E-Government, nein danke!

Politblog

Sieht so der Behördenkontakt der Zukunft aus? Roboter Saya arbeitet in einer Universität in Tokio als Réceptionistin. Foto: Itsuo Inouye (Keystone)

Es ist schon eine Weile her. Anfang der Nullerjahre dominierten Schlagwörter wie E-Commerce oder E-Business die mediale Berichterstattung. Die Öffentlichkeit war von den künftigen Möglichkeiten des Einkaufens per Mausklick elektrisiert. Bald gesellte sich der Begriff E-Government dazu. Die Virtualisierung des öffentlichen Sektors wurde kurzerhand von der IT-Branche zur nächsten Internet-Revolution ausgerufen. Das machte sie aus purem Eigennutz, weil nach dem Platzen der Dotcom-Blase all die Software- und Hardwarehersteller, Systemintegratoren und Unternehmensberatungen auf der Suche nach neuen, kommerzialisierbaren Ideen waren. Prompt erschienen von der Branche verfasste und von den Medien dankbar verbreitete Studien, wonach sich die Schweiz beim E-Government nicht einmal unter den weltweit besten zwanzig Ländern finden würde.

Das konnten ehrgeizige Verwaltungsbeamte und Politiker nicht auf sich sitzen lassen. Virtuelle Amtsschalter schossen wie Pilze aus dem Boden. Biel etwa nannte sich online «ebiel», Bern begrüsste seine Besucher im Internet mit «Willkommen in der virtuellen Stadt Bern». Nun konnte man in vielen Städten der Verwaltung per E-Mail Fragen stellen, Fristerstreckungsgesuche für die Steuererklärung online einreichen oder das Anmeldeformular für den Schulzahnklinikbesuch seines Kindes aus dem Internet herunterladen (wobei das Formular aber von Hand ausgefüllt und mit der Post eingeschickt werden musste).

Der gläserne Bürger als Begleiterscheinung

Vielleicht hat der Verfasser dieser Zeilen ungewöhnlich wenig mit Behörden zu tun. Jedenfalls hat er den Eindruck, dass sich seitdem – abgesehen davon, dass die Steuererklärung nun auch elektronisch eingereicht werden kann – nichts Grundsätzliches geändert hat. Und das ist auch gut so. Wie die Erfahrungen mit E-Commerce zeigen, ist bei weitem nicht alles perfekt. Spätestens wenn der Kundendienst bei einem Problem nicht telefonisch erreichbar ist, hört der Spass auf.

In diesem Zusammenhang müssen sich auch die schwedischen Behörden immer wieder Kritik gefallen lassen. Das Land ist stolz auf seine führende Rolle beim E-Government. Praktisch alle staatlichen Dienstleistungen werden per App, E-Mail oder SMS abgewickelt. Telefonisch oder persönlich sind die Beamten aber kaum erreichbar (sofern sie nicht bereits durch einen Automaten ersetzt wurden). Dazu kommt, dass die Digitalisierung – ob gewünscht oder nicht – als Nebeneffekt den gläsernen Staatsbürger schafft. Die Skandinavier haben traditionell ein anderes Verhältnis zum Staat als wir: Eine hohe Transparenz – zum Beispiel durch die Aufschaltung der finanziellen Verhältnisse aller Bürger ins Internet – wird mit Fairness gleichgesetzt.

Wenn jetzt also wieder irgendwelche selbst ernannten Experten in der Schweiz fordern, dass alle Behördenkontakte und öffentlichen Dienstleistungen endlich über das Smartphone abgewickelt werden müssten, weil ansonsten die Schweiz den Zug verpassen würde, dann sollten wir uns davon nicht beeindrucken lassen. Denn der Schweizer Staat funktioniert im weltweiten Vergleich bestens. Dank Telefon und Briefpost.

52 Kommentare zu «E-Government, nein danke!»

  • Stefan W. sagt:

    Absolut einverstanden. Für e-Government besteht kein vernünftiger Grund. Ein Computer ist das bis zum Extrem überzeichnete Zerrbild eines sturen Beamten, und genau das will ja eigentlich niemand.

    Ein noch viel wichtigerer Punkt ist meines Erachtens e-Voting: das ist nicht nur unnötig, sondern geradezu gefährlich, wegen der inhärenten Manipulierbarkeit und der Möglichkeit, Manipulationen unbemerkt vorzunehmen. Ich weiss, Experten versichern uns jeweils wortreich, dass jede Manipulation unmöglich wäre und jeder Einbruch festgestellt würde. Nur: Die Erfahrung mit anderen gut gesicherten EDV Systemen zeigt, dass so ein Experten-Glaube fast immer irgendwann durch schnöde Fakten widerlegt wird. e-Government und E-Voting wären früher oder später das Ende der Demokratie, wie wir sie verstehen.

    • Mario Monaro sagt:

      Dass manche Menschen aber Probleme mit den Öffnungszeiten haben und froh wären/sind, wenn sie die Dinge am Abend oder Wochenende erledigen können, ist für Sie kein Argument?

    • Christoph Bögli sagt:

      Auch bei Online-Diensten bearbeiten natürlich immer noch menschliche Beamte die Anfragen und keine Computer. Wenn einem nicht mal das bewusst ist, kann natürlich nur Unsinn dabei herauskommen. Richtig gemacht ändert sich bei e-Government halt bloss, dass man daheim kurz auf „senden“ klickt anstatt dass man 2h in einer Schlange steht um sich dann von einem cholerischen Schalterbeamten anpampen zu lassen..

      • Rolf Rothacher sagt:

        Sie übertreiben masslos (2h anstehen, anpampen lassen) und denunzieren ohne Not Behörden und Beamte bzw. öffentlich-rechtliche Angestelle. Sie sollten sich schämen.

      • Andreas F. sagt:

        Klar, alle Schalterbeamten sind cholerisch! Und wie viele Male im Leben haben Sie wohl wegen einem Formular 2h in einer Schlange gestanden?

        • Christoph Bögli sagt:

          Schwer zu sagen, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal überhaupt auf einem Amt herumstand, e-Governance sei Dank. Insofern war das etwas geflunkert, aber Überzeichnung ist natürlich ein Stilmittel um den entscheidenden Punkt deutlich zu machen. Sicherlich gibt es genug freundliche Schalterbeamte und der Vorgang ist je nach dem auch schnell. Entscheidend ist aber bloss, dass das selbst im Optimalfall noch unendlich viel umständlicher und zeitaufwendiger ist, als das daheim rasch am Computer zu erledigen..

    • Reto Stadelman sagt:

      Effizienz. Ein vernünftiger Grund. Punkt.

    • U. Knecht sagt:

      Haha, Herr Bögli. Früher warteten wir 10 Minuten vor dem Schalter, heute warten wir eine gefühlte halbe Stunde in der Hotline und hören Musik 🙂

      • Christoph Bögli sagt:

        Also heute schicke ich einfach die Anfrage, das Formular, etc. per Mail und damit ist die Sache in ein paar Sekunden erledigt. Ein Hotline habe ich jedenfalls schon ziemlich lange nicht mehr verwendet. Wobei auch diesbezüglich Ihre Zeitangaben überaus willkürlich sind. Und dabei auch verschweigen, dass man zum Schalter erst einmal hinkommen muss und das natürlich in den alles andere als grosszügig bemessenen Öffnungszeiten, die es jedem arbeitenden Menschen unmöglich machen, jenen überhaupt aufzusuchen.

        Es mag ja zugegeben paradox wirken, aber der vermeintlich „direkte“ Kontakt gibt den Behörden wesentlich mehr Möglichkeiten, sich hinter kafkaesken Strukturen zu verstecken und unzugänglich zu machen..

      • Stefan W. sagt:

        Das stimmt so nicht, Herr Bögli. Viele Aufgaben lassen sich formular- und datenbankbasiert vollautomatisch erledigen. Das ist ja gerade der Witz davon… Natürlich gibt es immer noch Menschen, aber die sehen längst nicht mehr jeden Vorgang. Und wenn Sie Pech haben, dann können Sie mit einem Computer darüber diskutieren, wieso Sie jetzt in diesem Fall spezielle und etwas andere Betrachtungsweise für angezeigt halten.

        Aber vielleicht dringen Sie ja auch in nützlicher Frist durch die Warteschleife zu einem der wenigen Menschen durch, die in einem Callcenter in Indien darauf warten, Ihnen ganz herzlich für Ihr Telefonat zu danken und Ihnen zu versichern, dass man Ihr Problem selbstverständlich ernst nehme und umgehend an die entsprechende Stelle weiterleite.

        • Christoph Bögli sagt:

          Nun, bei Standardprozessen mag das sein, aber gerade dann laufen diese i.d.R. wesentlich schneller und fehlerfreier ab als bei Handarbeit. Automatik hat ja gerade den netten Vorteil, dass kein Formular irgendwo im Stapel vergessen geht oder falsch einsortiert wird.

          Der Rest stammt wohl von irgendwelchen privaten Callcentern und hat mit e-Governance nichts zu tun. Nennen Sie mir ein Land, das offizielle Behördenvorgänge nach Indien ausgelagert hat. Wie gesagt, ich durfte in Skandinavien Erfahrungen aus erster Hand sammeln und da war es nie ein Problem per Mail oder Chat innert Minuten jemanden zu erreichen um ein spezielleres Anliegen vorzubringen. Das dann meist am nächsten Tag bereits erledigt war.

      • Itin sagt:

        Danke Herr U.Knecht Sie sagen es. !
        Nur, haben viele dies noch nicht verstanden.
        Erst noch gegen Gebühr zum Teil. !

  • Roland K. Moser sagt:

    Ein Teil des E-Government ist das brandgefährliche E-Voting: Es ist korruptions- und fälschungsanfällig.
    Wer E-Voting will, will betrügen. In einer Zeit in der 80 % der Stimmbürger etwas anderes wollen, als 80 % der Bundesverwaltung, erstaunt es nicht, dass E-Voting eingeführt werden soll.

    Zum Rest des E-Government. Gewisse Dinge kann man jetzt schon auch am Online-Schalter erledigen, wenn man will. Ob es Sinn macht, dass man alles auch parallel anbietet, kann ich nicht beurteilen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Schalter nach wie vor für alle Geschäfte offen ist.

    • Christoph Bögli sagt:

      1. Wahlbetrug/-manipulation gibt es, seit es Wahlen gibt, digital muss dafür nichts sein. Da reicht ein Blick in die Auslandsnews. E-Voting hat ganz einfach andere Schwächen, aber auch Stärken, als Papierzettelchen, die durch viele Hände wandern und leicht „verloren gehen“ können. Aber wenn man eh davon ausgeht, dass irgendeine grosse Verschwörung in der bösen Bundesverwaltung läuft, ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Thematik natürlich schwierig.

      2. Die Angebote sollten sich letztlich nach dem Bedarf der Bürger richten. Wenn mittelfristig kaum mehr ein Bedarf für Schaltergeschäfte besteht, dann darf man deren Verfügbarkeit durchaus auch reduzieren. Komischerweise bestehen aber gerade da erklärte Fans des schlanken Staats meist auf ausgebaute Ineffizienz.

      • Stefan W. sagt:

        Preisfrage, Herr Bögli: Wieviele Leute müssen Sie bestechen, wenn jedes Wahlresultat in jedem Wahlkreis von Hand ausgezählt wird, um eine Wahl zu beeinflussen?
        Und wieviele Leute müssen Sie bestechen, wenn dank e-voting die Stimmen elektronisch an zentraler Stelle gezählt werden?

        Und was ist schwieriger?
        Allein schon die anhaltende Diskussion um Trumps Wahl, die ja bekanntlich von Putin durch Hacken der Stimmautomaten gewonnen wurde, sollte doch Beweis genug sein, dass e-voting betrugsanfällig ist.

        Wenn Sie bei uns einem Resultat nicht trauen, kann die Gemeinde nachzählen, denn die Stimmzettel sind ja alle physisch vorhanden.

        • Christoph Bögli sagt:

          „[..] die ja bekanntlich von Putin durch Hacken der Stimmautomaten gewonnen wurde [..]“

          Nennen Sie mir eine vernünftige Quelle dafür, dass das bekannt bzw. belegt sein soll. Sowas behaupten nicht mal die Demokraten. Die mutmasslichen Manipulationen beziehen sich einzig auf Wahlkampfhilfe und das Hacken der DNC-Mails, mit den Stimmautomaten hat das nichts zu tun. Bei der eigentlichen Abstimmung konnten keinerlei Hinweise für irgendwelche Manipulationen gefunden werden.

          Aber ja, das zeigt, dass es immer noch wesentlich leichter ist, Meinungen zu manipulieren als Wahlen. Insofern sollte man sich eher deswegen Sorgen machen..

        • Hans Hasler sagt:

          Genau Zettel kann man anschauen und nachzählen im Zweifelsfall. Ist zuletzt im Betrugsfall im Wallis so passiert. Dieser wäre bei E-Voting nicht einmal aufgefallen.

    • René Meier sagt:

      Fact ist, dass 75% der Schweizer e-Voting möchten und insbesondere die Auslandschweizer darauf angewiesen sind.

      • Andreas F. sagt:

        75%: Wie können Sie solchen Unsinn behaupten?
        Ihre Behauptung liegte Welten weg von der Realität: Gemäss den 2015 publizierten Zahlen nutzten gerade mal 10% der 130’000 in der Schweiz, die Zugang zu E-Voting hatten, diesen Weg (vgl. NZZ 22.10.2015: E-Voting: Nur ein Bruchteil wählte elektronisch)

          • Andreas F. sagt:

            Diese Studie ist nicht relevant und wird durch die nächsten Abstimmungen als komplett falsch widerlegt werden. Hauptmangel der Studie war, dass die meisten der Befragten offensichtlich keinerlei konkrete Kenntnis von E-Voting hatten. Nur so ist erklärbar, dass 82% der irrigen Annahme waren, dass E-Voting bequemer als das briefliche Abstimmen wäre (vgl. S. 12). Dies kann nur jemand behaupten, der es noch nie versucht hat. Gemäss S. 5 der Studie hatten tatsächlich nur 2,44% (ganze 30 der 1228 Befragten) je selbst E-Voting benützt. Zudem hätte den Befragten ehrlicherweise auch offen gelegt werden müssen, dass das briefliche Abstimmen wohl abgeschafft und nicht neben E-Voting dauerhaft beibehalten würde (Hybride Lösungen zu teuer, vgl. ZH-Regierungsratsbeschluss Nr. 551/2016 vom 07.06.2016).

      • Stefan W. sagt:

        @Meier: Gibt es im Ausland denn keine Post für Briefwahl?
        Und: Nicht alles, was man möchte, ist auch richtig. Vor allem, wenn man nicht richtig über die Nachteile informiert ist. Ich denke, wenn man seriös über die Manipulationsmöglichkeiten informiert, dann wird die Zahl derer, die es möchte, stark sinken.

  • Fritz Frei sagt:

    Dass „digital“ mit „hektisch“ gleichgesetzt wird, ist ein gängiges Cliché, das immer wieder gerne kolportiert wird. Das Gegenteil ist der Fall: dank E-Business und hoffentlich auch bald E-Goverment kann man notwendige Dinge gemütlich und selbstbestimmt von zu Hause aus erledigen und ist nicht auf bürokratische Beamten und Prozesse sowie hoheitlich dekretierte Öffnungszeiten angewiesen. Digital macht frei und mehr Freiheit brauchen wir dringend!

    • Peter Steiner sagt:

      Ja, wenn PC, WLAN und alle anderen Komponenten funktionieren. Kann auch sein, dass gerade wieder ein Gerätetreiber spinnt und die Kiste lahm legt. Haben Sie sich übrigens schon mal Gedanken gemacht, wieviel Zeit Sie für diese Tamagotchi aufwenden ?

      • Ralf Schrader sagt:

        Das ist sehr, sehr selten.

      • Christoph Bögli sagt:

        Ziemlich absurder Einwand. Das ist etwa ein so relevantes Problem wie dass das Tram entgleist oder die Elektronik im Auto „spinnt“, weshalb man es nicht zum Schalter schafft. Wirklich alltäglich oder massgeblich ist logischerweise nichts davon. Oder dann scheinen Sie nicht mit der Technik umgehen zu können. Dass Gerätetreiber „spinnen“ und „die Kiste lahmlegen“ hätte ich jedenfalls gefühlt zuletzt zu Zeiten von Windows95 erlebt..

    • Rolf Rothacher sagt:

      Je mehr Sie digital erledigen, desto angreifbarer sind Sie und der Staat, denn umso mehr lohnt sich der Versuch, bei Ihnen oder beim Staat „einzubrechen“.
      Auch werden Sie bald einmal damit leben müssen, dank e-Gouvernement nicht nur einen Chip eingesetzt zu erhalten, sondern überhaupt völlig gläsern zu werden, weil nur so ein völlig gesichertes System Mensch-Maschine möglich wird.
      Sie werden es sehen: ab ca. 2030 wird jeder in Europa seinen Chip eingesetzt bekommen und wird dadurch (mit Ausnahme der kriminellen Elemente) für den Staat jederzeit „greifbar“.

    • Mark Keller sagt:

      Digital macht frei…? Da habe ich so meine Zweifel, wenn ich mir die Digital-Junkies anschaue, die mir überall über den Weg laufen.

  • Christoph Bögli sagt:

    Das kann nur von jemandem kommen, der noch nie entsprechende Erfahrungen gemacht hat. Wer einmal die Online-Dienste in z.B. den skandinavischen Ländern nutzen konnte, der weiss, dass das zum klassischen Behördenirrsinn ein Vergleich wie Tag und Nacht ist. Dort sind die Beamten auch durchaus verfügbar, in ein paar Minuten per Chat etwa, was man bequem nebenbei während der Bürozeiten erledigen kann mehrere Stunden frei zu nehmen um persönlich auf einer Behörde zu erscheinen wie in den „guten“ alten Zeiten. Und das ist nur ein kleines Beispiel, letztlich setzt sich das fort bei allen Formularen, Anträgen und Dokumenten, die jederzeit in ein paar Klicks erreichbar sind. Wer das mal erlebt hat, der will nie mehr zurück ins finstere Behörden-Mittelalter.

  • Benjamin Mandelboom sagt:

    „Der Schweizer Staat funktioniert im weltweiten Vergleich bestens. Dank Telefon und Briefpost.“ Zwei postfaktische Behauptungen des gewerkschaftlichen Scharfmachers Michael Soukup. Singapur funktioniert als Staat besser und effizienter. Dank einer klugen Politik, die ein Rest-Sultanat in einem versumpften und total verarmten Gebiet ohne Bodenschätze, das 1965 aus dem Sultanatsverbund Malaysias rausgeschmissen wurde, in wenigen Jahrzehnten zu einem reichen Land mit einem der höchsten durchschnittlichen Lebensstandards führte. Der Stadtstaat prosperiert auch heute noch überproportional. Das ist das Resultat von kleinstmöglicher Regulierung, höchstmöglicher Handelsfreiheit, tiefen Zöllen und einem freien Markt. Mit Privatpost und Privattelefongesellschaften.
    Wir brauchen keine Staatspost.

    • Christoph Bögli sagt:

      Mit dem hohen Lied der Privatisierung sollte man langsam doch eher vorsichtig sein, hat sich dieser vermeintliche Heilsbringer längst als Irrweg erwiesen. Privatisierung per se bringt weder mehr Effizienz noch Qualität oder geringere Kosten, sondern oft eher das Gegenteil. Letztlich hängt der dadurch erzeugte Nutzen oder Schaden vom spezifischen Kontext und Vorgehen ab.

      Richtig ist aber, dass bei Soukup wie manchen Kommentarschreibern ein klassisch schweizerisch-provinzielles, rückwärtsgewandtes Weltbild zum Vorschein kommt: Die Schweiz ist so am Besten, wie sie ist (bzw. vor 50 Jahren war), bloss nichts Neues, bloss nicht über den Tellerrand schauen. In dieser Swissness-Wohlfühl-Blase kann man sich dann problemlos alles schönreden..

      • Günther Myrdal sagt:

        Freie Wirtschaft als Irrweg? Bis heute hat sich jede Staatswirtschaft als Irrweg mit katastrophalen und fatalen (tödlichen) Folgen erwiesen. Stalins Bodenverstaatlichung kostete über 10 Millionen Russen das Leben, Maos Kollektivierung resultierte in über einem Dutzend Hungertoten.
        Seit China seine Wirtschaft lockerte und zunehmend private Unternehmen zuliess, blühte das Land auf und ermöglichte Dutzenden von Millionen Chinesen ein besseres Leben in Wohlstand. Dasselbe passiert auch im kommunistisch regierten Vietnam. Freie Wirtschaft heisst nichts anderes als eine permanente Bestrebung im oekonomischen Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Beides lässt sich weder abschliessend planen noch politisch steuern, auch wenn linkspopulistische Woodoo-Priester uns das weismachen wollen.

        • Christoph Bögli sagt:

          Herr Myrdal, lassen Sie doch ein paar Graustufen in Ihrem Schwarzweiss-Weltbild zu. Es geht nicht um „freie Wirtschaft“ oder „Staatswirtschaft“, es ging um Staatsunternehmen bzw. Privatisierungen dieser. Das mag teilweise sinnvoll sein, ist aber vielfach auch problematisch bis schädlich. Insbesondere bei Monopol“gütern“ wie Wasser, Strassen, Müll, etc. gibt es genug Beispiele, wie Privatisierungen zu teuren Eigentoren wurden.

          Darum: Es kommt auf die Details an, weder Privatisierung noch Verstaatlichung sind ein grandioses Allheilmittel, wie das manche Ideologen auf beiden Seiten meinen. Erst recht nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

    • Mark Keller sagt:

      Singapur ist aber auch keine Demokratie, sondern schon eher eine Diktatur…

    • Werner Holliger sagt:

      Herr Mandelboom, ich bin tief beeindruckt von Ihrem Kommentar, besonders, was die böse Staatspost betrifft. Lassen Sie uns also die Privatisierung der Post angehen: Zuerst schreiben wir, sagen wir einmal, die Zustelldienste in den Kantonen Graubünden und Wallis aus, einverstanden?

  • Dominique sagt:

    „Lustig“ wird es dann einmal mit der eID / e-ID wenn Sie immer mit der einloggen müssen bevor Sie ins Internet dürfen und einkaufen, bloggen und meckern etc. Klar, alle Ihre Aktionen haben dann den Stempel Ihrer eID…

  • Nick sagt:

    „Denn der Schweizer Staat funktioniert im weltweiten Vergleich bestens. Dank Telefon und Briefpost.“ Als das Telefon eingeführt werden sollte, wurde das auch von Neinsagern, Nörglern und Miesmachern begleitet: „Hier funktioniert alles bestens. Wir jodeln uns die Nachrichten zu“. Als die Schrift erfunden wurde, fürchtete man um die Kunst des Erzählens und nahm an, dass die Menschen ihr Gedächtnis nicht mehr trainieren würden. Dereinst werden nostalgische Fortschrittsgegner das altbewährte E-Voting und E-Government verteidigen, um gegen Neuerungen, von denen wir heute noch nichts wissen, zu polemisieren. So gesehen bleibt über die Jahrtausende alles beim Alten: Immer wird der nahende Untergang beschworen, ohne dass er je eintritt.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Man sollte das Abstimmen nicht zu einfach machen. So dass nur diejenigen abstimmen GEHEN, die noch einen Minimalgrund dafür haben.

    • Ralf Schrader sagt:

      Da haben Sie recht. Sonst bastelt noch einer eine Abstimmungs- App, welche die Entscheidung aus irgendwelchen an den Haaren herbei gezogenen Kriterien berechnet und dann selbsttätig wählt.
      Wählen gehen sollte schon mit dem körperlichen Gehen und dem begleiteten Nachdenken verbunden sein.

  • will williamson sagt:

    Hab mal vor Jahren in Singapur eine Stadtrundfahrt gemacht. Am stolzesten war die Reiseleitung über die vielen Hochhäuser und die U-Bahn, von deren Stationen man mit dem Lift gleich ins Büro hochfahren kann. Absolut sterile Athmosphäre. Und wenn sie Ferien machen oder ein Weekend in natürlicher Umgebung verbringen wollen, müssen sie rüber nach Malaisia oder Thailand. Hätte keinen Bock, da zu leben.

  • Stephan Haller sagt:

    Der Autor hat leider von Sinn und Zweck von E-government nichts verstanden. Vielleicht sollte er sich einmal die E-Government-Strategie der Schweiz durchlesen. Es geht darum, mithilfe von IT den Mehrwert für die Öffentlichkeit zu steigern. Bessere Dienste für den Bürger, für Unternehmen, aber auch verschlankte und kostengünstigere Prozesse verwaltungsintern. Oder soll der Stadt die Möglichkeiten, die die IT bietet, im Gegensatz zur Privatwirtschaft nicht nutzen und weiterhin mit Papier und Schreibmaschine alle Prozesse abarbeiten?

    • Florian Steinsiepe sagt:

      Die korrekte Reihenfolge in der E-Government-Strategie ist 1) Unternehmen, 2) Bürger und 3) Verwaltung. Es geht also um Wirtschaftsförderung, Verschlankung von Administrativprozessen und deren schnelle, ggf. sogar massenhafte Durchführung mit elektronischen Mitteln. Das ist löblich und hilfreich für die Unternehmen. Das Fehlen von elektronischen Unterschriften ist aber immer noch ein Ärgernis, weshalb Initiativen wie die eID (auch für Unternehmen!) notwendig sind.
      Als Privatperson finde ich es genial, wenn ich die Einreichfrist für meine Steuererklärung mit einem kurzen Scan des QR-Code verlängern kann, und wenn ich online die Steuerdaten vom letzten Jahr wiederverwenden und so den Arbeitsaufwand halbieren kann. E-Government ist grossartig! Nur muss man es richtig machen. Wie alles.

  • Yves sagt:

    Da bin ich ganz anderer Meinung. Unbedingt E-Commerce. Besser heute als morgen. Diesbezüglich ist die Schweiz eine Wüste. Oder die Behörden passen Ihre Öffnungszeiten der modernen Zeit an. Aber ein mieses E-Commerce und unpassende Öffnungszeiten für die arbeitende Bevölkerung geht in der heutigen Zeit einfach nicht. Ich muss auch nicht mit den Behörden telefonieren. Da sind meine Erfahrungen diesbezüglich eher sehr negativ geprägt. Ich kann sehr gut mit Mails leben. Und warum will ich das alles? Weil ich keine Zeit und keinen Bock habe, minutenlang an einem Schalter anzustehen, wenn ich das gleiche auch in 2 Min zuhause online erledigen könnte und zwar dann, wenn ich es will. Durch Effizienzsteigerung können massiv Kosten gespart werden und das täte den Behörden auf jeden Fall gut

  • G.Itin sagt:

    Ich bin gleicher Meinung.
    Die Modernisierung hat so finde ich mehr Negatives als Positives .
    Es fehlt jetzt schon an Arbeitsstellen an jedem ecken. Man wird jetzt schon bis ans Limit u.a. Lohntechnisch gebracht.
    Immer mehr, wird dem Bürger zugemutet. Zeit für Familien,
    Vernachlässigte alte Leute, Vernachlässigte Behinderte,
    immer mehr Schulden, Keine Arbeitsstellen, Kein Kommunikation.
    Wenig Beweglichkeit etc. es gäbe noch so vieles aufzuführen. Wir funktionieren jetzt bereits zum Teil schon wie Roboter
    Zuviel neues schadet mehr. Wie sagt man doch so schön „alles im Maß“
    Jetzt noch Roboter und nur noch Automaten. ? Am besten 24 Std. im Einsatz.
    Schade das viele Bürger so Bequem und faul geworden sind.
    Es würde mich freuen wenn ein Umdenken stattfinden würde.

  • Jürg Oberli sagt:

    Selten so einen Unsinn gelesen. Behördengänge müssen in der Schweiz noch immer mühsam per Post oder gar vor Ort erledigt werden. Währenddessen hat Österreich schon seit Jahren eine Bürgeridentifikation, mit welcher man Geschäfte wie die Steuererklärung oder irgendwelche Gesuche bequem vom Computer aus erledigen kann. Ja in der Schweiz ist es noch absurder: Anstatt eine einzige Software für die Steuererklärung zu verwenden haben 26 Kantone jeweils ihre eigene, in den meisten Fällen schlecht funktionierendes Gebastel.
    Der überbordende Föderalismus verhindert zum wiederholten Male sinnvolle, kostengünstige Lösungen!

    • Itin sagt:

      Wie sagt man so schön ? „ Organisation ist alles „ Herr Jürg Oberli
      z. B Steuern könnte man schon lange direkt vom Lohn abziehen.
      Krankenkasse könnte man schon lange direkt vom Lohn abziehen. ( Am besten einheitlich )
      Auch Formulare Online ausfüllen ist sicher eine gute Sache.“ alles im Mass.“
      Aber dafür braucht es Keine E-Gouvernement. Das ist unnötig.
      Persönlicher Kontakt ist mir wichtig. Oder hat jemand das Gefühl , er wird nicht alt ?
      Pensioniert niemand der für einem da ist, dass ist nicht toll.
      Aber ein schöner Spaziergang zur Post. An Schalter und ein paar nette Worte
      Mit einem Hilfsbereiten Angestellten zu wechseln. Das ist etwas Schönes man
      Trifft nette Leute und kann sich etwas unterhalten.
      Es solte einfach mehr Angestellte Menschen ! geben.

  • Max Blatter sagt:

    Weshalb muss die Roboterin im Bild derart täuschend menschlich aussehen? Solch puppenhafte Roboterdamen zu schaffen ist das Gleiche, wie wenn man krampfhaft versucht, mit vegetarischen oder gar veganen Produkten Fleisch so täuschend wie möglich nachzuahmen – Unsinn nämlich. Die weit futuristischer aussehende Roboterin aus der früheren Werbung für VW Nutzfahrzeuge („… und wann wurdest du gebaut?“ – „Eine Dame fragt man nicht nach dem Alter“) hat mich weit mehr überzeugt – in sie hätte ich mich fast verlieben können! Man soll Entwicklungen nicht kaschieren, sondern sie im Gegenteil offen zeigen.

  • Tim Müller sagt:

    Tja, jetzt, wo’s der linken Klientel an den Kragen geht, soll plötzlich auf jegliche Effizienzsteigerung verzichtet werden. Irgendwie sehr heuchlerisch und durchschaubar. Gerade vor dem Hintergrund vieler repetitiver Arbeiten im Beamtenapparat, drängt sich eine komplette Automatisierung vieler Abläufe geradezu auf. Die Medien können nicht über jede Automatisierung ausserhalb ihres Klienten-Kreises jubeln, um dann bei der eigenen Klientel – dem linken Beamtenapparat – das pure Gegenteil zu propagieren.

    • Ralf Schrader sagt:

      Sie sehen einen linken Beamtenapparat? Das ist die kühnste Behauptung des Jahres. Davon abgesehen, dass es derzeit weder in der Schweiz, noch in Europa, überhaupt Linke gibt. Gäbe es solche, würden die nie für den Staat arbeiten. Beamter bedeutet latent rechtslastig zu sein.

  • Roman Troxler sagt:

    Dochdoch, lieber Herr Soukup, machmal wäre es schön ganz schön praktisch, wenn man zum Beispiel seinen Betreibungsregisterauszug online bestellen könnte (geht im Kanton Bern zum Beispiel nicht), grad wenn man sich ausserhalb des Einzugsgebiets der so tollen Schweizer Post befindet – die Welt endet nämlich auch für viele Schweizer nicht direkt an der Landesgrenze.

    Und wenn die Beamten nicht ihren halben Arbeitstag lang Papier abheften oder einscannen müssen, dann hätten sie auch wieder mehr Zeit um kompliziertere Fälle am Telefon oder am Schalter zu klären.

Kommentar

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