Energiestrategie: Ein Wegweiser in die Zukunft

Mit Wasserkraft Schwankungen ausgleichen: Stausee in Zervreila. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Mit Wasserkraft Schwankungen ausgleichen: Stausee in Zervreila. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Mit harten Bandagen wird derzeit gekämpft, wenn es um die Energiestrategie 2050 geht. «Keine Ferien für den Mittelstand», behauptet etwa die Gegnerschaft der Vorlage. Sie sieht hohe Kosten auf Private und kleine Betriebe zukommen. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) hat sich gegen die Zahlen der SVP verwahrt. Ein Grossteil der Kosten für die Energiestrategie dürfte für den Unterhalt und Ausbau unserer Stromnetze sowie den Erhalt der bereits bestehenden Kraftwerke anfallen. Das ist Geld, das wir so oder so in die Hand nehmen müssen, wenn wir ein sicheres, sauberes und bezahlbares Energiesystem wollen. Genau ein solches Energiesystem kann die Schweiz heute vorweisen. Dazu hat die Schweizer Wasserkraft viel beigetragen. Diese erneuerbare und flexible Energieform liefert 60 Prozent der Stromproduktion unseres Landes.

Die Mehrkosten sind gering

Wer Geld für die Zukunft in die Hand nimmt, der investiert. Heute säen, morgen ernten, ist der Gedanke dahinter. Es macht mich darum stutzig, an so vielen Orten bloss die Debatte um Kosten zu sehen, die in den nächsten 33 Jahren auf die Schweiz zukommen sollen. Sie ist erstens falsch formuliert und greift zweitens zu kurz. Die direkten Mehrkosten der Energiestrategie 2050 für Schweizer Stromkunden betragen gemäss Eidgenössischem Departement für Energie (Uvek) gerade einmal 40 Franken pro Jahr und Familie. Sie ergeben sich aus der Erhöhung des Netzzuschlags um 0,8 Rappen auf 2,3 Rappen (bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 5000 kWh). Der Netzzuschlag dient dazu, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zu fördern – ebenso wie Gewässersanierungen. Zusätzliche Kosten für neue Wasser-, Solar- und Windkraftwerke lassen sich heute schwer abschätzen. Tatsache ist aber, dass erneuerbare Energien in einem Tempo günstiger werden, das an den Preiszerfall bei Computern erinnert. Die Preise von Solarzellen zum Beispiel sind seit 2009 um 80 Prozent gesunken. Zudem werden viele Kosten dadurch kompensiert, dass die Schweiz ihre Energiequellen effizienter nutzen lernt.

Wofür also stimmt, wer am 21. Mai Ja zum neuen Energiegesetz des Bundes sagt? Kurz gesagt, entscheidet er sich damit für einen energiepolitischen Wegweiser, der den Weg für Investitionen in die Zukunft weist. Für Investitionssicherheit zu sorgen, ist ein entscheidender erster Schritt, wenn ein Land sein Energiesystem umbauen will. Konkret umfasst die Energiestrategie einen bewussten Ausbau der Erneuerbaren, umfangreiche Massnahmen im Bereich der Energieeffizienz sowie den sukzessiven Ausstieg aus der Kernenergie. Ein Ja zur Energiestrategie 2050 ist aber auch ein Ja zur Schweizer Wasserkraft.

Unterstützung für die Wasserkraft

Viele Grosskraftwerke müssen ihren Strom heute zu Preisen absetzen, die unter den Gestehungskosten liegen. Diese Werke erhalten eine auf fünf Jahre befristete Unterstützung. Wasserkraft wird in der Schweiz schon seit der Römerzeit genutzt. Und die Energieform ist ebenso alt wie zukunftssicher. Der Anteil an Wasserkraft dürfte in Zukunft noch zunehmen, parallel zum Aufstieg der Solarenergie. Denn gespeicherte Energie – aus unseren Stauseen – kann die Schwankungen ausgleichen, welchen die Energieformen Wind und Sonne ausgesetzt sind. Erneuerbare Energien vermögen sich ideal zu ergänzen, sofern tragfähige, moderne Netze bereitstehen.

Mit der Energiestrategie wird in der Schweiz gesät und auch in der Schweiz geerntet. Längerfristig betrachtet, fliesst das investierte Geld in einheimische, erneuerbare Produktion. Das macht uns – ebenfalls längerfristig – unabhängiger von ausländischen Importen. Darum Ja zur Energiestrategie 2050 am 21. Mai 2017.