Liebe Pendler, bitte zügeln!

Milliarden für die Strecke Zürich-Bern, Milliarden-Bahnhöfe in der Bundesstadt und Basel, ein Milliarden-Projekt in Luzern, dessen Tunnel unter der Schifflände des Vierwaldstättersees hindurch in den nagelneuen Hauptbahnhof führt… – hat es kürzlich Geld geregnet? Oder ist das Bahnland Schweiz dabei, sich an der hoch gelobten Mobilität seiner Einwohner massiv zu übernehmen?

Gleich, was es kostet: Dass die Züge dereinst leerer sind, können Sie schon jetzt vergessen. Die Steigerung der Passagierzahlen bei den SBB – mit bis zu 100 Prozent bis 2030 ohnehin beängstigend – dürften noch übertroffen werden. So war es immer. Und so werden Sie auch in der schönen, neuen Pendlerwelt um freie Plätze rempeln und sich in enge Sitze pressen – zu Billettpreisen, von denen Sie heute bestenfalls albträumen. Und noch immer werden nervöse Notebook-Nachbarn Sie nerven. Oder quengelnde Kinder mit dem immergleichen Satz: «Mami, wann sind wir denn daheim?»

Ist es vielleicht gar nicht das Dauerreisen, das viele Pendler mürbe macht – sondern die Ungewissheit, nicht zu wissen, wo man eigentlich hingehört?

Pendler in der Zürcher Agglomeration.

Immobilien für Mobile sind eine Marktlücke: Pendler steigen in der Zürcher Agglomeration in einen Zug.

Eine exzellente Frage: Wann sind wir daheim? Im Zug oder auf der Betonpiste, auf der wir Tag für Tag zur Arbeit rasen – im unguten Wissen, dass das wahre Leben dort draussen am Fenster an uns vorübergleitet? Bei der Arbeit, mit der wir den grössten Teil unserer Wach-Zeit verbringen? Oder zu Hause, an jenem Ort also, wo wir kaum mehr als schlafen? Ist es vielleicht gar nicht das Dauerreisen, das viele Pendler mürbe macht – sondern die Ungewissheit, nicht zu wissen, wo man eigentlich hingehört?

Zügeln Sie! Wenigstens ein wenig. Ein neuer Job am anderen Ende der Schweiz? Nehmen Sie sich ein kleines Zimmer statt jeden Tag zu pendeln und gönnen Sie sich einen ruhigen Abendspaziergang anstelle des Herdengetrampels im Tiefbahnhof. Angst vor Einsamkeit? Gründen Sie eine Pendler-WG! Oder erfinden Sie gleich ein lohnendes Geschäftsmodell: Immobilien für Mobile. «Pension Pendolino – Herzlich Willkommen!»

Blühende Pendler-Landschaften, sozusagen. Und mal ehrlich: Was verpassen Sie schon in der gewohnten Agglo-Wohnung? Ihre Freunde sprechen Sie in der Zukunft auf Knopfdruck live, in Farbe und kostenlos mit dem iPhone 25 an. Sportkameraden? Kein Problem dank SVP, dem Sport-Verband für Pendler. Und die Familie? Sehen Sie am Freitagabend, spätestens, und Vorfreude ist schliesslich die schönste Freude. Zumal der Lebenspartner ja selber auswärts jobben muss, um die Benzin- und Ticketkosten für ihren rasenden Lebenswandel zu bewältigen.

Dieses Geld können Sie sich sparen, wenn Sie innerlich mobiler werden – und gemeinsam einen kleinen Umzug wagen. Sie haben Angst, ihre Wurzeln zu verlieren? Nicht nötig: Daheim ist bekanntlich, wo das Herz ist. Und damit meint man nicht das Pumporgan in der linken Brust, gleich unter der Hemdtasche, in der Ihr blödes Billett steckt.

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