Wie biologisch ist meine Pensionskasse?

Désolé, cet article est seulement disponible en Allemand.

Nun sind sie wieder guten Mutes. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der französische Präsident François Hollande fassten sich in Paris an den ­Händen, jubelten und waren ­gerührt. Geschenkt. Waren die Politiker nicht nach jeder Klimakonferenz mehr oder weniger hoffnungsfroh? In Rio de Janeiro (1992), Berlin (1995), Genf (1996), Kyoto (1997), Buenos Aires (1998) etc., etc. – aus Platzgründen lassen sich nicht alle auflisten, es waren aber insgesamt 23. Wer das Wesen des Menschen kennt, weiss, dass die Welt nicht zu retten ist. Zumindest nicht die Umwelt in ihrer ursprünglichen Form, bevor der Mensch im industriellen Umfang CO2 auszustossen begann. Die Frage ist nur noch, wie schlimm wird es: Werden nur ein paar pazifische Inselstaaten und Skigebiete in den Alpen verschwinden?

Pensionskassen haben keine Richtlinien für Investments in Rohstoffbranche, Textilbranche, Transportbranche oder Rüstungs­industrie.

Cherry tomatos are pictured inside an office of Pasona Group, an employment and staffing company, in Tokyo October 20, 2010. Vegetables, fruits and rice are grown and harvested by the employees at the company's "urban farm", aimed at creating a working environment coexisting with nature, according to the company. Negotiators from over 190 countries are gathered in Nagoya, Japan for a United Nations meeting to discuss ways to fight rising extinctions of plants and animals from pollution, climate change and habitat loss. REUTERS/Yuriko Nakao (JAPAN - Tags: BUSINESS ENVIRONMENT FOOD AGRICULTURE) - RTXTMY5

Keine Ahnung, was wir mit unserem Geld unterstützen: Cherrytomaten wachsen im Inneren eines Firmengebäudes in Tokio. Foto: Reuters

Es gibt einen Lichtblick: Jeder Mensch kann als Konsument selbst entscheiden, wie viel ihm die Welt wert ist. Am besten ist es, grundsätzlich weniger zu konsumieren. Denn die Technikgläubigen unterschätzen den Rebound-Effekt: Wenn Effizienzgewinne nicht in geringeren Verbrauch, sondern in höhere Leistung bei gleichem Verbrauch investiert werden, spricht die Ökonomie vom Rebound (Abprall). Beispiel: Im Luftverkehr nahm die Energieeffizienz um 40 Prozent zu, aber der Verbrauch stieg aufgrund erhöhter Flugzahlen um 150 Prozent.

Was nützt es aber, wenn jemand einen Grossteil seiner Kaufkraft in Biofeigen investiert, weniger Fleisch isst, in der Stadt Velo statt Auto fährt oder im Winter die Heizung etwas herunterdreht, wenn sich seine Pensionskasse gleichzeitig um jegliche Nachhaltigkeit foutiert? Heute stecken über 700 Milliarden Franken Vorsorgegelder in Schweizer Pensionskassen. Für viele Schweizer bedeutet das, dass sie über einen grossen Teil ihres Vermögens keine Kontrolle haben. Wie wird diese Riesensumme angelegt? Wir Zwangssparer wissen es nicht. Die Jahresberichte der Pensionskassen verraten wenig über ihre Anlagestrategien. Denn es gibt keine gesetzliche Auskunftspflicht. Kommt dazu, dass kleine und mittelgrosse Ein­richtungen der beruflichen Vorsorge in kollektive Anlage­gefässe von Grossbanken investiert sind. Das spart zwar Vermögensverwaltungskosten, geht aber dafür auf Kosten der Transparenz und Mitbestimmung bei der Anlagestrategie.

Die allermeisten Schweizer Pensionskassen haben keine Richtlinien für Investments in Rohstoffbranche (Nahrungsspekulation), Textilbranche (Kinderarbeit), Transportbranche (Klimawandel) oder Rüstungs­industrie. Die Chancen stehen gut, dass die Vorsorge­gelder eines Befürworters der Spekulationsstopp-Initiative beispielsweise beim Zuger Rohstoff­riesen Glencore angelegt sind.

Es gibt löbliche Ausnahmen wie die Zuger Pensionskasse für kantonale Beamte: «Wir verzichten auf Investitionen in alternative Anlagen wie Hedgefonds, und aus sozialen sowie ethischen Aspekten erfolgen zudem keine Spekulationen mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln», heisst es auf der Website. Die anderen Versicherten, die sich eine nachhaltigen Grundsätzen verpflichtete Pensionskasse wünschen, können auf ihren Vertreter im Stiftungsrat ein­wirken. Wann haben Sie zum letzten Mal mit ihm oder ihr gesprochen?

11 Comments sur «Wie biologisch ist meine Pensionskasse?»

  • arnold gasser says:

    Danke für diesen Beitrag!

  • Dieter Neth says:

    Genau deswegen ist es auch so verwerflich,dass uns ein schlechtes Gewissen eingeredet wird Je schneller man sich bewusst wird, dass man NICHTS machen kann, umso besser für die geistige Gesundheit.Unsere Eliten sind gefragt.Tut endlich etwas gegen Kinderarbeit,Hunger und Klimawandel.Dafür habt ihr unser ganzes Geld bekommen.Wenn das Angebot von Billigtextilien,Gen Food und eingeflogenem Zeugs befreit wird kauft es auch niemand mehr.Und nein-der Konsument verlangt keine Grünspargeln aus der mexikanischen Wüste im Januar,aber wenn sie im Laden sind, kauft man sie.Wär schad wenns verderben würde!

  • Diego says:

    Danke, das sind genau meine Worte.
    Wenn ich in meinem Bekanntenkreis darauf hinweise, wie lächerlich solche Pseudo-Veranstaltungen zur Rettung des Klimas sind und das sowieso alles seinen (unguten) Lauf nehmen wird, werde ich als depressiver Defätist abgestempelt.
    Der Mensch und die Welt sind nicht mehr zu retten. Zum Glück habe ich keine Kinder 🙂

  • Herbert Anneler says:

    Ein fundamental wirtschaftsethisches Thema! Eine Pensionskasse muss für alle Arbeitnehmenden obligatorisch sein, aber ich möchte meine Kasse je nach deren Anlagestrategie frei auswählen können. Für mich ist es unerträglich, dass ich nicht weiss, ob mein Erspartes dazu dient, Waffen herzustellen oder Regenwälder zu roden oder ob damit in Nachhaltigkeit investiert wird, ob mein Geld in Hedge Fonds mit kurzfristiger Profitmaximierung gelandet ist oder bei Firmen, die langfristig und ethisch operieren. Freie PK-Wahl könnte vieles auf den Kopf stellen und kein Liberaler könnte etwas dagegen einwenden.

  • Josipovic Zlatko says:

    nicht BIO, sondern VEGAN…

  • Andreas Müller says:

    Das Leben hat mich folgende Lektionen gelernt:

    1. Nichts ist störender als die Realität. Die Wahrheit will niemand wissen und wird mit allen Mitteln verdrängt. Wer es wagt die Wahrheit auszusprechen, wird mit allen Mitteln bis aufs Blut bekämpft.

    2. Jede Problemlösung strebt ein Minimum an Logik und ein Maximum an Blödheit an.

    3. Bei der Problemlösung kann man davon ausgehen, dass die dümmste aller möglichen Lösung mit der grössten Wahrscheinlichkeit realisiert wird.

    4. Alle werden für die Fehler einzelner Bestraft. Muckst ein Unbeteiligter auf, so wird an ihm ein Exempel statuiert.

  • Hans Weibel says:

    Ich staune eher darüber, dass man davon erst langsam in den Medien vernimmt. Hier wäre eine echte Hebelwirkung und der Konsument wird völlig hinters Licht geführt. Es handelt sich letztlich um sein Geld, das sicher nicht nach seinem Willen eingesetzt wird. Soll jetzt keiner daherkommen, nachhaltige Titel hätten eine schlechte Performance und ein höheres Risiko. Das wurde bereits x-fach widerlegt.
    Ich hoffe, dass die Medien weiterhin am Thema bleiben und der öffentliche Druck steigt. Diesem Skandal können wir nicht länger zusehen!

  • Rodolfo says:

    Das ist eine sehr gute Idee!
    Wir sollten die Pensionskassen frei wählen dürfen und diese transparenter gestalten!
    Wer würde auf die Maximalrendite verzichten?
    Wer würde in die -heute noch riskante- Clean-Tech-Branche investieren?
    Im Banken-Sektor gibt es ja die “Alternative Bank”, die allerdings ein Mauerblümchen-Dasein fristet.
    Gemäss meiner persönlichen Erfahrung ist ein “Alternativer Banker” mehr “Banker”, als “alternativ”.
    Das “Alternative” hat sich bei diesem Exemplar eines Bankers vor allem in seinem Zynismus und in seiner desillusionierten “Abgelöschtheiit” gezeigt…

  • Andreas Renggli says:

    Wir haben uns genau wegen dieser Problematik für die Nest-Sammelstiftung entschieden. Klare Haltung, klare Investitionsgrundsätze.

  • sepp z. says:

    das einzige was ich gewiss weiss über meine pensionskasse, dass 20% des ertrags meiner prämien direkt zu den finanzdienstleistern wandern. pervers. aber dank den bürgerlichen lobbyisten im politfilz stehen wir prämienzahler mit abgesägten hosen da. da jetzt über bio und grün zu sprechen, finde ich eine frechheit. ich wäre schon zufrieden, wenns einfach ohne abzocke ginge.

  • karl schmid says:

    Ja was man mit Bio alles kann, könnte oder sollte!
    >Die Weltretten
    Jeder Schicki – Micki kauft zur Rettung einen Tesla. der Strom aus der Steckdose und fürs Lithium der Batterie haben wir die Glencore. Dann gibt’s wohl noch etwas Rebound das Auto ist aber sauglatt.
    >Pensionskasse
    Wir wissen nicht was mit dem Geld läuft. Nur hätten wir doch per Gesetz eine paritätisch Kommission.
    >Mitsprache/Mitverantwortung
    Das hätte man und unsere Lehrer PK. hat auch selber Anlagen beschlossen in Öko, Startups und so.
    Das Loch stopfte dann zu 2/3 der Steuerzahler!
    > Aber das lieber nicht für alle!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.