Der Mythos vom sinkenden Maturaniveau

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In der Rubrik Bildung des Politblogs geht es um aktuelle Themen der Bildungspolitik. Autoren sind Andreas Pfister (Leitung), Philipp Sarasin, Patrik Schellenbauer und verschiedene Gäste.

Der Fachkräftemangel ist in aller Munde, und gegenwärtig etablieren sich entsprechende Fachkräfteinitiativen. Auffällig ist: Sie fokussieren vor allem auf die Frauen, die Arbeitslosen, die Alten. Nicht aber auf die Jungen. Eine Bildungsoffensive ist für sie nicht vorgesehen, das jugendliche Potenzial gilt als ausgeschöpft. Man will lieber weniger als mehr Maturanden, denn man fürchtet um das Niveau.

Eigentlich ist die Sorge um das Niveau erfreulich, denn was den Bildungsplatz Schweiz auszeichnet, ist Qualität. Doch diese Qualität gegen Quantität auszuspielen, vor Massen-Unis und Mittelmass zu warnen, greift zu kurz. Bei einer moderaten Erhöhung der gymnasialen und der Berufsmatura-Quote ist es sehr wohl möglich, sowohl das Niveau als auch die Quote zu steigern. Das eine schliesst das andere nicht aus.

Eine echte Fachkräfteinitiative wäre in erster Linie eine Bildungsoffensive.

(Keystone)

Das Lernen wird gelernt – wie ein Handwerk: Maturanden in Aarau. (Keystone)

Die Klagen über das angeblich sinkende Niveau folgen ziemlich durchsichtigen diskursiven Mustern. Das Bluffen mit der eigenen Strenge ist vor allem Selbstinszenierung, die Niveau-Jammerer betreiben billige Empörungsbewirtschaftung. Die Story von ungenügenden Maturanden ist einfach zu schön, sie ist Balsam für die Ressentiments den Studierten gegenüber. Der Mythos vom angeblich sinkenden Niveau geht auch deshalb nicht auf, weil nicht einfach die Intelligentesten am Gymi sind, sondern jene mit entsprechendem «sozio-ökonomischem Hintergrund». Das heisst, es gibt noch viele talentierte Jugendliche aus «bildungsfernen» Schichten, die den Ansprüchen des Gymnasiums oder der Berufsmatura durchaus genügen könnten. Dazu kommt: Jugendliche sind nicht einfach dumm oder gescheit. Intelligenz ist nicht nur angeboren, man kann sie auch entwickeln. Talente kann man fördern – oder verlieren. Denken ist eine Praxis, das Lernen wird gelernt – genau wie ein Handwerk. Sonst bräuchte es keine Schule. Das Niveau wird gemacht.

Es ist wahr: Eine wichtige Studie (Evamar II) hat bei einem Teil der Maturandinnen und Maturanden Mängel festgestellt, z. B. in Deutsch und Mathematik. Das Problem ist erkannt und wird angegangen. Heutige Maturandinnen und Maturanden können nicht weniger – sondern anderes. Es geht nicht nur um die Stoffmenge. Innovative Köpfe beherrschen mehr und Anspruchsvolleres als die blosse Anwendung von Rechtschreibregeln oder Formeln. Sie sind besser auf das selbständige wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet denn je. Die Maturaarbeiten, welche heute geschrieben werden, dürften manch einem – mir zum Beispiel – die Schamesröte ins Gesicht treiben, denkt man an die erste Proseminar-Arbeit zurück.

Was tun? Das Niveau ist nicht verhandelbar, deshalb ist ein «Heimatschutz» für Schweizer Studierende und Dozierende keine Option. Aber wir müssen dafür sorgen, dass sie mindestens die gleichen Startchancen kriegen. Gegenwärtig werden sie benachteiligt durch mangelnde Förderung und übermässige Selektion. Darum wäre eine echte Fachkräfteinitiative in erster Linie eine Bildungsoffensive.
 

59 Comments sur «Der Mythos vom sinkenden Maturaniveau»

  • Anton Keller says:

    Für Innovation müssen Wissen und Kreativität vereint werden. Unser Schulsystem geht aber Richtung gestresstes Bullimie-Lernen (Bologna), was genau innovative Studierende verhindert. Besser wäre es auf stressfrei erworbenes, langfristig abgespeichertes und verknüpftes Wissen zu setzen.

    • Daniel Hauser says:

      Sie treffen den Kern der Sache. Die Selektion erfolgt heute falsch. So ist es problemlos möglich, mit 0% Wissen in Mathematik und Physik bei genügender sprachglicher Begabung eine Matur abzulegen. Denn etwas wirklich verstehen ist gar nicht gefragt! Bei der naturwissenschaftlichen Richtung ist dies aber erforderlich, um sich in deierer Materie bewegen zu können. Doch auch hier sehen wir verstärkt rein Bericht orientierten Ingenieuren, die nicht eimal die einfachsten Sachverhalte verstehen.

      • Anton Keller says:

        Mathematik und Physik können nur angst- und stressfrei gelernt werden, da sie Kreativität zum Lösen benötigen. Viele Gymnasialschüler scheitern an diesen Fächern, weil sie bis dahin von der vererbten Intelligenz profitiert haben und dann glauben mit Bulimie-Lernen erfolgreich zu sein.

      • chocolate says:

        0% Wissen in Physik und Mathematik würde bedeuten, dass es zwei Einsen gäbe im Maturazeugnis?
        Da habe ich Neuigkeiten für Sie: Mit solchen Noten schaffen Sie die Matura nicht!

  • dok says:

    Also, eine Studie stellt Mängel in Deutsch und Math fest, die PH stellt Mängel in der zweiten Landessprache fest, aber dass das Niveau sinkt ist nur ein Mythos? Die Maturaarbeiten mögen ein hohes wissenschaftliches Niveau haben, aber das sprachliche Niveau eben dieser Arbeiten ist bescheiden, und wäre wohl noch schlimmer, wenn es nicht die Eltern noch überarbeitet hätten. Die Eltern notabene, die vielleicht selber gar keine Matur haben und seit 20 oder 30 Jahren keinen Deutschunterricht mehr hatten. Das ist übrigens kein Hörensagen, sondern eine Erfahrung.
    Das soll also nicht zu denken geben?

    • Max Blatter says:

      Mein jüngerer Sohn hat vor wenigen Wochen seine Maturaarbeit abgeschlossen, der ältere vor drei Jahren. In gutem Deutsch (und ich bin da ziemlich kritisch). Dies ohne Hilfe von mir, und da meine Ex-Frau (bilingue) in Deutsch definitiv keine Leuchte ist, war auch bei ihr “nichts zu holen”. – Eine diametral entgegengesetzte Erfahrung also!
      Aus individuellen Erfahrungen darf man eben keine verallgemeinernden Schlüsse ziehen, weder in die eine noch in die andere Richtung.

      • Martin Hugentobler says:

        Ohne schulmeisterlich wirken zu wollen, diametral bedeutet bereits entgegengesetzt. Eine diametral entgegengesetzte Erfahrung ist dann wohl eine identische;-)

        • Thomas Herren says:

          Treffend, genau das meinte ich mit meinem ersten Kommentar!
          Fortsetzung: Erfolg in der Schule (Gymer) heisst nicht automatisch Erfolg im Berufsleben. Und in dieser Hinsicht (Vorbereitung auf Anforderungen der Praxis) hat die gymnasiale Aus- und Heranbildung einer sogenannten Elite in der Schweiz m.E. noch erhebliches Steigerungspotenzial.

      • Thomas Herren says:

        Als Akademiker mit einem ausgesprochenen Flair für eine gute, klar strukturierte Sprache als Ausdrucksform von klarem Denken – und mit ausgesprochen erheblichen Defiziten in Mathematik und Organisatorischem – habe ich bei meinen Kinder (19-jährige Tochter hat gerade Matura abgeschlossen, 14-jährige Tochter ist auf “Gymer-Spur”) immer wieder den Eindruck erhalten, die Sprachkompetenz (insbes. in Deutsch) habe abgenommen. Dafür sind sie in anderen Themen viel besser und müssen insgesamt grössere Herausforderungen meistern, um in der Schule Erfolg zu haben.

      • Michael Berger says:

        @Hugentobler
        “diametral entgegengesetzt” ist keine doppelte Negation im logischen Sinne, sondern ein Pleonasmus – hier ein Adverb und ein Adjektiv mit gleicher Bedeutung – und damit ein korrektes, wenn auch etwas abgegriffenes, rhetorisches Stilmittel.

      • Hannes Müller says:

        Diametral heisst nicht entgegengesetzt, sondern “durchmesserisch”.

    • Anton Keller says:

      Ein Schelm, der denkt, dass Matura-Arbeiten ohne fremde Unterstützung erstellt werden. Nach 4 Jahren Bulimie-Lernen können die Gymnasiasten oftmals gar nicht mehr selbständig etwas erarbeiten, etwa eine Steuererklärung ausfüllen.

  • Dustin says:

    Ich frage mich aber schon, wie man also ohne Qualitäts- und Quantitätsabstriche von der 7-Jahr-Matur zur 6-Jahr-Matur hatte wechseln können. Der quantitative Aspekt liegt bei der zeitlichen Verkürzung auf der Hand, aber auch die Qualität hat gelitten: Ein Jahr mehr, heisst auch ein Jahr mehr Zeit, Inhalte zu verknüpfen. Man könnte sogar die Gegenthese vertreten, dass durch eine gewisse inhaltliche Verdichtung, die durchaus stattgefunden hat, die Schülerinnen und Schüler heute viel mehr nur ins Kurzzeitgedächtnis lernen und es nach der Prüfung wieder vergessen.

    • Norbert says:

      Wo in der Schweiz dauert die Matur 6/7 Jahre?

      • nowhere says:

        Langzeitgymnasium. Ist aber von 6.5 Jahren auf 6 Jahre verkürzt worden, das Kurzzeitgymnasium von 4.5 auf 4. Nicht so dramatisch

        • nowhere says:

          Tschuldigung vergessen, im Kanton Zürich

          • Dustin says:

            In anderen Kantonen (z.B. Zentralschweiz) von 7 auf 6 Jahren. Ob der Tragik mag man sich streiten. Hinsichtlich Maturaniveau ist klar, dass die Ansprüche haben Federn lassen müssen.

  • Sven Keller says:

    Sehr interessanter Artikel. Was mir vermehrt auffällt, da meine Familie in Deutschland lebt und ich in der Schweiz arbeite, (bin Schweizer und hier aufgewachsen) dass das Bildungsniveau in der EU auf einem ganz anderen Level (tiefer) ist als hier in der Schweiz. Muss es ja auch, sonst hätte Deutschland als Beispiel nicht die viel höhere Abiturquote als wir. Hat ja was jeder Abitur in Deutschland. Aber wir Schweizer sind halt schon speziell. Kinder haben wir nicht viel und wenn muss man alles selbst zahlen und bei den Arbeiter importieren wir lieber, anstatt unser Bildungssystem zu erneuern.

    • Dieter Berger says:

      Entschuldigung, aber das was Sie das behaupten ist kompletter Blödsinn. Vergleichen Sie mal Schweizer Matura mit Bayern- oder BW-Abitur. Da werden Sie Ihr blaues Wunder erleben wo mehr gefordert wird. Abgesehen davon ist es kein Naturgesetz dass höhere Maturquote = niedrigeres Niveau. Vielmehr besteht die Möglichkeit eine breite Masse an Schülern individuell besser zu fördern und damit landesweit einen höheres Bildungsniveau zu erreichen. Aber das ist ja scheinbar in der CH gar nicht gewollt.

    • chocolate says:

      So können Sie das nicht verallgemeinern: Das Abitur in Bayern und Baden-Württemberg hat dasselbe Niveau wie in der Schweiz (und auch ungefähr dieselbe Absolventenquote). Es ist übrigens auch in Deutschland umstritten, dass die Unterschiee so riesig sind: Wenn man eine Eins im Abi für das Medizinstudium braucht, ist es schwierig zu schlucken, dass eine viel ‘einfachere’ Eins aus z.B. Bremen oder Berlin gleich viel wert sein soll wie eine schwierige Eins aus Bayern…
      Studenten aus Bayern und Baden-Württemberg können denn auch prüfungsfrei an die ETH, was Schülern aus Bremen verwehrt bleibt.

  • Andreas Neff says:

    Ich hoffe mal Herr Pfister ist nicht Mathematiklehrer am Gymi. Denn Intelligenz ist Normalverteilt, ergo sinkt bei einer höheren Maturitätsquote die Durchschnittsintelligenz, wenn man davon ausgeht, dass nur die intelligentesten ans Gymi kommen.
    Des Weiteren entlarvt sich Herr Pfister in seinem Statement gleich selbst mit dem Satz “Der Mythos vom angeblich sinkenden Niveau geht auch deshalb nicht auf, weil nicht einfach die Intelligentesten am Gymi sind, sondern jene mit entsprechendem «sozio-ökonomischem Hintergrund»”. Somit gibt er also zu das es zu einer Senkung des Niveaus gekommen ist.

    • luftibus says:

      Ich hoffe mal Sie sind weder Psychologe noch Soziologe. Diejenigen, die den Eingang ins Gymnasium schaffen, sind nicht undbedingt die Intelligentesten (wenn man darunter die Messung des IQ verstehen will), sondern bringen weiter mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten mit, die Prüfungsrelevant sind.
      Nur weil offenbar nicht die Intelligentesten am Gimi sind, bedeutet das noch lange nicht, dass sich das Niveau über längeren Zeitraum betrachtet abgesenkt hätte. Im Gegenteil, und da haben Sie die These nicht verstanden: Gerade WEIL es noch intelligentere S. hätte, wäre eine Steigerung der Quote möglich

      • Andreas Neff says:

        In der Tat ich habe was anderes studiert, als Soziologie oder Psychologie. Dennoch darf ich sowohl von einem Soziologen als auch von einem Psychologen erwarten, dass sie zu den intelligentsten ihres Jahrgangs gehörten. Sonst können wir wirklich alle ans Gymi schicken.

        • luftibus says:

          Auch falsch. stellen Sie sich vor: Es gibt zuhauf Leute, die keine akademische Laufbahn einschlagen, einfach weil sie sich für anderes – Schiffe bauen, informatische Probleme lösen, oder was auch immer – interessieren.
          Nochmal: Wer ans Gimi geht, geht primär mal gern zur Schule und bringt diesbezüglich notwendige Fähigkeiten, INteressen, Motivation etc. mit. Daneben gibt es (zum Glück) Leute, die das alles auch drauf hätten, aber sich eine anspruchvolle Lehre evtl. mit BMS aussuchen. Das Gimi ist deswegen weder besser noch schlechter. Nur: Es wären also noch Leute da, die das auch könnten.

          • Andreas Neff says:

            Aber genau das ist doch das Problem. Jeder einigermassen durchschnittlich intelligente macht heute keine Lehre mehr sondern will aufs Gymi, weil man sich davon was besseres erwartet als wenn man eine Lehre macht. Finden sie mal einen Lehrling für eine anspruchsvolle Lehre. Die Schüler mit guten Noten gehen lieber aufs Gymi als eine Lehre zu machen.
            Dieser Gymi-Wahn geht immer zulasten der Lehre und der Fachhochschulen.

          • luftibus says:

            Die Gimiquote ist seit jahren stabil. Da sind keineswegs mehr Schüler dazugekommen. Neu dazugekommen sind die Fachhochschulen, was keinen negativen Einfluss auf die Berufslehren hat.
            Es mag einen run auf die Gymnasien geben, ich weiss aber vor allem von Lehrstellen in weniger qualifizierten Bereichen, die kaum zu besetzen sind.

    • Michael Berger says:

      Sie vermischen Intelligenz und Maturaniveau. Die beiden hängen zwar zusammen, doch ist eine hohe Intelligenz weder hinreichende noch notwendige Bedingung für ein hohes Maturaniveau. Wichtig ist neben der Intelligenz der Schüler eine gute Vermittlung des Schulstoffes und ein gewisser Fleiss. In einer guten Schule, die beides fördert, kann man daher auch ohne übermässige Intelligenz gute Leistungen erbringen. Das macht es möglich, dass die Durchschnittsintelligenz zwar sinken mag, das Niveau aber trotzdem steigt.

    • Mathias says:

      Nun, ich sehe den Sinn einer höheren Maturitätsquote auch nicht, denn ich sehe nirgends Anzeichen für einen allgemeinen “Fachkräftemangel”.
      Aber die Annahme, dass nur die intelligentesten am Gymi sind ist, wie Andreas Pfister geschrieben hat, sicherlich nicht richtig. Ob jemand eine Matur macht oder nicht, hängt auch immer stark mit den eigenen Interessen zusammen.

      • Andreas Neff says:

        Ich stimme mit dir überein, dass es keinen sogenannten “Fachkräftemangel” gibt.
        Jedoch finde ich es sollen die intelligentesten ans Gymi sonnst brauchen wir ja Realschule und Sekundarschule nicht mehr. Dann schicken wir doch alle ans Gymi und geben jedem eine Matur.

  • Stevens says:

    Nein, es sind wirklich nicht die intelligentesten, welche am Gymi sind. Denn die wirklich intelligenten Jugendlichen machen eine Lehre und danach FH oder auch ETH-Studium.

    • Bruno Schwerzmann says:

      Wenn Sie als Fachkraft enden wollen, reicht auch eine Fachhochschule, das ist so. Das vielleicht etwas verstaubte, im Vergleich jedoch um Längen attraktivere Ideal des Universalgelehrten darf aber gerne noch eine letzte Handvoll Unverzagter weiter tragen. Und wo und wie da die Intelligenz noch mitspielt, da reichen die paar Anschläge hier einfach nicht.

      • Stevens says:

        @Bruno: Sorry, ich hätte noch hinschreiben müssen ETH oder UNI-Studium. Denn es gibt durchaus Möglichkeiten, egal nach welcher Lehre, auch an ETH oder Uni zu studieren.
        Und so zu dem von ihnen genannten Universalgelehrten werden. Wobei man mit diesem Weg noch etwas universaler ist, da man Kenntnisse der realen Arbeitswelt hat. Etwas, was der Gymischüler nicht mitbringt.

    • Oli says:

      Nein dies stimmt nicht. Eine Lehre ist Niveaulos und Zeitverschwendung. Wer eine Lehre macht ist minderwertig, da er drei oder vier Jahre abhockt und nichts lernt. HAHA.

      • Blanche Wu says:

        Kommt immer darauf an was für eine Lehre man macht und in welchem Lehrbetrieb! Ohh da gibt es Welten. Für die gleiche Lehre wird man in Betrieb A gefördert was das Zeug hält und im Betrieb B ist man sich alleine überlassen und lernt nichts. Aber wenn man gefördert wird, mitdenken darf, etc. inkl. BMS dann fordert eine Lehre schon.

        • Oli says:

          Ja ist aber trotzdem Zeitverschwendung, da man nicht viel verdient und trotzdem immer der Bimbo ist. Besser wäre das amerikanische Modell, wo man nach seinen Fähigkeiten Aufgaben bekommt und den amerikanischen Traum leben darf. Lol.

  • Markus R says:

    “Maturanden können nicht weniger – sondern anderes”! Was nützt dieses anderes, wenn es im Berufsleben nur bedingt gefragt und benötigt wird? Mit Verlaub, Mathe und somit auch Physik, Chemie sowie Sprachen sind existentiell um in sehr vielen Bereichen des späteren Berufslebens bestehen zu können. Wir sind eine Industrienation, Ingenieurwissen ist zuhauf gefragt, doch das Angebot im Inland ist nicht ausreichend. Das gilt bekanntermassen auch für den meidzinischen Bereich. Fazit, es werden Arbeitskräfte dort geholt wo es sie gibt – im Ausland.

  • Ruth says:

    Die Diskussion hier ist wirklich komisch. Es scheint, dass Viele lieber weniger Maturanden haben, damit diese dann auch wissen, dass sie die Besten in der Schweiz sind! Bereits im Studium begreifen dann diese Besten, dass die Konkurrenz aus Europa und der ganzen Welt riesengross ist!
    Ich frage mich wirklich, ob es den Schweizern wichtiger ist, eine kleine gebildete Schicht zu haben und den Rest der benötigten Intelligenzia, inklusiv CEOs & HR-offices zu importieren? Wie kann man nur so nachlässig mit seinem eigenen Nachwuchs umgehen und alle anderen vorziehen!

    • Blanche Wu says:

      Nicht jeder CEO hat die Uni besucht (siehe UBS CEO – klassische Laufbahn mit Bankenlehre) und auch nicht jeder CEO muss eine Uni haben, da Führung nicht an einer Uni per se gelernt werden kann, sondern man benötigt Lebenserfahrung und s Gspürri…wenn wir an der Uni mehr Ökonomen ausbilden würden, wären die nicht zwingend später CEO. Es würden also immer noch CEO’s importiert werden, weil sich die Elite kennt…ohne Kontakte, Networking, etc. wird man nicht CEO auch wenn man Prof. Ökonomie ist.

      • Bruno Schwerzmann says:

        Es will auch gar nicht jeder CEO werden; nur schon diese blödsinnige Golfspielerei wäre mir zuviel (übrigens kein obligatorisches Maturafach).

      • Ruth says:

        Grundsätzlich ist es korrekt, was Sie schreiben, aber die weltweite Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt geht in die andere Richtung und die Schweiz wird nicht davon verschont! Hier wird diskutiert, als ob die Schweizer sich diesen Regeln widersetzen könnten! Es stört enorm, dass man auf Kosten unserer Kinder und Jugendlicher an einer überholten Sicht festhält und damit der Jugend ihre Zukunft raubt. Oder sind die Schweizer Kinder wirklich zu blöd, um die Matura machen zu können? Das kann ich nicht glauben: entweder stimmt die Förderung vorher nicht oder die Latte wird bewusst zu hoch angesetzt!

  • Stefan Huber says:

    Die Realität zeigt aber, es spielt keine Rolle wenn das Level etwas sinkt. Weil die Wirtschaft trotzdem Fachkräfte aus Ländern mit einer 40-60% Studienquote als “Hoch gebildet” bezeichnet und anstellt. Wenn unsere Jugendlichen keinen Job bekommen, weil jemand aus z.B. Deutschland (Abiturquote über 30%, gemäss DER ZEIT) angestellt wird, scheint niemand im HR wirklich eine Ahnung zu haben wie man Länder und deren Bildungsniveau untereinander vergleicht.

    • Max Bild says:

      Wer das Bildungssystem Deutschlands als Ganzes (ohne Differenzierung nach Regionen und Arten des Abiturerwerbs) in einen Topf wirft und anhand einer einzelnen Kennzahl (Abiturquote) bewertet, sollte meiner Einschätzung nach zurückhaltender sein, sich negativ über die Kompetenz anderer zu äussern.

    • Thomas Staub says:

      Genau, es geht überhaupt nicht um gestiegenes oder gefallenes Niveau der Maturanden. Es geht darum dass unsere Kinder die gleichen Chancen erhalten wie Kinder aus Deutschland oder Indien. Und der erste Schritt wäre, unsere Bildungsromantik hinter und zulassen und die Maturaquote von 19 alten Jugendlichen dem des Ausland anzupassen.

      • luftibus says:

        und dann überlegen Sie sich mal, was mit der schweizer Berufsbildungslanschaft passiert, die jetzt schon darüber jammert, dass nur mittelmässige Schüler einen anspruchsvolle Lehre absolvieren würden…
        oder was das für die Schüler bedeutet, die den Sprung ins Gymnasium “immer noch nciht” schaffen..

        • Thomas Staub says:

          Eben das was sie sagen ist schweizer Bildungsromantik. Am Schluss holen dann ja noch 15% die Matur aufwendig und teuer nach, und stützen damit die grosse Weiterbildungsindustrie. Deren Lobby war bis jetzt enorm erfolgreich.

          • luftibus says:

            Ganz im Gegenteil. Anstatt mit Worthülsen um mich zu werfen bin ich mir bewusst, weshalb unsere Jugendarbeitslosigkeitsquote im internationalen Vergleich quasi einer Vollbeschäftigung gleicht. Und dass man die Matura nachholen kann (auch in kantonalen Institutionen und damit halb gratis), das sehe ich klar nicht als Nachteil – Achtung, noch ein Bildungsromantikerwort: Durchlässigkeit.

  • Pascal Meister says:

    Mag sein, dass heutige Maturanden andere Fähigkeiten haben und über alles gesehen ähnliche Leistungen wie ihre Vorgänger erbringen. Aber was soll man im Berufsleben mit jungen Menschen anfangen, deren E-Mails man keinem Kunden ohne Kontrolle zumuten kann oder will? Die einfachstes Kopfrechnen nicht beherrschen und darum in Verhandlungen einen deutlichen Nachteil haben?

    • Anton Keller says:

      Aber dafür sind diese sehr gut in World of Warcraft und können in Facebook liken. Das sind doch die Kernkompetenzen der neuen Informatik-Bildungsoffensive. Versuchen Sie einmal so einen Maturanden ein einfaches Telefongespräch machen zulassen. Das können diese gar nicht mehr.

    • Walter Boshalter says:

      Da muss ich zustimmen. Letztens bewarb sich eine Matruandin bei meiner Bude für eine Informatiklehre. Eine meiner Fragen während des Bewerbungsgesprächs war: “Können Sie mir in 45 Sekunden aus dem Kopf sagen, welche dieser beiden Zahlen grösser ist: 40% von 70 oder 30% von 80”. Fail. Mit Bleistift dauerte es dann immerhin eine Minute. Es scheint wirklich so, als ob heutige Maturanden zwar gelernt haben zu Lernen, aber in der Zeit vergessen haben sich Wissen anzueignen.

      • Hannes Müller says:

        So eine Überschlagsrechnung sollte man tatsächlich im Kopf machen können, aber die junge Dame hat sich gesagt, Stress bringt Fehler, also rechne ich auf Papier. Eine umsichtige Person.

  • Andreas Müller says:

    Mythos hin oder her, wenn ein Student im Chemiepraktikum 1 im ersten Studienjahr, nicht in der Lage ist einen Graphen mit Excel zu zeichnen, dann solle gehen und zurückkommen, wenn er das kann. Es ist sicher nicht der Job der Assistenten und Oberrassisten den Studenten die Anwendung von Excel zu vermitteln.

    Wenn 100 Studenten einen Praktikumsbericht abgeben dann liegt auf meinem Tisch nachher ein Spektrum von Arbeiten die von Perfekt und erst noch in Kalligraphie geschrieben, bis zu einem halb zerknüllten Zettel, wobei der Trend stark zu letzterem tendiert.

    • Dustin says:

      Was wollen Sie damit sagen? Es lebe die menschliche Vielfalt?

    • U. Weinmann says:

      Es hat immer einen besonderen Nachgeschmack, wenn Dozenten ihren Studenten Inkompetenz vorwerfen, selber aber ein fehlerhaftes Mail verfassen: Kommasetzung und Gross-und Kleinschreibung wurden einfach ignoriert. Etwas mehr Sorgfalt, bitte!

  • nowhere says:

    Schon zu meiner Zeit, vor rund 30 gab es Maturanden mit guten Noten, die nicht wirklich gescheit oder gar gebildet waren, gut lernen konnten sie halt. Andere waren gescheit, konnten aber nicht immer die richtigen Noten “abliefern”.

    Heute ist das nicht anders.

    Gab es nicht mal eine Langzeitstudie über die sprachliche Qualität Aufsätze? Ich meine, ich hätte das mal gelesen.

  • Henri Steinlin says:

    Zuerst sollte man definieren was man unter einer Fachkraft versteht und wer eine Fachkraft ist ist. Für mich sind auch Personen mit einer guten Berufsausbildung (Lehre) eine Fachkraft.
    Wenn aber mehr als 50% der Anwärter auf die Polizeischule wegen mangelnden Deutschkenntnissen die Aufnahmeprüfun nicht bestehen haben wir ein Schulproblem.
    Hier müssen die Massstäbe gesetzt werden – keine Fachkraft ohne korrekte Deutschkenntnisse im Lesen und Schreiben sowie einen “Dreisatz” korrekt lösen können.

  • Roman Griesfelder says:

    Die Deutschschweiz hängt an einer romantischen und ideologischen Sicht von Bildung. Vielen jungen Menschen werden dadurch grosse Hindernisse in den Weg gelegt.
    Die Maturitätsquote der Deutschschweiz liegt unter 20%. Deshalb werden seit Jahren Ärzte, Ingenieure, Hochschulprofessoren und Führungskräfte importiert. Niemanden interessiert, wie die zu ihrer Matura gekommen sind. Sie haben die formale Qualifikation – Punkt. Und sie verändern die Schweiz durch Entscheidungen, die nicht an die helvetische Tradition gebunden ist. An einem elitären Bildungsverständnis zu hängen ist schlichtweg dumm.

    • Beat Tobler says:

      Man kann durchaus fragen, warum nur gegen “fremde Richter” aufbegehrt wird und nicht gegen fremde Ärzte oder Ingenieure…

      • Roman Griesfelder says:

        Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Vielleicht wenn die Ausländer 50% der “Elitenquote” überschreiten?

  • M.K. says:

    Ich persönlich frage mich schon, weshalb in der Schweiz die Selektion bis zur Matur so stark betrieben wird und auf Hochschulstufe erhebliche Kapazitäten an ausländische Studierende vergeben werden. Mich stören die ausländischen Studierenden keineswegs, sondern ich störe mich daran dass das schweizer Bildungssystem schon so früh so stark selektioniert. Das geschieht schon beim Übertritt in die Oberstufe!!
    Im Weiteren müssen die Bedingungen der BMS endlich an die lascheren Bedingungen des Gymi angepasst werden. Die BMSler sind enorm benachteiligt, da gibt es einen gewaltigen Systemfehler.

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