Freie Mobilität statt weltfremder Verzicht

Der Bund soll überhaupt kein Geld mehr in das Schienennetz investieren und die pendelnden Schweizer damit zwingen, wieder an ihrem Arbeitsort zu wohnen. Mit dieser Forderung aus dem Politblog verkennt Erwin Haas die Realität: Mobilität ist einerseits ein Grundbedürfnis des Menschen und andererseits eine der Grundlagen der Schweizer Wohlstandsgesellschaft. Nicht zufällig versucht ein Kleinkind instinktiv, mühsam und unbeirrt aufzustehen, sich auf den eigenen Beinen zu bewegen. Und nicht umsonst ist das Wegnehmen der Mobilität und das Einsperren eines Menschen eine der härtesten Strafen.

Mobilität ist auch nicht einfach das Hobby irgendwelcher fehlgeleiteter Pendler.

Strassen und Schienen pulsieren: Ein Land wie die Schweiz lebt von der Mobilität.

Strassen und Schienen pulsieren: Ein Land wie die Schweiz lebt von der Mobilität.

Mobilität ist auch nicht einfach das Hobby irgendwelcher fehlgeleiteter Pendler. Sie ist erforderlich, um unseren Wohlstand, unsere Spitzenstellung in der arbeitsteiligen Wirtschaft unseres Landes zu sichern. Der Tages-Anzeiger, von dem Erwin Haas als Redaktor seinen Lohn erhält, könnte wohl kaum jeden Tag in der ganzen Schweiz verteilt werden werden, wenn auf Schiene und Strasse keine einfache und kostengünstige Bewegung von Menschen und Gütern möglich wäre.

Ganz abgesehen davon wirkt Mobilität seit je als grosse soziale Errungenschaft und als wesentliche Triebfeder für die kulturelle und technische Entwicklung. Wer, wie Haas «die Massen verkehrspolitisch zur Vernunft bringen» will, entlarvt sich als unverbesserlicher Anhänger einer freiheitsverachtenden Planwirtschaft. Und wer allen Ernstes schreibt, die Politik «müsste den Pendlern sowohl das Auto- als auch das Bahnfahren richtig vermiesen», hält wenig von der Verwirklichung individueller Lebenschancen, Lebensqualität und freier Gesellschaft.

Die individuelle Mobilität ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Gesellschaft und die Politik hat sicherzustellen, dass diese Mobilität möglichst ungehindert und frei funktionieren kann. Dies bedingt die Investition in bedarfsgerechte Infrastrukturen in Strasse und Schiene und erfordert deren verursachergerechte Finanzierung.

Ein Land wie die Schweiz mit ihrer zentralen Lage in Europa lebt letztlich von der Mobilität – das wird auch in Zukunft so bleiben. Deshalb dürfen sich Mobilität und Umweltschutz als gleichberechtigte Grundanliegen unserer Gesellschaft nicht ausschliessen. Auch dafür hat die Politik zu sorgen. Eine von Erwin Haas definierte und von oben verordnete «Mobilität nach Mass» ist so ziemlich das Letzte, was in unsere direktdemokratische Schweiz passt.

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