Befiehlt jetzt die Wirtschaft an den Hochschulen?

Seit Jahren wollte das Parlament ausdrücklich, dass das Bildungswesen unter einem Dach, in einem Departement vereint ist. Jetzt ist es so weit. Die Regierung hat bekannt gegeben, dass Hochschulbildung und Forschung in das Wirtschaftsdepartement übertragen werden. Die meisten Beteiligten haben diesen Entscheid begrüsst. Ich für meinen Teil bleibe in meinen Erwartungen enttäuscht.

Ob diese Zusammenführung erfolgreich sein wird, hängt davon ab, wer dabei mehr Einfluss haben wird. Der für das Departement zuständige Bundesrat oder die Wirtschaftswelt? Diese Frage ist umso mehr berechtigt, wenn man die Haltung der Berufsverbände in der Rechtsdebatte über die Hochschulen betrachtet. Economiesuisse und der SGV haben ihre politischen Verbindungen und ihre Vertreter aktiviert, um im Hochschulrat nicht nur eine Beraterstimme, sondern ein Stimmrecht zu erhalten. Damit wollen sie sich auf die gleiche Stufe wie der Bundesrat und die Universitätskantone hieven und demonstrieren damit auf arrogante Weise ihren Willen, die Hochschulen dieses Landes zu lenken. Sie haben – zum Teil mit Erfolg – zahlreiche Vorschläge platziert, welche die öffentliche Unterstützung für die Universitäten von ihren Fähigkeiten, den Anforderungen des Marktes zu entsprechen, abhängig machen.

Bau eines Satelliten an der ETH Lausanne.

Soll nur noch Rentabilität bestimmen, was unterrichtet oder geforscht wird? – Bau eines Satelliten an der ETH Lausanne.

Wie soll man da nicht befürchten, dass dieser Transfer der Hochschulbildung zur Wirtschaft künftig die Aufgaben unserer Hochschulen und den Inhalt des Unterrichts verzerrt? Unterstützung der «echten» Wissenschaften zum Nachteil der Geisteswissenschaften, kurzfristiger «Ertrag» einzelner Fachbereiche anstatt Wertschätzung der Vielseitigkeit der akademischen Institutionen, Beschäftigungsfähigkeit als Kriterium der Finanzierung, härtere Selektion, Erhöhung der Studiengebühren etc.

Wie soll man da nicht befürchten, dass die Hochschulen plötzlich aus finanzieller Willkür dem Profit geopfert werden und dass die Forschung den kurzfristigen Zielen des Marktes unterworfen werden – in einem Land, wo die Berufsbildung ein Grundstein der Gesellschaft darstellt? Die Schweiz ist heute das einzige Land ist, wo Forschung und Wirtschaft dem gleichen Departement unterstellt sind. Es fragt sich, ob der Bundesrat die Unabhängigkeit der Forschung, die Autonomie der Hochschulen und die Vielseitigkeit der akademischen Bildung bei seiner Entscheidungsfindung wirklich genügend berücksichtigt hat.

Abschliessend noch zur eigentlichen Bildungsreform: So sehr sich die Politiker mit Ideen übertreffen, wenn sie um einen Bundesratssitz buhlen, und so sehr sie sich darüber ergiessen, was erreicht worden sein sollte, wenn sie pensioniert werden, so sehr üben sie sich in Untätigkeit während ihrer Amtszeit. Der eigentlich simple Transfer der Bildung zur Wirtschaft zeigt, dass in dieser Regierung alle wieder für sich alleine arbeiten. Johann Schneider-Ammann wird jetzt beweisen müssen, dass er mit seiner neuen Verantwortung besser umgehen kann…

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98 Kommentare zu «Befiehlt jetzt die Wirtschaft an den Hochschulen?»

  • Rolf Schumacher sagt:

    In den USA und in UK können sie sich ein Beispiel daran nehmen, was es bedeutet, wenn man der Wirtschaft freie Hand im universitären Bildungswesen lässt. Die Universitäten verkommen zu teuren snobistischen Bildungsinstitute. Zahle eine schöne Stange Geld, erhalte dafür einen marktschreierischen Abschluss (siehe Dani Vasellas Harvard) und vor allem Eintritt in das elitärste Beziehungsgeflecht (nebst jenem der Baublütigen). Die universitäre Qualität für alle Studierenden und der nachhaltige intellektuellen Benefit fürs Land wird für die Eitelkeit weniger elitärer Supersnobs geopfert.

    • Hans Locher sagt:

      und siehe: Elektronik, Halbleitertechnik, Computertechnik, Raumfahrt, weltweite Kommunikation, Navstar GPS, Pharmazeutik, Medizinaltechnik und, und …

      • Urs sagt:

        Eben Hr. Locher, eng begrenzt siet man wieviel ausgelassen wird wenn sich das auf die öglichkeiten der Bilanzen bezieht. Sie haben Literatur, Musik, Geschichte und vieles mehr ausgelassen. Seltsam, da sich der Fortschritt des Menschen erst dadurch ermöglicht hat. Alles andere kam ja erst nachher… ohne moralische- ethische Weiterentwicklung nützt uns alle Technik rein gar nicht’s.

      • Frau Suess sagt:

        Ich schliesse mich Hans an. Und doch bietet vor allem die USA Exzellenz im Bereich Forschung. In den USA haben arme Studenten durch Förderstipendien die Möglichkeit an eine Universität zu gehen. Derlei Förderung nach Fähigkeit sucht man hierzulande vergebens. Personen, die nach einer Berufslehre studieren möchten, erhalten kaum finanzielle Unterstützung, da das Studium nicht „berufsbildend“ ist, sondern eine Weiterbildung. Leute, die ein eidg. Diplom als Personalleiter oder als Wirtschaftsinformatiker abgelegt und sogar einen FH MAS haben, können mit dieser Vorbildung nicht an eine Uni.

        • Rolf Schumacher sagt:

          Nur ganz wenig ultra Hochbegabte (und Sportskanonen) erhalten US-Stipendien. Der grosse Teil der US-Amerikaner muss in staatlichen Schulen eine erbärmliche Ausbildung. Und jene, die die Kinder an Privatschulen schicken wollen bezahlen pro Jahr locker fürs Gymi 30`000-40`000 USD und für Universitäten wie Harvard 80`000USD. Dies bei einem durchschnittlichen FAMILIENEINKOMMEN (zwei oder mehr Jobs) von 30`000USD pro Jahr. Und was nützt Spitzenforschung in einem Land, das keine brauchbaren Klempner, Elektroniker, Schreiner, Informatiker, Ingenieure etc ausbildet.

    • mali sagt:

      Danke Savary und Schumacher: die Entwicklung ist beängstigend…

      • Martin Dietrich sagt:

        Das Bild der US-Unis ist völlig verzerrt und falsch. Die Studiengebühren sind zwar hoch, dafür ist die Studienzeit kürzer und effizienter. Ein Jurastudium dauert in den USA 3 Jahre, bei uns 4-6 Jahre; ein Medizinstudium 4 Jahre, bei uns 6-7 Jahre. Während bei uns ein Jurastudent mit 28/29 Jahren seine erste Anwaltsstelle antreten kann, verfügt der Kollege in den USA bereits über 5 Jahre Berufserfahrung. Unbezahlbar! Unter dem Strich ist Studieren in den USA überhaupt nicht teurer, weil die Leute viel früher in die Arbeitswelt eintreten – und dadurch Eltern und Staat entlasten.

        • Ignatius von Loyola sagt:

          Falsch. In den USA studiert ein Mediziner 8 Jahre bei uns 6 Jahre. Kosten USA: 4 Jahre College (ohne Kost und Logis) 50`000sfr und vier Jahre Uni 200`000sfr macht zusammen 250`000 Dollar. Kosten CH. Bis zur Matur gratis, danach 6 Uni-Jahre insgesamt 6000sfr Gebühr. Die USA ist 50 mal teurer, das Studium ein Jahr länger. Nach dem Studium kommt die Schlacht um die Residency Plätze. 80 Stunden Wochen für 3000 Dollar pro Mt, muss ein Assi stemmen. Das grosse Geld winkt erst, wenn er diese Jahre gesund übersteht und genügend Konkurrenten aus dem Weg schaft. Gruss: Greg House.

        • Rolf Schumacher sagt:

          Und gestern habe ich trotzdem LISterien SAlat gegessen….

  • Gianin May sagt:

    Der unsägliche Lobbismus, welcher am Volk vorbei „regieren“ kann soll endlich abgeschaft und unter Strafe gestellt werden. Ich kann nicht begreiffen, wie juristische Personen durch die Hintertür Politik machen können/dürfen.

    • Urs sagt:

      Lobbying ist nur 1 Teil einer pervertierten Wahrnehmung wie Demokratie zu funktionieren hat. Demzufolge gilt ultimativ, 1$ = 1Stimme anstatt 1Kopf =1 Stimme. Eine Gesellschaft basierend auf Shareholderwerten anstatt eine Gesellschaft basierend auf Stakeholderwerten. Das die einen, die Lobbyisten und deren Geldgeber, eine diametrale Ansicht haben wie eine Gesellschaft auszusehen und zu funktionieren hat geht bei den konzentriert einseitigen Machtverhältnissen „naturgemäss“ komplett unter was am Ende nicht’s mehr bedeutet als das alle anderen mit Ihren Ansprüchen zurückstecken müssen.

    • Maja sagt:

      Da bin ich auch dafür. Vielleicht braucht es eine Initiaitve. Einfach so passiert da nichts.
      Das ganze nimmt wirklich langsam Formen an die nicht mehr tragbar sind für das Volk. Ein Ständerat verdient durchschnittlich 130’000.– Fr. Von uns bezahlt, da kann Gutzwyler lange sagen es sei in Ordnung wenn Parlementarier in den Verwaltungsräten sitzen und lobbyiert werden weil wir kein Berufsparlament hätten. Das ist Augenwischerei.

      • Maria Halder sagt:

        Es gibt Facebook. Packen wir es an. Einfach die Daten oeffentlich machen. Da braucht es keine Volksinitiative, nur persoenliche. Ich finde es waere endlich mal an der Zeit die Wahrheit offenzulegen.

    • Herzog Stefan sagt:

      Die einzigen juristischen Personen, die aktiv politik machen, sind Pro Natura, WWF, VCS und wie die links-grünen Institutionen sonst noch heissen 😉

  • hoffman sagt:

    Ob der Staat oder die Wirtschaft den Studenten nach ihren Wünschen formt, die Indoktrination mit Schwachsinn und Propaganda bleibt sich gleich. Die Geisteswissenschaften sind auch mehr Geist als Wissenschaft (wenn einer den Unterschied kennt..), das braucht niemand und das hat niemand bestellt ausser dem Staat, der sich so seine Befürworter züchtet. Die Wirtschaft kann auf vorgeschrieben Propaganda verzichten, da hängt sowieso jeder mit dem Arsch drin und redet sie sich von selbst schön, von dem her erwarte ich mir keine grossen Änderungen, die Wissenschaft heir schafft schon immer fürs Kapita

    • Thomas Oberholzer sagt:

      Wie ware es in Ihrem Fall mit etwas Geisteswissenschaft, zum Beispiel deutsche Sprache?

    • lorenz f. sagt:

      Ich besitze ein Diplom DER Wirtschaftsuniversität der Schweiz, Abschlussjahr 2004. Von dem was ich im Studium (auswendig) lernen musste, ist inzwischen fast alles durch die Krise und der Rest durch meinen Geist widerlegt. Für den Markt ausgebildet, in Zeiten wo dieser sich selbst verdaut, da hat man kaum Zeit abzuschliessen, bevor das halbe Tätigkeitsgebiet (zurecht) „entlegalisiert“ wird. Schon heute ist es so, dass man an Hochschulen in der Schweiz nicht mehr Lernen und Denken lernt, sondern reproduzieren. Nun darf die Wirtschaft pro-aktiv mit-entscheiden: der Sinn des Studiums ist verloren.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Nicht ganz Lorenz. Es kommt darauf an WAS man studiert. Wer Oekonomie studiert, studiert NICHTS, er tut nur so als ob. Wen Wirtschaft wirklich interessiert, der macht eine KV-Lehre und wird Buchhalter oder Bank(dienst)angestellter. Die Abzockgilde der lic. oec. waren bewusst eitle Traumtänzer. Prof. Jäger war dazu angestellt die gähnende Inhaltslosigkeit des Uni-Fachs Oekonomie, mit Marketing gerechten die Kunden verwirrenden Floskeln und Formeln zu füllen. Die Studenten frassen den baroken Wirtschaftskaiserschmarren ohne etwas zu hinterfragen, zu verlockend war die Aussicht aufs schnelle Geld

      • Bruno sagt:

        Das, was Sie schreiben, lorenz f., kann ich 100% unterschreiben. Ich habe ein MAS Arts Management Master-Diplom gemacht und empfand dies als ‚Hirnwäsche‘ für Kunstschaffende, damit diese auch noch voll und ganz den Gesetzen der Ökonomie gehorchen, was jedoch die Kunst kaputt macht. Die Hochschule reproduziert also die Gesetze der Sponsoren und erstickt die Kunst, die voll und ganz aus sich selbst heraus schöpfen müsste. So entstehen gesponserte ‚Events‘. Der Kunstprozess, der jedoch zum Event führt, wird erstickt, weil nicht gefördert. Und dabei ist der ‚Prozess‘ entscheidend in der Kunst!

        • max sagt:

          Lieber bruno, genau das , was Sie „studiert“haben, brauchen wir nicht. Intellektuelle Taxifahrer haben wir genug. Ingenieure eher nicht. Du verstehen?

          • Marcel sagt:

            „Wer“ bestimmt, was „wir“ brauchen und was nicht? Von welchem Standpunkt aus, von welchen Werten oder (Eigen-)Interessen aus wird dies bestimmt? Warum sollten diese Werte oder Interessen „wahrer“, richtiger oder wichtiger sein als andere Werte/Interessen? Hier wird stets viel vorausgesetzt, das erst einmal zu begründen wäre. Leider können das weder Naturwissenschaften noch die Wirtschaft. Also läuft es entweder jeweils auf Ideologie oder Egoismus hinaus – oder aber auf rational-kritische Untersuchungen dessen, was warum als wertvoll gehalten wird, weshalb welche Interessen zählen usw.

  • Ralf Schrader sagt:

    Nach mehr als 30 Jahren destruktiven Neoliberalismus wird es zu einer der vordringslichsten Aufgaben, den Einfluss der Wirtschaft auf die Poitik allgemein, vor allem aber auf Gesundheitswesen, Wissenschaft und Bildung zurückzudrängen. Hoheitliche Aufgaben gehören in die Hand des Staates.

    • Das Problem ist halt,dass der Staat sehr, sehr langsam arbeitet.Die globale Wirtschaft wartet nicht auf unseren Staat!

      • Urs sagt:

        Wobei der Staat ja genau nicht exklusiv für Untermhemerische Interessen da sein sollte. Oder? Auf der anderen Seite kann ich mich noch gut erinnern als vor einiger Zeit die PK Verwalter beim BR vorgesprochen haben um ihr Leid zu klagen. Flugs wurde der Umwandlungssatz im SInne der PK Verwalter angepasst und 1000′ von Schweizern die Renten gekürzt. Das gleiche übrigens auch bei den fantasievollen AGB‘ die das OR konstant mit Füssen treten. Wenn also die Politik zu langsam ist, werden gerne mal Gesetze reinterpretiert und man lässt es auf Klagen ankommen.

        • Urs, Sie haben natürlich recht bei den Rahmenbedingungen und Sie hätten gleich auch noch die PFZ zur Aufstockung des Fachpersonals anfügen können.Aber genau da kommen wir wieder zum Thema, es wäre zumindest prüfenswert, ob mit Unterstützung der letztlich Bedarfentscheidenden Wirtschaft nicht mehr einheimisches Personal rekrutiert werden könnte.Philosophie kann zwar auch nützlich sein, um unser Einkommen zu generieren braucht es aber eher Handfestere Sachen.

  • Solange Wirtschaft und Politik nicht konsequent getrennt werden, lautet der Schweizer Könige drohender Wahlspruch weiterhin «L’Économie c’est moi.»

  • Ryter D. sagt:

    Bildung und Forschung unter der Führung der Wirtschaft ? Das ist ein weiterer Schritt in der Dekadenz des Geisteslebens, die im letzten Jahrhundert eingesetzt und mit dem Ultraliberalismus einen beklemmenden Höhepunkt erreicht hat.

  • Thomas1 sagt:

    Ich kenne die Details der Ausgestaltung nicht wirklich. Aber etwas ist so sicher, die das Amen in der Kirche: die Wirtschaft folgt immer und ausschliesslich der Logik des Geldes. Regeln und Regulierungen können niemals verhindern, dass diese Logik nicht irgendwie zwischen den Lücken ihren Weg bahnt. Wo diese Logik das Sagen hat, setzt sich nicht die beste Lösung durch, sondern immer diejenige, die am meisten Profit verspricht (z.B. unsere Mutation zur Wegwerfgesellschaft mit zwar verheerenden Folgen für die Umwelt, aber lukrativen für die Firmen). Das verheisst für die Bildung nichts Gutes.

  • Chris Schmidlin sagt:

    Wenn das Resultat darin besteht, dass der Wirtschaft mehr einheimische Fachleute von Schweizer Universitäten zur Verfügung stehen, die dann auch eingestellt werden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Was nützen Studiengänge ohne Jobaussicht. Ich kann mich aber den bisher vorgebrachten Argumenten auch nicht verschliessen.

    • Walzer sagt:

      Zum Glück sind Studenten meist dann doch nicht so leicht manipulierbar…

      • Maria Halder sagt:

        Nun, bei Geisteswissenschaften und dem ganzen Didaktik Kram kann man wirklich etwas durchrationalisieren. Das Geld wuerde besser in den Naturwissenschaften eingesetzt.

        • Marcel sagt:

          Stimmt, die Naturwissenschaften bestehen ja ausschliesslich aus Forschungsgebieten, die wirtschaftlich unmittelbar umsetzbar sind – wie z.B. theoretische Teilchenphysik (siehe z.B. CERN), Forschung zum Urknall und zu Quasaren, neurologische Forschung zur Willensfreiheit, deskriptive Biologie (Untersuchung und Systematisierung von Flora und Fauna), die Untersuchung des menschlichen Genoms, und überhaupt die ganze Grundlagenforschung. Auch finden alle diese Naturwissenschaftler/innen sofort Jobs in der Privatwirtschaft, und dann natürlich meistens direkt in der Schweiz.

  • Hansli sagt:

    Die National-, und Ständeräte haben bis anhin über die Forschung an den Unis bestimmt. Die Unis richten dir Forschung nach dem SNF-Fördertopf aus. Was da nicht gefördert wird, wird auch nicht gemacht. Die sogenannte freie Forschung richtet sich dam dem SNF aus! Darüber bestimmt die Politik und nicht die Wirtschaft. Für den Rest ist doch die Beteiligung der Wirtschaft ein Gewinn. Da wird sich nicht ändern.

  • Hans Egloff sagt:

    Nichts dagegen. Forschung ist nun einmal das wichtigste Gut überhaupt. Mir sind tausend neue Ingenieure lieber als tausend neue Germanisten. Das hat man in anderen Ländern schon lange gemerkt. Man muss sich nur Forschungsunis wie CalTech oder MIT anschauen. Toll für die Studenten, die Wirtschaft und letztendlich auch fürs BIP. Bei uns gilt angewandte Wissenschaft in gewissen Kreisen leider als etwas scheinbar anrüchiges, weil es mit der „Wirtschaft“ zu tun hat. Dabei waren es sicher nicht Philosophen, die die CH zu einem führenden Hightechexporteur machten.

    • Maria Halder sagt:

      Genau. Germanisten haben sowieso schlechte Berufsaussichten.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Stimmt nicht. Es braucht das ganze breite Spekturm. Wir haben heute zuviele einseitige Fachidioten. Es sind die einseitigen Fachidioten, welche die Welt kaputt machen, nicht die sensiblen Universalisten.

        • steve sagt:

          Wo werden denn nach Ihrer Meinung sensible Universalisten ausgebildet? Doch wohl nicht in einem Germanistikstudium…???
          Ein Fachidiot ist jeder, der eine abgeschlossene Ausbildung hinter sich und die berufliche Erfahrung vor sich hat. Und diejenigen, welche dann lebenslang in derselben Branche tätig bleiben, ob Germanisten oder Ingenieure, dürfen den Titel des Fachidioten auch bis zur Pensionierung mit sich tragen. Hut ab vor jedem Lehrer, welcher in seinem CV ein Jahr Industriepraktikum eingebaut hat.

          • Rolf Schumacher sagt:

            Universale Ausbildung bietet das Leben, der Alltag, der Moment. Es braucht keine Diplome um Universalist zu werden. Es braucht den Wllen jeden Tage einwenig weiter über den Horizont von gestern hinaus zu gehen. Es braucht den Mut jeden Tag einwenig geistiges Neuland zu entdecken und die Sicherheit von gestern fahren zu lassen. Dogmengläubigkeit, Sesselkleberei, Diplomjägerei, Idolnachjagerei, Absicherungswahn sind der Todesstoss für jeden angehenden Universalisten. Gruss von Ignatius von Loyola, an alle liberal enigesperrten.

          • max sagt:

            lieber rolf, meinen Sie das wirklich ernst? Ist das wirklich das, was selbsternannte „Intellektuelle“ zu bieten haben? ist das wirklich alles???

    • Rabe sagt:

      Oje Herr Egloff. Wer immer noch ans BIP als taugliche Orientierungshilfe glaubt, hat nicht viel begriffen. Nur soviel: Wenn Sie mit dem Auto ein Schaufenster zerstören, ist das auch gut fürs BIP,denn dann bekommt der Glaser, der Versicherer, der Automech und womöglich noch der Spitalarzt mit der ganzen Belegschaft mehr Arbeit,also wird Geld umgesetzt, und das kann ja nur gut sein, nicht!?

      • Ignatius von Loyola sagt:

        Lieber Max. Was ist ein selbsternannter Intellektueller, genau? Intellektuell kommt vom lateinischen intellegere (VERSTEHEN). Einer der versteht von was er spricht, ist also bereits ein Intellektueller. Egal ober er sich intellektuell nennt oder nicht, er ist es einfach, sobald er etwas durchschaut (versteht).
        Viele Akademiker, sehr viel Akademiker, erfüllen diese Anforderung nicht. Es gibt folglich ganze Massen komplett aintellektuellen Akademikern. Gerade bei den Oekonomen, Politikern, Juristen, Soziologen, Psychologen u.a. akademischen Schöngeistern ist diese Misere sehr weit verbreitet.

  • Stefan Jost sagt:

    Ich sehe Hochschulbildung/Forschung im Wirtschaftsdepartement positiv. Tendenziell war die anwendungsorientierte Komponente an den Hochschulen in den letzten Jahrzehnten eher zu mager ausgefallen.

    Über die gerechte Gelder-Verteilung wird es wohl Diskussionen geben, aber die pure Profitorientierung befürchte ich sicher nicht. Apropos gerechte Verteilung, man sieht schon wie schwierig das hier im Polit Blog ist, Géraldine Savary hatte erst im März 2011 eine Carte Blanche und jetzt ca 15 Montage später schon wieder, ob das eine gerechte Verteilung ist? keine anderen InteressentInnen?

  • Daniel Zurbriggen sagt:

    Für die Herren der Wirtschaft die bekanntlich nur das beste wollen (für alle für sich?) scheint das der richtige Weg zu sein. Freie Wissenschaft ist ein teures Gut, freie Wirtschaft kommt uns auch teuer zu stehen, ob das zusammen funktioniert wird sich zeigen, Zweifel sind bestimmt nicht unangebracht.

  • Andreas Suter sagt:

    Warum dieser reisserische Titel? Warum dieses Miesmachen? Schaut man sich den Erfolg der ETH an, ist die enge Zusammenarbeit der Bildung mit der Wirtschaft das Beste, was uns geschehen kann. Was wir nicht brauchen, sind Studiengänge, welche AbgängerInnen ohne Jobperspektive produzieren, oder Forschungsarbeiten, wo keine bezahlende BestellerInnen – egal Wirtschaft oder öffentliche Hand – dahinterstehen.

  • Wie ein roter Faden ziehen sich die Auswirkungen und das Misstrauen,ausgelöst durch ein paar wenige geldsüchtige CEO.s, durch unser ganzes System. Es sollte aber nicht vergessen werden,es geht uns immer noch gut.Wie aus Wirtschaftskreisen zu hören, haben wir zuwenig Fachpersonal, also warum nicht bei uns ausbilden? Was wird denn an den überfüllten Unis gelehrt? Vieleicht doch zu viel Geisteswissenschaft?Mein Entsetzen über die Zussammenführung der beiden Segmente Forschung und Hochschule hält sich in Grenzen.

  • dan meier sagt:

    Was mir an manchen Kommentaren hier auffällt und auch im richtigen Leben immer häufiger begegnet: die Idee, eine universitäre Ausbildung müsse zielgerichtet sein wie eine Berufslehre; Studienrichtungen, die nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft entsprächen seien zu verteuern oder ab zu schaffen. Sie sprechen von Bedürfnissen und Sachzwängen, von Übergeordneten Zielen und Produktivität und meinen eine Doktrin, die einer Gesellschaft wie der unsrigen eigentlich das Existenzrecht abspricht. Messen wir den Wert der Bildung nur an ihrem Preis, herrscht kurzfristigstes Nutzenkalkül. Wollen wir das?

  • Immerhin etwas sollte der wirtschaftlich orientierten Einflussname an den Hochschulen zugute gehalten werden, sie hatt uns Wohlstand gebracht mit dem sich nicht nur gut leben lässt, die meisten Umweltschutzeinrichtungen könnten wir uns ohne Wohlstand gar nicht leisten! Seit Jahrhunderten werden von den Geisteswissenschaften Bücher geschrieben, Theorien entwickelt, den Einfluss des Geldes auf das Menschsein zurückzubinden, alle Konzepte sind gescheitert.Der Staat als Rechtmässiger Eigentümmer des Geldes hat sein Eigentum stillschweigend an die Besitzer abgetreten,trotz Geisteswissenschaft.

    • Thomas1 sagt:

      Ich sehe das genau umgekehrt: ohne die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft funktioniert, bräuchte es erst gar keine Umweltschutzeinrichtungen. Unsere heutige Wirtschaft basiert auf einer Logik, die ausschliesslich profitorientiert ist. Es bräuchte hier einen neuen Geist, eine Bildung, welche die Leute befähigt ihre Kreativität zu nutzen und neue Ideen zu generieren. Eine an der heutigen Wirtschaft orientierte Bildung strebt das Gegenteil an: sie schafft Humankapital für die bestehende Wirtschaft und wird unser rein profitorientiertes System nur noch mehr verstärken.

      • Thomas 1, könnte es sein, dass Sie gerade ein Soziologiestudium abgeschlossen haben? Tönt alles sehr theoretisch und Sie vermeiden tunlichst, jegliche beweisbare Angabe über funktionierende Grundlagen.Uebrigens Kreativität und neue Ideen sind in der Wirtschaft nicht nur gefragt, sondern Voraussetzung! Das ist allerdings nicht das was sie hören wollen,machen wir einen Kompromiss,das eine tun, das andere nicht lassen. Oder es ist alles eine Frage des Masses.

        • Thomas1 sagt:

          Ich glaube, wir reden hier aneinander vorbei. So wie ich Sie verstehe, ist Ihre Logik: Umweltzerstörung ist nötig, damit man anschliessend Umweltschutzeinrichtungen aufbauen kann. Und ich sage: man könnte von vornherien weniger zerstörerisch wirken. Das Problem sehe ich darin, dass unsere Zivilisation einen Weg gewählt hat (und zusehends mehr kultiviert), der ausschilesslich profitorientiert ist. Darin sehe ich einen Systemfehler – und ich plädiere dafür, diesen nicht noch weiter zu verstärken. Und nein, ich bin kein Soziologie, sondern selbst. Kreativ- und Innovatrionscoach für die Wirtschaft

          • Wir reden tatsächlich an einander vorbei,obwohl wir beide das gleiche Ziel hätten,falls wir denn etwas dafür tun könnten! Meine Logik ist: Der negative Einfluss der Menschheit, welche die Wirtschaft braucht um in diesen ungeheuren Massen überleben zu können,ist leider da und lässt sich nur in Schranken halten, wenn viel Geld zur verfügung steht.Ohne das viele Geld wäre beispielsweise nicht jedes Haus an einer Abwasserreinigungsanlage angeschlossen! Anderes Bsp..In armen Ländern werden Wälder abgeholzt zum kochen,die Wiesen überweidet obwohl die Leute ahnen, dass sie damit ihre Lebensgrl.zerst.

  • Bruno Steiger sagt:

    Die Kommentatorin übertreibt. Heute haben wir bereits „schöne Wissenschaften“ wie den Kunstbereich (Musik, Theater und Kunst), der bereits seit 2005 zum Zuständigkeitsbereich des EVD gehört. Dieser Fachbereich führt ohne Einschränktungen die gesamte Palette an Bachelor- und Masterstudiengängen! Wie bereits der Präsident der Rektorenkonferenz der Unis klargemacht hat: Nicht das Departement ist entscheidend, sondern die Tatsache, dass sich Fachamt und Departementsvorsteher für Bildung, Forschung und Innovation stark machen! EVD/BBT haben sich bisher stark für Bildung und Forschung eingesetzt.

  • Thomas sagt:

    Die Kapitalisierung des Geistes führt tendenziell zu Unbildung…

    • Kaspar Tanner sagt:

      …und die Vergeistigung des Kapitals führt in der Regel zu Eurhythmie, Birkenstock-Sandalen – und im schlimmsten Fall zum Staatsbankrott…
      Wir haben die Wahl!

      • Thomas1 sagt:

        @ Tanner:..genau Ihre Sprache kennen wir von den Lobbyisten. Von Angst und Eigennutz geschürte heisse Luft, sonst nichts. Keine Spur von Visionen, Ideen, Innovationen oder Kreativität. Alberne Klischées an die Wand malen, ein Schreckgespenst an die Wand malen und weiterwursteln wie bisher. Gähn.

  • Frau Suess sagt:

    Schlussendlich muss man sich halt dem Tabu stellen, wie man die Qualität der Geisteswissenschaften bemisst und ob die hundertste Abhandlung über das gleiche literarische Thema tatsächlich einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt oder nur eine elitäre Förderung von Privatinteressen ist. Ist es Sache des Steuerzahlers, dass jemand, der aus privatem Interesse Sprachen studiert, nach 6 Jahren Sprachstudium an der Uni trotzdem noch den Gymlehrer machen muss, um zu Lohn und Brot zu kommen? Es geht um Elitismus, dass der Steuerzahler private Interessen von Eliten finanzieren muss.

    • Rabe sagt:

      Und Sie denken, dass Sie nur bei staatlichen Institutionen unfreiwillig, da mir Steuern zahlen? Glauben Sie, Sie bezahlen als Konsumentin nicht auch den ganzen Riesenapparat von Werbung und Marketing, der noch hinter jeder Zahnpasta steht? Der eigentliche Wert der Bildung bleibt nur dann erhalten, wenn nicht von vornherein festgelegt wird, was gelehrt und gelernt werden darf und was nicht.

    • lisa sagt:

      Und weshalb etwas studieren, wenn nicht aus privatem Interesse? Etwa weil es Wirtschaftsminister JSA befohlen hat? Bringen sie doch ein Beispiel der 100 Abhandlungen über ein Thema … Sie waren offensichtlich nie an einer phil.-1er-Fakultät. Im Übrigen müssen wir um jede und jeden froh sein, die sich den Lehrerberuf „antun“

  • Calvinius sagt:

    Ce changement de département est triste, parce que les objectifs à long terme des chercheurs pourraient se voir raccourcis et ramenés à des objectifs à très court terme, rentabilisés au maximum au profit de l’industrie qui commande les recherches.
    Espérons que les sciences humaines, qui fournissent des „produits“ moins rentables économiquement que les sciences dures ne pâtiront pas de cette situation.

    • Ignatius von Loyola sagt:

      Je ne savais pas que vous, M. Calvin, vous etes si conservateur. Sommes nous plus similaires que l histoire raconte de nous?

      • Divorne sagt:

        Ou inversement ca évitera que des domaines de recherche „inutile“ (c’est entre guillemets) mais interressant aient trop d’argent par apport à d’autre plus important et plus utile… (après de savoir pour qui s’est utile ou pour qui ca ne l’est pas, reste tout à fait subjectif)

        De toute façon dans chaque cas de figure il y’aura toujours quelque chose à dire, des gens qui en bénéficieront et d’autre qui morfleront…

        • FwN sagt:

          @ Divorne. J’espère que vos guillemets sont gigantesque, parce que de la philosophie à la sociologie, en passant par l’histoire, tout est extrêmement important non seulement pour notre société et pour l’économie, mais aussi pour le développement personnel. D’ailleurs l’économie est, elle-même, une science humaine, soit dit en passant.

          Secondement, soyez pleinement rassuré, les facultés de lettres reçoivent considérablement moins d’argent pour la recherche aujourd’hui déjà.

        • Rolf Schumacher sagt:

          Pourquoi on ne peut pas laisser les choses comme ils sont? Nous avons ici en Suisse un system scolaire dont nous sommes jalouse par bcp des pays. Il est tres efficace et sutrout d une bonne qualite. En appliquant un system scolaire a l americaine (avec un influence important de l economie) on aura une veritable chute de qualite. Aux etats unis il y a des ecoles prives tres cheres pour la classe riche. Pour le reste des eleves il y a que des ecoles publiques qui sont d une qualite minable. Espereons que les politiciens nationals suisses, responsables pour l education, resteront raisonables.

  • Die langfristige Perspektive von Economiesuisse und Topmanagern beträgt im Maximum etwa 2 Monate. Was nämlich zählt ist der Aktienkurs und kurzfristige Geldgier. Nach Ausbildungsende stehen die Studierenden, die an neoliberale oder eher neo-feudale Versprechen geglaubt haben, mit einem veralteten Wissen da. – Wer die Arbeitslosen- und Armenquote der USA kennt, denkt anders über die amerikanischen Unis. Die grossen Probleme der Bevölkerung lösen diese nicht.

  • Thomas Läubli sagt:

    Die Forschung in den Naturwissenschaften hat ausgedient: Die Physik ist bei sinnlosen Experimenten angelangt, die Nanotechnologie arbeitet für die künftige Kriegstechnik vor und die Gentechnologie will den Menschen designen. Nun kommt endlich der Wert der Geisteswissenschaften zum Vorschein: Der Mensch muss über sich selber nachdenken. Darin liegt die Legitimation von Geisteswissenschaften, Philosophie und Kunst. Die Forschungsgelder sind also zugunsten dieser Fächer umzuteilen. Die Ökonomie ist immer noch ein Zweig der Philosophie, nicht umgekehrt! Bravo, Madame Savary!

    • steve sagt:

      Haben Sie sich schon einmal überlegt, wer die immer zahlreiche werdenden Geisteswissenschafter ernährt? In der Regel leben diese von Steuergeldern, welche nur generiert werden, wenn eine starke Wirtschaft vorhanden ist.
      Haben Sie sich schon einmal überlegt, wer die technologischen Herausforderungen der Zukunft lösen wird? Zum Beispiel die Entwicklung von bezahlbaren Solarzellen, effizienten Windkraftwerken, leistungsfähiger Infrastruktur. Dies wird durch Naturwissenschaftler gewährleistet und nicht durch die Gschpürschmi-Fraktion.

      • Marcel sagt:

        Stimmt, alle (die allermeisten) Geisteswissenschaftler/innen leben von Steuergeldern (natürlich auch die, die z.B. in Verlagen, in Firmen in Bereich Human Ressources oder im privaten Kulturmanagement etc. arbeiten, oder in der Forschung über Drittmittel finanziert sind); Naturwissenschaftler/innen leben natürlich niemals von Steuergeldern (auch nicht die, die an der Uni angestellt sind bzw. über SNF finanziert werden); Geistes-/Sozialwissenschaften spielen auch keine Rolle im Nachhaltigkeitsbereich, denn es ist ja nicht so, dass die Nachhaltigkeitswissenschaften interdisziplinär wären.

        • steve sagt:

          Vielleicht haben Sie übersehen, dass ich „in der Regel“ geschrieben habe. Das ist nicht dasselbe wie „ausschliesslich“.

          Im Übrigen kann die forschende und produzierende Wirtschaft zur Not ohne Geisteswissenschafter überleben. Ohne Naturwissenschafter aber wäre sie tot. Oder anders gesagt: ein Chemiker oder Ingenieur kann als Lehrer oder Personalchef arbeiten (oft sogar recht erfolgreich, da praxisnah), ein Geisteswissenschafter aber niemals als Elektroingenieur oder Pharmaforscher.

          • Marcel sagt:

            Vielleicht haben Sie übersehen, dass ich deshalb „die allermeisten“ in der Klammer geschrieben habe.

            Wer forscht nun? Die Wirtschaft? Die Wirtschaftswissenschaften? Die Naturwissenschaften (sind Wirtschaftswissenschaften Naturwissenschaften, oder die Wirtschaft Naturwissenschaft)? Wirtschaft ohne Naturwissenschaft geht nicht? Gab es keine Form von Wirtschaft vor z.B. 250 Jahren? Aber ja, der Chemiker kann sicher profund und gut ausgebildet z.B. Deutsch (Literatur wie Sprache), Geschichte, Soziologie etc. unterrichten, da haben Sie recht, das hat ja alles nur mit chemischer Praxisnähe zu tun.

          • Marcel sagt:

            „Die Wirtschaft kann zur Not ohne Geisteswissenschaftler auskommen“ – Ja, wenn Sie z.B. Buchverlage etc., private Bibliotheken, private Schulen, aber auch gewisse Therapieangebote usw. alles nicht zur Wirtschaft zählen oder behaupten, dass Naturwissenschaftler das alles auch genau so gut beherrschen können.

            Frage: Was zählt für Sie alles zur „Wirtschaft“? Und was genau ist für Sie jene „Naturwissenschaft“, die die Wirtschaft am Leben erhält? (Siehe mein Kommentar weiter oben, 5 Juli 2011 um 08:06). Ist Ihr Begriff von Naturwissenschaft und von deren Aufgaben nicht vielleicht etwas zu eng?

          • steve sagt:

            Lesen Sie nochmals den Ausgangstext:
            „Die Forschung in den Naturwissenschaften hat ausgedient: Die Physik ist bei sinnlosen Experimenten angelangt, die Nanotechnologie arbeitet für die künftige Kriegstechnik vor (…) Die Forschungsgelder sind also zugunsten dieser Fächer umzuteilen“
            Es geht um eine Replik auf solchen Unsinn.
            Ihre Beispiele gehören ebenfalls zur Wirtschaft. Aber nicht zur Exportwirtschaft, ohne welche unser kleines, importabhängiges Land rasch am Ende wäre. Inklusive der Binnenwirtschaft, welche es sich im Windschatten der Exporteure gemütlich eingerichtet hat.

      • Thomas Läubli sagt:

        Mein „Unsinn“ ist höchstens so unsinnig wie der Ihrige. Die Naturwissenschaften haben neben einigen Lebensannehmlichkeiten oft viele negative Probleme hervorgebracht, weil ihre Produkte zweischneidige Schwerter sind. Es braucht die Geisteswissenschaften, um über Sinn und Unsinn nachzudenken. Dass Unternehmer und andere Leute, welche das Geld hätten, lieber „harte“ Fächer finanzieren, ist klar, weil die meisten davon mit einem Abschluss in Ökonomie oder Juristerei eine verengte, d.h. weltfremde Sichtweise haben. Da bleiben nur die Staatsgelder, um die „weichen“ Fächer am Leben zu erhalten…

  • Marcel sagt:

    Stimmt ferner, dass Geistes-/Sozialwissenschaften alles einer Gschpürschmi-Fraktion angehören. Bei Aristoteles und Kant ist das bspw. unübersehbar (z.B. beim Kategorischen Imperativ und dessen Begründung), und das Marxsche Gschpürschmi kennen wir ja auch alle. Karl Popper war der schlimmste Gschpürschmi (empirische Wissenschaften müssen falsifizierbar und Hypothesen der härtesten rationalen Kritik ausgesetzt werden). Und auch die ganze formale Logik in der analytischen Philosophie ist an Gschpürschmi nicht zu überbieten. Von den Historikern (z.B. Bergier-Bericht) gar nicht erst zu sprechen.

    • steve sagt:

      …und all diese bewunderten Herren sowie ihre heutigen Jünger werden uns mit fassbaren Lösungsansätzen weiterhelfen, die anstehenden realen Probleme zu lösen: Ernährung, Energieversorgung, Desertifikation, CO2 etc…?
      Schauen Sie sich einmal die Studentenzahlen in Phil I an. Und vergleichen Sie mit Phil II. Sorry, mir macht das Angst im Hinblick auf die zukünftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Landes. Wir leben davon, dass jeder Franken, den wir im Ausland ausgeben, irgendwann wieder einmal zurückkommt. Und das ist nun einmal nicht das Metier der Philosophen.

      • Marcel sagt:

        Wenn die genannten Probleme nicht rein technokratisch „gelöst“ werden sollen, sondern auch erkannt wird, dass damit z.B. soziale und ethische Fragen (und Folgen) etc. verbunden sind (nicht umsonst besteht das Dreieck der Nachhaltigkeit auch aus einer sozialen Dimension), ja, dann können diese Damen und Herren ihren Beitrag für Lösungen leisten, die nicht nur oberflächlich praktikabel sind, sondern z.B. auch gerecht. Ich würde ihnen aber sofort zustimmen, dass sie das am besten gemeinsam mit anderen Fachvertretern tun sollten, also interdisziplinär. Das gilt aber auch für die Naturwissenschaft.

      • Marcel sagt:

        1) Haben Sie auch harte Daten bezüglich der Frage, wieviele Phil. Ier in der Privatwirtschaft unterkommen, oder beruhen Ihre Annahmen nur auf einem Vorurteil Ihrerseits?
        2) Inwiefern sollen alle (die allermeisten …) Phil IIer automatisch etwas mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes zu tun haben (wenn sie überhaupt im Land bleiben; gilt übrigens auch für die Phil Ier!)? Wer z.B. zur Evolutionstheorie forscht, trägt doch nichts zur Exportwirtschaft bei. Nochmals meine Frage: Was ist für Sie „Naturwissenschaft“? Und was ist für Sie „wissenschaftliche Forschung“?

      • Marcel sagt:

        Noch als kleiner Nachtrag: Falls Sie Psychologie auch zu den Geisteswissenschaften zählen (oder sind die Sozialwissenschaften von Ihrem Vorwurf befreit?), spielen bspw. Erkenntnisse über Verhaltenssteuerung, Anreizsysteme und zur Entwicklung von Umweltbewusstsein etc. auch eine Rolle für eine nachhaltige (sic) Lösung der von Ihnen genannten Probleme. Oder sind Sie tatsächlich überzeugt, dass es einen rein technologischen deus ex machina geben wird, der das CO2-Problem lösen wird, ohne irgendwelche Verhaltensänderungen etc. der Gesellschaft usw.? Worauf würden Sie diese Annahme gründen?

        • steve sagt:

          In der Theorie haben Sie recht. Leider scheitern diese Ansätze an der Realität. Sie haben weiter oben Marx erwähnt. Dessen wohlklingende Theorien haben in den letzten 100 Jahren zahlreiche Länder zu realisieren versucht. Sie sind allesamt gescheitert. Und zwar weil das menschliche Naturell zu wenig berücksichtigt wurde, welches so profane Eigenschaften wie Geldgier, Machtgier, Egoismus etc. offensichtlich unausrottbar in den Genen verankert hat.
          Man kann den Menschen nicht umprogrammieren, sondern muss gesellschaftliche Systeme akzeptieren, welche sich diese Eigenschaften zu Nutze machen.

          • Marcel sagt:

            Welche Ansätze meinen Sie nun genau? Die „grossen (normativen) Theorien“? O.k. Aber bei denen kann man sich auch fragen, ob sie nicht eher als kritischer Impluls und als Utopie fungieren (sollten), anhand derer wir unsere gegenwärtige Situation und (Wert-)Überzeugungen prüfen können („Ist das Leben, wie wir es leben, tatsächlich gut so? Usw.).
            Wenn Sie aber konkrete (Lösungs-)Ansätze und Theorien meinen, sollten Sie vielleicht mal verschiedene inter-/transdisziplinäre Projekte im Nachhaltigkeitsbereich betrachten. Ob z.B. die Wiese revitalisiert werden soll, ist nicht nur eine NW-Frage.

          • Marcel sagt:

            Woher stammt Ihr Wissen, dass das „menschliche Naturell“ die von Ihnen genannten Eigenschaften aufweist, oder dass es keinerlei verhaltenssteuernde Massnahmen geben kann? Wie gut ist dieses Wissen? Und woher stammt Ihre Wertüberzeugung, dass man gesellschaftliche Systeme akzeptieren muss (sollte)? Warum sollte diese Wertüberzeugung zutreffen?

            Halten Sie es für ausgeschlossen, dass gesellschaftliche Institutionen, kulturelle Ideen (Ideologien, Moral …) etc. mitbestimmen, wie sich Individuen in einer Gesellschaft verhalten? Warum verhält sich idealtypisch ein Japaner anders als ein Schweizer?

  • Grand Dieu, voilà un sujet qui ne semble guère passioner les Rmands. A moins…A moins que les réponses en Hochdeutsch ne constitue une barrière infranchissable…
    Dommage.
    Euh, au fait, pourquoi les italophones n’ont pas le droit d’écrire dans leur langue ?

  • Benoît Marquis sagt:

    Ainsi, nos chercheurs seront sous la botte des milieux économiques.
    Les industrielles ne vont pas se gêner pour faire de belles économies, ils pourront se passer de leurs départements « Recherche & Développement ». Tant pis pour la recherche fondamentale.
    Partant à la retraite prochainement, j’aurai évité le pire !

  • Wiski sagt:

    Je ne suis de droite ni de gauche, mais je remarque que le parti socialiste n’a toujours pas compris que la prospérité d’un pays (et ce qui lui permet d’aider les démunis) repose sur sa capacité à créer des richesses (et non à lever des impôts). Le lien entre l’université et le monde réel de l’économie est donc très souhaitable. Le système universitaire français qui fabrique des chômeurs étant l’exemple à ne pas suivre.
    Si les ténors de ce parti affectionnent autant les idéologies, c’est qu’ils ont probablement eux-mêmes suivi des filières peu en prise avec la réalité.

    • André sagt:

      Je suis socialiste, de gauche donc, et je suis actuellement des études de droit, une filière assez en prise avec la réalité, ça ne m’empêche pas de considérer que l’orientation des études et de la recherche dans le sens de l’économie aura probablement des effets très néfastes. Non seulement du point de vue de notre savoir, qui ira en appauvrissant, mais également du point de vue de notre avancée technique: la R&D pure, très rentable à court terme, cause à long terme une stagnation inquiétante.

  • Mr. Moser sagt:

    Sind wir ehrlich evt. ist es gar nicht so schlecht wenn die Wirtschaft den Takt vorgibt! Was nützt es wenn 40 Studis in Bern Kunstwissenschaften im Hauptfach studieren? fragte einst Willi Michel. Denn was der Schweiz fehlt sind
    Ingenieure und Chemiker! Sofern die Wirtschaft dafür sorgt, dass mehr Leute den mühsameren naturwissenschaftlichen Weg gehen und nicht nur Ökonomie und Jura studieren kann es positiv sein!

    • Marcel sagt:

      Was ich spannend finde, ist, dass das ansonsten so heftig verteidigte liberale Gedankengut bei diesem Thema unvermittelt „verraten“ wird. Was ist, wenn diese 40 Personen nun mal nicht Naturwissenschaften studieren wollen, das nicht das ist, was sie interessiert? Haben sie dazu kein Recht? Das müssten sie vor dem liberalistischen Hintergrund doch haben. Dass sie sich nun daran auszurichten hätten, was für das Land (die Gemeinschaft) – angeblich – gut ist, und nicht an dem, was sie für sich selber als gut empfinden, klingt doch plötzlich viel mehr nach „Kommunismus“ als nach Liberalismus.

      • Thomas Läubli sagt:

        Richtig, das klingt nach Planwirtschaft. „Liberal“ würde eine Berufswahl dann gesteuert, wenn es durch Anreize geschehen könnte. Aber offenbar hält auch der finanzielle Rahmen oft nicht davon ab, das angeblich Unnütze zu studieren (z.B. ist Künstler in allen Sparten immer noch der unterbezahlteste Beruf). Viele studieren auch gegen ihre innere Neigung Juristerei oder Ökonomie (z.B. Züribergsöhne), um die Familienehre aufrecht zu erhalten. Braucht es so viele Ökonomen? Den Numerus Clausus für Mediziner? Braucht es viele Naturwissenschaftler und genügt da nicht eine Berufslehre zum selben Zweck?

    • Marcel sagt:

      Könnte es nicht sein, dass z.B. die ganze Grundlagenforschung benachteiligt wird, sowie die Freiheit der Forschung und vielleicht sogar die (zugegeben: traditionelle) Grundidee von Wissenschaft – Erkenntnis über die Welt (und uns selbst) gewinnen -, wenn die Wirtschaft den Takt vorgibt? Die Wirtschaft hat voraussichtlich wenig Interesse an der Forschung zur Evolutionstheorie, stellaren Objekten, an einer „Theorie von Allem“, an Lösungen für Fermats letzten Satz, an Auflösungen des Gefangenendilemmas oder an einer Methodenreflexion (was macht z.B. eine „gute wissenschaftliche Theorie“ aus?).

      • Mr. Moser sagt:

        Hat man das Recht zu studieren was man will? Ja. Aber nicht moralisch!
        Wir haben in der Schweiz eine Tennisakademie. Und trotzdem nur 2 Spieler in den Top 100 der Weltrangliste! Ändlich ist dies auch beim Konservatorium und der Kunstgewerbeschule, nicht jeder ist ein Federer, aber man weis nie wer der nächste Federer ist.
        Aber wenn man eine Matur hat, die für fast alle Studiengänge offen ist, denn stellt sich schon die Frage, ob man ein Grundstudium machen soll, wo 37 von 40 gleich zum RAV müssen oder ein Zweitstudium einplanen müssen.
        Als Steuerzahler ist das nicht zu rechtfertigen!

  • ROCHAT ERIC sagt:

    Il y a longtemps déjà, Jacques Neyrinck titrait : „Jusqu’à quand l’école aura-t-elle peur d’être utile?“. Il y a des années que chacun peut noter combien peu efficace est notre enseignement,vu le temps consacré, les développements pédagogiques, les moyens humains et financiers investis. Les élèves les moins doués ne trouvent plus d’apprentissage, plus de 60% des étudiants entrent à l?université avec une année de retard. Quelle conséquence en avons-nous tiré? Suppression de la VSO et abaissement des exigences académiques. S’il est plus qu’une rocade de département, le changement porte espoir.

  • Maja sagt:

    Die Schweiz ist nicht einmal fähig genügend Lehrer auszubilden. Vielleicht war das ja auch gewollt. Schön blöd, dass Mundart jetzt vorrang hat. Die schweizer Unis sind bei Ausländer beliebt weil da gut gelehrt wird, nur wenn es dann um die Arbeitsplätze geht werden
    ausländische Bewerber, die wohlverstanden nicht bei uns an der Uni waren bevorzugt weil, die angeblich besser ausgebildet sind. Etwas stimmt da nicht.

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