhältnisse vor Ort.

    • Martin Frey sagt:

      Italien, und seine Reaktionen auf den Fall als Richtschnur zu nehmen, ist noch zweifelhalfter. Angesichts der Verhältnisse im italienischen Gesundheitswesen einerseits, und dem bekannten Umgang Italiens mit seinen illegalen Immigranten andererseits.
      Was auch nicht geht: Aus dem Fall eine These zu konstruieren über angeblich minder- und mehrwertiges Leben im Gesundheitswesen. Das ist mit Verlaub eine Unterstellung deren Beleg Sie schuldig bleiben. Was sicher richtig ist: gesundheitliche Probleme und aufenthaltsrechtliche Massnahmen sind manchmal schwierig unter einen Hut zu bringen. Wenn Sie glauben, dies besser zu können, bitteschön.
      Dafür müssten Sie aber die Redaktionsstuben verlassen.

    • Mario Monaro sagt:

      Es ist ein laufendes Verfahren, ja. Der Hinweis auf die Unschuldsvermutung ist ja juristisch zutreffend, aber hier geht es ja nicht darum, dass ein Angeschuldigter behauptet er habe mit der Sache nichts zu tun. Die Frage ist, ob er sich mit seinem Handeln – das er nicht bestreitet – strafbar gemacht hat. Er selber sprach von einem schrecklichen Fehler und dass er heute, unter Kenntnis aller Fakten anders entscheiden würde. Also kann man genau darüber diskutieren, Unschuldsvermutung hin oder her. Oder muss für Sie jeder entsprechende Artikel mit dem Satz „Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung“ beginnen?

      • Martin Frey sagt:

        @Monaro
        Dass der Beschuldigte einen ’schrecklichen Fehler‘ begangen hat, wie er selber einräumt, ist unbestritten, zumal dieser Fehler schlimme Konsequenzen nach sich zog. Die Unschuldsvermutung ist trotzdem ein Kernelement unserer Rechtssprechung, und bezieht sich in dem Kontext nicht auf den Vorgang an sich, sondern wie üblich auf die Schuldfrage. Wie Sie es ja selber auch formulieren. Fakt ist in meinen Augen aber, dass hier nicht nur eine Vorverurteilung stattfand, sondern der Fall gleich noch auf die gesamte Gesundheitsversorgung der CH extrapoliert wird, nur um für einen süffigen Text noch etwas ‚mehr Fleisch am Knochen‘ zu haben. Und das geht nicht, ohne dies zumindest ansatzweise belegen zu können.

    • Luzia Keller sagt:

      Das Mindeste wäre eine sofortige medizinische Abklärung in einem Spital oder Artzpraxis gewesen. Alles andere sind unzulässige Ausreden oder im Kontext gesagt, unterlassene Hilfeleistung. Wieso gab es keine einzige Frau vor Ort, welche den Zustand hätte aus eigener Erfahrung einschätzen können? Wenigstens sollte dieser Missstand für Grenzübergänge näher angesehen werden, dass psychologisch geschulte Fachfrauen aus der Region umgehend einbezogen werden in Zukunft.

    • R.Kull sagt:

      Mehr als treffend formuliert (betr. 1 Teil).

    • Anh Toàn sagt:

      @Martin Frey: Da stehen reihenweise Kommentare, welche eine Schuld der Eltern vermuten. An denen stören Sie sich nicht?

      • Anh Toàn sagt:

        Auch das Recht auf Unschuldsvermutung gilt nicht für jeden gleich. Ganz tief verwurzelt. Am meisten gilt die Unschuldsvermutung für eigene Soldaten, Grenzwächter und Polizisten, ausser letztere verteilen Park- oder Geschwindigkeitsbussen.

        • Tofa Tula sagt:

          Soll auch so sein. Fuer diese trifft der Titel des Artikels ja auch zu. Der bekannte Satz von Vorgesetzten und der Obrigkeit im allgemeinen lautet doch „Ich stehe voll hinter ihnen“. Das heisst eben nichts anderes, als dass man jemanden als Kugelfaenger vorschiebt und sich hinter diesem verkriecht. Jedes Leben ist gleich viel wert – auch in der Realitaet?

    • Fragezeichen sagt:

      Danke Hr. Frey: Danke für eine Richtigstellung und Aufklärung für einige Kon^mmentarschrieberInnen.
      Dass die Menschen sich über den Todesfall eines Kindes echauffieren ist klar und zeugt von Anteilnahme. Die Vorverurteilung des Grenzwächters finde ich völlig falsch am Platz.
      Todefälle von Kinder, ob vor oder nach der Geburt sind eine harte Prüfung für alle Elternteile.
      Ein von Unterstellungen gefärbter Artikekl dient nicht der Wahrheitsfindung

    • Ellis Dill sagt:

      Mir unverständlich ist, dass die Frau die in Italien war, nicht in ein italienisches Krankenhaus gegangen ist, warum musste es zwingend in der Schweiz sein. Ich bin mir sicher, dass auch in Italien Notfallpatienten nicht abgewiesen werden.

      Würde das auch für mich als Deutscher funktionieren – die Schweizer Krankenhäuser sind mit Sicherheit derzeit besser als die deutschen – kann ich also meine Behandlung dort quasi an der Grenze auch erpressen, oder würde dann der Grenzer zurecht sagen, geh doch in das Krankenhaus in dem Land wo du bist.
      Verständnis hätte ich nur für den Grenzübertritt, wenn wegen Notfall das andere Krankenhaus zu weit weg ist, allerdings müsste die Person nach der Behandlung wieder an Italien zurück überstellt werden.

  • Jane Doe sagt:

    Jedes Mal wenn ich an diesen Fall denke, schäme ich mich in Grund und Boden Schweizerin zu sein.

    • Crista Schmid sagt:

      Dann würde ich den Pass abgeben!
      Ich schliesse mich zu 100% den Kommentaren von Herrn Frey an.

    • Dimitri Papadopoulos sagt:

      Warum? Weil ein Schweizer Grenzwächter eine Situation falsch eingeschätzt hat? Er ist ja kein Mediziner.

    • Luzia Keller sagt:

      Ich stimme Ihnen zu, Jame Doe. Die humanitären Guten Dienste der Schweiz sind das Fundament, worauf das weltweite Ansehen aufgebaut wurde wie z.B. das IKRK, Kinderdörfer Pestalozzi etc. Wer dieses wertvolle Erbe mit Füssen tritt, verrät die Guten Dienste und deren Pioniere!

      Dimitri P: Der Grenzwächter ist zuerst ein Mensch mit einem Herz, was bei so manchem Schweizer oder leider Mediziner abhanden gekommen ist.

    • Anh Toàn sagt:

      @Jane Doe: Sie dürfen Ihren Pass behalten und brauchen sich dennoch nicht zu schämen:

      „Die Grenzwächter sind die handelnden Organe einer Gesellschaft, deren Ziel es ist, Migranten von der Schweiz fernzuhalten oder sie schnellstmöglich wieder ausser Landes zu schaffen, sollten sie sich hierhin verirrt haben.“

      Ja, aber dennoch gibt es keine kollektive Schuld, nur die individuelle derjenigen, welche in der Gesellschaft diese Ziel stärken, vertreten, unterstützen. Die individuelle Schuld ist zu messen am individuellen Beitrag und dessen individueller Vorwerfbarkeit (hatte er Fähigkeit zu besserer Einsicht und war ihm zumutbar, entsprechend dieser Einsicht handeln). Kollektivschuld entschuldigt sonst das Individuum.

      Kollektivschuld ist der gleiche Humbug wie Nationalstolz.

      • Martin Frey sagt:

        „Kollektivschuld ist der gleiche Humbug wie Nationalstolz.“

        Da bin ich gänzlich bei Ihnen, AT. Auch wenn Sie sich heute etwas an mir abarbeiten… die Grundsätze unseres Rechtssystems zu verteidigen wäre eigentlich Ihr Ding.
        Um das nochmals klar zu stellen. Mein Thema war mediale Vorverurteilungen einerseits, und Behauptungen zur Gesundheitsversorgung andererseits. Mir geht eigentlich gar nicht um den Grenzwächter. Sofern er schuldig ist, soll er verurteilt werden. Ich kann und will das gar nicht beurteilen.
        Irgendeine Schuld anderen, zb den Eltern in die Schuhe zu schieben, finde ich genau so daneben. Nur, weil Sie offenbar dazu ein Statement von mir hören wollten… Denn die Rolle der Eltern ist hier, von ein paar Kommentatoren abgesehen, m. E. definitiv nicht das Thema.

      • Luzia Keller sagt:

        Hier geht es um einen massiven Imageschaden für die Schweiz wegen den von mir erwähnten Guten Diensten und nur deshalb stimme ich mit der Aussage von Jane Doe überein. Ansonsten ist klar Sippenhaftung und Kollektivschuld abzulehnen. Beim Nationalstolz gibt es diverse Graustufen, die man differenziert betrachten sollte.

  • Bruno sagt:

    Danke für diese Zeilen Frau Blumer. Was Sie schreiben, ist leider eine traurige Wahrheit: Ausländer – vor allem Flüchtlinge – sind in den Augen vieler Schweizer Menschen zweiter (oder vermutlich sogar dritter) Klasse. Sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, sondern als Schmarotzer und Faulenzer. Und natürlich als kriminell. Keine Ahnung warum, aber viele Schweizer haben das Gefühl, bessere Menschen zu sein als diese Flüchtlinge. Und das nur, weil wir das Glück haben, in eine friedliche und wohlhabende Gesellschaft hinein geboren zu werden?

    Wenn ich die Leserkommentare in der Basler Zeitung beim Thema Flüchtlinge lese, wird mir richtig übel! So etwas von Unmenschlich. Da darf man sich nicht wundern, wenn im Alltag solche Sachen wie unterlassene Hilfeleistung vorkommen.

    • Fragezeichen sagt:

      Danke für diese Zeilen Frau Blumer. Was Sie schreiben, ist leider eine traurige Wahrheit: Ausländer – vor allem Flüchtlinge – . . . . . .
      Bruno: ich weiss nicht woher sie sich das Recht nehmen mit solchen Worten, dem Grenzwächter solche An- und Absichten zu unterstellen.
      Ihre Vorverurteilung des Grenzwächters zeigt einiges über ihren Charakter auf! Sie machen sich ein Bild über Aussagen von Medienchaffenden, habe keine Ahnung was in Tat undW ahrheit vor Ort und auf dem langen Weg der Flucht, dem ganzen Hin und Hermit der Frau noch so alles passiert ist.
      Hauptsache für sie – es ist einer schuldig, und das ist in diesem Fall der Grenzwächter – für sie!

      • Franz Marke sagt:

        @Fragezeichen: Sie wollen es einfach nicht verstehen: Brunos Kommentar wie auch der Artikel selber legen ja gar nicht den Fokus auf den Grenzwächter; Ihre Empörung ist eine Nebelpetarde. Beide beleuchten nur zu Recht die himmeltraurige Situation, dass wohl ein Grossteil der Bevölkerung eine schlechtere Behandlung der Flüchtlinge nicht nur billigt, sondern geradezu wünscht. Das ist das Thema, vielleicht mögen Sie sich dazu noch äussern.

    • Peter Aletsch sagt:

      Es ist nicht nur „Glück, in eine wohlständige Gesellschaft hineingeboren zu sein“ , sondern das Ergebnis generationenübergreifenden Handelns, mit der Auflage, das weiterzuführen und weiterzugeben. Deshalb kann nicht einfach jeder davon voll profitieren, der daran keinen Anteil hat. Sonst geht die Grundlage zugrunde.

      • Tofa Tula sagt:

        Ich gebe Ihnen Recht. Ebenso weitergegeben wurden aber auch Mitgefuehl, Mitleid, das Beduerfnis zum Schutz des Schwaecheren – aber auch Sturheit, Obrigkeitsglaeubigkeit, Paragraphenreiterei. Es kommt auf den Mix an und was man daraus macht.

  • Michelangelo Bakunin sagt:

    Ich danke Ihnen für diese tiefe Analyse unseres Wertesystems. Und tatsächlich haben Sie recht, wir leben in einer Zweiklassengesellschaften. Für die Abgehängten, Migranten, Überforderten und Schwachen ist immer weniger Platz in unserer Mitte, wir versagen als Kollektiv. Wo sind unsere Maximen hin, was würde Dunant sagen?

    • Brigitte Irène sagt:

      die Abgehängten und Schwachen waren und sind auch Schweizer, wo waren alle Diese, die jetzt die Moralkeule schwingen Ende der 60iger Jahre, Mädchen schwanger aus niederem Stand „fille-mère, die wurden noch mit Zwangssterilsation bedroht, ein Vater, der die Verantwortung nicht wahrĥaben will, gedrängt zur Abtreibung, Katholiken empfehlen die Adoption. Ja, wo waren denn alle, die sich heute auf Dunant, IKRK (fraglich) oder Kinderdörfer berufen, nirgends, shame on you Switzerland, aber nicht nur wegen der Flüchtlinge.

  • Ralf Schrader sagt:

    Eine Korrektur am Rande: Die Medizin in der Schweiz ist hervorragend, aber das, was man Gesundheitswesen nennt, das politökonomische Gebilde um die Medizin, ist eines der schlechtesten in der OECD. Denn das verfolgt ausschliesslich wirtschaftliche, aber keine medizinischen Ziele. So können wir seit Jahren beobachten, dass die immer noch sehr gute Medizin in kleinen Schritten immer schlechter und in grösseren Schritten immer teurer wird.

    Die Schweiz hat seit dem KVG eine gewerbliche Krankheitsbewirtschaftung an Stelle des ehemaligen Gesundheitswesen.

    • Gerhard Engler sagt:

      Die OECD lobt aber das CH-Gesundheitssystem und kritisiert nur die hohen Kosten. Unter anderem hat die OECD das DRG vorgeschlagen, welches jetzt auch umgesetzt wurde.

      • Ralf Schrader sagt:

        Herr Engler, haben Sie einen Tipp für mich, wo man dieses Lob nachlesen kann. Ich kenne nur die wertfreien, sachlichen Jahresberichte der OECD.

  • Martin Cesna sagt:

    Sagen wir es ehrlich: Früher hiess das „Dreikreispolitik“: Es gab Einheimische, besere, schlechtere und noch schlechtere Ausländer. Entsprechend wurden die Leute auch bei der damaligen Fremdenpolizei und teilweise auch heute beim Amt für Migration behandelt. Das bedeutet, dass es da sehr wohl Menschen „aus der zweiten Reihe“ gibt, denen man sich weniger gegenüber verpflichtet fühlt.
    Das ist hochoffizielle Schweizer Staatspolitik. Dass das aber nicht für Erste Hilfe und ähnliche Dinge zutreffen könnte, scheint noch nicht ganz durch gedrungen zu sein.
    So galt lange ein St.-Galler Polizeidirektor als schlecht, weil er Flüchtlinge herein liess, die sonst in den Tod der Nazi geschickt worden wären.

  • Hans Hegetschweiler sagt:

    Die Angst von einer Masseneinwanderungswelle überrollt zu werden (die Überfremdungsangst) führt zwangsläufig dazu, dass man den Wert eines Lebens eines Migranten geringer schätzt als das eigene Leben. Würde man, wie es die Religion fordert, alle Menschen als gleichwertig betrachten, dann gäbe es keine Rechtfertigung dafür, weshalb man Menschen, die unter Lebensgefahr die Sahara und das Mittelmeer überqueren, weil sie die Lage in ihren Heimatländern nicht mehr aushalten, die Einreise in die Schweiz verwehrt. Das ist keine Anklage gegen die andern, die Rechtsnationalen; wir alle denken so. Dass man dann einer Frau, die sofort ausgeschafft werden muss, die Spitalbehandlung verweigert, ist die logische Konsequenz, weil eben die Ausschaffung Priorität hat.

    • Niklas Meier sagt:

      Unsinn. Wenn man alles mit diesem „von der Religion“ geforderten Argument behaften würde, gäbe es für alle bedingungsloses Grundeinkommen, gratis Spitalbehandlung, Wohnungen für alle usw…und zwar alle die den Weg in die Schweiz finden.
      Und nun überlegen Sie sich wie realitätsfern und absurd diese Argumentation ist.

      In diesem Fall wird vergessen die Italiener anzuklagen, da die durch ihr Versagen die Durchreise erst ermöglichten.
      Im Weiteren die Mutter, resp. ihren Mann, da sie es in Italien nicht für nötig hielten, ein Spital aufzusuchen. Nein, es war wichtiger erst in die Schweiz zu gelangen.
      Wer Hilfe braucht, der nimmt sie dort an wo er sie bekommt.

      • Anh Toàn sagt:

        @Martin Frey, bitte verteidigen Sie die Unschuldsvermutung für die Mutter und den Vater. Die ist Ihnen doch so wichtig. Oder warum stört es Sie nicht, wenn bei denen Schuld vermutet wird?

  • René von Euw sagt:

    Der Fall mag tragisch sein, aber ich frage mich, weshalb die syrische Familie mit drei Kindern und einer hochschwangeren Frau überhaupt die Reise von Italien durch die Schweiz angetreten hat. Und was bei mir noch viel mehr Fragen aufwirft, ist der Fakt, dass die Frau, gemäss einer Reportage im TA, bereits ein Jahr später wieder ein Kind geboren hat.

    • Nina Burgherr sagt:

      Das ist so unglaublich zynisch! Warum genau soll die Frau ein Jahr später kein Kind gebären dürfen? Soll sie, weil sie Opfer der Umstände oder wohl eher eines empathielosen Grenzwächter geworden ist, zusätzlich Opfer werden, indem sie sich nun Ihren kruden Vorstellungen anzupassen hat, was eine angemessene Trauerreaktion sei? Wie würde es Ihnen ergehen, wenn sie zum Beispiel abends zusammengeschlagen wurden (grundlos) und sie dann am Tag einkaufen gehen und Ihnen jemand sagt: „es wirft bei mir Fragen auf, dass Sie Sich schon wieder auf die Strasse wagen. Wenn der Überfall wirklich so schlimm war, dann sollten Sie Sich doch eigentlich in Ihre eigenen vier Wände zurück ziehen…“

      • Margot sagt:

        Sie hat vier kleine Kinder, mindestens zwei während dem Krieg geboren und eines in der Schweiz während der Flucht verloren. Ich würde aus Liebe zu den Kindern während einem Krieg überhaupt keines bekommen wollen. Und Sie, Frau Burgherr?
        Und bei dem tragischen Vorfall würde ich auch gerne die Vorgeschichte wissen. Ich habe fast selber mein zweites Kind verloren, aufgrund mehrere Ereignisse im Vorfeld. Selten, dass eine Frau einfach so ein Kind verliert.

      • Hans Meier sagt:

        Es ist bezeichnend, Frau Burgherr, dass Sie mit keinem Wort auf die berechtigte Frage eingehen, warum eine Hochschwangere ueberhaupt weiterreist und nicht an einem sicheren Ort wie Italien bleibt, bis das Kind auf der Welt ist.

    • Susanna sagt:

      Geht mir genau so. Ich hoffe, der Grenzwächter wird frei gesprochen. Uebrigens übernimmt nicht die Krankenkasse die Kosten für die Zwillinge auf der Neonatologie, sondern wir; WIR sind die Krankenkasse und offengestanden, könnte ich wählen, würde ich nicht für alles bezahlen, was die KK schlussendlich bezahlt.

    • Anh Toàn sagt:

      @Martin Frey: Auch hier, wo bleibt die Verteidigung der Unschuldsvermutung!

    • Fabio Rossi sagt:

      Frau Margot. Wenn die europäischen Frauen aus purer Liebe zu Kindern während WK1 und WK2 keine Kinder gemacht hätten, wären heute viele gar nicht hier. Im übrigen sind wir ja bei arabischen Familien immer die ersten die behaupten, dass die Frau nichts zu sagen hat. Warum auf einmal hat nun die Frau in diesem Fall die freie Entscheidung wann sie schwanger werden und wann nicht?

      • Margot sagt:

        Rossi, es wurden während dem WK 1 und WK 2 bedeutend weniger Kinder geboren. Kinder ist auch eine Entscheidung der Eltern, vor allem während eines Krieges. Es geht um Verantwortung, aber was solls. Manche wollen es einfach nicht begreifen.

        • Niklas Meier sagt:

          Es sind zwei Paar Schuhe: Das Recht Kinder zu kriegen oder nicht (egal wie viele und unter welchen Bedingungen). Und Verantwortung für sich und seine Kinder zu übernehmen.

          Ich(!) würde auf der Flucht weder ein Kind wollen, noch dies von meiner Freundin erwarten oder verlangen. Schon gar nicht, wenn ich schon welche habe.
          Ich (!) kann nicht nachvollziehen, wie man ohne Dach über dem Kopf und ohne für seine Familie sorgen zu können, Kinder zeugen will. Auch nicht, wenn man weiss, dass man Almosen resp. Sozialhilfe erhalten wird. Ich würde dies für meine Kinder nicht wollen.

          Das heisst für mich (!): Ja, sie hatte das Recht schwanger zu sein, aber ich habe kein Verständnis, falls diese Schwangerschaft auch nur fahrlässig bedingt war.

        • Fabio Rossi sagt:

          Es wurden während dem Krieg in Europa nicht weniger Kinder gemacht weil man keine wollte, sondern weil die meisten Männer an der Front waren. Die Verantwortung und die Planung gehen schnell verloren wenn einem täglich die Bomben um die Ohren fliegen. Sowas hat man in Europa zum Glück seit langem nicht erlebt. In Deutschland liessen sich viele einheimischen Frauen mit den Männern der Besatzungsmächte ein. Da wurden auch zahlreiche Kinder geboren die in der Gesellschaft unerwünscht waren, zumal viele noch die falsche Hautfarbe hatten. Wir sollten aufhören über andere zu urteilen, wenn wir nicht in deren gleichen Situation leben, und so etwas wie Kriege nur von unseren Vätern und Grossvätern kennen. Ich jedenfalls wüsste nicht was für ein Mensch ich heute wäre würde ich in Syrien leben.

  • P Schumacher sagt:

    Ein extrem tragischer Fall für alle Betroffenen, die Familie und die Grenzwächter. Und ein äusserst heikles Thema.
    Aber wenn wir schon von Kollektivschuld reden: Ist es erlaubt, die Frage nach der Verantwortung der Eltern zu stellen? Wie kommt es, dass es in seit vielen Jahren als schlimme Kriegsgebiete bekannten Ländern Eltern gibt, die Kinder auf die Welt bringen? Warum trifft der Wegzug aus Syrien mit der Schwangerschaft zusammen? Wie kommt es, dass die Geburtenrate unter den an Leib und Leben bedrohten Migranten doppelt so hoch ist, wie in der ansässigen Bevölkerung?
    Schon vor dem Hintergrund der vielen schwelenden und sich kumulativ zuspitzenden Probleme bei uns habe ich beschlossen, keine Kinder zu haben.

    • Nina Burgherr sagt:

      Ich finde es super, dass gerade Sie auf Kinder verzichten.
      Die Frage nach der Fertilitätsrate, die Sie mehrfach aufwerfen, ist leicht zu beantworten. In Kulturen, in denen es keine funktionierenden Rentensysteme gibt, gelten Kinder traditionell als wichtige Absicherung. Uns alle prägen Traditionen meist unser ganzes Leben lang.

      • Margot sagt:

        „Uns alle prägen Traditionen meist unser ganzes Leben lang.“ Oh ja, wie wahr. Und genau das ist bei der Migration aus archaischen Kulturen sehr problematisch. Deswegen braucht es Deeskalationskurse, Betonblöcke am Weihnachtsmarkt, Überwachung, usw.

      • Susanna sagt:

        Frau Burgherr, ich stimme Ihnen zu, dass es die Sache der Frau ist, ihre Trauer auf ihre Art zu bewältigen, wenn das mit einem Kind ist, warum nicht. Ich denke aber, dass die Familie, die – ich vermute es zumindest und hoffe es für sie – jetzt in Sicherheit ist, sich darauf besinnt, dass sie nun in einem Land ist, wo es nicht noch mehr Kinder braucht, um die eigene Rente abzusichern und bei 4 Kindern bleibt, Traditionen muss man sich auch leisten können. Ansonsten muss irgendwann eingegriffen werden und das Kindergeld ab einer gewissen Anzahl Kinder beschränkt werden – dies auch im Hinblick darauf, dass a) die AHV sowieso nicht gerettet wird und b) immer weniger Arbeitskräfte nötig sein werden. Kinder sind nicht nur Tradition, in einigen Fällen schreibt die Religion einen Kindersegen vor.

    • Anh Toàn sagt:

      @Martin frey: Nochmal hier!

  • Bob Freeballer sagt:

    „Das Land mit der besten Gesundheitsversorgung, das Land, in dem stets alles korrekt abläuft. “ Meinen sie das ernst?

  • M. Seiler sagt:

    Die Kollektivschuld sehe ich nicht.
    Der Grenzwächter hat übrigens vor Gericht ohne Druck von aussen ausgesagt, er habe die Situation falsch eingeschätzt; gehen Sie in den arabischen Raum oder nach Asien und suchen Sie einen Ofiziellen, der dazu steht, dass gegenüber einem weissen Europäer etwas nicht korrekt verlief…

  • Luzia Keller sagt:

    Das ist mehr als nur ein blinder Fleck, sondern schlicht ein Armutszeugnis! Es bestätigt die Gesinnung, wie Sie richtig sagen, welche tief verwurzelt ist. Er zeigt deutlich auf, wie schmal der Grat ist zwischen Eigenverantwortung auch im Dienst gegenüber menschlichem Leid und verabscheuungswürdigem Kadavergehorsam gegenüber dem Arbeitgeber. Es gab aber noch andere, welche zu jener Zeit auch Dienst hatten. Werden diese nicht ebenso angeklagt wegen unterlassener Hilfeleistung? Hat denn keiner gesehen, in welchem prekären Zustand die schwangere Frau war?

    P.S. Ich empfehle den Film „Eine Frage der Ehre“ mit Jack Nicholson, Tom Cruise und Demi Moore zum Thema. Sehr eindrückliche Szenen vor Gericht, als es um den sog. „Code Red“ des Commander ging.

    • Niklas Meier sagt:

      Wie absurd soll es noch werden? Einen „Code Red“ mit einer Fehleinschätzung eines Grenzwächters zu vergleichen.
      Auch der Vorwurf des Kadavergehorsams ist absurd.

    • Luzia Keller sagt:

      Der Grenzwächter ist ein Bauernopfer und hat aus Kadavergehorsam gehandelt, was offensichtlich ist, sonst würde er seine unterlassene Hilfestellung nicht als „schrecklichen Fehler“ sehen und kein Einsehen haben. Das wäre zum Beispiel einer psychologischen weiblichen Fachperson nicht entgangen und hätte den Grenzwächter entsprechend informieren können. Um das geht es. Der Grenzwächter ist ein Bauernopfer und soll für eine gezielte unmenschliche Abschiebungspraktik sprich Befehl aus dem VBS verurteilt werden. Das ist mit dem „Code Red“ gemeint und die Analogie zum vorliegenden Fall ist unschwer zu erkennen, wenn man denn will.

      • Niklas Meier sagt:

        Da ist überhaupt keine Analogie vorhanden! Sie schwurbeln sich etwas Finsteres zurecht wie Sie es sehen wollen.
        Der Grenzwächter hat seine Arbeit getan, zu der auch die Einschätzung solcher Situationen gehört. Dabei ist ihm ein Fehler passiert.
        Alles Weitere ist reine Ideologie und Polemik Ihrerseits.
        Die „weibliche psychologisch ausgebildete Fachperson für Schwangere mit Beschwerden“ ist entweder ein Scherz, oder aber bedenklich realitätsfern.
        Glauben Sie allen Ernstes, dass da Frauen (die keine Grenzwächterinnen sind) jeweils den Grenzwächter/innen sagen sollen müssen, was in einer Situation zu tun ist?
        Weitere Kommentare erübrigen sich dazu…

      • Dimitri Papadopoulos sagt:

        Und warum will Frau Schmid deswegen ihren Pass abgeben, oder Frau Doe sich schämen?

        Zum Thema „Kadavergehorsam „, Frau Keller: Ich nehme an, Sie kennen den Dienst mit der Waffe nicht aus eigener Erfahrung, oder wenn doch, dann nicht in der Schweiz oder einem ähnlich zivilisierten Rechtsstaat.
        Kadavergehorsam gibt es hier nicht, im Gegenteil. Kein Befehl der gegen geltendes Recht verstösst muss verweigert werden. Ich darf zum Beispiel als Offizier meinem Fahrer nicht einmal befehlen, er solle 10km/h über dem Tempolimit fahren.
        Seien Sie vorsichtig mit solchen Ausdrücken aus zum Glück längst vergangenen Zeiten.

      • Dimitri Papadopoulos sagt:

        Übrigens : das Grenzwachtkorps untersteht dem EFD, nicht dem VBS.

        Und auch Sie denken nicht allen Ernstes, irgendwo in Bern säße ein böser Oberst, Code Reds gegen Migranten befiehlt.

    • Dimitri Papadopoulos sagt:

      Den Kadavergehorsam gibt es weder in der Schweiz noch in anderen zivilisierten Rechtsstaaten. Im Gegenteil, die Gesetze und Reglemente von allen Sicherheitsorganen verbieten explizit das Erteilen und das Befolgen rechtswidriger Befehle.

      Das Leben ist kein Hollywood Film.

  • Roland Rawyler sagt:

    Sehr guter Beitrag von Frau Blumer ! Die Frage ob hier das Leben von Flüchtlingen weniger wert ist als von uns Schweizern, diese Frage kann juristisch wohl kaum aufgearbeitet werden, hier fragt sich, wie weit ist es mit unseren moralischen Vorstellungen gekommen, es ist kaum noch Raum da, solche Fragen zu diskutieren, bei all dem Elend, was sich in Syrien abspielt, stumpfen wir hier total ab, besinnen uns nur noch auf Dienstvorschriften, Max Frisch würde sich im Grabe umdrehen, müsste er eine solche Situation erleben !

  • Erich Deiss sagt:

    Warum diese Frau in solch einem kritischen Zustand zu einem Zöllner ging und nicht vorher zu einem Arzt, und wer ihr dazu geraten hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

    • Nina Burgherr sagt:

      Sie haben aber auch noch gar nichts begriffen. Genau darum ging es. Die einzige Möglichkeit zu einem Arzt zu kommen war es, den Zöllner dazu zu bringen, diesen zu organisieren. Aber ja, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Daher muss der Fehler ja bei den Opfern liegen.

  • Reto Stadelman sagt:

    Liebe Frau Blumer, ich behaupte zu wissen warum die Beamten so gehandelt haben wie sie eben gehandelt haben. Wie viele Asylbewerber die aufgegriffen werden, fangen an sich passiv zu wehren? Einen medizinischen Notfall vorzutäuschen und am Boden liegenbleiben ist da wohl leider keine Seltenheit.
    „Er gilt für uns Inländer. Für Schweizer, Niedergelassene, oder auch für Expats.“
    Diesen Satz möchte ich korrigieren. ‚Unsere Werte‘ gelten für Menschen mit Geld. Arme Schweizer werden kaum besser behandelt.
    „Eine unbewusste, in der Gesellschaft tief verankerte Haltung, die besagt, dass das Leben eines Flüchtlings weniger wert ist als unseres.“
    Das nennt man Selbsterhaltungstrieb.
    Unsere Gesellschaft ist härter und kaltherziger geworden. Das passiert halt im globalen Konkurrenzkampf.

  • Claudio Nold sagt:

    Und wann beginnt das Leben? Wenn das Herz schlägt? Oder nach einer gesetzlichen Frist? Vor der 12. Woche ist es kein Leben, dann ab der 22. Woche wird alles unternommen, um es am Leben zu erhalten?
    „Nicht jedes Leben ist gleich viel Wert“ – in der Tat! Ich dachte, der Artikel geht in diese Richtung, aber weit gefehlt…

  • Dario L. sagt:

    Italien reklamiert zurecht, denn dort wird jeder versorgt, egal ob arm oder reich und dies gilt hundertprozentig auch für Flüchtlinge und Illegale, denn das System ist nicht selektiv geregelt wie hier nach Klassen. Das Gesundheitssystem gibt manchmal dort an einigen Orten zu reden aber was hier an Schlimmes geschieht, ist dort kaum möglich. Zumal die Menschlichkeit der Italiener bewiesen enorm hoch ist und wenn man ins Spital kommt, ist die Frage der Bezahlung zweitrangig, was hier aber an erster Stelle ist. Ich bin echt stolz auf Italien, lieber eine Medizin genügend für ALLE, als eine perfekte nur für Auserwählte. Laut Gesetz soll es auch hier klappen „im Notfall“ aber wir haben es alle gesehen, wie die Schweiz tatsächlich tickt, wenn die Angst besteht, das niemand zahlt dafür.

    • Fragezeichen sagt:

      Dario L.
      ich weiss nicht in welcher Welt, in welchem Italien sie leben oder gelebt haben. Ich habe 6 Jahre auf Sizilien gelebet und zeitweise auf Lampedusa.
      Das „Gesundheitswesen“ in Italien ist ein nicht existieredndes Gebilde das es nur für Reiche gibt. Und ich habe in Italien erlebt wie , die von mir sonst wirklich geliebten ItalienerInnen mit Flüchtlingen umgehen – erzählen sie uns keinen vom Wolf!
      Italien ist ein wunderbares und von mir heisgeliebtes Land, aber nicht in Bezug auf das „Gesundheitswesen“

      • Dariol L. sagt:

        Das glaube ich Ihnen wirklich nicht. Ich glaube eher, dass Sie als Schweizer nur im Nationalstolz verletzt sind und die Wahrheit deswegen ignorieren.

    • Peter Aletsch sagt:

      Naja, und die Behandlung der ‚Fremdarbeiter‘ mit ihren Hungerlöhnen in den Plantagen im Süden?

      • Dariol L. sagt:

        Ja, dass ist gar nicht gut. Wie hier in der Schweiz, werden auch dort Leute zu Hungerlöhnen angestellt auf den Felder. Dort sind es Leute aus Afrika und hier Leute aus dem Osten. Nur was hat dies mit dem Thema Medizin zu tun? und wieso kritisieren Sie die Eigenen nicht?

    • Dimitri Papadopoulos sagt:

      Ist Ihnen ein Fall in unserem Land, wo jemand von einem Arzt oder Krankenhaus in einer Notsituation nicht behandelt wurde, weil er oder sie nicht bezahlen konnte?

      • Dariol L. sagt:

        Ja, in diesem letzten Fall, die ganze Schweiz betreffend. Der Zöllner vertrat nämlich die Schweiz in diesem Moment der Entscheidung. Für Reiche Menschen wird hier die Nachtruhesperre für Flieger aufgehoben, nur wegen einer Kleinigkeit und bei einem echten Notfall wird nichts unternommen und sie getrauen mir so etwas zu fragen.

    • Martin Frey sagt:

      Dario, Ihre patriotischen Gefühle in Ehren, aber waren Sie jemals in Italien selber Patient?

      • Dariol L. sagt:

        Ja, einmal in Bergamo und in Bologna (beides im Norden) und in Benevento und San Giovanni Rotondo (beides im Süden). Sie wollten nie meine Krankenkassenkarte sehen, die man mir als erstes verlangt hier in der Schweiz und ich aus Gewohnheit dort zeigen wollte. Lediglich die Medikamente, die ich dann bei der Apotheke holte, musste ich selber zahlen. Ich lebe im Jahr, etwas mehr als 6 Monate in der Schweiz und fast so lange dort. Vielleicht haben Sie Ihre Informationen aus Mafia Filmen oder aus anderer Zeiten, ich habe dort nie eine schlechte Erfahrung gemacht, die Ärzte sind top, nur teils die Pflege ist ungewöhnlich für uns, da viel die Angehörigen übernehmen und so die Kosten tief halten und für alle gilt. Wenn jemand keine Angehörigen hat, kommen Freiwillige zum Einsatz.

  • Karl Grob sagt:

    Einige der Antworten sind zugleich die Antwort darauf, wie solches geschieht: Es ist die völlig fehlende Empathie, das Unvermögen, sich die Lage des Anderen auch nur vorzustellen. Ja, warum wohl bekommen die Flüchtlinge auch noch Kinder? Wahrscheinlich weil sie es auf ihrer ‚Reise‘ versäumen, jeweils eine Apotheke neben ihrem Hotel aufzusuchen, um sich ‚die Pille‘ zu kaufen. Warum geht die Frau nicht zu einem Arzt, wo sie sich doch vor Ort so gut auskennt und verständigen kann wie Herr E. D. in einem Vorort von Ouagadougou?
    Man fasst sich wirklich an den Kopf. Die einzige Verteidigung des Beamten wäre die, dass er das Geschehen überhaupt nicht verstanden hat, weil die Frau nur gerade ‚Baby, Baby‘ sagen konnte . So viel zu ’soll sie sich doch einen Arzt suchen‘.

  • Sinkt Weis sagt:

    Die Schuldfrage muss verschiedene Aspekte berücksichtigen, da liegt der Artikel richtig. Aber nebst der haarsträubend extremen (das mag juristisch gesehen korrekt sein, aber nicht für die öffentliche Bewertung) Anschuldigung an den Grenzwächter, bei seinem Handeln bewusst eine Totgeburt in Kauf genommen zu haben, stört mich, dass die Verantwortung der Hochschwangeren für das ungeborene Leben kaum Thema ist (zB Wahl von Zeitpunkt, Route der Flucht). Das sollte es aber – der Kontext des Vorgefallenen ist zentral, denn es gibt auch in der Ethik keine absoluten Werte!

    • Dimitri Papadopoulos sagt:

      Richtig. Anstatt hier einen tragischen Zwischenfall zum Gericht über die Moral einer ganzen Nation aufzublähen wäre es vielleicht interessant zu diskutieren, wie denn der Wert eines Menschenlebens hier im Unterschied zu Syrien so eingeschätzt wird.

  • Jean-Louis Parel sagt:

    Bundesverfassung Art. 7 (die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen)
    Wo ist das Verständnisvolle Verhalten das man von Mensch zu Mensch erwarten sollte? Ungeachtet der momentane Situation und Herkunft. Und übrigens, Foeten ab der 29e Gestationswoche sind meldepflichtig, also als vollendete Menschen zu betrachten! Shame on us…

    • Dimitri Papadopoulos sagt:

      Nein, ich schäme mich nicht. Ein Grenzwächter hat einen Fehler gemacht, ein ungeborenes Kind ist gestorben. Das ist schlimm. Es geschieht oft schlimmes in diesem Land. Menschen sterben weil der Krankenwagen erst nach 20′ kommt. Oder die Feuerwehr sie nicht mehr aus dem Feuer holen können.
      Nur weil jetzt eine Flüchtlingsfamilie Opfer eines Fehlers geworden ist, darf nicht die ganze Schweiz als Herd von Rassisten hingestellt werden. Das zu tun, ist beschämend.

      • Fragezeichen sagt:

        Nur weil jetzt eine Flüchtlingsfamilie Opfer eines Fehlers geworden ist, darf nicht die ganze Schweiz als Herd von Rassisten hingestellt werden. Das zu tun, ist beschämend.
        Danke!

  • Rico Hauser sagt:

    „… ist das Leben eines Menschen das höchste Gut, das man unter allen Umständen schützen muss.“ —- Gerade in den Herkunftländern vieler Migranten gilt eher das Gegenteil. Da wird wegen jeder Nichtigkeit Gewalt angewandt: Ehrenmorde, das Töten von „Ungläubigen“ wird unverhohlen propagiert, da gilt ein Menschenleben nicht viel. Bei uns hingegen wird durch exzessive Medizinalisierung, aufwendigste Behandlung schon minimer Wehwehchen, künstliche Verlängerung des Lebens mit immer raffinierteren und teureren Maschinen die medizinische Versorgung langsam aber sicher unbezahlbar. Bei uns herrscht das andere Extrem. Man sollte aus einer Totgeburt nicht so eine Staatsaffäre machen.

  • Dimitri Papadopoulos sagt:

    Es läuft ein Verfahren, aber die Tagi-Redakteurin hat ihr Urteil bereits gefällt. Erwartungsgemäss ist der uniformierte, bewaffnete Schweizer in ihrem Urteil schuldig, die Migranten-Familie aus Syrien ein Opfer dieses Uniformierten, der Staatsgewalt die er repräsentiert und natürlich der politischen Autorität (sowie, vermute ich einmal: Der Partei, dem der oberste Chef des Vorverurteilte angehört).
    Es geht hier überhaupt nicht um wertes oder unwertes Leben (nicht umsonst ist die Wortwahl im Artikel so gewählt, dass Assoziationen zu finsteren Zeiten schwer zu vermeiden sind), sondern darüber, ob der Angeklagte überhaupt die Dringlichkeit der Situation richtig einschätzen konnte und in ihr das medizinisch richtige getan hat, nicht wie er den Wert des ungeborenen Lebens einschätzte.

  • Yves Suter sagt:

    „Nicht jedes Leben ist gleich viel wert“

    Ja, und es ist besser, wir finden uns endlich mit dieser Realität ab, statt es unseren Seelen in Luftschlössern gemütlich zu machen.

    Oder wer hier wäre bereit, freiwillig das eigene Frühgeborene aus dem Brutkasten zu nehmen und den Platz einem Frühgeborenen aus einem Drittweltland zu überlassen? Wer gibt seinen gutbezahlten Job freiwillig her, damit stattdessen ein EU-Bürger dort arbeiten kann?

  • SrdjanM sagt:

    „Je nach Umständen ist das Leben eines Menschen zweitrangig.“

    Es wäre so schön, würden sich die Kommentatoren ihre Gedanken über diesen Satz machen, bevor sie in die Tasten hauen.
    Wollt ihr diese Aussage wirklich und unbedingt bestätigen?

  • Jane Weber sagt:

    Das der Grenzwächter die gesundheitliche Lage der hochschwangeren Frau komplett falsch eingeschätzt hat ist offensichtlich und ob diese falsche Einschätzung strafbar ist wird nun das Gericht entscheiden. Ich kann mich aus eine Artikel im 2014 erinnern, dass diese Syrerin noch sehr jung ist und ihren ca. 14 Jahre älteren Ehemann über eine arrangierte Ehe geheiratet hat, während er in Libyen oder Libanon lebte. Schon damals fragte ich mich beim Lesen dieses Artikels ob es wirklich von einem hohem Verantwortungsbewusstsein als Mann zeugt, dafür zu sorgen das die junge Frau mit 2 kleinen Kindern nochmals schwanger wird kurz vor der geplanten Flucht übers Meer nach Italien.

  • Fragezeichen sagt:

    1.)
    Nicht jedes Leben ist gleich viel wert
    In der Schweiz wird für die Gesundheit von Mutter und Kind alles unternommen. Wie konnte sich dieser Fall ausgerechnet hier zutragen?
    Ehrlich gesagt gefällt mir der Unterton in dieser Überschriften/Einführung zum Artikel nicht.
    Da unterstellt man einem bis dato unbescholtenen Menschen Absichten, von denen niemand wissen oder gar beweisen kann das dem so ist.
    Ich bin immer noch ganz dezidiert der Ansicht, dass sich a l l e die auf dem langen Weg der Fucht, ja sogar die Frau und deren Mann, eine gewisse Verantwortung für das tragische Elend übernehmen müss(t)en.
    Niemand weiss wie der ursprüngliche Zustand der Frau war als sie schwanger wurde, niemand weiss welche Strapazen sie auf der Flucht ausgesetzt war,

  • Richard Keller sagt:

    Frau Blumer, Danke für diesen Kommentar

    Kein Wort zum laufenden Verfahren. Aber wenn jemand die Hilfe in einer solchen Situation verweigert, dann gehört er bestraft und zwar heftig.

    Auch wenn ich weit davon entfernt bin, für alle Flüchtlinge in der Schweiz die Türen schrankenlos zu öffnen und nicht naiv genug bin zu glauben, dass es bei den Flüchtlingen, die bei uns landen, wirklich um Notfälle handelt, so ist wohl eine Hilfe in einer derartigen Situation selbstverständlich. Aber leider gab es in der CH immer schon eine üble Doppelmoral

  • Anh Toàn sagt:

    „…der Mann ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Militärstrafgericht, das den Fall verhandelt, klärt unter anderem die Frage: Wann beginnt das Leben eines Menschen?“

    Meines Erachtens, wie es die Römer sagten: Leben ausserhalb des mütterlichen Körpers. Ich halte nicht die alte feministische Forderung – mein Bauch gehört mir -, sondern die modernere – ich bin mein Bauch – für richtig: Also ist eine „fahrlässige Abtreibung“ keine fahrlässige Tötung, aber allenfalls strafbar als fahrlässige schwere Körperverletzung der Mutter: Es ist, als würde ein Körperteil von ihr abgetrennt, der dann stirbt. Das ist schwere Körperverletzung, die ist auch fahrlässig strafbar.

    • Ralf Schrader sagt:

      Formaljuristisch beginnt menschliches Leben ab der 28. SSW. Das muss man nicht mehr klären.

      Wen eine sichtbar hochschwangere Frau vor mir steht, das zu sehen muss man nicht Arzt oder Hebamme sein, ist die 28. SSW deutlich überschritten. Wenn die dann Beschwerden hat, handelt sich immer um unterlassene Hilfeleistung.

      • Anh Toàn sagt:

        Dann ist eine Hochschwangere, welche beim Mountainbiken eine Fehlgeburt verursacht, wegen fahrlässiger Tötung strafbar. Echt jetzt?

      • second step sagt:

        Wo haben Sie denn diesen Quatsch her mit der 28. SSW her? Quelle bitte! Wo soll denn das geklärt sein? „Formaljuristisch“ beginnt das Leben als eigene Person ab Geburt – sofern der Foetus lebensfähig ist – diese Grenze verschiebt sich immer weiter nach unten umd ist nun zwischen der 20 und 24. SSW. Im Weitern gibt es in der CH eine Embryonenschutzgesetztgebung – nach Ansicht des Gestztgebers entsteht menschliche Leben ( aber nicht als rechtsfähige Person) also viel früher. Das Ganze ist etwas komplizierter als von Ihnen dargestellt. Ich glaube Sie sind nicht ganz up to date.

  • Fragezeichen sagt:

    2.)
    wie ihre seelische Verfassung der Frau?
    Meine Frage, war vor dem unseligen Vorfall der Gesundheitzustand der Frau gut, wurde das durch Ärzte so festgestellt?
    Man untertsellt unterschwellig, in der Überschrift, dem Grenzwächter böswilliges Verhalten, ja sogar fremdenfeindliche Absichten werden angetönt. Das finde ich nicht in Ordnung.
    Jedes Kind das stirbt ist eine Tragödie, für alle Beteiligten, ganz besonders für die Mütter und Väter. aber jetzt den allein schuldigen in der Person des Grenzwächter zu suchen und zu finden ist nicht in Ordnung.
    Da müssten, von Rechts wegen, alle die mit der Frau zu tun haben, vor einem Gericht stehen.
    Noch einmal: jedes Kind das stirbt, ob vor oder nach der Geburt, ist eines zuviel!

    • Anh Toàn sagt:

      Von Rechts wegen stehen alle, die mit der Frau zu tun haben, mal als Verdächtige vor den Untersuchungsorganen. Diese untersuchen, wem strafrechtlich relevantes Verhalten beweisbar vorgeworfen werden kann. Dann kommen die Gerichte ins Spiel, die prüfen dann die Beweise, die rechtliche Würdigung usw.

      Dem Grenzgänger wird Fahrlässigkeit vorgeworfen: Bei Fahrlässigkeit liegt der Vorwurf in „pflichtwidriger Unvorsichtigkeit“. Hätte das Kind lebend geboren werden können, wenn er seine Arbeit richtig gemacht hätte und hat er sie falsch gemacht sind die Fragen. Nicht ob er allein schuld ist. (Eigentlich ist nie jemand alleine Schuld)

    • Ralf Schrader sagt:

      Die seelische Verfassung einer hochschwangeren Frau ist völlig irrelevant. Sie ist bei Beschwerdenäusserung ein medizinischer Notfall.

  • Peter Beutler sagt:

    Ich bin sprachlos. Ich bin entsetzt. Das hätte niemals passieren dürfen. Eine Schande für unser Land. Dass es Leute gibt, die nun Partei für den Grenzwächter ergreifen, ist unverständlich. Das es Leute gibt, die sich über den Beitrag von Clauio Blumer ärgern, darf doch nicht wahr sein. Über eine solche Niderträchtigkeit darf man nicht nur schreiben, nein, man muss es geradezu.

  • Sarah sagt:

    Danke für Ihren Artikel, Frau Blumer! Danke für die Frage, inwiefern die Praxis des zu bemitleidenden Grenzwächters eine Ausprägung von struktureller Gewalt darstellt. Die Antwort auf diese Frage wird uns Schweizerinnen und Schweizern wohl niemand abschliessend geben können. Die ernsthafte Suche nach der Antwort auf diese Frage könnte dem tragischen Ereignis aber einen Sinn geben.

  • P. Franken sagt:

    „Und selbst ein Teil der Bevölkerung mag – zumindest insgeheim – der Ansicht sein, dass ein illegal anwesender Flüchtling nicht dieselbe medizinische Versorgung für sich beanspruchen könne wie eine Schweizerin.“
    Es ist ja nicht so dass hier weniger Hilfestellung geleistet wurde, sondern eben garkeine. Es ist schon zynisch so zu tun als wäre dieser Fall etwas was kritisch abzuwären und zu diskutieren wäre. Bei solchen Blogbeiträgen stehen mir dann auch die Haare zu Berge.

  • K.A. Barett sagt:

    Der grösste Feind der Theorie ist die Praxis. Dies trifft auch auf hehre ethische Werte und moralisches Verhalten zu. Es ist selbstverständlich inakzeptabel, wenn einer Hochschwangeren in einer Krisensituation, die unter den Augen eines Vertreters der Staatsmacht eintritt, die erforderliche medizinische Hilfe verweigert wird. Das war wirklich etwas dämlich.
    Die italienischen Behörden und Ärzte mögen jetzt empört sein. Völlig unproblematisch ist dieses Verhalten schon deshalb nicht, weil nicht einmal alle italienischen Staatsbürger sicher sein könne, medizinisch jederzeit optimal versorgt zu werden. Mir sind haarsträubende Fälle persönlich bekannt.
    Man sollte deshalb vorsichtig sein mit Kritik.

  • Ralphi sagt:

    Es ist eine unverfrorene Frechheit und gleichzeitige Anmassung über eine an für sich gesunde Gesellschaft so herablassend zu urteilen von der man selbst ein Teil ist.

    • Sarah sagt:

      @Ralphi: kritische (Selbst-) Reflexion ist m.E. Teil eines jeden gesunden Systems. Es wäre ein Zeichen von Kranksein, wenn man angesichts des diskutierten Ereignisses nicht auch unsere Gesellschaft kritisch in Frage stellen würde. Die Antworten auf die Fragen können dann verschieden ausfallen.

  • Barbara R. sagt:

    Ich stelle mir gerade die Frage, wem ein Mensch „gehorchen“ muss/soll/tut…, wenn er vor die Entscheidung gestellt wird, entweder ein von Staates wegen erlassenes Gesetz zu brechen, also sich seinem Arbeitgeber zu widersetzen, oder sich menschlich zu verhalten, indem er sich mitfühlend zeigt und einem – in diesem Fall gleich zwei – Mitmenschen, nämlich Mutter und Kind, das Weiterleben ermöglicht. Sein Kind tot gebären zu müssen, tötet auch den Lebensantrieb einer Mutter weitgehend… – egal welcher Nationalität sie angehört.

    • Michi sagt:

      Diese Frage hat sich nie gestellt. Der Grenzwächter musste kein Gesetz und keine Vorschrift brechen und wusste auch die Konsequenz seiner Unterlassung nicht. Ihm dies anzulasten, ist absurd. Er hat die Lage schlicht falsch eingeschätzt und muss sich jetzt dafür verantworten.

  • U.Pachlatko sagt:

    Ich denke es ist gut einmal zu überlegen, wann das Leben beginnt. In andern Ländern kann man straflos bis fast an die Geburt abtreiben, bei denen scheint das Leben eben erst mit der Geburt zu beginnen. Es ist scheinheilig nun vom Wert des Lebens zu reden, wenn die gleichen Leute ungeborenes Leben nicht schützen, ja sogar aktiv zu töten bereit sind, wenn es ihnen nicht passt.
    Entweder schützen wir alles Leben, eben auch das ungeborene, oder wir massen uns einfach situationsbedingt an, wann ein Leben lebenswert ist und wann nicht.

  • Urs Engler sagt:

    Dem Gerichtsbericht in der heutigen NZZ ist zu entnehmen, dass die Anwältin des Opfers mehrere hunderttausend Franken als Genugtuung und Schadenersatz fordert…

  • Rolf Rothacher sagt:

    Logischerweise ist nicht jedes Leben gleich viel wert. Wer in der Schweiz geboren wird, dem kommt in der Regel in den Genuss einer Erstklass-Medizin. Problem-Geburten können da schon einmal mit Vor- und Nachbehandlungen ein paar hunderttausend Franken kosten. Gleichzeitig sterben in Entwicklungsländern Kinder, weil die zu ihrer Rettung notwendige Medizin 100 Dollar kostet, für die niemand aufkommt.
    Den Schweizer Anspruchs-Rahmen immer weiter auszudehnen, auf illegale Aufenthalter, auf Flüchtlinge, auf das nahe Ausland, auf Europa, auf den Mittelmeerraum usw. führt zu rein gar nichts.
    Wir können unsere sauteure Medizin nicht allen Menschen zu Gute kommen lassen. Deshalb ist UNS nicht jedes Menschenleben gleich viel wert.

  • Jessas Neiau sagt:

    Liebe Frau Blumer. Ihrer Meinung nach ist alles Leben gleich viel wert. Ich bin nicht dieser Meinung. Wer die Augen offen hat, der sieht an jeder Ecke, dass es nicht so ist und dass es auch gar nicht sinnvoll wäre. Was mir nicht reingeht ist, warum so viele Leute lieber mit geschlossenen Augen herumlaufen und sich solche Meinungen wie die Ihre bilden.

  • Gisela Egli-Zemp sagt:

    Der Grenzer mag gedacht haben: „Die simuliert doch nur.“ Es kann vorgekommen sein, dass Menschen simuliert haben. Wenn man den gleichen Menschen 3 x beim Simulieren erwischt, würde ich ev. auch die Geduld verlieren. Lieber einem Simulanten zu viel helfen als als einmal zuwenig. Hier geht es um Schwangerschaft. Ich war fassungslos, als ich das gelesen hatte. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Selbst wenn das Kind im Spital gestorben wäre, kann vorkommen, Hilfe verweigern ist abscheulich , egal mit was für Gesetzen man kommt. Dass manche Menschen weniger wert sind als Schweizer ist arrogant und dekadent. Die reiche Schweiz hat wie viele andere Länder von billigen Saisonniers profitiert, fremde Gelder angenommen und in Amerika Sklaverei betrieben. niemand ist weniger wert.

  • albert kugler sagt:

    Wieviel Wert ist ein Menschenleben? Die katholische Kirche hat eine Antwort. Lebensversicherungen haben eine Antwort. Jeder wird seine Antwort dazu haben. Es geht um eine andere Frage, nämlich um Gesundheit und dessen Kosten. Wenn man aber etwas in der Welt rumkommt merkt man sehr schnell einmal, dass Gesundheit ein Luxus ist und dass Spitäler nur behandeln wenn klar ist wer was wieviel bezahlt. Ich habe selber schon gesehen, dass Menschen sterben, weil niemand mit Bargeld zur Hand war. Der Mensch, der starb, war gleichviel Wert wie wir alle. Er hatte einfach nur kein Geld. Das können wir verurteilen, dann verurteilen wir 95% der Welt.

  • Trixa Rot sagt:

    Entscheidend ist doch die Textsorte. Frau Blumer hat einen Kommentar zu einem wichtigen Vorgang geschrieben. Der kann subjektiv gefärbt sein und muss nicht die Kriterien eines neutral gehaltenen Nachrichtenbeitrags erfüllen. Damit werden viele der Beiträge obsolet. Dass es in der Schweiz eine besondere Form der Hartherzigkeit gibt, die sich unter dem Mantel eines – gern finanziell und wirtschaftlich begründeten – Utilitarismus als „gesunder Menschenverstand“ ausgibt, und völlig kritikresistent ist, zeigen einmal mehr die meisten der Kommentare hier. Insofern setzt sich hier mit Worten fort, was der Syrerin an der Grenze widerfahren ist.

    • Brigitte Steiger sagt:

      Liebe Frau Rot, Menschen an sich sind meines Erachtens allesamt nicht nur warmherzige Engel, aber eine besondere Hartherzigkeit ist mir in der Schweiz noch nicht aufgefallen.
      Welches Land ist ihrer Ansicht nach denn warmherziger? Und wie messen sie, woran erkennen sie dies?

  • Brigitte Steiger sagt:

    Zitat: „Eine unbewusste, in der Gesellschaft tief verankerte Haltung, die besagt, dass das Leben eines Flüchtlings weniger wert ist als unseres.“
    Ich glaube, diese Haltung gibt es. Ich würde es mit intuitiver, den Menschen innewohnende Skepsis gegen das Fremde an sich erklären.
    Treffen wir jedoch persönlich auf hilfsbedürftige Fremde, so wage ich doch zu behaupten, dass die meisten von uns gerne helfen.
    Ich denke aber, dass diese Hilfsbereitschaft im Moment überstrapaziert wird. Einerseits durch die schiere Anzahl an Flüchtligen und Migranten, die zudem aus ganz anderen Kulturkreisen stammen. Und sicher auch durch die von einigen von ihnen praktizierte Anspruchshaltung und Undankbarkeit, die für viele von uns nicht nachvollziehbar ist, ja als frech empfunden wird.

  • Anthony sagt:

    Die Schweizer das Schlechteste ueber Fluechtlinge denken zugleich wie der Rest von Europa.
    Und mit Anrecht muss man gestehen das man den Schlechtgedanken ueber Fluechtlinge echt nicht loswerden kann. Grund ist wenn man ansieht wie sich diese Fremden ungebildeten Menschen die nichts anders lebenswert als ihre Religion haben, sich auch wenn in unseren Laender niedergelassen, trotzdem schlecht und schleichhaft benehmen.
    Es wuerde mich nicht erschtaunen das die Frau gezielt in die Schweiz reiste, denkend das man
    A. Pflege einer schwangeren Frau genehmigen wuerde
    B. das kurzegeborene Kind das „Oriundis“ Recht beansprechen koenne und rechtlich in der Schweiz bleiben koenne

  • Walter Roth sagt:

    Unsinn……………..
    Wir leisten uns mal wedie3r einen moralischen Luxus der Extraklasse.
    Einen Luxus den diese illegale Emigrantin in ihrer Heimat übrigens niemals beanspruchen könnte.

    In Indien werden die Mädchen abgetrieben, oder getötet nach der Geburt, in China das selbe.
    In vielen Muslimischen Gesellschaften herrschen Männer fast Total über ihre Familien, auch über die Neugeborenen.
    Und solche illegalen betätigen sich sogar selber als Schlepper und setzen ihre eigenen Familien dem Todesrisiko aus ( Fall Aylan Kurdi ), aber wir Schweizer belästigen einen Grenzwächter der seine Arbeit machte mit einem Prozess.

    Egal was passiert, Illegale Migranten haben mehr Rechte.
    Was diese Frau hier tut, würde sie in ihrer Heimat nicht mal denken.
    Und wir fallen drauf rein.

  • tim meier sagt:

    „Kollektivschuld? Tief verankerte Haltung, die besagt, dass das Leben eines Flüchtlings weniger wert ist als unseres.“
    Eine etwas gewagte Behauptung.
    Ein Grenzwächter hat genügend Menschenkenntnis. Er mag die Situation diesmal falsch eingeschätzt haben, sie endete tragisch. Der Vergleich mit der Expat-Familie hinkt gewaltig: denen wird der rote Teppich ausgerollt, die Flüchtlinge werden kaltherzig zurückgeschickt. Der ‚Schweizer‘ soll sich seit dem WK 2 nicht weiterentwickelt haben. In diesem Artikel gehts doch nur um Stimmungsmache gegen die Grenzwache wie kürzlich in Chiasso.

  • Hans Müller sagt:

    Als Flüchtling bist du fast in jedem Land der Welt für die Einheimischen ein Mensch der 2. Klasse. Und möchte nie erleben falls wir im Westen wegen Krieg in den nahen Osten fliehen . Wie die Arabischen Länder mit den dann meist Christlichen Flüchtlinge umgehen werden.

  • Margot sagt:

    Selbstverständlich ist nicht jedes Leben gleich viel wert. In der Fernsehshow ’60 Minuten‘ am 12. Mai 1996 fragte Lesley Stahl die damalige US-Aussenministerin Madeleine Albright: „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind (wegen der Sanktionen gegen den Irak). „Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und sagen Sie, ist es den Preis wert?“ Albright: „Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis – wir glauben, es ist den Preis wert.“ Das werde ich nie vergessen, aber das sind ja unsere lieben Freunde.

  • werner boss sagt:

    Warum wird immer nur dann über ein solches Thema geschrieben, wenn ein für die meisten für uns undurchschaubarer, aber tragischer Fall vorliegt? Solche Diskussionen sind eher dazu geeignet vorhandene Fronten zu verhärten, als der Lösung der Probleme näher zu kommen und MITEINANDER die Dinge so zu regeln, das niemand zu Schaden kommt, aber andere nicht einfach die Verantwortung abgeben können.

  • Klara Melin sagt:

    Das Schicksal ist tragisch.
    Aber wie immer im Tagi eine total einseitige Berichterstattung.
    Ich nehme an, dass der Grenzwächter sich eine Menge von gewissen „Flüchtlingen“ gefallen lassen muss und vor allem auch eine Menge Lügen serviert bekommt. Mich wundert es nicht, dass er vermutlich geglaubt hat, die erzählen ihm nur eine Story, um nicht wieder ausgeschafft zu werden.
    Nirgendwo konnte man vorher die Seite des Grenzwächters lesen.

  • Yolanda Hecht sagt:

    Der blinde Fleck ist noch andernorts. Eine aus dem Unterleib blutende Schwangere kann in Lebensgefahr sein. Das weiss jeder. Die unterlassene Nothilfe bei der Frau wäre daher auch ein Straftatbestand gewesen. Die Grenzwächter redeten sich damit heraus, die Situation falsch eingeschätzt, nicht als Notfall erkannt zu haben. Das sind Schutzbehauptungen, denn sie wussten, dass die Frau blutete. Was ist ein Notfall, wenn nicht eine aus dem Unterleib blutende Schwangere. Man hörte vor Gericht auch noch Worte, die fatal an die Mutter aller Ausreden erinnerten: Wir haben nur Befehle ausgeführt. Es ging in diesem Fall kaum um Rassismus, sondern um Rangordnung, Gehorsam und Abgabe der Verantwortung nach oben, erwünschtes militärisches Verhalten eben.

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