Patriotische Ideen für die «faulen» Zivildienstler

Sieht ziemlich entspannt aus: Ein Zivi im Kanton Bern. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Es ist das Lieblingsthema jedes aufrechten kalten Kriegers: Wie um Himmels Willen können wir den Zivildienst (der übrigens nichts mit dem Zivilschutz zu tun hat) möglichst unattraktiv gestalten? Und die jungen Burschen wieder der korrekten Verwendung in der Armee zuführen?

In einer Woche kommen gleich zwei Motionen der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats (SiK) ins Parlament, die den jungen Männern den Zivildienst vergällen möchten. Forderung Nummer 1: «Um die Spiesse mindestens in diesem Bereich gleich lang zu machen», sollen Zivildienstler künftig bei ihrer Arbeit (im Altersheim, im Museum, in einem Garten oder wo weiss ich) «öffentlich erkennbar sein». Ob dazu ein lustiger Hut, ein farbiger Kämpfer, eine Blume im Knopfloch oder eine Armbinde vorgesehen ist, schreibt die Kommission nicht.

Die Hälfte der Zeit vergebens gerannt

Die zweite Motion ist noch perfider: Der Zivildienst dauert heute 1½-mal so lange wie der Dienst in der Armee. Wer erst nach der Rekrutenschule oder nach einem Wiederholungskurs in den Zivildienst wechselt, konnte seine geleisteten Tage bisher an der Gesamtdauer des Dienstes anrechnen lassen. Das soll auch künftig noch möglich sein, meint die SiK. Allerdings nur noch zur Hälfte. Wer nach einer Rekrutenschule in den Zivildienst wechselt, ist nach dieser Rechnung jeden zweiten Tag seiner RS-Zeit vergebens gerannt, gerobbt und gekrochen. Hat zur Hälfte seiner Dienstzeit dem Vaterland nur die liebe Zeit und den Sold gestohlen (den soll der abtrünnige Soldat zumindest behalten dürfen).

Die Logik dahinter: Wer nach einer Rekrutenschule auf die abwegige Idee kommt, die Armee zu verlassen, der offenbart ein schon lange vorhandenes Gesinnungsproblem – und entwertet damit seine geleisteten Tage in Grün. Wäre ja noch schöner, wenn so ein verkappter Zivildienstler noch von der Armee profitieren dürfte! Und so nimmt die SiK gerne in Kauf, dass der Zivildienst nicht mehr um den Faktor 1,5 länger dauert, sondern je nach Beispiel zwischen 2,2- und 195(!)-mal.

Obligatorischer Lupo

Das ist ja schon mal nicht schlecht. Doch warum hier stoppen? Da geht noch mehr! Man könnte die Zivildienstler beispielsweise in die alten Kämpferuniformen der Armee stecken (das sind die mit den tannigen Hosen). Ihnen zum Mittagessen jeden Tag trockene Armee-Biskuits reichen. Den Lupo mit heruntergeklappten Ohren obligatorisch machen (nur im Sommer, versteht sich). Oder verfügen, dass vor jedem Antritt im Altersheim 50 Liegestützen (unter Absingen der Hymne) absolviert werden müssen – plus anschliessendem Fahnenaufzug. Und warum dürfen die Zivildienstler zu Hause schlafen, hä? Da werden sich sicher noch ein paar kalte Betten in einem unserer Bunker finden. Über einen Eintrag im Strafregister könnte man allenfalls auch nachdenken: Hat sich vor der Armee gedrückt, UNPATRIOTISCH!

Vielleicht müsste man alle Zivildienstler auch verpflichten, zumindest einen Teil ihres Dienstes als Kommissionssekretär in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats zu verbringen. Das würde wohl die stursten Vaterlandsverräter zur Vernunft bringen.