Haben Sie etwas zu verbergen?

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Politblog

Privates muss privat bleiben. Zum Beispiel ein Telefongespräch unter Freunden. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Die Standardreaktion des Gegenübers, wenn ich mich für Datenschutz einsetze, ist oft: «Ich habe nichts zu verbergen. Also brauche ich keinen Datenschutz.» Zwar schränken die meisten diese Aussage dann doch ein. Das Passwort zu ihrem Mailaccount würden sie mir nicht überreichen. Und sie veröffentlichen auch nicht regelmässig alle Bewegungen auf ihrem Bankkonto. Dennoch bleiben sie überzeugt: Privatsphäre ist etwas für Böse, für Menschen, die etwas zu verstecken haben.

Wer so argumentiert, hat fundamental missverstanden, was Privatsphäre heisst. Es geht nicht ums Verstecken. Sondern es geht um Kontrolle. Und zwar darum, zu kontrollieren, welche Informationen in welches Umfeld gehören.

Wenn ich einem guten Freund von Lebensängsten beichte – oder von meinen Träumen erzähle, den tollen Job zu schmeissen und nochmals ganz etwas anderes zu beginnen, dann ist das nichts Böses, schon gar nicht etwas Verbotenes. Aber es ist etwas, das nur mich und meinen guten Freund angeht. Wenn ich meiner Frau ins Ohr hauche, warum ich sie liebe und begehre, dann ist das für sie bestimmt, und für niemanden sonst. Das hat alles seinen Platz und seine Richtigkeit. Aber wenn man es aus diesem Zusammenhang reisst, wird es im besten Falle unpassend, oft peinlich oder im schlimmsten Fall schadet es mir gar.

Ich ist ein anderer

Der Mensch braucht die Privatsphäre darum, weil Privatsphäre das Recht ist, als Mensch verschiedene Seiten und Facetten zu haben. Der Mensch ist nicht nur ein biologisches Wesen, sondern auch ein Gesellschaftstier. Das heisst, er baut mit seinen Mitmenschen unterschiedliche Beziehungen auf, befreundet sich, grenzt sich ab.

«Ich ist ein anderer» sagte der französische Dichter Arthur Rimbaud. Ein verwirrender Gedanke. Er inspirierte eine ganze Tradition der Psychoanalyse. Aber ganz banal formuliert, kann man ihn durchaus so verstehen: Ich bin immer ein anderer. Am Arbeitsplatz, beim Bewerbungsgespräch, am Rednerpult, bei der Einladung mit Freunden, beim Spiel mit Kindern, zu Hause im trauten Gespräch. Ich bin immer ein anderer, kommuniziere anders und anderes – ohne dass ich etwas zu verbergen hätte.

Und es geht nicht nur ums Kommunizieren. Auch im heissesten Sommer stehe ich nicht nackt vors Publikum, wenn ich einen Vortrag halte. Und wenn ich auf die Toilette gehe, schliesse ich eigentlich immer die Tür. Sonderbarerweise wird dies nie kritisiert. Keiner käme auf die Idee zu fragen: «Was hast du zu verbergen?»

Dass der Kontext von Daten relevant ist, zeigte sich auch bei der Debatte um die beiden neuen Überwachungsgesetze für die Strafverfolgung (Büpf) und Geheimdienst (NDG). Die Befürworterinnen und Befürworter führten oft ins Feld, dass es doch absurd sei, dem Staat nicht Zugang zu den Daten zu geben – wenn wir doch privaten Firmen oft viele dieser Daten freiwillig geben. Ich konterte jeweils, dass meine Bank auch all meine Kontobewegungen kennt. Der Staat aber nicht. Und das ist auch gut so. Selbst beim sogenannten automatischen Informationsaustausch wird nur ein Bruchteil dieser Informationen unter Staaten ausgetauscht, weil der Rest nicht relevant dafür ist, um mögliche Steuersünder aufzudecken.

Die grosse Herausforderung der Zukunft ist es nicht, ein flaches, leeres, langweiliges Leben ohne Privatsphäre zu leben. Sondern technische Hilfsmittel zu finden, die es uns auf einfache Weise ermöglichen, auch in der Flut aller Daten die Kontrolle darüber zu behalten, welche Daten in welchen Kontext gehören.

58 Comments sur «Haben Sie etwas zu verbergen?»

  • Martin says:

    Einverstanden Herr Glättli. Zudem gibt es Leute, die ihren “Gwunder” am Privatleben anderer nicht stillen können und überall ihre Nase reinstecken müssen. Manche Dinge möchte man privat halten, auch wenn sie noch so harmlos sind. Wenn ich mir die Schweiz so anschaue und sehe, welche Prioritäten die Schweizer Justiz hat, nämlich Geschwindigkeits- und Parksünder ins Gefängnis zu stecken, bekomme ich ein mulmiges Gefühl. Ich musste dann auch die Erfahrung mit den Behörden machen, welche mir mein Bild vom Schweizer Polizei & Justizsystem bestätigte. In der CH geht es immer nur um Geld. Gesetze gelten nicht. Und solchen Leuten soll ich mein Privatleben in die Hände legen? Nein danke, ich bin doch nicht bescheuert.

    • Eli Habegger says:

      Nun – die reale (nicht die gefühlte) grösste Gefahr für Leib und Leben im öffentlichen Bereich geht vom Strassenverkehr aus (nebst Sport- oder Arbeitsunfällen). Ein Auge auf Geschwindigkeitsüberschreitungen zu werfen, scheint mir daher aus Sicherheitsgründen durchaus angebracht. Andererseits hat Martin recht, das es meist um Geld geht – darum wollen Bürgerliche und Nationalkonservative jetzt auch Steuerbetrüger begnadigen und nebst der Busse auch noch einen Teil der Steuer erlassen.

      • Martin says:

        @Habegger: Nun, wenn ich mir das Gesetz anschaue, dann sehe ich folgendes: Körperverletzung, Drogenhandel usw. werden im StGB behandelt und sind Gesetzesverstösse, während zu schnelles Autofahren ein Verstoss gegen eine Verordnung darstellt und somit kein Gesetzesverstoss ist. Wir leben in einer Zeit, wo aus Mücken Elefanten gemacht werden. Der normal Bürger wird kriminalisiert; teilweise auf lächerliche Art und Weise (nicht nur im Verkehr) und wirkliche Verbrechen werden nicht untersucht. Wer weiss, was da nicht alles verdreht und falsch interpretiert wird? Jedenfalls weiss ich, dass die “juristischen & polizeilichen” Interpretationen teilweise fern ab der Realität sind! Darauf kann ich gerne verzichten.

        • Alexander says:

          Lieber Martin
          Körperverletzung ist im Strafgesetzbuch geregelt, Drogenhandel im Betäubungsmittelgesetz, und (allzu) schnelles Autofahren wird nach dem Strassenverkehrsgesetz bestraft, also auch ein Gesetz, und nicht etwa eine blosse Verordnung. Ihre Ausführungen sprechen doch für sehr einseitige Erfahrungen mit der Justiz. Im Übrigen: Wer schon einmal die zerschundenen Leichen von Opfern gesehen hat, die von Rasern zu Tode gebracht wurden, weiss, dass es sich beim Rasen nicht um Kavaliersdelikte handelt., wie Sie zu meinen scheinen. Und wer nur wenige km/h zu schnell fährt, der bezahlt halt einfach die Ordnungsbusse, wenn er denn mal dabei erwischt wird. So what?!

          • Martin says:

            @Alexander: Das blöde ist nur, wenn die Geschwindigkeit gesetzlich geregelt wäre, müsste: A. Das Parlament über jede Geschwindigkeitsänderung bei Baustellen usw. abstimmen und B. müsste jeder Polizist Jus studiert haben, um mir überhaupt eine Geschwindigkeitsbusse geben zu können. Die Polizei darf aber nur Ordnungswidrigkeiten büssen. Das Gesetz ist etwas für Juristen. Wer schon einmal die Zombie Junkies gesehen hat, welche man bei den Drogenanlaufstellen beobachten kann, der wird mir beipflichten. Als es den Letten noch gab, standen die Dealer um den Letten rum, völlig unbehelligt von der Polizei. Die Geschwindigkeit ist eine Verordnung, genau so, die Parkzonen. Drogenhandel und Körperverletzung ist gegen das Gesetz.

          • Martin says:

            @Alexander: Was meine Erfahrung mit der Justiz angeht, so hatte dies weder mit Drogen noch mit Körperverletzung zu tun. Geschwindigkeitsbussen habe ich schon erhalten. Aber da ging es darum, dass man mich beschuldigte, einen Beamten bedroht zu haben, was ich nicht hatte. Meine Anzeige wegen falscher Anschuldigung wurde einfach ignoriert. Die können eine Hausdurchsuchung anordnen, ohne Beweise und meine Grundrechte mit Füssen treten, ohne dass sie Konsequenzen fürchten müssen und das ist illegal! Das Gesetz gilt nämlich für beide Seiten! Aber die Schweiz ist in der Justiz vom rechten bzw. richtigen Pfad abgekommen. Geldgier und Linker Populismus machen aus unserer Justiz eine Lachnummer. Ich kann sowas nicht ernst nehmen.

  • werner boss says:

    Selbstverständlich brauchen wir alle unsere Privatsphäre wo uns niemand ständig beobachten oder aushorchen kann, soweit bin ich einig mit Herrn Glättbi! Nur, was das schon fast zynische an der Sache ist, ausgerechnet dieser Herr Glättbi möchte am liebsten unbesehen die halbe Welt zu uns einladen und mach damit paradoxerweise eine schärfere Überwachung erst notwendig! Solche Leute sind für mich absolut unglaubwürdig, oder eben zynisch.

    • janos says:

      Die Dummheit ist, dass verschiedene Leute ihre eigene oder die ihnen indoktrinierte Weltsicht als Wahrheit verstehen und das Denken total einstellen, dafür die totale Arroganz leben. Ich hörte Glättli nie die halbe Welt einladen, das sind immer nur die Rechtsfundis, die solchen Schwachsinn behaupten müssen, damit Ihr Feindbild erhalten und die Lebenslüge undurchschaut bleibt. DAS ist armselig und zeugt nicht gerade von überschäumender Intelligenz. Solche Leute sind für mich absolut bildungsfern und es fehlt ihnen die nüchterne Sicht auf die Dinge, sowie die Demut und der Mut, sich nicht von Feindbildern vereinnahmen zu lassen. Erkennen Sie Ihr ureigenstes Paradoxon oder gewinnt wieder mal der plumpe polemische Populismus…?

      • Fooster says:

        Danke@Janos! Auf den Punkt gebracht.

      • Martin says:

        @janos: Das, was Sie hier über die “bösen Rechten” schreiben, trifft sehr wohl auch auf die Grünen zu. In Sachen Energiewende will diese Partei AKW’s mit ein paar Windrädern ersetzen. Die führen uns glatt zurück in’s tief schwarze Mittelalter! Erklärungsversuche sind bisher immer kläglich an der Arroganz und Voreingenommenheit gescheitert. Meist gepaart mit Unterstellungen und Beschimpfungen wie, man gehöre zur Atomlobby oder sei ein Nazi oder dergleichen. Also Öko-Nazis sind auf keinste Art und Weise von Vorurteilen und der Unfähigkeit zu denken gefeit. Trotzdem stimme ich Herrn Glättli in diesem Punkt zu. Es hiess aber, es gäbe keine flächendeckende Überwachung der Bevölkerung, was ich jetzt einfach mal glaube. Die würden das sowieso einfach machen; mit oder ohne Gesetz.

      • werner boss says:

        janos, das noch dümmere ist, dass Leute wie Sie eben nur das hören was sie gerne hören! Das beweist schon alleine Ihre unkritische und verblendete Art Unterstellungen zu machen! Beweist aber gleichzeitig, dass ich recht hebe mit der Aussage, dass dieser Herr höchst widersprüchliche Positionen vertritt! Mit Ihrer Demut werden Sie in dieser gefährlichen Welt nicht mehr weit kommen!

        • janos says:

          Hab ich00’s doch gedacht, der selbstgerechte Populismus gewinnt beim werner boss… Sie merken es nicht einmal, wenn Sie den immer selben Fehler machen und sogar noch sich als Opfer inszenieren. Unterstellungen sind Ihre Sache und offenbar Ihr Lieblingsmittel, um andere zu verleumden, nicht meine, aber Sie werden wohl nie lernen, geschweige denn, es zu etwas bringen in dieser gefährlichen populistischen Welt… Ihnen ist wohl leider wirklich nicht mehr zu helfen, das beweisen Sie mit Ihrer Aussage ja gleich selbst…

        • Anton Paschke says:

          Lieber Herr Boss,
          es würde mich wundern, wie weit Sie in der Welt herumgekommen sind. Ihr Gefühl der Bedrohung (durch die halbe Welt, die Herr Glättli eingeladen hat) zeugt eher vom Gegenteil.

    • Monique Saulnier says:

      @Boss Differenzieren und reflektieren ist offensichtlich nicht Ihre Sache.

    • Ruedi says:

      …Linke wollen keine Überwachung, aber nicht integrierbare Kulturen zu 100 Tausenden importieren, welche Überwachung notwendig macht, und Polizeiliche Repression gegen die Bevölkerung fördert.

      Die Schweiz durch Übervölkerung zur Sardinenbüchse zu machen, ist weder Human, Sozial, noch Umweltfreundlich. Da es denn Verbrauch aller endlichen Ressourcen in die höhe treibt und die Lebensqualität vermindert.

      Die Schweiz immer abhängiger, erpessbarer vom Ausland wird, um diese immer knapper werdenden Ressourcen zu beschaffen, jetzt schon 3 Millionen zuviel Einwohner.

      Was passiert in einer Krise? Wenn die Bedürnisse zu vieler Menschen, nicht mehr befriedigt erden können können.

      Fordern ist einfach, aber Woher es kommt scheint den Linken egal zu sein!

    • Ruedi says:

      …Die Schweiz durch Übervölkerung zur Sardinenbüchse zu machen, ist weder Human, Sozial, noch Umweltfreundlich. Da es denn Verbrauch aller endlichen Ressourcen in die höhe treibt und die Lebensqualität vermindert.

      Die Schweiz immer abhängiger, erpressbarer vom Ausland wird, um diese immer knapper werdenden Ressourcen zu beschaffen, jetzt schon 3 Millionen zuviel Einwohner. Linke wollen keine Überwachung, aber nicht integrierbare Kulturen zu 100 Tausenden importieren, welche Überwachung notwendig macht, und Polizeiliche Repression gegen die Bevölkerung fördert…

  • Martin Thalmann says:

    Ich bin sonst nicht Fan seiner Politik – aber hier hat Herr Glättli auf der ganzen Linie recht. Dazu kommt auch das “Recht auf Vergessen”, das in der digitalen Welt ganz wichtig ist. Es muss eine übergeordnete Stelle geben, wo man alte unrelevante Details im Netz zur Löschung beantragen kann. Nicht jedes zwanzigjährige Foto eines besoffenen Zeltlagers muss noch ewig abrufbar sein. Auch Grabstätten werden nach 20 Jahren aufgelöst.

  • Nick says:

    Guter Artikel. Leider wird er wenig oder nichts ändern. Politik, Behörden und die Masse des Volkes werden weitermachen wie bisher. Die einzige Reaktion auf die mögliche und wohl de facto auch exzessiv durchgeführte Überwachung (egal ob legal oder illegal) kann nur sein, massenhaft irrelevante Spuren zu legen. Also nicht nur ein oder zwei Reiseziele zu suchen sondern 20 oder 30 ganz verschiedene. Nicht nur bei der einen präferierten politischen Richtung Artikel zu lesen sondern bei vielen verschiedenen. Dann dürfen die Ermittler wieder anfangen zu rätseln. Es wird spannend. Und natürlich liesse sich das Spuren legen ebenfalls automatisieren, genau wie das Abhören

    • Thomas Nellen says:

      So weit sind wir bereits gekommen. Dass wir nachdenken müssen, welche Seiten wir im Internet aufrufen oder nicht. Wo wir uns im öffentlichen Raum bewegen wollen oder nicht.
      Liest bitte wieder mal George Orwell’s Klassiker 1984. Und denkt über die Konsequenzen nach.

  • Michael says:

    So zu sein wie alle anderen um nicht aufzufallen und sich den Spruch leisten zu können, ich habe nicht zu verbergen können sich wohl nicht viele leisten. Und wenn Ja, dann sind das in meinen Augen traurige Gesellen ohne Ecken und Kanten. Ich muss es auch garnicht begründen, warum ich nicht will, das mein Leben ein offenes Buch für andere ist. Wenn dem so wäre, könnte ich genausogut meine Haustür offen lassen und jeden durch meine Wohnung spazieren lassen. Mir beim Kochen in der Küche oder im Bad bei der Verrichtung diverser Tätigkeiten zusehen lassen. Ich würde es mir ganz vielleicht überlegen, wenn ich sicher wäre, das man meine Daten nicht gegen mich verwenden würde.

  • gabriela merlini says:

    Ja, und es ist nicht so, dass wir nicht wissen könnten, wie von Ihnen privat Anvertrautes, gerade vom Staat, missbraucht werden kann. Man denke an die Totalüberwachung durch Fürsorgerische Zwangsmassnahmen (da testete man wohl die Fichesammlung an den Mittellosen, jahrzehntelang). Man denke an die Zersetzungsmaßnahmen der DDR, die ab 1976 verbrochen wurden (hatten die Tipps vom Schweizer Staat?:))). Es ist sehr ernst, was da auf uns zukommt, zumal die Daten im Verteidigungsdep. gesammelt werden, wenn ich richtig informiert bin. Danke für Ihren Einsatz; das ist gut.

  • Daniel Wigger says:

    Herr Glättli und viele andere Bürger verwechseln zwei fundamentale Sachen: Datenschutz und Datensicherheit. Beides hat nichts miteinander zu tun. Niemand will, dass seine Daten ungeschützt herumliegen, dass seine elektronische Persönlichkeit gestört wird. Jeder vernünftige Bürger muss jedoch seinem Staat eingestehen, dass sein Datenverkehr kontrolliert werden kann. Datendiebstahl muss jedoch verunmöglicht werden.
    Natürlich wünschte auch mir, dass niemand meine Kommunikation abhört. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt. Wenn jemand böse Absichten hat, muss dem Staat die Möglichkeit gegeben werden, Kommunikation abgehört zu werden. Da wir nicht im vorneherein wissen, wer das ist, muss es flächendeckend möglich sein.

    • Michael Berger says:

      Das Problem ist, dass der Staat – d.h. der Staatsapparat, und nicht das Volk – durch all die gesammelten Informationen einen immensen Wissensvorsprung und damit viel mehr Macht erhält.
      Das ist nützlich, wenn er damit Verbrechen und Terrorismus verhindert. Der Erfolg muss allerdings begrenzt bleiben, gerade bei Verbrechen, da man Verbrecher erst belangen kann, wenn sie ihr Verbrechen schon begangen haben.
      Die Macht kann zudem missbraucht werden, und weil Macht bekanntlich korrumpiert, wird das sicher auch geschehen. Missliebigen Bürgern oder oppositionellen Politiker kann man leicht schaden, wenn man ihre private Geheimnisse kennt (z.B. Liebesaffären), auch wenn diese strafrechtlich nicht relevant sind. Der totale Staat kann leicht zum totalitären Staat werden.

      • Daniel Wigger says:

        Natürlich kann jede Macht missbraucht werden. Ein bisschen Vertrauen braucht es halt als Bürger schon noch. Schliesslich sind sie dafür verantwortlich, wer an die Spitze gewählt wird. Verbieten wir potentiell flächendeckende Überwachung, stellen wir uns auf die Seite von Verbrechern und Terroristen. Noch einmal: Jede Überwachung muss von Richtern abgesegnet werden. Es bräuchte doch recht viel kriminelle Energie, um diese Schutzmechanismen auszuhebeln. Da fürchte ich die Verbrecher mehr als den Staat. Sie haben halt ein total anderes Staatsverhältnis als wir, die Mehrheit von Mitte bis Rechts.

    • Nick says:

      Warum bitte “..muss jeder vernünftige Bürger jedoch seinem Staat eingestehen, dass sein Datenverkehr kontrolliert werden kann.”? Ohne jeden Verdacht? Einfach so, denn “..es könnte ja sein, dass ..”. Heute geht es (angeblich) um Terrorismus und andere Schwerverbrechen. Vielleicht ist das auch so. Aber warten wir ab. Wenn es mal etabliert ist, weiten die Behörden es immer mehr aus. Am Ende kommt einer dran, der einem Kollegen eine SMS oder Mail schickt “Du, gestern habe ich die Parkzeit an der Badi um eine halbe Stunde überzogen. Und keiner hat es gemerkt. Freu!”. Übertrieben? Sicher nicht, die Behörden suchen ja heute schon nach Videos von Verkehrsdelikten auf Youtube. Nur waren da die Täter so dumm sind, das freiwillig selber zu veröffentlichen.

      • gabriela merlini says:

        Schlimmer wirds, Nick, wenn ich schreibe: gestern hatte ich ein bomben Erlebnis; ich musste mal kurz die Agenda sprengen, ausbrechen, sozusagen, und du glaubst es nicht, welch Terror ich damit lostrat, als hätte ich eine Lunte an mächtigen Gerät gezündet….usw.

    • Thomas says:

      Aber dummerweise werden wir von sehr vielen Organisationen abgehört. Mal angenommen, sie telefonieren mit ihrer Mutter (Samsung mit Android, Swisscom) mit ihrem iPhone (z.B. Sunrise). Wer weiss alles, mit wem sie telefonieren?

      Swisscom, Google, Samsung, Apple, Sunrise; dazu kommt, das Gespräch ist nicht verschlüsselt.
      Dazu natürlich alle Nachrichtendienste dieser Welt.

    • Adrian Wehrli says:

      Wieso muss ich das dem Staat eingestehen? Woher nimmt sich der Staat das Recht? Wo Daten überwachten werden, werden Sie auch entwendet. Nicht mal die Banken mit IT Budgets von Milliarden schaffen das.
      Ich müsste dem Staat ja eingestehen, dass er eine Kamera in meinem Schlafzimmer installiert, um Missbrauch zu vermeiden, oder?

  • Jürg Kuhn says:

    Es geht hier nicht um die Frage der absoluten Privatsphäre, sondern um das Abwägen von Terrorismusbekämpfung und etwas Verzicht auf die total Privatsphäre. Alle vereitelten Terroranschläge der jüngsten Zeit gehen eben genau auf diese Datenerhebung und Abhören zurück. Für mich ist da klar, was ich will – möglichst viel Sicherheit – ich akzeptiere die Ueberwachung dafür gerne! Und sind schon mal irgendwelche Informationen aus dem Ueberwachen von Unbescholtenen veröffentlicht worden??

    • Matthias says:

      @Kuhn: Können Sie zumindest einen konkreten Fall nennen? Ich kenne halt keinen einzigen Fall, wo solche erweiterte Überwachungsbefugnisse im digitalen Raum tatsächlich geholfen hätten, einen Anschlag zu verhindern. In allen Fällen, die mir bekannt sind, war es jeweils ganz konventionelle Polizeiarbeit (Informanten, Hinweise von Nachbarn, Befragungen im Umfeld etc.), die zur Aufdeckung geführt haben. Aber wenn Sie etwas Konkretes vorbringen können, würde ich gerne dazulernen! 🙂

    • Anton Paschke says:

      Herr Kuhn, haben Sie die Fichenafäre bewusst miterlebt? Die Geschichte wiederholt sich, mit viel mehr Speicherkapazität.

  • Eli Habegger says:

    @Wigger – ich will mal sehen, was passiert, wenn die Behörden so endlich dezidiert gegen Geldwäscherei, Steuerhinterziehung, dubiose Kapitaltransfers vorgehen. Dann werden SVP und FDP Zeter und Mordio schreien und von der Einschränkung der freien Wirtschaft schwadronieren.

    • gabriela merlini says:

      Yep; an ihrem Tun wird man sie erkennen. Ich rechne jedoch eher mit noch mehr FU’s (die eh schon einer der höchsten Quoten im EU-Raum zeichnen), und es wird wohl eher die Menschen treffen, die nicht so sehr gute Beziehungen haben, kaum Mittel, sich zu wehren. Das hat eben auch Schweizer Tradition. Man kann nur hoffen, dass wieder Leseuntüchtige mit den Daten umzugehen haben, die nicht wissen, was ein Subtext ist. Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt; so stirbt sie.

    • Sebastian says:

      Genau so geschehen, siehe die ,,Initiative zu Schutz der Privatsphäre” der Bürgerlichen anno 2013. Damals wurde mit genau den Argumenten Wahlkampf gemacht, mit denen die Linken heute das NDG bekämpften. Nur, damals gings eben um den Schutz der Konten der Reichen vor dem Fiskus, drum beschworen die Rechten natürlich den Untergang der Privatsphäre herauf. Widerlichste Doppelmoral sondergleichen, aber nichts Neues von FDP/SVP.

  • Thomas says:

    Privatsphäre ist leider zu einer Illusion geworden. Solange Fernseher (z.B. Samsung), jedes Mobiltelefon (z.B. Apple und Android), die SBB (dank Swisspass), unsere Einkaufsgewohnheiten (Supercard, Cumulus, Kreditkarten, Amazon) und das defacto verseuchte Internet (z.B. Google Adservices, Facebook auf jeder Homepage eingebunden) unsere Daten sammeln, verarbeiten, speichern, sie teilweise verkaufen oder dazukaufen ist es zu einer Illusion geworden. George Orwell hatte Recht.

    • Martin says:

      @Thomas: Stimmt bis zu einem gewissen Grad. Aber stellen Sie sich einfach mal die Datenflut vor! Wie viele Daten das sind und dass diese alle ausgewertet werden müssen! Viel Spass! Dazu braucht es die Leistung von mehreren Super Computern mit mehreren Tera Flops Rechnerleistung.

      • Thomas says:

        Das ist kein Problem. Rechenleistung ist kein Problem. Schauen Sie mal an, was sie in der Migros-app alles abrufen können und achten sie auf die Aktionen, welche sie erhalten. Schauen Seie sich die Werbung an, welche sie bekommen (z.B. wenn sie auf Ricardo was gesucht haben und dann den Tagi öffnen), schauen sie die Geolocation-Funktion von Google an und was die nach Hause funkt, schauen Sie sich die Werbung auf Facebook an….
        Das passiert schon alles.
        Warum braucht z.B. die SBB-App Zugriff auf die Kontakte?

        • Martin says:

          @Thomas: Nun, ich habe kein Smartphone, von daher kenne ich mich überhaupt nicht aus mit Apps usw. Ich meine aber, dass die Daten alle ausgewertet werden müssen. Bei so vielen Internet Usern, ist das eine ganze Menge. Die Migros App gewährt Zugriff auf einen Server, wo die Produkte darauf gespeichert sind. Um jemanden zu kontrollieren, würde es reichen, seinen Internetverkehr zu überwachen. Also seinen Anschluss bspw. bei der Swisscom. Ein Computer muss zur Kommunikation Daten erst runterladen (temporäre Internetdateien) und auch Daten hochladen. Die personalisierte Werbung ist ein Produkt davon. Weshalb aber die SBB App Zugriff auf die Kontakte haben muss, das weiss ich auch nicht.

  • Lucien Michel says:

    Nicht wir sondern die Nachrichtendienstler, die meistenteils, wenn auch schon in dritter Generation, mental am selben Ort sind wie zur Zeit des Kalten Krieges, des Fichenskandals etc. entscheiden wie weit unser Handeln, unsere Äusserungen «verbergenswert», also «gefährlich», zu verfolgen sind oder nicht.

    • gabriela merlini says:

      Ich deponiere das jetzt grad mal hier, bei Ihnen, Herr L. M: Es würde meinem Selbstbewusstsein sehr zuträglich sein, wenn mich Menschen überwachten, die einigermaßen über geistige Beweglichkeit verfügen könnten. Alles andere würde mich zutiefst kränken:)))

      • Lucien Michel says:

        Ich hege gewisse Zweifel ob der Zuträglichkeit dieser Dienste für Ihr Selbstbewusstsein.

        • gabriela merlini says:

          Wie sagte meine Mutter immer; schau mal, ob sie tanzen können (nicht nur die Wanzen). Ihre trockene Art gefällt, Lucien Michel.

      • Anton Paschke says:

        Liebe Gabriela, angefangen mit dem Geheimpolizisten Brettschneider beim Braven Soldat Schwejk (also K u K), über das ganze 20.Jahrhundert. Es sind immer Leute die sonst keine Existenz gefunden haben.

  • Marc Goldinger says:

    Wer hätte gedacht, dass ich einmal gleicher Meinung wie Herr Glättli bin 🙂

  • Monique Saulnier says:

    Herr Glätte hat Recht. Ich frage mich, Wer von denen, die nichts zu verbergen haben, des Nachts Ihre Wohnungstüre offen lassen. Wäre doch die logische Konsequenz.

    • Anton Paschke says:

      In alten Reiseberichten können Sie nachlesen, dass es in der Schweiz üblich war die Haustüren nicht abzuschliessen. Im 19.Jahrhundert, im Oberwallis auch noch länger. Das geht natürlich nur in einer kleinen Gemeinschaft, die mit den Missetätern sonst irgendwie fertig wird, sie zumindest verjagt. Der Gedanke ist noch da, darum die SVP Plakate mit dem schwarzen Schäfli.

  • Reinhard says:

    privat und öffentlich sind ganz verschiedene bereiche, die sie auch bleiben sollen. leider ist die unterscheidung in unserer neoliberalen gesellschaft am verschwinden, wir ‘verkaufen’ uns freiwillig und zeigen auch die privatesten details -selbst unsere körper (siehe einen anderen blog hier). lohnt sich Han zu lesen, falls jemand zweifel hat ob datenschutz wichtig wäre….

  • Nadine Binsberger says:

    Brillianter Beitrag zum Thema, vielen Dank Herr Glättli!

  • beat lauper says:

    Der liebe Herr Glättli vermischt hier Dinge und schafft Konfusion. Informations- bzw Datenschutz hat mit Privatsphäre nur bedingt etwas zu tun. Beim ersten geht es um den Schutz von Systemen und Dienstleistungen, damit diese weiterhin funktionieren wie sie sollten. Beim zweiten geht es um rechtliche und soziale Normen. Im Zeitalter von CCTVs und Facebook hat eher noch die Generation X ein Problem mit Privatsphäre. Privat ist all das was man selber nicht ins Netz stellt. Von Fahrlässigkeit mal abgesehen. Und dazu gehört eine Portion Selbstverantwortung, das schon mal für Starter.

  • Sven Örensohn says:

    Alles kein Problem, wir bräuchten keine Überwachung, nur haben Hr. gGättli und Co unser Land mit Islamisten geflutet und wie Hr. Glättli richtig sagt mit dem Islam haben Terrorakte nichts zu tun. *Kopfschüttel*

    • Adrian Wehrli says:

      Also bei mir in Zürich ist die Flut noch nicht angekommen. Muss wohl irgendwo in Oberlunkhofen Ost sein. Oder Sie lesen zu viel FantasyComics (Weltwoche).

  • Leo Klaus says:

    Interessanterweise sind genau die Leute die sehr gerne den Ueberwachungsstaat ausweiten wollen diejenigen die am Vehementesten dafuer kaempfen, dass man ihren Lohn, ihre Nebenverdienste bei den diversen VR-Mandaten sowie die Mandate selbst sowie ihre Steuererklaerung nicht offenmacht. Selbstverstaendlich wollen sie diese sensible Infos auch schuetzen, wenn es um ihre “Auftraggeber” geht.

    National- und Staenderaten der buergerlichen Parteien: Was habt ihr bzw. was haben eure Sponsoren zu verbergen? Legt zuerst mal eure Geheimnisse offen!

  • Markus Schmid says:

    Das NDG haben wir nicht wegen den normalen privaten Gesprächen eingeführt.
    Da sie im Artikel damit anfangen, könnte man meinen, diese Gespräche hätten bei der Sicherheitspolitik Priorität.

  • Sacha Maier says:

    Privatsphäre ist heute, im Zeitalter von Google, Facebook, NSA et al. wirklich nicht mehr der grosse Renner. Das 21. Jahrhundert wird wohl als das Zeitalter der totalen Transparenz in die Geschichte der Menschheit eingehen.

  • Thomas Zumbrunnen says:

    Wie schon Moxie Marlinspike (Entwickler der Signal App) geschrieben hat “Wir sollten alle etwas zu Verbergen haben”. Sein Blog Eintrag vom 12. Juni 2013 hier ist sehr lesenswert : https://moxie.org/blog/we-should-all-have-something-to-hide/

    Auch wenn viele der Meinung sind, das im Digitalen Zeitalter die Privatsphäre defacto aufgehoben wurde. Diese Meinung Teile ich nicht vollumfänglich.

    Ich habe etwas zu verbergen und zwar meine Privatsphäre. Die geht nur mich etwas an.

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