Der schleichende Abbau von Französisch

A French lesson of a middle school class at the day school Bungertwies in Zurich, Switzerland, on March 12, 2015. The school has two kindergartens (1st and 2nd kindergarten year) and six classes of mixed ages (1st to 3rd grade and 4th to 6th grade). The mixed age group system means that the children can study together and learn from each other. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Wie viel an Fremdsprachen kann Schülern zugemutet werden? Eine Französisch-Lektion in der Schule Bungertwies in Zürich. Foto: Keystone

Der Lehrplan 21 hat bis anhin nur mit seinen sogenannten Kompetenzen zu reden gegeben. Mit der aktuellen Vernehmlassung der Zürcher Bildungsdirektion geht es nun aber ans Eingemachte, nämlich die Lektionentafel der Schule. Wir diskutieren jetzt nicht mehr darüber, ob ein Schüler seine eigenen Gefühle wahrnehmen kann und wir Lehrpersonen dies auch noch benoten müssen, sondern wie viele Französisch- oder Englischlektionen wir dereinst unterrichten werden. Französisch erfährt mit dem Lehrplan 21 auf der Oberstufe leider fast einen Kahlschlag: Neu sollen nur noch drei Lektionen Französisch unterrichtet werden, und zwar von der 7. bis zur 9. Klasse. Bei bisher vier Wochenlektionen entspricht dies einer Reduktion von 25 Prozent.

Als Französischlehrer auf der Oberstufe kann ich dem nicht zustimmen. Immerhin wird das Frühfranzösisch auf der Primarstufe mit mehr Lektionen gestärkt. Diese Verschiebung der Anzahl Lektionen widerspricht aber etlichen Studien: Seit Einführung des Frühfranzösischen sind die Sprachkenntnisse der Schüler nicht besser geworden. In meinem Schulalltag stelle ich fest, dass für zwei Jahre Französischunterricht wenig an sprachlicher Kompetenz vorhanden ist. Ein Problem ist sicher, dass Französisch in der Primarschule nicht den Stellenwert von Mathematik oder Deutsch hat. Zudem werden die Primarschüler in den zwei Wochenlektionen Französisch nicht in Leistungsgruppen unterrichtet, wie das auf der Sekundarstufe der Fall ist. Und alle Primarlehrpersonen mögen mir bitte nun verzeihen: Selbst der renommierte Kinderpsychologe Remo Largo hat seine Zweifel, dass sich mit ein paar Gedichten oder Liedern auf Französisch die Sprachkompetenz von Primarschülern verbessert.

Ich bin deshalb nicht überrascht, dass gewisse Kantone wie etwa der Thurgau das Französisch auf der Primarstufe wieder abschaffen möchten. Im Kanton Zürich ist eine Initiative hängig, die ebenso die Fremdsprachen aus den Schulstuben der Fünft- und Sechstklässler verbannen will. Auch in anderen Kanton wie etwa Graubünden oder Nidwalden gibt es politische Vorstösse gegen den frühen Fremdsprachenerwerb.

Gewiss, es gibt Primarschüler, die dank Fremdsprachenunterricht mehr können und profitiert haben. Dennoch wage ich die ketzerische These: Bei vielen Kindern wird damit eher das Label der wohl meistgehassten Landesprache zementiert. Kommt dazu, dass eine gewisse Abneigung gegenüber der welschen Sprache schon mit der Muttermilch aufgesogen wird. Ich kenne einige Eltern, die die schlechten Leistungen ihrer Kinder mit einem «Ich habe Franz in der Schule auch nicht gemocht» quittieren. Mit dem verfrühten Fremdsprachenlernen wird vor allem die Abneigung gegenüber dem Französischen vermittelt. Dies ist bestimmt nicht den Primarlehrpersonen anzulasten, sondern den euphorischen Bildungspolitikern, die glaubten: je früher, desto besser! Leider marschierte die Weiterbildung der Lehrpersonen in einem gemächlicheren Tempo als die Politik, die in dieser Hinsicht für einmal nicht lethargisch war. Turbobildungspolitiker Ernst Buschor lässt grüssen.

An der Gymipfrüfung ist Französisch aber immer noch die einzige Fremdsprache, die getestet wird. Ich befürchte, dass mit dem Lehrplan 21 ein schleichender Abbau des Französischen einhergeht. Irgendwann wird man diskutieren, ob es noch zeitgemäss sei, dass für den Eintritt in eine Mittelschule Englisch nicht wichtiger als Französisch sein könnte. Seit 2015 wird Französisch an der Aufnahmeprüfung sogar nur noch zu 20 Prozent gewichtet. Früher machte dieses Fach immerhin ein Drittel der Gymiprüfung aus.

Ein klares Indiz dafür, wie sehr sich der Stellenwert des Schulfranzösisch in den letzten Jahren verändert hat, sind die Studierenden der Pädagogischen Hochschule: Ich habe kaum noch Studierende in meinem Unterricht, die auf Französisch die Schönheiten von Paris (la ville d’amour) erklären. Dagegen sind die angehenden Lehrpersonen zahlreich, die mit ihren USA-Aufenthalten protzen. Ja, über die Golden Gate Bridge von San Francisco zu erzählen, ist leider attraktiver, als über die Pont Neuf oder eine andere Brücke in Paris, die unter der Last von Liebesschlössern bald in der Seine versinkt.

Französisch gehört klar auf die Oberstufe, auch wenn die Bildungspolitiker beim Lehrplan 21 wegen Einführung neuer Fächer wie Medien/Informatik oder Berufswahl die ganze Stundenplantafel überarbeiten müssen. Doch warum gerade Französisch? Der Projektunterricht, den man erst kürzlich für das neu gestaltete 9. Schuljahr eingeführt hat, erfährt auch einen Kahlschlag um ein Drittel der Lektionen. In diesem zwar wichtigen Fach lernen Schüler selbstständig ein Projekt zu entwickeln. Es wird aber dermassen reduziert, dass man gleich über die Abschaffung diskutieren kann. Denn: Das selbstständige Lernen ist leider nicht jedem Sekschüler in die Wiege gelegt und verkommt bei gewissen Jugendlichen zum liebsten Fach, weil sie nicht nur selbstständig arbeiten, sondern vor allem chillen können.

Das ursprüngliche Ziel des Lehrplans 21 ist leider aus den Diskussionen verschwunden: die Harmonisierung der Schweizer Schule. Die vorgeschlagene Lektionentafel verursacht einen Qualitätsabbau einer Landessprache. Immerhin: Auch die bald fünfte Landessprache, die jenseits des grossen Teichs gesprochen wird, ist betroffen. Auch im Englisch wird es eine Lektionenreduktion auf der Oberstufe geben – zugunsten von Naturwissenschaften und Informatik. Bei der nächsten internationalen Studie zur Schulqualität reden wir wahrscheinlich nicht mehr von einem Pisa-, sondern von einem Babylonschock.

42 Kommentare zu «Der schleichende Abbau von Französisch»

  • Rolf Hefti sagt:

    Wenn die zu Lernende Sprache selber gewählt werden kann, lernten zwar 99% der Schüler der Deutschweiz Englisch oder eine andere Fremdsprache. Das Eine Prozent Schüler, welche Französisch gewählt haben, kann dann aber wenigstens mehr, als Qui-Qui und Non-Non nach X-Qualjahren der Wetterbeobachtung. Das wäre Zukunft.

  • Werner Meile sagt:

    Wunderbar, werter Kollege. Ebenfalls Sekundarlehrer phil I. unterschreibe ich Ihre Aussagen zu 100%. Das Problem mit der Verschiebung des Französischen auf die Oberstufe in EINZELNEN Kantonen ist dann auch nicht pädagogischer Natur: Vielmher entstehen Probleme mit stufengerechten (modernen / kompetenzorientierten?) Lehrmitteln und Umzügen aus / in andere Kantone oder Schülern aus ausserkantonalen Primarschulgemeinden.

    • Urs Forster sagt:

      Herr Meile, das Problem ist, dass die Primarlehrer gar nicht befähigt und ausgebildet sind, Französisch zu unterrichten. Die moderne Lehrmittel sind nicht mehr lehrtauglich, weil der Fokus eben nicht auf lernen, sondern Kompetenzen gelegt wird. Probleme wegen Umzügen sind eine immer wieder wiederholte Mär. Aber eben, wenn der LP21 kommt, kann man genau so gut die Schule generell abschaffen, da damit genau das Gegenteil von dem gemacht wird, was das Stimmvolk mit Harmos gemeint hatte. LP21 ist in den USA, Deutschland und Finnland kläglich gescheitert. Weshalb muss nun die Schweiz etwas einführen, was nirgends funktioniert hat. LP21 bringt einen massiven Abbau der schulischen Leistungen unserer Jugend.

      • Thomas Jenni sagt:

        Warm sind sie sich so sicher, dass im LP21 die Leistungen „massiv“ abgebaut werden? Ich zweifle an Ihrer unbegründeten Aussage – Behauptungen aufstellen, kann jede/r! Der Kt TG macht zwar ein Rückzug beim Franz in der Primarschule, plant aber auf der Oberstufe einen Schüleraustausch! Jugendliche profitieren davon bestimmt mehr als vom Schulfranzösisch in der PS; sprachlich und kulturell. Das moderne Enlisch-Lehrmittel ist zum Beispiel eine echte Steigerung gegenüber dem alten. Sprechen sie Mal mit einem Oberstufenschüler Englisch und erinnern sich daran, wie das dazumals bei Ihnen geklungen hat.

        • Peter Meyerhans sagt:

          Na ja, als Jugendlicher konnte ich nach Herrn Müllers „la belle aventure“ zwar Strukturen, aber dafür nicht mal einen Kaffee bestellen. Da ist ein wenig kompetent sein nicht schlecht. Aber bitte vergleichen Sie nicht ein Lehrmittel, welches für zwei Wochenlektiönlein Freifach konzipiert wurde mit dem neuen Englisch-Lehrmittel, welches an vier Jahre Unterricht auf der Primar anschliesst. Das hat dann weniger mit dem Lehrmittel als mit der Gewichtung des Faches und vor allem der Lektionenzahl zu tun…

      • Pia Graf-Weiler sagt:

        Als Primarlehrerin muss ich mich dieser infamen Unterstellung vehement entgegen setzen, wir haben sehr wohl äusserst kompetente KollegInnen im Französischunterricht!

  • Mark Altheer sagt:

    Es ist doch ganz einfach: Franz ist schlicht unbeliebt weil es nicht gebraucht wird und schwieriger zu erlernen ist als Englisch. In der heutigen Zeit spricht man Englisch. Das funktioniert auch mit den Welschen. Die Welschen hassen es Deutsch zu lernen und wir wollen kein Franz. Also was soll das Herum-Ge-Eierei. Man muss halt die Realität erkennen und danach handeln. Der TG macht das einzig Richtige. Er konzentriert sich auf Englisch das sehr wichtig ist. Die Unter-/Mittelstufen Schüler sind sowieso schon unter Druck. Eine 2. Fremdsprache ist schlicht unvernünftig. Das gilt vor allem die ausländischen Kinder die oftmals genug Schwierigkeiten mit Deutsch haben. Lieber richtig Deutsch und Englisch.

    • Urs Forster sagt:

      Wer behauptet, dass Englisch einfacher zu lernen sei als Französisch, kann möglicherweise nur rudimentär Englisch. Die Englische Grammatik ist genauso anspruchsvoll wie diejenige des Französischen. Wichtig wäre, dass zuerst korrekt Deutsch gelernt wird und erst frühestens ab der 5. Primarschule Französisch und auf keinen Fall Englisch. Es kann nicht sein, dass in einem mehrsprachigen Land, zuerst Englisch gelernt wird.

      • M.Mueller sagt:

        Hr. Forster, es kann nicht sein dass einer ohne Begründung schreibt „Es kann nicht sein, dass in einem mehrsprachigen Land, zuerst Englisch gelernt wird.“

        Wenn das Ziel sein soll, dass alle 3 Landesteile sich _gut_ verständigen können, wird dies mit Englisch erreicht!!!

      • Ruf sagt:

        Das stimmt natürlich. Es besteht jedoch die Tendenz, mit dem Hauptstrom zu schwimmen.

      • Kurt Leutenegger sagt:

        Herr Forster da muss ich Ihnen widersprechen. In der Innerschweiz wurden Erhebungen durchgeführt, Englischziele wurden von 68% und Franzziele nur von 37 % der Schüler erreicht. Die ganze Sprachemgeschichte kommt mir vor wie ein Unterdrückungskrieg von Sprachbegabten gegen Naturwissenschaftlich Begabte. Der Ausgang ist klar die Schnorris gewinnen immer. Dabei verliert die Gesellschaft und Wirtschaft bessere Ingenieure und Naturwissenschaftler. Warum können unsere intelligente Führungskräfte sich nicht dazu einigen das man 2 gleisig fahren könnte um beide Gruppen damit noch auf eine höhere Wissensstufe und damit auch mehr Lebenfreude bringen kann? Wir hätten viel weniger Versager.

      • Philipp Schmid sagt:

        Absolut richtig. Dem kann ich mich zu 100% anschliessen. Diskussionen in meinem privaten Umfeld zeigen auch, dass dies die richtige Vorgehensweise wäre. Wir können das blinde, realitätsfremde Vorgehen der Mehrheit der Class-Politique nicht verstehen. Es sollte eigentlich gar keine Frage sein, dass Englisch für alle d i e Fremdsprache sein muss, als Basis, mit der zukünftige Generationen von Schweizerinnen und Schweizer Bürger global erfolgreich sein können.

      • Marcos sagt:

        Naja, als jemand der doch sehr gut Englisch kann und einigermassen Französisch beherrscht (immerhin 1 Jahr in Lausanne gelebt) widerspreche ich ihnen Erfahrung vehement. Englisch ist viel einfacher zu erlernen als Französisch.

  • Martin Frey sagt:

    „Diese Verschiebung der Anzahl Lektionen widerspricht aber etlichen Studien.“
    Gegenfrage: Seit wann interessieren sich die Bildungsapparatschiks in Verwaltung und Politik für Studien?

    • Sportpapi sagt:

      Gegenfrage: Welche Schulreform wurde eingeführt, die nicht mit zahlreichen Studien begründet wurde?

      • Martin Frey sagt:

        Das Frühfranzösisch?
        Zumindest das Argumentarium bei der Beibehaltung stützt sich ja nicht gerade auf Studien, wenn man den Voten so zuhört.

  • will williamson sagt:

    Zu meiner Zeit hat man Franz und Englisch von der 1. bis zur 3. Sek gelernt. Man lernte die Sprache auch eher ungern. Warum? Weil viel zu langweilig und zu trocken doziert wurde. Später habe ich Franz in der Migros Clubschule weiter gelernt und bin heute nach Jahrzehnten immer noch in der Lage, Artikel und Bücher zu lesen und Konversationen zu pflegen. Als romanische Sprache ist Franz vor allem grammatikalisch anspruchsvoller als Englisch. In gewissem Sinne auch ein Lateinersatz für Nicht-Lateiner. Die Schule soll ja nicht rein nach wirtschaftlicher Nützlichkeit ausgerichtet werden, sondern auch Allgemeinbildung vermitteln. Mir scheint, wir haben an gewissen Stellen zu viele Arkadenmicker, die nichts Anderes zu tun haben als über Verwirrung stiftende Veränderungen nachzudenken.

    • René sagt:

      Williamson: Ich frage mich wegen dieses Sprachenstreits schon lange, über was wir eigentlich diskutieren. Ich habe auch erst in der Sek Französisch gelernt (mehr oder weniger). Und danach noch vier Jahre lang in der Berufsschule. Aber wirklich Französisch gelernt habe ich im Beruf, in dem ich während Jahren mit welschen Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet und wenn möglich französisch gesprochen habe – notabene in Zürich. Englisch habe ich nie in einer Schule, dafür auf vielen Reisen in den USA und anderen englischsprachigen Ländern gelernt. Und mit 55 Jahren habe ich noch Italienisch gelernt – an der Migros-Klubschule, und wende es bei meinen vielen Tessin-Aufenthalten auch gerne an. Ergo: Schulen können Grundlagen für Fremdsprachen vermitteln, aber lernen muss man selber wollen.

  • M.Mueller sagt:

    Interessanterweise führen wir diese Diskussion nur wegen Französisch, das Tessin soll selber schauen wie die Verständigung klappt….

    Dabei ist es ganz klar, dass in der heutigen Welt Englisch besonders häufig verwendet wird. Wenn die ganze Schweiz Englisch forciert wird dieses besser gelernt und die Kommunikation klappt besser.

    Das Verständigungsproblem ist damit gelöst und kein Landesteil wird benachteiligt – voilà! (Einige Romands werden dann einen anderen Grund finden um zu klagen 😉

  • Max Oppliger sagt:

    Vor lauter reden wird nichts entschieden und dort wo etwas entschieden wird, wird es sofort wieder in Frage gestellt und dann reden wir weiter. Experten dafür und gegen findet man zuhauf. Siehe Energiewende, Verkehr und Sozialwerke. In der Zwischenzeit dreht sich die Welt.

  • Rose Zschokke sagt:

    Die Französischstunden in der Sekundarschule liegen oft am Morgen, um 7.30 h. Dann sind die Schüler weder wach, noch motiviert. Ausserdem ist das aktuelle Lehrbuch nicht wirklich gut. Dazu kommen noch überforderte Lehrkräfte in der Primarschule. Auch nach fünf Jahren Unterricht ist Null Sprachkompetenz vorhanden. Schade für die wunderschöne Sprache!

  • Tobias Birrer sagt:

    Warum akzeptieren wir nicht die Realität und verabschieden uns vom Französischunterricht komplett? Nutzen / Ertrag steht in keinem vertretbaren Verhältnis. Weder die Welchen noch die Deutschschweizer beherrschen nach neun Jahren Schule die Englische Sprache. Dazu müssen die Deutschschweizer zuerst noch Hochdeutsch lernen. Zukunftsorientierter Sprachunterricht wäre den Fokus auf das Englisch zu legen und als Wahlfach Chinesisch anzubieten. Französisch hat im 21. Jahrhundert an unseren Schulen nichts mehr zu suchen.

  • Nicole Zehnder sagt:

    Die Verzettelung des Unterrichts bereits in der Primarschule ist bedenklich und hat bereits heute schlimme Konsequenzen. Gegen 20% der Absolventen verlassen die Volksschule als funktionale Analphabeten. Im Grunde geht es auf dieser Stufe um Lesen, Schreiben und Rechnen. Daneben dürfen die musischen Fächer nicht zu kurz kommen. Deutsch – für immer mehr Schüler nicht Muttersprache – und zwei Fremdsprachen bedeuten eine massive Überforderung. Nun kommen noch Hochschulprofessoren und fordern bereits Programmieren. Nach dem Motto „Von allem ein bisschen, aber nichts wirklich fundiert“. Dies bei ca. 38 Schulwochen (die erste Schulwoche nach den Ferien ist Stoffrepetition).

  • Burger Patricia sagt:

    Es geht ja nicht nur um Spracherwerb. Wie schon mehrmals erwähnt wurde, geht es auch um kulturelles Verständnis, das man nun einmal besser in der jeweiligen Sprache pflegen kann. Es sollte meines Erachtens keine Überforderung sein, sich drei oder mehr Fremdsprachen anzueignen. Dieser Erwerb steht und fällt natürlich mit einer Lehrperson, die die Lernenden motivieren kann, mit einer Schweiz, die Stolz auf Ihre Mehrsprachigkeit ist und deshalb auch in diesen Vorteil investiert und klar Farbe bekennt. Als Romand fühle ich mich immer wieder frustriert, weil die D-Schweizer mit mir lieber Englisch als eine gepflegtes Hochdeutsch sprechen. Ich bin keine Befürworterin des Früh-Französisch / -Deutsch, aber dass eine Nationalsprache die erste Fremdsprache sein muss, steht für mich ausser Frage.

  • Luzi jöri sagt:

    Unsere weisen Bildungspolitiker, alle EDK Mitglieder, sind an diesem Sprachendebakel schuld. Sie wollen partout nicht schwenken und den Weg der Vernunft nicht gehen. Es ist eine riesige Tragik, welche unser ganzes Bildungssystem behindert und extreme Kosten verursacht ohne dass ein Nutzen daraus gezogen werden kann. Dazu leiden viele Schüler und Eltern an einer Schuldepression, welche unzählige kostspielige Therapiestunden erfordern. Wir sind weit, weit weg von Harmos

  • Dieter Schnetzer sagt:

    Der Lehrplan 21 ist in sich die reine Katastrophe, das Sprachthema und dessen Umsetzung nur eine Facette. Ohne richtiges Basiswissen, d.h. auch schlicht lernen /büffeln, kann man nichts aufbauen, egal ob Sprache oder Mathematik, etc. Mit der Vermittlung von ‚Kompetenzen erreicht man keine vernünftige Bildung.

    • Sportpapi sagt:

      Was hat die Formulierung von Kompetenzen als Lernzielen mit dem Unterricht oder dessen Ausrichtung zu tun? Weshalb soll künftig weniger gelernt, „gebüffelt“ werden? Haben Sie sich mal mit dem Thema befasst?

  • Simon Gwerder sagt:

    Das einzige Mal als mein stümperhaftes Französisch von zweifelhaftem Nutzen war, war im Militär, wenn der Bilangue gerade krank war und jemand die Übung erklären musste.
    Da bringt mir Englisch viel mehr. Jeden Tag.
    Franż hab ich wohl mehrheitlich verlernt. All die qualvollen Stunden umsonst. Ich brauche es nicht.

    • tina sagt:

      dachte ich auch, bis ich für die gymiprüfung übte mit meinem sohn und merkte, wow, ICH kann das alles noch. aber er, er kanns nicht. und in seinen lehrmitteln findet man nichts schlaues. wenn sie kein franz können, können sie weder ans gymi noch die bms machen

  • Georg Luzi sagt:

    Die zweite Fremdsprache gehört auf die Oberstufe, zuerst sollen die Primarschüler ihre Muttersprache/die erste Landessprache vertiefen. Das heutige Sprachenkonzept ist für 2/3 eine Überforderung und treibt viele Schüler in den Therapieunterricht. Die enorme Kostenexplosion im Bildungswesen hat ihren Ursprung in diesem unsinnigen Sprachenkonzept. Leider sind unsere hohen Bildungspolitiker( unsere Erziehungsdirektoren) nach wie vor uneinsichtig und stur, es geht ihnen um ihr Wohl und nicht um das der Kinder- leider. Die im Irrtum beharren sind die Narren.

  • Werner Wunderli, sagt:

    Herr Hersiczky
    In Ihrem Artikel haben Sie leider haben Sie jedoch einen grossen „Bock“ geschossen. Ihre Aussage „Im Kanton Zürich ist eine Initiative hängig, die ebenso die Fremdsprachen aus den Schulstuben der Fünft- und Sechstklässler verbannen will“. Diese Aussage ist Unterstellung, welche ich so nicht stehen lassen kann. Unsere Initiative lautet: „Mehr Qualität — eine Fremdsprache an der Primarschule“. Das heisst wir wollen, dass ab der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird. Wir lassen offen welche. Also keine Rede davon den Fremdsprachenunterricht aus den Schulstuben der der Fünft- und Sechstklässler verbannen. Bitte nehmen Sie dies zur Kenntnis. Besten Dank.
    Werner Wunderli, Mitglied des Initiativkomitees

    • Patrick Hersiczky sagt:

      Sehr geehrter Herr Wunderli

      Ja, das habe ich wohl nicht eindeutig formuliert. Die Diskussion hier zeigt aber, dass Ihre Initiative richtig und nötig ist. Mir geht es nicht darum, dass man gar keine Fremdsprache mehr auf der Primarstufe unterrichtet, sondern dass die Unterrichtsqualität stimmt. Und das heisst es auch in Ihrer Initiative.
      Hoffe, das stimmt so für Sie.

      Freundliche Grüsse
      P. Hersiczky

      • Werner Wunderli, sagt:

        Grüezi Herr Hersiczky
        Danke für Ihre Antwort. Ich denke wir ziehen an gleichen Strick und dies ist wichtig.
        Freundliche Grüsse
        Werner Wunderli

  • tina sagt:

    ich fände schon gut, wenn unsere kinder französisch lernen. aber eben richtig. dieses spielerische, nur wenige lektionen, dafür über x jahre (englisch und französisch), das bringt üüüüüberhaupt nichts. nur frust und das ist kontraproduktiv. lieber in der oberstufe einige lektionen franz, und lehrmittel mit einem teil zum nachschlagen, tabellarisch. lernen mit system! nicht dieses spielerische. und englisch als freifach, denn das würden viele freiwillig buchen. englisch ist darum einfacher, weil es leicht im alltag brauchen können

    • tina sagt:

      ich fände es darum gut, dass sie franz lernen, weil man davon auch spanisch und italienisch ableiten kann. das bringt eine menge!

  • Albert Muri sagt:

    Unsere Schulen veramerikanisieren sich immer mehr: Bildungsinhalte werden herabgesetzt und an ihrer Stelle kommt der Strukturzwang zum fordistisches Sichfügenlernen („Kompetenzen“).
    Mir tun alle Kinder und Lehrer leid, welche die faulen Eier unserer Bildungsbürokraten ausbrüten müssen.

  • Tobias Meyer sagt:

    Tatsächlich bringt Frühfranzösisch nicht sehr viel und man hat mehr davon, wenn es erst auf der Oberstufe unterrichtet wird (sprich: zuerst die Muttersprache lernen, dann darauf aufbauend eine Fremdsprache).
    Aber wie hier einige die komplette Abschaffung einer Landessprache fordern, finde ich schon fragwürdig. In der Mehrsprachigkeit und in der „Mehrkulturigkeit“ der Schweiz (man gestatte mir die Wortkreation…) liegt doch gerade unsere Stärke – umso mehr, als dass wir in einer globalisierten Welt leben. Daher müsste es heissen: Französisch UND Englisch sind wichtig!
    Und wer Französisch in der Schule einen Sch**ss fand (ich selber eingeschlossen), soll nicht automatisch darauf schliessen, dass der Unterricht heutzutage immer noch so schlecht ist wie früher!

    • Pia Graf-Weiler sagt:

      Genau. Danke, dass Sie dies hier so festhalten. Es gibt aber übrigens auch Schüler, die Franz gerne lernten und es heute hochmotiviert an Primarschulen unterrichten.

  • Kleist sagt:

    Man muss Französisch nicht abschaffen. Nur: in der Primarschule beherrschen die Schüler die deutsche Sprache nicht hinreichend. Wie will man einen object indirect bilden, wenn man schon nicht auf Deutsch weiss, was ein Dativ, etc. ist?
    Die Lehrmittel des Zürcher Beamtenverlags, der per se überflüssig ist, sind hoch qualifiziert unbrauchbar. Häufig hört man, man müsse im Gymi Latein lernen, um den Satzbau, die Sprachstrukturen, etc. zu verstehen. Das Gleiche wäre auch mit Französisch möglich: nur meint dort der Kanton Zürich, er müsse ein teures eigenes Lehrmittel produzieren. Mit diesem Lehrmittel lernt niemand wirklich Französisch. Es macht daher Sinn, Französisch auf die Zeit nach der 6. Klasse zu beschränken, dafür dann intensiver zu betreiben.

  • Sportpapi sagt:

    Hm. Zu meiner Zeit gab es im Kanton Zürich gar kein Französisch an der Aufnahmeprüfung zum Langzeitgymnasium (logisch – wurde ja auch nicht unterrichtet). Was eine Chance war für Leute, die nicht so sprachbegabt waren, aber dafür Stärken in anderen Fächern hatten.

  • Dave Mueller sagt:

    Was ist daran so schlimm, das man kein Französisch mehr hat, da fast jeder Schüler dieses Fach verabscheut. Ich finde man sollte diese Sprache nur alle Stufen freiwillig machen, da die Schüler diese Sprache so gut wie gar nicht im leben machen. Man sollte nach der 6. Klasse es als Fach anbieten, so das man isch entscheiden kann, ob man sie möchte oder nicht. Man sollte auch Französisch abschaffen, da diese Sprach nicht zu gebrauchen ist. Nur weil die Leute aus der Westschweiz, dies wollen müssen wir es nicht umsetzen. Eine Person aus meinem näheren Umfeld hat einen Austausch gemacht und sie sagte mir, das die Westschweizer auch nicht gerade hoch motiviert sind Deutsch zu lernen. Um auf den Punkt zu kommen, Französisch nur noch als Freifach anbieten.

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