Wie viele Friends braucht ein Politiker?

Wenn es für Parlamentarier so etwas wie den Titel eines Mister oder einer Miss Social Media gäbe, dann zählte Barbara Schmid-Federer, CVP-Nationalrätin aus dem zürcherischen Männedorf, zu den ganz heissen Favoritinnen. Die mediengewandte und attraktive Mittvierzigerin verdankt ihre Wahl in den Nationalrat im Jahr 2007 zu einem guten Teil ihrer Internet-Kampagne, so ist es in einem kürzlich erschienen Buch des Politologen Mark Balsiger nachzulesen. Und tatsächlich, Schmid-Federer ist auf allen trendy Medienkanälen präsent: Sie unterhält eine eigene Website, jedermann kann die CVP-Frau auf Facebook anstupsen, man trifft sie auf der Business-Plattform Xing an  oder dann auf Youtube; man kann mit ihr, wenn’s denn sein soll, von Angesicht zu Angesicht skypen, und, ach ja, die total vernetzte Politikerin, eine Social-Media-Pionierin unter den hiesigen Politiker, bloggt und twittert natürlich auch.

Man fragt sich bloss, wo da noch genug Zeit zum Arbeiten bleibt bei so viel Kommunizieren – aber das ist offenbar kein Problem.

Jeden Morgen ein paar Minuten bloss verbringe sie in den Social-Networks, sagt Schmid-Federer, einen gewaltigen Aufwand hingegen habe sie vor vier Jahren leisten müssen beim Aufbau der eigenen Website. Die Zürcher CVP-Frau war in der hiesigen Politszene eine der ersten, die voll auf Internet-Propaganda in einer Sache setzten. Mittlerweile, zumal im Wahlkampfjahr 2011, trauen sich immer weniger Politiker und Politikerinnen darauf zu verzichten. 80 Prozent der Parlamentarier führen eine eigene Website, über die Hälfte von Ihnen unterhält ein Facebook-Profil.

Man fragt sich bloss, wo da noch genug Zeit zum Arbeiten bleibt bei so viel Kommunizieren.

Der Wahlkampf ist eröffnet: Video von Schmid-Federer im Bundeshaus.

Natalie Rickli etwa, Zürcher SVP-Frau, hat so bereits 5000 Friends gemacht, was womöglich auch daran liegt, dass sie sich im Web mehr wie ein süddeutscher Schlagerstar denn eine ernstzunehmende Politikerin präsentiert. SP-Präsident Christian Levrat, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, vertraute vor ein paar Tagen meinen Kollegen von der «Tribune de Genève» an, er benutze sein Facebook-Profil mittlerweilen, um die Parteibasis zu mobilisieren; auch Levrat darf sich auf Facebook ebenfalls 5000 Sympathisanten rühmen.

Wird der Wahlkampf 2011 zum ersten Social-Media-Wahlkampf in der Schweiz?

Gerade Politiker, die sich diese Frage stellen, sollten zuerst einmal bedenken, dass sie auch sehr viel falsch machen können im Netz. Ein plastisches Fallbeispiel lieferte letzte Woche der Aargauer FDP-Mann Daniel Heller. Er beleidigte auf seinem Facebook-Account Bundesrätin Doris Leuthard («nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe», «wie Palin»), versuchte dann die Verunglimpfungen zu löschen, log zwischenzeitlich, ein Hacker sei für die Zeilen verantwortlich, und gab schliesslich erst alles zu, als er von den Kollegen der «Aargauer Zeitung» eindeutig überführt worden war. Heller wird letzte Woche die Social-Media-Revolution verflucht haben und womöglich hat er sich unterdessen von seinen drei Kindern die genaue Funktionsweise von Facebook erklären lassen.

Kaum zu glauben, dass es heutzutage noch Facebook-Auftritte von Politikern gibt wie denjenigen von Verena Diener. Die Zürcher Grünliberale und Ständerätin bringt es gerade Mal auf 19 Freunde. Offenbar stört sie das nicht.

Irgendwie cool, finde ich.

Aber was sagen Sie, geschätzte Leserinnen und Leser: Braucht ein Politiker Facebook-Friends? Gar Tausende? Soll er auf Social-Media-Plattformen um Wählerstimmen buhlen?

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