Die SRG muss bescheidener werden

Das neue SRF Logo haengt am Fernsehstudio Leutschenbach, am Dienstag, 5. April 2011 in Zuerich. Das knapp 100 Tage junge Unternehmen SRF ist fit fuer die Medienzukunft. Die Zusammenfuehrung von SR DRS und SF ist geglueckt. Zu den Hoehepunkten 2011 gehoeren trimedial ausgerichtete Programmereignisse. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Das SRF-Logo am Fernsehstudio Leutschenbach. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Immer wieder stand sie im Brennpunkt der Kritik: die SRG, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, wie sie aktuell bezeichnet wird. Armin Walpen, der Vorgänger von Roger de Weck in der Generaldirektion des nationalen Unternehmens, versah ihren Namen mal mit dem Zusatz «idée suisse» und wollte ihr damit verleihen, was ihr eigentlicher Zweck und ihre nationale Aufgabe ist: die Kohäsion, die unabdingbare Klammer zwischen den vier Landesteilen, den vier Landessprachen.

Waren es zu Beginn des TV-Zeitalters die Bildungsbürger, die keinen Radiofranken dem jungen Kind Fernsehen zukommen lassen wollten, sind es heute vor allem Verleger, die teilhaben wollen am Gebührensegen. Waren es in den 70er-Jahren die Männer um Nationalrat Walther Hofer, im Hofer-Club vereinigt, die lauthals verkündeten, dass alles, was aus dem Studio Leutschenbach zu Zürich gesendet werde, von Moskau aus gesteuert sei.

Viele versuchten es mit einem Sender

Waren es in den vergangenen 50 Jahren also immer wieder Politiker, die sich einzumischen versuchten, die Einfluss nehmen wollten auf das Programm, so sind es heute vor allem die Verleger, die der SRG auf den Leib rücken. Sie wollen die 1,3 Milliarden Franken Gebühren, die aus allen Haushalten in der Schweiz der SRG zufliessen, neu verteilen. Neustes Beispiel ist der Vorschlag des Aargauer Verlegers Peter Wanner, der meint, ein deutschsprachiges Konkurrenzfernsehen sei für 100 Millionen Franken aus dem SRG-Topf zu machen. Nur, 100 Millionen plus Werbung werden nicht reichen, um eine ernsthafte Konkurrenz zur SRG zu etablieren. Schon viele versuchten es, doch keiner oder keinem gelang es bisher. Erinnert sei an die Werbefrau Margrit Trappe, an den Kiesunternehmer und SVP-Politiker Felix Mathis, an den Medienunternehmer Roger Schawinski.

Und in der Tat. Noch nie war die Medienbranche, waren die privaten Medienhäuser so bedrängt wie heute. Die Auflagen der Zeitungen brechen ein, die Werbeeinnahmen gehen zurück, die Stelleninserate wandern in digitale Portale ab. Die Verlagshäuser sehen sich von neuen Geschäftsmodellen herausgefordert. Im digital ausgerichteten Markt der Medienprodukte ist es nicht in erster Linie der Heimmarkt, der verunsichert. Es sind insbesondere die ganz Grossen, wie Google, wie Facebook, wie Amazon, die Konkurrenten aus dem fernen, digital aber so nahen Amerika, die schmerzhaft aufzeigen, wo und wie Geld zu verdienen ist.

Es ist also mehr als verständlich, dass im heimischen Markt neu verteilt werden muss, was die Werbewirtschaft hergibt, was die Haushalte an die SRG zu zahlen haben. Bis jetzt gierte die SRG auf alles, baute ihre Angebote stetig aus, machte sich breit in der Medienlandschaft. Dem soll, dem muss Einhalt geboten werden. Die ungleichen Spiesse sind auszugleichen. An der Service-public-Konferenz der Verleger machte ein Beispiel Furore. Professor Stephan Russ-Mohl, der in Lugano lehrt, erzählte, dass Timedia, ein Tessiner Verlag, drei bis vier Onlineredaktoren beschäftige, TSI, das Tessiner Fernsehen der SRG, gegen 30. Ein Raunen ging durch den Saal im Bellevue in Bern.

Werbezeit beschränken

Mit der «No Billag»-Initiative sollen die SRG-Gebühren abgeschafft werden. Sollte sie angenommen werden, wird das die SRG im Innersten treffen. Das kann, das darf nicht Realität werden. Die SRG soll bekommen, was zu ihrem staatspolitischen Auftrag gehört; sie soll die 1,3 Milliarden Gebührengelder für sich beanspruchen können. Sie hat aber ein qualitativ hochstehendes Programm zu liefern, vom Schwerpunkt Information über den Sport, die Kultur bis zu spannenden und entspannenden Unterhaltungssendungen. Ihre Werbezeit ist aber zu beschränken und im Internet zu untersagen. Im Gegenzug soll den Privaten in ihren TV-Sendern freie Fahrt im Werbemarkt zugestanden werden. Das alles braucht keine komplizierten Zusammenarbeits-Modelle, wie sie Roger de Weck an der Konferenz beredt und gönnerhaft den Verlegern vorschlug oder wie sie Professoren kürzlich in einem Vorschlag in der NZZ aufgelistet haben.

Die Verleger wollen schlicht teilhaben an den Geldströmen, die zu den Medien, insbesondere zur SRG fliessen. Sie wollen in der neuen digital geprägten Medienwelt schlicht überleben.

Ein Überleben, das vor allem aus staatspolitischen Überlegungen notwendig ist. Genauso wie das der SRG. Jetzt ist aber die SRG dran; sie kann sich aus eigener Kraft bescheiden.

9 Kommentare zu «Die SRG muss bescheidener werden»

  • Peter Müller sagt:

    Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich so was lese. Was sind wir auch für eine degenerierte Gesellschaft geworden die sich nur noch über ein einziges Zwangsgebühren-TV unterhalten kann und dies auch noch als staatspolitischen Auftrag sieht.

  • Martin Thalmann sagt:

    Was mir bei der ganzen Verteilungsdiskussion zu kurz kommt, ist der Fakt dass die Medienlandschaft heute eine andere ist. Denn nebst TV bezahlt heute jeder noch ein Handy-Abo, Pay-TV, Internet-Zugang, Print-Abo etc. Wir sind nicht mehr in der Welt der 80er Jahre, wo es nur Print und TV gab. Daher muss SRF mittelfristig massiv abspecken. Freiwillig, oder sie wird durch den Bürger dazu gedrängt mittels politischen Vorstössen (siehe Billag-Initiative).

  • Leonhard Euler sagt:

    Lineares Fernsehen ist bereits klinisch tot und wird nur noch von der Politik künstlich am Leben gehalten. Im Alltag der jüngeren Generationen ist es praktisch irrelevant geworden. Ihr Rezept ist daher obsolet. Inhalte werden auf verschiedenen Plattformen on-demand und standortunabhängig konsumiert und entweder einzeln oder über ein Flatfee-Modell bezahlt, was unter dem Strich x-mal günstiger ist als die Billag-Gebühren. Die SRG hat hoffentlich eine Vorwärtsstrategie für die Post-Zwangssteuer-Ära in der Schublade und wird in Zukunft nur noch qualitativ hochstehende Nischenprogramme produzieren, für welche aber eine effektive Nachfrage besteht – ganz marktwirtschaftlich eben, wie Netflix, Amazon und Co. dies in Zusammenarbeit mit der Kreativindustrie tun.

  • Thomas Schneider sagt:

    Klar ist die Medienwelt heute eine andere. Es gibt 1000 Kanäle, über die man mit Infos erschlagen wird. Nur: welche davon sind wirklich gut recherhiert, haben eine Relevanz für das Leben in der Schweiz. Und vor allem: Bringen einem etwas bei, was man nicht in den Kommentaren seiner Facebook- etc. -Freunde schon hundert mal gelesen hat. Aber: das Problem ist, das ja heute jeder nur noch seine Meinung bestätigt haben will und nicht mehr bereit ist von einem andersdenkenden noch etwas lernen zu können.
    Die SRG ist absolut nicht perfekt und politisch nicht immer sensibel. Aber was sie leistet, werden gewisse erst merken, wenn sie sie kaputt gemacht haben. (Wobei einige ja sowieso mit google news und fox news glücklich sind und auch ein Fehlen der SRG nicht mal bemerken würden…)

    • Hasler sagt:

      Wie viel echte relevante Recherche macht denn die SRG? Und wie viel der Arbeit ist von Medien wie der NZZ, dem Tagi von Le Temps übernommen worden?

      Die teilweise schon fast bedinnungslose Unterstützung der SRG bei der Ausweitung ihrer Aktivitäten ist in meinen Augen etwas blind.

  • Ralf Schrader sagt:

    Staatspolitische Aufgaben finanziert man aus Steuern, nicht aus zusätzlichen Gebühren oder Abgaben (z.B. Krankenkassenprämien).

  • Christoph Kreuter sagt:

    Der Zweck der SRG sei die Sicherstellung der Kohäsion in der Schweiz ? Ich definiere mich als Schweizer doch nicht über eine SRG. So alt gebacken und rückwärts gewandt kann man doch nicht für ein überholtes Staatsmonopol argumentieren. Die SRG in der heutigen Form ist klinisch tot. Ich will nur noch die Sendungen sehen und bezahlen, die mich auch interessieren, pay on demand.

  • Martin Messerli sagt:

    Dieses gebührenfinanzierte, schwerfällige Monstrum schaue ich schon lange nicht mehr. Ich zahle nur noch.

  • Ann Sophie sagt:

    1.3 Milliarden ist viel Geld fuer ein mediales Auslaufmodell.
    Ballenberg wirtschaftet mit deutlich weniger Mitteln.

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