Rechts aussen gibts keinen Klimawandel

Leben im Klimawandel: Robben und See-Elefanten leiden besonders unter den schmelzenden polaren Eisklappen. (Reuters/Alister Doyle)

Mitten im Klimawandel: Robben und See-Elefanten leiden besonders unter den seit langem schmelzenden polaren Eiskappen. (Reuters / Alister Doyle)

Anfang Mai hat die deutsche AfD in ihr Parteiprogramm geschrieben, dass es den menschgemachten Klimawandel nicht gebe. Donald Trump hält ihn für eine Erfindung der Chinesen. Die führenden Figuren der österreichischen FPÖ und der britischen Ukip bezweifeln den Klimawandel ebenso wie die Autoren des SVP-Kampfblatts «Weltwoche».

Warum eint die neuen rechten Bewegungen nebst ihrer Fremdenfeindlichkeit auch die Leugnung eines der grössten aktuellen Probleme (während weltweit ein Hitzerekord um den andern fällt)? In der Schweiz ist es üblich, «links» und «grün» zusammen zu denken, aber Umweltschutz ist kein per se linkes Anliegen. In Deutschland etwa ist manch ein Unionspolitiker «grüner» als der durchschnittliche Sozialdemokrat, und etwas bewahren zu wollen, ist ja im Grunde ein konservatives Anliegen.

Die Umweltbewegung hat ihre Wurzeln rechts, im nationalkonservativen Milieu. Das änderte sich um 1970, als sich mehr und mehr zeigte, dass es nicht genügt, schöne Natur in trauter Heimat zu schützen. Die Umweltbewegung politisierte sich, verband sich mit den Bürgerrechtsbewegungen ihrer Zeit und wurde zur gesellschaftsverändernden Kraft. Bald formierten sich aber auch die Antiumweltschützer. Ihre Heimat war in den USA die Industrie, ihre Partei die republikanische, ihr erster grosser Erfolg die Wahl Ronald Reagans zum Präsidenten im Jahr 1980.

In der Schweiz weckte die rekordhohe Zustimmung (93 Prozent!) zum Verfassungs-Umweltartikel 1971 den Widerstand der Wirtschaftsverbände, die das Umweltgesetz, das den Verfassungsartikel umsetzen sollte, 12 Jahre lang blockierten. Nachdem sie in Zeiten des Waldsterbens schliesslich unterlegen waren, entstand 1985 die aggressiv antiökologische Auto-Partei. Sie ist passé, aber viele ihrer Positionen sind im Establishment aufgegangen.

Warum sind viele der neuen rechten Bewegungen so konsequent antiökologisch – und vor allem gegen die Klimapolitik (dabei durchaus tierlieb)?

Zwei Thesen:
• Diese Rechte ist nicht konservativ im herkömmlichen Sinne. Sie vermischt Wertkonservatismus mit einer neoliberal-sozialdarwinistischen Weltsicht und bedient Abstiegsängste. Daraus resultiert eine Politik, die zuallererst nach dem eigenen Vorteil oder dem der eigenen Gruppe fragt (die Milchkuhinitiative war ein typisches Ich-zuerst-Anliegen). Ging es in der Nachkriegszeit darum, Heimat zu schützen, so haben die heutigen Umweltprobleme viel damit zu tun, dass die bisher Armen der Welt ihren Anteil an der Nutzung der natürlichen Ressourcen einfordern. Die verängstigten Satten wollen nichts abgeben, während Nachhaltigkeit, nimmt man sie ernst, die genau gegenteilige Haltung ist: das Bestreben, so zu leben, dass es auch für die anderen reicht.

• Der Neoliberalismus hat den Versuch, etwas über die Zukunft wissen zu wollen, als «Anmassung» diffamiert: Einzige Instanz, die «wissen» kann, ist der Markt. Das ist eine gute Ausgangslage, die Warnungen der Klimawissenschaften in den Wind zu schlagen. Aber die rechten Bewegungen gehen weiter. Sie haben oft eine starke Affinität zu verschwörungstheoretischem Denken – die AfD sowieso, die SVP immer mehr, von Trump nicht zu sprechen. Wenn es aber dunkle Kräfte gibt, die uns manipulieren, wenn die «Lügenpresse» Teil des Komplotts ist, dann ist man frei, nur zu glauben, was einem ins Konzept passt. Die Klimaleugner haben schon immer auf dieser Klaviatur gespielt: Was eignet sich besser, eine Verschwörung zu behaupten, als ein Phänomen von derart globalem Ausmass wie die Klimaerwärmung!