Unabhängige Spionageabwehr statt Ausbau des Schnüffelstaats
Letzte Woche wurde bekannt, dass die internationalen Gespräche zum iranischen Atomprogramm ausspioniert wurden, unter anderem mittels eines ausgeklügelten Virus. Damit steht auch das internationale Genf unter Attacke. Die Debatte über das Nachrichtendienstgesetz beschäftigte dieser Tage den Ständerat. Trotz kritischer Anmerkungen aus Wirtschaft und von Amnesty International fand eine Mehrheit, dass unser Geheimdienst neu auch das Internet überwachen darf (Kabelaufklärung). Und die «SonntagsZeitung» machte öffentlich, dass Bundesrat Didier Burkhalter eine Zusammenarbeit der Schweiz mit dem NATO-Cyber-Abwehrzentrum eingefädelt hat – und begründet dies mit der Verbesserung der Spionageabwehr.
Jede Institution muss sich selbst schützen.

Wer soll das Recht haben, uns zu überwachen? Foto: Soeren Stache, Keystone.
So wird alles durcheinandergebracht – und es werden Lösungen vorgeschlagen, welche auf die realen Probleme keine tauglichen Antworten bringen. Was aber sind die Probleme – und wie können wir auf sie antworten?
Beginnen wir bei der Spionage. Heute ist unser Nachrichtendienst (NDB) für die Spionageabwehr zuständig. Also jene Organisation, die im Alltag Informationen mit ihren Geheimdienst-Partnern austauscht. Er soll nun plötzlich glaubwürdig und ohne Rücksichten gegen die gleichen Geheimdienste vorgehen, wenn diese in der Schweiz spionieren? Das ist unglaubwürdig und unrealistisch. Darum fordern die Grünen eine von unserem Geheimdienst völlig unabhängige Spionageabwehr, die tatsächlich ohne falsche Rücksicht vorgehen kann, wenn unsere Behörden im Visier ausländischer Schnüffler stehen oder wenn internationale Organisationen und Verhandlungen in der Schweiz ausspioniert werden. Es braucht keine längere Leine für die staatlichen Schnüffler – sondern eine Stärkung der tatsächlichen Spionageabwehr.
Trotz aller Versuche der verschiedenen Geheimdienste, sich als Frontkämpfer gegen den Terrorismus darzustellen, ist nicht nur Experten klar: Am meisten Spionage und die meisten Cyberangriffe finden im Wirtschaftsbereich statt. Hier hat die Schweiz die richtige Grundsatzentscheidung getroffen: Hier kann der Staat keinen zentralen Schutz bieten. Denn Banken, Versicherungen, Elektrizitätswerke, Fabriken müssen sich selbst schützen, weil jedes Netzwerk so schwach ist wie sein schwächster Punkt. Man kann nicht einfach einen staatlichen elektronischen Schutzwall rund um die Schweiz bauen und meinen, so die Unternehmen zu schützen. Durch Koordination und Wissensaustausch kann der Bund aber dazu beitragen, dass alle möglichen Angriffsziele sich selbst besser schützen und auf Angriffe auch gemeinsam reagieren können. Diesem Ziel ist die Koordinationsstelle Melani verpflichtet. Allerdings ist es zentral, dass die mit Melani getauschten Informationen dann nicht wieder bei ausländischen Geheimdiensten landen. Darum müsste Melani noch stärker vom NDB getrennt werden.
Gehen wir zum Schluss auf die nun vorgesehene internationale Zusammenarbeit der Schweizer Cyberabwehr im Nato-Rahmen ein. Vorab scheint mir eine solche Zusammenarbeit mit der Schweizer Neutralität schlicht nicht vereinbar. Sinnvoll ist sicher, sich Expertenwissen anzueignen über mögliche Angriffstechniken und Abwehrmassnahmen. Und dazu ist der internationale Austausch wertvoll, sei dies nun mit Experten aus den USA oder solchen aus Deutschland, Russland oder China. Sich bei der Cyberabwehr aber auf ein einzelnes Militärbündnis zu stützen, wäre falsch. Und gänzlich blauäugig schliesslich ist die Hoffnung, von der Nato Hilfe zu erhalten für die Abwehr von Spionageangriffen, die ja auch – wenn nicht sogar in erster Linie – von Nato-Mitgliedsländern gegen die Schweiz und das internationale Genf durchgeführt werden.






20 Kommentare zu «Unabhängige Spionageabwehr statt Ausbau des Schnüffelstaats»
Jedermann muss sich selbst gegen Spionage und Datenmissbrauch schützen. Das gilt auch und vor allem für Firmen. Der Staat sabotiert den Schutz von Daten mit der Ausweitung der Überwachung. Die neuen stattlichen Überwachungsmöglichkeiten können potentiell auch von feindlichen Kräften missbraucht werden. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, dass der NdB die Daten auch anderen Geheimdiensten zugänglich machen könnte, zum Beispiel im Austausch gegen andere Informationen.
Absolut richtig. Beschaeftige mich nun schon jahrelang mit diesem Themenkomplex und man muss eines festhalten: sobald der Staat Trojaner und Hintertuerchen oeffnen darf (natuerlich in Absprache mit den entsprechenden HW-Herstellern oder in einem Anschluss an die FiveEyes), macht dieser die Daten potentiell allen zugaenglich, ohne dass er fuer dieses Leck irgendwelche Verantwortung zu uebernehmen bereit waere. Da die Verantwortung dem privaten Sektor verbleibt, muss erinnert werden, dass solche Verlagerungen totalitaeren Charakter haben. Das entspricht Freibrief fuer selektive Sabotage.
Als CAD/PDM Administrator habe ich in der vergangenenheit ein großes Unbehagen im industriellen Sektor festgestellt.
Programme wie Prism, XKeyScore und auch Tempora führen zu einem sehr einseitigen Verhältnis. Unternehmungen setzen ihre finanziellen Mittel zur Erwirtschaftung digitaler Ressourcen ein. Diese Ressourcen gilt es zu schützen.
Selbstverständlich muss ein Nachrichtendienst Mittel und Wege haben zu ermitteln und Daten zu erheben.
Aber eben auch die Industrie und private haben nach heutigem Recht einen Anspruch auf Schutz. Eine äußerst schwere Aufgabe hier das Gleichgewicht zu sichern…
Man kann nicht stets den Staat ausbauen und sich dann über den Schnüffelstaat echauffieren. Ewigstudent Glättli ist ein völlig inkonsistenter Denker, bei dem sich die Logik längst verabschiedet hat.
Es ist wohl eher Ihr Kommentar der jeglicher Logik entbehrt Herr Schacher.
Das ist eione dümmliche Behauptung aufgrund einer konstruierten Unterstellung, die weder belegt noch illustriert wird von Ihnen. Da fragt sich doch, wer wirklich Probleme mit der Logik hat…
Wer den Staat ausbaut, baut automatisch auch immer die Institutionen Sicherheitsorgane/Strafverfolgungsbehörden mit aus. Dieser logische Schluss ist glasklar und unleugbar.
Hier gehts um Spionage, Ausspähung und Einschränkung der Bürgerrechte.
Das hat so ziemlich gar nichts mit der Grösse des von Ihnen so verhassten Staates zu tun.
Aber um die Sache geht es Ihnen wohl kaum, sonst hätten Sie Herrn Glättli nicht herablassend als „Ewigstudent“ bezeichnet.
Schmid: Beim Ewigstudenten handelt es sich um eine einfache Tatsachenfestellung, die im Übrigen wahr ist: „Aktuell beendet er das Studium und führt seine Einzelfirma für Webdesign.“ (Wikipedia) Wobei er da vielmehr auf Taschen der Allgemeinheit lebt (Berufspolitiker im Nebenamt; sprich: Nationalrat). Und natürlich haben Spionage, Ausspähung und Einschränkung der Bürgerrechte sehr viel mit der Grösse als auch der Machtkonzentration in Staaten zu tun. Anschauungsunterricht gäbe es bei den National-Sozailisten, der DDR, Suharto in Indonesien, der UDSSR, der Kommunistischen Partei in China, etc.
Schacher: Sie sollten weniger amerikanische Filme anschauen. Die sind A) Fiktion und B) Fiktion. Als Beispiel wie die Wirtschaft die Situation einschätzt: Die UBS, CS, Nestlé, Glencor usw haben eigene Abteilungen (!) mit langjährigen bestens ausgebildetetn Spezialisten in der Spionageabwehr von der SAS, dem BND usw. Der Themenkreis ist für die Schweiz langsam aber sicher existenzbedrohend. Es ist Ihre Stelle die gestrichen wird, wenn Dritte die Forschungsergebnisse Ihrer Firma klauen. Sie ganz persönlich Herr Schacher sind von der Wirtschaftsspionage betroffen. Denken Sie darüber mal nach.
Lieber Herr Schacher, in den 50ern liess sich ein damaliger US-Praesident zu einer Aussage hinreissen, dass sie [USA] etwas austueftelten, das der Welt eine neue Order geben wuerde. Beinahe gleichzeitig beschaeftigten sich die Philosophen B+S.Rome um die Implementation der von Th.Hobbes festgehaltenen, rein interessenorientierten staatspolitischen Theorien: Leviathan!
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Interessante Lektuere:
zB: „Leviathan: a simulation of behavioral systems, to operate dynamically on a digital computer“ (1959)
oder „Digital Contations (Jussi Parikka)“
oder „All your iFrames point to us“ (Google)
Der Vorschlag einer eigenständigen Institution für die Spionageabwehr finde ich im Grundsatz sehr prüfenswert. Hingegen hatte man diese Konstellation vor der Zusammelegung von DAP und SND (In und Ausländischer Nachrichtendienst). Ich weis bis heute nicht, warum man mit der Verwaltungseinheit NDB alles unter einem Dach will. Da muss ich Ihnen Recht geben, dass mach schlicht keinen Sinn.
Man muss sich in einem Wald treffen, tief im Wald, ohne jegliche Elektronischen Geräte, & am besten gleich Nackt, erst dann weiss man ob tatsächlich spioniert wird.
Dass unsere Innovation vor fremden Geheimdiensten geschützt wird, sollte eigentlich selbstverständlich sein, wenn man schon einen Geheimdienst hat. Dass die Wirtschaft nicht geschützt ist, hat mich erstaunt, als ich vor etwa 3 Jahren davon erfuhr. Aktuell kann jeder Geheimdienst ungehemmt alles tun was er will – und auch gegen die Schweiz arbeiten und die Schweiz ausspielen. Ich vermute, dass die NSA in Bern mit Phasenradar-Antennen, gerichtet auf das Bundeshaus und gegen Botschaften arbeitet. In Genf wird man die UNO und Botschaften abhören. Faradayscher Käfig kann diese Abhörtechnik stoppen.
Allgemeine Info:
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In den 50ern liess sich ein damaliger US-Praesident zu einer Aussage hinreissen, dass sie [USA] etwas austueftelten, das der Welt eine neue Order geben wuerde. Beinahe gleichzeitig beschaeftigten sich die Philosophen B+S.Rome um die Implementation der von Th.Hobbes festgehaltenen, rein interessenorientierten staatspolitischen Theorien: Leviathan!
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Interessante Lektuere:
– “Leviathan: a simulation of behavioral systems, to operate dynamically on a digital computer” (1959)
– “Digital Contations (Jussi Parikka)”
– “All your iFrames point to us” (Google)
Barbier: Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien.
Hobbes Leviathan ist eine Vertragstheorie zur Begründung des Staates, wobei die vorgesehene Monarchie relativ wenig mit heutigen Regierungen zu tun hat. Von reiner Interessenpolitik ist da keine Rede.
Verschwoerungstheorie – auweia, da habe ich mich wohl verplappert…oder aber Sie haben Ihre scharfsinnige Logik walten lassen.
Eine weitere Wikipedia-Schnellbleiche bezueglich Vertragstheorie finden Sie hier:
http://www.de.wikipedia.org/wiki/Vertragstheorie
Die ‚vorgesehene Monarchie‘ heisst heute (Neo-)Feudalismus und ‚Interessenpolitik‘ meint aktuellerweise ’seiner eigenen Gestaltung gewidmet‘, bzw.’sich selbst verpflichtet‘ sein.
Das wird heute alles genauso durchzelebriert – mittels digitaler Ansteckung (noetigenfalls Virus/Trojaner)
Wieso widmen Sie sich nicht Dingen, die Sie interessieren?
Absolut richtig! Alle Ressourcen unseres Schnüffelstaates bündeln und in die Spionage-Abwehr inverstieren. Keine Kooperationen mehr mit ausländischen Diensten, sondern eigene Ermittlung von Angriffen. Das wäre einmalig in der Welt, als Glatteis für alle, die hier nichts verloren haben. Was hat es für einen Sinn, ein Forschungszentrum zu eröffnen, wenn die Amis sich gratis informieren können was da gerade getüftelt wird? Leider wird es nicht so kommen, wir sind eben zu doof… Wie immer! 3Tage Vorsprung zur Sicherung eines Patents reichen doch – alles schon passiert in D! Und Schlimeres in F…
O- Wunder, für einmal muss ich Herr Glättli recht geben! Die Frage ist nur, wie weit sind wir schon seit längerer Zeit hilflos dieser Schnüffelei ausgeliefert? Immer mehr wird über das Internet kommuniziert und wer nicht mitmacht, der wird bald einmal zum Einsiedler verdammt sein. Da kann man nur noch auf die Datenflut hoffen, welche es erschwert, einzelne zu schädigen.
Die Fähigkeiten eines Menschen seine Audio-, Video- und Textkommunikation vom Orte der Entstehung bis zum Orte der Nutzung zu verschlüsseln ist nicht gegeben.
Alles was der Mensch schreibt, spricht und handelt kann bevorratet (Vorratydatenspeicherung) werden und zu einem belibigen Zeitpunkt genutzt werden um den Menschen zu erpressen.
Menschen welche ein öffentliches Amt oder wichtige Positionen in Politik und Wirtschaft antreten sollten im Rahmen einer Art „geschlossenen Wahrheitskommision“ alle Verfehlungen gestehen und dafür amnestiert werden.
Ich schätze das bereits 20-30% der Politiker und Wirtschaftsführer jederzeit durch die five Eyes erpresst werden können.