Eine Reform für uns Frauen

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Beschnittene Renten: Frauen trifft der Koordinationsabzug ungleich härter. Foto: iStock

Beschnittene Renten: Frauen trifft der Koordinationsabzug ungleich härter. Foto: iStock

Es ist unbestritten, dass wir für unsere Altersvorsorge eine Reform brauchen. Im Jahr 2030 wird die AHV ein jährliches Defizit von sieben Milliarden Franken aufweisen, die Pensionskassen erwirtschaften mit ihren Finanzanlagen schon heute immer niedrigere Renditen, mit denen sie immer länger Renten bezahlen müssen. Die Sicherstellung der Finanzierung der Altersvorsorge ist eines der wichtigsten innenpolitischen Ziele dieser Legislatur.

Problem Rentenlücke

Gerade aus Sicht der Frauen ist es zentral, dass diese Reform durchkommt. Denn viele Frauen sind im Alter von Armut betroffen, da sie im Gegensatz zu den Männern im Schnitt deutlich tiefere Renten beziehen.

Was sind die Gründe? Die meisten Frauen, die jetzt in Rente gehen, haben die traditionelle Aufgabenteilung gelebt, mehrheitlich unbezahlte Arbeit geleistet und damit eine sehr tiefe Lohnsumme im Leben erwirtschaftet. Dazu kommt, dass die meisten Frauen Teilzeit arbeiten und sich früher aus dem Erwerbsleben zurückziehen (im Schnitt mit 62,6 Jahren).

Wir werden nun im Parlament streiten, ob wir als Kompensation für den niedrigeren Umwandlungssatz bei den Pensionskassen eine Rentenerhöhung von 70 Franken wollen, wie das der Ständerat vorschlägt, oder die Abschaffung des Koordinationsabzuges und somit höhere Beiträge für die zweite Säule, wie das die nationalrätliche Kommission vorschlägt. Was ist für die Frauen die richtige Lösung?

Gleiches Rentenalter ist selbstverständlich

Linke Organisationen wollen die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre mit der Lohngleichheit verknüpfen und sind nicht bereit, die Erhöhung des Rentenalters ohne Gegengeschäft zu akzeptieren. Für sie ist die Forderung nach einer Rentenerhöhung um 70 Franken zentral.

Für uns FDP-Frauen, als bürgerliche, liberale Frauenorganisation, ist das gleiche Rentenalter eine Selbstverständlichkeit. Wir sehen vor allem Handlungsbedarf bei den Teilzeitangestellten. Dort steht die Abschaffung des Koordinationsabzuges im Zentrum. Der Koordinationsabzug dient der Festlegung des versicherten Verdienstes in der zweiten Säule (BVG). Er beträgt aktuell CHF 24’675 oder 7/8 der max. AHV-Rente. Da die Höhe des Abzuges fix ist, fällt er bei tiefen Einkommen viel stärker ins Gewicht, was zu viel tieferen Renten führt. Rund 70 Prozent der Schweizer Frauen sind teilzeiterwerbstätig. Durch die komplette Streichung des Abzuges wären Teilzeitangestellte und Personen mit tiefen Einkommen in Zukunft besser in der obligatorischen beruflichen Vorsorge versichert. Frauenorganisationen aus allen politischen Lagern fordern dies seit langem. Hier muss jetzt endlich gehandelt werden.

Anreize sind entscheidend

Denn schlussendlich ist es eine Haltungsfrage: Wollen wir in der Schweiz die Anreize so setzen, dass sich die Erwerbstätigkeit für alle lohnt und erhöht wird? Oder wollen wir die Rente für alle unabhängig von ihrem Lebensentwurf erhöhen?

Für die FDP-Frauen, die sich für eine Gesellschaft auf Augenhöhe engagieren, ist es selbstverständlich, dass wir die Altersvorsorge so reformieren müssen, damit sich Erwerbstätigkeit lohnt. Ganz nach dem Motto «Leistung muss sich lohnen». Und wir wollen ein Sozialwerk, von dem auch die nächsten Generationen profitieren können. Aus diesem Grund unterstützen wir den Vorschlag des Nationalrates.

Wenn das Referendum, wie von linker Seite angekündigt, ergriffen wird, wird die Schweizer Stimmbevölkerung noch in diesem Jahr darüber entscheiden. Und dann wird es entscheidend sein, wie sich die Frauen zu dieser Reform stellen.