Attacke Amstutz

Starker Mann, nicht so starker Mann: Adrian Amstutz und Guy Parmelin beim SVP-Fraktionsausflug im Sommer 2017. (Foto: Ennio Leanza/Keystone)

Es ist eine reife Leistung. Mit einer spektakulären Intervention in der NZZ hat Adrian Amstutz, Noch-Fraktionspräsident der SVP und Haudegen aus dem Berner Oberland, das Bundesberner Thema der Woche gesetzt. Es heisst: Guy Parmelin.

Adrian Amstutz also war sauer. Aufgebracht hatte ihn eine harte, aber lesenswerte NZZ-Analyse über Guy Parmelin. Autor Marc Tribelhorn urteilte, der Weinbauer aus der Waadt, der seit bald zwei Jahren an der Spitze des Verteidigungsdepartements (VBS) steht, sei ein «Monsieur Fehlschuss». Eine ganze Zeitungsseite lang reihte Tribelhorn Verfehlungen des VBS-Chefs aneinander. Nur ein wohlwollendes Wort brachte er zu Papier. Parmelin sei «bodenständig». Man muss von einem Verriss sprechen.

Ein Aufräumer im «VBS-Stall»

Weil Adrian Amstutz offenbar «harsch» auf diesen Befund reagierte, gestattete ihm die NZZ eine Gegendarstellung in Interviewform. Amstutz bedankte sich, indem er die NZZ beschimpfte («das Hausblatt des Edelfreisinns»).

Überdies sei es «dummes Zeug!», so Amstutz, dass Parmelin mit der Freistellung des Oberfeldarztes Andreas Stettbacher und dem Abbruch der Raketenabwehr-Evaluation Bodluv eine schlechte Figur gemacht habe. Vielmehr packe Parmelin die Herausforderungen in seinem Departement an. Parmelins Entscheide sorgten im «VBS-Stall» für Aufruhr. Diese Unruhe habe heilsame Wirkung. Denn, so Amstutz, «der grösste Feind der Armee ist die Armeeverwaltung selber». Es gebe verkrustete Führungs- und Beförderungsstrukturen und «zu viele hohe Offiziere, die sich in Bern mehr um ihre Karrieren kümmern als um die Sicherheit der Menschen im Land».

Ein Schlag, zwei Treffer

Es wurde schon viel über dieses Interview nachgedacht. Auch öffentlich. So hat der «Blick» spitz bemerkt, dass Amstutz’ Philippika ein Departement trifft, das seit 22 Jahren in der Hand der SVP ist. Verantwortlich für die heutigen Zustände im VBS-Stall wäre daher hauptsächlich Bundesrat Ueli Maurer, der von 2008 bis 2015 Chef des VBS war.

Es stellt sich aber auch die Frage: Wenn Guy Parmelin jemanden braucht, der ihn rigoros verteidigt gegen Kritik; jemanden, der seine Pleiten zu mystischen Triumphen umdeutet; jemanden, der ihn väterlich in Schutz nimmt gegen alles Unbill da draussen – wenn Parmelin also einen wie Amstutz braucht, was sagt das über Parmelin aus? Leider nichts Gutes. Nur wer schwach ist, braucht einen starken Beschützer. Adrian Amstutz hat mit einem Interview beide SVP-Bundesräte desavouiert. Ein Schlag, zwei Treffer. Wirklich, eine reife Leistung.

28 Kommentare zu «Attacke Amstutz»

  • werner boss sagt:

    Genau das ist die Sauce, in der unsere Armee seit Jahren dahin köchelt. Und alle geben ihren Senf dazu, nicht nur die SVP! In unserer Armee fehlt eigentlich genau das, was unser Land einmal so stark gemacht hatte und uns allen viel Wohlstand und Anerkennung in dieser Welt brachte. Aber heute leben wir in einer destruktiven Zeit, in der alles weggeworfen wird was einmal erkämpft wurde. Die Nachkommen werden büssen dafür!

    • Stephan Lombris sagt:

      Herr Boss, ausser, dass eine Armasuisse oder dass wir einen Duro-Klapperfourgon für eine halbe Milliarden sanieren, vielleicht noch die ortsansässigen Beizen, Metzger und Bäckereien, die eine kleine WK-Garnison alimentieren, steuert eine Schweizer Armee gar rein nichts zum wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz bei, früher nicht, heute nicht und auch morgen nicht. Die Wehrhaftigkeit unserer Volksarmee sind gespickt mit Fragezeichen, nicht destotrotz sind und waren es nicht rechtsknusprige SVP- Gesellen, die der Schweiz den Rückenstärken, sondern im grossen Teilen die Büezer aller Schichten und Altersklassen, die tagtäglich und frühmorgens den Arsch aus dem Bett stemmen und dafür sorgen, dass die Wertschöpfungskette zwischen Genfer- und Bodensee nicht abreisst. Destruktive Zeiten? I wo!

      • Caro sagt:

        Danke Herr Lombris, genau so ist es.

        • werner boss sagt:

          Lieber Herr Lombris, seit wann waren die Büezer alle links??? Zudem, um ihrem kurzen Gedächniss nachzuhelfen, die Schweiz ist aus Landwirtschaft und seriösem Handwerk entstanden, nicht aus rebellierenden Büezern!

          • Peter Sieber sagt:

            Hr Boss, das war vielleicht vor 100 Jahren so, in den letzten ca 80 Jahren überlebte die Schweiz nur dank diversen hinter verschlossenen Türen ausgehandelter krummer Deals, Beihilfe zum Steuerbetrug oder die Lieferung von Waffen an Diktaturen. Seit sich die Büezer 1918 selbst kastrierten durften sie sich nämlich nicht mehr gegen jegliche Frechheit der Patrons wehren. Soviel zum Ihrem kurzen Gedächtnis.

            Was ich ganz schön finde an dem Artikel ist dass Amstutz das VBS als Stall tituliert. Mal kurz überlegen wer denn vor Parmelin das VBS zu einem Stall verkommen liess… da war „kei Luscht“ Maurer – SVP, vor ihm war Samuel Schmid – gewählt als SVP und davor war Adolf Ogi – SVP. Seit 1995 war das VBS also in der Hand der SVP und das sagt einiges aus darüber wie das VBS zum Stall wurde.

  • Jan Holler sagt:

    „Feind, Totfeind, Parteifreund“
    An solchen Geschichten offenbart sich die komplette Widersprüchlichkeit der SVP. Wer seine Hoffnungen in eine solche Partei setzt, der hat wohl keine mehr.
    Was Parmelin im Anschluss an den Olympiaentscheid des Bundesrates als Interview gegeben hat, hat uns gezeigt, woran wir mit ihm sind. Da war sein Deutsch noch das Beste, was er zu bieten hatte. Inhaltlich kam da nichts, nur Floskeln und schon hundert Mal gehörte Hoffnungen auf irgendwelche positiven Effekte.
    Es ist ja auch bezeichnend, dass SVP Bundesräte alle im VBS landen. Da meint man wohl, können sie am wenigsten Schaden anrichten. Auch gut, als GSOA wäre ich hocherfreut über solche Besetzungen.

    • Bernard Strähl sagt:

      Und wenn die SVP BR könnten wie bei der zwei letzte Male, wollen sie nicht das Departement wechseln: Justiz und Aussenministereim. Warum wohl? Ein Schelm der Böses denkt . . .

  • Tom Maier sagt:

    und somit ist bewiesen dass die SVP nicht fähig ist Regierungsverantwortung zu übernehmen. Egal ob man es in der kurzen Zeit „Parmelin“ sieht oder in der „Kei-Luscht“-Priode davor. Offiziell abgesegent durch den eigenen Fraktionspräsidenten.

  • Luzia Keller sagt:

    Es wird Zeit, dass der ‚VBS-Stall‘ von einer friedensfördernden Partei geführt wird. Wir brauchen dort weniger Betonköpfe für unsere Sicherheit, sondern integre Fachleute mit Rückgrat und aussergewöhnlicher Intelligenz. Wenn es wirklich um die Sicherheit des Schweizer Volkes gehen würde, wären an der Spitze genau solche Leader. Nur mit viel Geld, Kanonen und Kampfjets kann kein Krieg mehr gewonnen werden, sondern mit aussergewöhnlicher Intelligenz und IT-Profis gegen Cyberattacken. Wer hat den Mut und räumt im VBS dahingehend auf?

    • Inglin Albert sagt:

      Keller@: Friedensfördernde Partei? Sie meinen wohl die SP? Dann können wir die Armee genau so gut abschaffen. Und aussergewöhnliche Intelligenz wie Sie sie fordern ist nicht parteiabhängig.

  • Beppi Hermi sagt:

    Die Nerven liegen blank im VBS und bei den SVP-Granden. Nach Blocher, Maurer, Parmelin hätten die doch so gern, dass endlich ein wirklicher Tellensohn, der das Parlament und das Volch für die Ideale Blochers begeistern kann ins Bundeshaus einzieht.

  • Markus Sutter sagt:

    Und Frau Sommaruga wird nie von Hr. Levrat verteidigt? Und Hr. Schneider-Ammann wird nie von FDPler in Schutz genommen? Ein merkwürdiger Artikel ist das schon. Abgesehen davon ist das Militärdepartement wohl dasjenige Departement, wo man als Bundesrat am wenigsten machen kann, da man stets abhängig ist vom Budget, welches die anderen Bundesräte und das Parlament verabschieden. Mit zu wenigen Mitteln (das Militär ist der EINZIGE Budgetposten, wo man heute WENIGER ausgibt als vor 10 Jahren. Bildung im Gegenzug z.B. +80%. Sozialwesen +53%) kann man eben Missstände nicht beheben. In anderen Departementen kann man mit simplen Gesetzesänderungen Dinge verändern. Im Militärdepartement geht das nicht. Wohl auch ein Grund, warum sich alle Parteien bis auf die SVP um das Militärdepartement drücken.

    • Béatrice Fischer sagt:

      Es ist wie Markus Sutter schreibt. Parmelin musste als neuer BR das VBS übernehmen, weil Maurer ins EFD abging. Kann Parmelin etwas dafür, dass er keine vertieften Kenntnisse und Erfahrungen über und bei der Armee hat? Kann er etwas dafür, dass er ein Departement übernehmen musste, dass von Vorgängern in den Abgrund geritten worden ist? Was hat denn Maurer hinterlassen? Eine Armee die nicht in der Lage ist, den Art. 58 BV, die Landesverteidigung zu gewährleisten. Gibt es nicht im höheren Offizierskorps Intriganten und Mitarbeiter, die den gutmeinenden Chef mit falschen Informationen bedienten? Und haben nicht VBS-Angestellte reklamiert, Parmelin verlange zu viel Leistungen von ihnen? Es ist nur richtig, dass sich NR Amstutz vor Parmelin stellt, der einen Sauladen übernehmen musste.

      • Viktor sagt:

        Ach Frau Béatrice Fischer, schön wie sie hier verteidigen, wie eine richtige SVPlerin. Nur Frau Fischer, wäre es dann nicht schon in den 8 Jahren Maurer (wohl vergessen, dass dieser auch SVPler ist) Amstutz mal so richt dort im Bundesbern auf den Tisch gehauen hätte? Oder, mal die Kommissionen mal richtig ihre Arbeit machen würden? Überigens auch mehrheitlich SVPler!

  • Hanspeter Fischer sagt:

    In einem hat Amstutz recht, es gibt zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer,
    überall. Aber ich denke Amstutz`s Nachfolger hätte diese „Richtigstellung“ in der NZZ viel glasierter und geschmeidiger vorgebracht.

  • Thomas Hartl sagt:

    Die Ironie an der SVP-Politik liegt darin, dass in einer Zeit, in der Cyberangriffe unsere Stromversorgung, unsere Kommunikationsnetze und damit unsere Wirtschaft lahm legen können, noch massive Investitionen in Flugzeuge, Panzer und Artillerie gefordert werden. Absurd wird es aber, wenn gleichzeitig unsere stärksten Waffen in modernen Kriegen, unsere Medien, mit einer No-Billag-Initiative an Private und ins Ausland verschachert werden sollen. In diesem Masse hätte uns nicht einmal die GSoA entwaffnet.

    • Claude sagt:

      Danke für diesen Kommentar, Sie sprechen mir aus der Seele. Die Privatisierung der eigentlich staatlichen Aufgaben ist schon lange im gange, und wird wohl in einem Ausverkauf enden. Weils profitabler ist, zu verkaufen, als zu sanieren.

      • Viktor sagt:

        Nein Claude,
        Die Sanierer werden auch wieder vom Ausland kommen, wie diejenigen, die der Schweiz im industriellen Bereich, gross machen und die FTPler (Banker) im Grössenwahn nahezu in den Ruin getrieben haben, übrigens auch z.T. Eidgenossen

  • Benno L. Tobler sagt:

    Bizarr: Ein eigentliches Gepolter mit der Attacke von SVP-NR Adrian Amstutz. Bei der Verhinderung der Rentenreform 2020 haben sich Adrian Amstutz und die FDP so herzlich und harmonisch umarmt. Adrian Amstutz und die FDP-NZZ stehen nun ahnungslos ohne Lösungen zu einer mehrheitsfähigen Altersreform am Stutz.

    • Samuel Hotz sagt:

      Die erste Lösung ist mal, dass man ein defizitäres Sozialwerk nicht noch ausbaut mit 70-Franken-Geschenken nach dem Gieskannenprinzip im Gesamtumfang von jährlich wiederkehrenden 1.2 Mrd. bis über 3 Mrd. im Jahre 2030

  • Hansruedi Tscheulin sagt:

    «Das Hausblatt des Edelfreisinns» soll eine Beschimpfung sein? Das muss man uns zuerst erklären, denn von alleine kommt man nicht darauf.

  • Lori Ott sagt:

    Die SVP ist halt sowieso eine schwache Nummer. Von dem her ist bei Parmelin alles im grünen Bereich wenn er von Amstutz gestützt werden muss.

  • Christoph Gut sagt:

    Ich fasse zusammen:
    Amstutz (SVP) will uns sagen, dass Parmelin (SVP) den Saustall VBS ausmisten muss, den Maurer (SVP) 7 Jahre als Bundesrat geführt und Parmelin vor 2 Jahren übergeben hat. Ein Saustall mit hohen Offizieren, die nur an ihre Karriere denken, der übrigens seit 1995 ausschliesslich von SVP-Bundesräten geführt wird. Es handelt sich hier also um ein jahrzehntelang verschlepptes innerparteiliches Problem, das auf Kosten der Schweizer Eidgenossenschaft ausgetragen wird. Dies im wahrsten Sinne des Wortes.

  • Winkler sagt:

    Amstutz hat RECHT, basta!!!!!

    • Patrick sagt:

      @Winkler was für ein fundiertes und klärendes Statement, ihrerseits. Es ist schön das ihre Partei respektive der Fraktionsvorsitzende eine Aussage machen kann und Sie übernehmen diese ohne zu denken. Ich stehe auch zu einer Partei, aber trotzdem habe ich eine eigene Meinung und diese ist einigemale nicht deckungsgleich mit meiner favorisierten Partei. Bitte das nächste Mal auch erklären wieso Herr Amstutz recht hat, danke.

  • Rolf Zach sagt:

    Die Schweizer Armee ist nicht mehr die automatische Transfer-Maschine ihrer Offiziere in die Kader-Stellungen von Staat und Privatwirtschaft. Der Rang eines Offiziers-Rang war sehr vorteilhaft bei der Besetzung dieser Posten, oft wichtiger als die entsprechende Ausbildung dazu. Unter diesem Entzug leidet noch der ganze Apparat. Die SVP hasst die UNO und bekämpft jeden Einsatz unserer Armee bei den UNO-Friedenstruppen. So verlieren unsere Offiziere Reputation und ihr Einsatz ist nur noch eine virtuelle Übung, die jedes Management Seminar einer Universität besser veranstalten kann. Klar man hat immer noch Menschen als Untergebene und die Armee ist eigentlich viel effizienter in ihrem kleineren Ausmass heute als dieser grässlich überbürokratisierte 700’000 Mann Betrieb vor 1989.

  • Peter zahnd sagt:

    Schade, gibts nur ein VBS. So können wir immer nur einen SVP-Bundesrat versorgen, wo er möglichst wenig Schaden anrichten kann. Der andere bleibt ein hohes Restrisiko.

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