Mit dem Verbot der Bettelei darf kein Populismus betrieben werden

Wenn Kinder Fragen stellen wie: «Papa, was wollte der Mann, der dort immer mit seinem Becher sitzt?» oder «Warum gibt man dem, der Musik spielt, eine Münze und dem anderen, der nichts macht, keine?», dann stellt ihr gesunder Menschenverstand und ihre Unbefangenheit uns Erwachsene vor einige grundsätzliche Fragen, insbesondere über uns selbst. Die Politiker ihrerseits nutzen das Phänomen zu wahltaktischen Zwecken, anstatt zu versuchen, es zu verstehen und damit umzugehen, wenn sie schon nicht in der Lage sind, es zu regeln.  

In letzter Zeit hat die Bettelei in den Städten stark zugenommen. Sie wird oft mit der Roma-Bevölkerung in Verbindung gebracht, auch wenn diese nicht das Monopol darauf hat. Inzwischen ist das Betteln eine Quelle für unzählige, diffuse Annahmen geworden: Ja, es ist schlimmer geworden. Ja, man begegnet jeden Tag den gleichen Gesichtern am gleichen Ort. Ja, die Zeugenaussagen über die zunehmende, fast schon gewalttätige Beharrlichkeit der Bettler vervielfachen sich. Ja, das schafft zumindest beim Durchschnittsbürger Unbehagen, der doch weder Rassist noch Faschist ist.  

Es geht hier nicht darum, uns als die bösen Reichen gegenüber den netten Armen darzustellen. Und noch weniger darum, unverhältnismässige Menschenfreundlichkeit an den Tag zu legen.  

Nicht alle Bettler sind Roma: Randständiger in Bern.

Nicht alle Bettler sind Roma: Randständiger in Bern.

 

Andererseits sind ja nicht alle Roma Bettler oder diplomierte Einbrecher. Jene, die sich früher mit Kindern zeigten, machen das nicht mehr oder sind abgezogen. Haben sie sich in Ringen organisiert, in denen Betteln ein Beruf mit vielen Tricks und Finessen ist? Ein auf dieses Gebiet spezialisierter Polizist hat im letzten Februar gegenüber der Zeitung «24 heures» versichert, dass es dafür keine Indizien gibt. Ebenso wenig wie für die angebliche Prostitution junger Roma-Frauen.  

Die Bettelei ist nicht zwangsläufig ein Problem der öffentlichen Sicherheit, da das Verhältnis zwischen Passanten und Bettlern meist friedlich ist. Aber genau darum geht es: Wie soll man ihnen gegenüber reagieren, abgesehen vom mehr oder weniger höflichem Ignorieren? Was soll ich auf die Fragen meiner Kinder antworten? Wie soll ich die Verärgerung unterdrücken, die in mir aufsteigt, wenn eine Hand mir einen Becher entgegenstreckt und nach einer Münze verlangt?  

Das Betteln bringt uns viel weniger in Gefahr, als dass es uns mit unserem Status konfrontiert: Als Abendländer leben wir in einem gewissen Wohlstand, wobei unsere täglichen Sorgen weit entfernt von denen der schlechter gestellten Bevölkerung zu liegen scheinen. Es geht hier nicht darum, uns als die bösen Reichen gegenüber den netten Armen darzustellen. Und noch weniger darum, unverhältnismässige Menschenfreundlichkeit an den Tag zu legen.  

Mitten in der Parlamentswahlkampagne mag das Thema zweitrangig erscheinen. Nicht so für einige unserer Volksvertreter, die entweder schon in Bern sitzen oder noch dort hin wollen. Wenn jetzt plötzlich alle danach rufen, die Bettelei sei zu verbieten, machen sie nichts anderes, als in ihrem Wahlkampf populistische Akzente zu setzen. Dabei muss diese Entscheidung ernsthaft getroffen werden und anschliessend mit ebenso viel Härte wie Menschlichkeit durchgeführt und überwacht werden. Auf Bundesebene etwa könnten Projekte entwickelt werden, mit den man diesen Menschen in ihren eigenen Ländern Überlebenshilfe bietet. Woher sie alle stammen ist den Verantwortlichen in Bern bekannt.  

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