Typisch Schweiz

In der Dokusoap «Experiment Schneuwly» probiert ein biederes Paar neue Dinge aus. Foto: SRF

Kennen Sie die Schneuwlys? Margrit, Nageldesignerin, und Hansjörg, Büroangestellter, sind Protagonisten der fiktiven SRF-Dokusoap «Experiment Schneuwly». Offenbar mehr per Zufall als aus Boshaftigkeit siedelten die Drehbuchautoren das Bünzlipaar im bernischen Grosshöchstetten (3500 Einwohner, «Das Tor zum Emmental») an. Dort nahm man es mit Humor und lud die Schauspieler Matto Kämpf und Anne Hodler ein, an der diesjährigen 1.-August-Feier aufzutreten.

«Wir sollen noch erzählen, was uns an der Schweiz gefällt», sagte Margrit.
«Sag schon, Hansjörg, was gefällt dir hier?».
«Dass ich immer schon da bin, wenn ich am Morgen aufwache», sagte Hansjörg.

Ja, wieso gefällt es uns hier? Wofür steht die Schweiz, worauf können wir uns einigen, was ist schweizerisch? Die Schneuwlys waren nicht die einzigen 1.-August-Redner, die mit diesen Fragen gerungen haben. Antworten abseits des Offensichtlichen – Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit – gibt es nicht umsonst; man frage nur die CVP, die seit langem eine Wertedebatte sucht und nicht findet (der Bundesrat veranschlagt rund eine Million Franken für eine Befragung der Bevölkerung über ihre Werte).

Der Schlüssel für demokratisches Verhalten

Der Zürcher Autor Hugo Loetscher fand das Schweizerische im Kleinen (das er nicht ganz so stark überzeichnete wie das SRF die Schneuwlys). Im «Waschküchenschlüssel» muss ein Junggeselle vor jedem seiner Waschtage den Schlüssel zur Waschküche in Empfang nehmen, nur um ihn am nächsten Abend weiterzugeben. Die Waschküchenordnung, so die Lektion für den Protagonisten, ist auch über die Grenzen ihrer Nützlichkeit hinaus zu achten. «Nein – der Waschküchenschlüssel hat Bedeutung über seine blosse Funktion hinaus, eine Tür zu öffnen; er ist ein Schlüssel für demokratisches Verhalten und ordnungsgerechte Gesinnung.»

So gesehen, ist die Schweiz zumindest im Haus, in dem ich wohne, noch intakt (nein, nicht in Grosshöchstetten). Alle zwei Wochen ist die Waschküche für einen Mieter reserviert, von 7 bis 22 Uhr, ob er in den Ferien ist, oder nicht. Sonntags ist das Waschen untersagt, weil Sonntag ist, und samstags ist es nicht gestattet, weil … Samstag ist? Wer seinen Waschtag mit einer anderen Partei abtauscht, ohne den Abwart um Erlaubnis zu fragen, bewegt sich in einem Graubereich. Jede zweite Woche Waschtag; die Regel ist unverrückbar.

Ausser am 1. August. Da wird auch nicht gewaschen, schliesslich ist Nationalfeiertag. Dabei: Was wäre schweizerischer als waschen nach Waschplan?