Für die meisten Kinder ist das Gymi nichts

Eltern, die für ihre Kinder vorsorgen wollen, sichern ihnen die bestmögliche Bildung. Hartnäckig hält sich die Vorstellung, nur eine renommierte Hochschule führe zu Reichtum und Ansehen. So bleibt es trotz allerlei Ausnahmen dabei: Gutbetuchte Eltern ziehen ihre Kinder mit grosser Umsicht auf, bringen sie ins Gymnasium und lassen sie nachher etwas besonders Lukratives studieren. Damit haben sie ihnen alles mitgegeben, vererben einen schönen Batzen dazu, und die Jungen florieren weiter.

Jüngst beklagte sich ein Gymnasiallehrer an dieser Stelle über ein eigenartiges Problem. Wenn er sagt, dass seine Kinder die Matura machen sollen, und zwar ohne die üblichen Entschuldigungen beizufügen, etwa dass die Kinder es wollten und besonders befähigt seien, dann werde er «gedeckelt»; er findet es legitim und vernünftig, die Entscheidung zu fällen und vom Staat einzufordern. Und er will für diese Haltung auch Anerkennung.

Wünschenswert ist, dass die Alternativen zum Gymnasium attraktiver werden.

SCHULANFANG, 1. SCHULTAG, ERSTER SCHULTAG, SCHULEINTRITT, BEGINN, SCHULBEGINN,

Eintritt nur für wenige: Eingang des Gymnasiums in Lugano. Foto: Gabriele Putzu (Ti-Press/Keystone)

Man kann ihm zustimmen: Wer das Ziel so klar vor sich hat, soll es doch gleich aussprechen, warum erst verlogene Zugeständnisse an die Wünsche und Fähigkeiten der Kinder machen?

Es ist jedoch fast erschütternd, wenn ein Schweizer Gymnasiallehrer, der unser System und unsere Bildungsmöglichkeiten kennt, Berufslehren und höhere Berufsbildung sowie Fachhochschulen aller Richtungen als nicht brauchbare Alternativen für seine Kinder verwirft, nur das Gymnasium für gut genug hält und sich nicht von Wünschen und Fähigkeiten der Kinder beirren lässt.

Die Tatsache ist bekannt, dass in der Schweiz die Bildungschancen höchst ungerecht verteilt sind. Schon beim Schuleintritt sind die Unterschiede der Schülerinnen und Schüler zwischen «bildungsfern» und gutbürgerlich so krass, dass man sich wundert, dass sie in Jahrgangsklassen unterrichtet werden können. Leider zeigen Untersuchungen, dass die Nachteile während der ganzen Schulzeit nicht aufholbar sind.

Diese ungerechte Diskrepanz sichert den Fortbestand der aktuellen wirtschaftlichen Verteilung: Kinder aus bildungsfernen Schichten kommen kaum ins Gymnasium, sie haben allgemein schlechtere Karten. Dafür haben wir zahlreiche Möglichkeiten für alle Jugendlichen, nach der Sekundarschule eine passende Berufslehre zu finden, und zudem wurde in den letzten Jahren die Möglichkeit zu aussergymnasialen Mittelschulausbildungen ständig ausgebaut. Unsere Nichtgymnasiasten sind keineswegs ungebildet. Man darf sagen, dass wir in einem sozial schlechten System ziemlich gute Auswege und Verbesserungen gefunden haben.

Ich nehme jetzt an, dass der Gymnasiallehrer die 80 Prozent der Jugendlichen einfach vergessen hat, deren Eltern nicht auf eine Maturität pochen. Und es ist anzunehmen, dass seine Kinder keine grosse Mühe in der Schule und keinen unbesiegbaren Widerwillen gegen sie haben, sonst wäre ihnen ein trauriger jahrelanger Kampf sicher. Für die eigenen Kinder geradewegs eine Gymnasialausbildung vom Staat einzufordern, scheint mir dreist. Denn unser stilles Abkommen heisst: Für höhere Bildung auf Staatskosten erbringt der Jugendliche den Tatbeweis mit guten Leistungen, welche sich in Noten ausdrücken.

Bisher ist der Zugang zum Gymnasium durch Selektion erschwert. Der Kanton Zürich hat ausser den Noten zwei herkömmliche Selektionsinstrumente, über deren Sinn man sich streiten kann und die wohl eine Anpassung vertragen würden, das Latein im Untergymnasium und die Aufnahmeprüfung.

Soll man Zugangsbeschränkung und Leistungskontrollen abschaffen, alle Kinder dem Wunsch der Eltern entsprechend in Mittelschulen aufnehmen? Wenn nun alle Eltern die Mittelschule als einzigen Weg für ihre Kinder sähen? Laut Andreas Pfister kann sich im Gymi jeder durchbeissen, dessen Eltern es wollen, denn er argumentiert, in der Primarschule gebe auch niemand auf.

Anzunehmen ist: Die Quote würde wohl 60 Prozent nie übersteigen und speziell die sozial benachteiligten Kinder ausschliessen; die Selektion hingegen verschafft denjenigen von ihnen mit hoher Lern- und Arbeitsbereitschaft den Zutritt zur höheren Bildung, also genau jenem wissenschaftlichen Nachwuchs, der nur dank einem guten System an die Hochschulen gelangt. Im gegenwärtigen Umfeld garantiert Selektion die Qualität der Bildung.

Wünschenswert ist, dass die Alternativen zum Gymnasium und zur Hochschulbildung immer attraktiver und bedürfnisgerechter werden, bis Eltern, welche «das Beste» für ihre Kinder wollen, nicht im Traum mehr daran denken, sie auf einen qualvollen Weg zu schicken, der ihnen nicht entspricht und nicht gefällt.

 

 

 

 

96 Kommentare zu «Für die meisten Kinder ist das Gymi nichts»

  • Anton Keller sagt:

    Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, bildungsfern mit arm gleichzusetzen. Wenn die Eltern eine gute Bildung für ihre Kinder wollen, so schaffen auch arme Kinder einen Universitätsabschluss.

    • Albert sagt:

      Das sagt die Expertin: „Die Tatsache ist bekannt, dass in der Schweiz die Bildungschancen höchst ungerecht verteilt sind. Schon beim Schuleintritt sind die Unterschiede der Schülerinnen und Schüler zwischen «bildungsfern» und gutbürgerlich so krass, dass man sich wundert, dass sie in Jahrgangsklassen unterrichtet werden können […]
      Diese ungerechte Diskrepanz sichert den Fortbestand der aktuellen wirtschaftlichen Verteilung.“

      Was genau entgegnen Sie? Man kommt nicht draus.

      • Walter Boshalter sagt:

        Simpel. es gibt beides: Bildungsferne Reiche und gutbürgerliche Arme.

        • Anton Keller sagt:

          Ich bin auch so ein ex Sozialhilfeempfänger, der nun als Akademiker mein eigenes Unternehmen führe. Meine Eltern mögen arm und schlecht gebildet gewesen sein, aber nicht bildungsfern. Ich wurde von Ihnen gefördert.

      • Dusan Ciric sagt:

        Wie schön, diese Diskussion zu beobachten. Ich bin im K4 aufgewachsen, Eltern Büezer und eher bildungsfern als -nah.

        Warum war ich der einzige der Schule, der es aufs Gymi schaffte? WEIL ICH ES WOLLTE! Weil die anderen lieber Fussball spielten und mit dem Töffli fuhren.

        Ist das schlimm? Überhaupt nicht, es war ihre Wahl. Und es sollten ja keine Lieben und Netten kommen und solche Entscheide

        Ach ja, ich bin übrigens nicht der einzige Akademiker. Von meinen damaligen Freunden haben 6 auf dem 2. Bildungsweg studiert. Dafür liebe ich die CH – alle Optionen liegen offen, man muss sie nur nutzen

        • Mesa Sidran sagt:

          Dusan, ich würde dir ja zustimmen, wäre es nicht so, dass Kinder von bildungsnahen und eher reicheren Eltern sowohl eine gute Bildung geniessen als auch am Nachmittag mit den Freunden eine Töfflitour machen können.
          Wir Immigranten sind nun mal unterprivilegiert in der Schweiz und wenn wir das selber nicht erkennen wollen, wird es die Mehrheitsbevölkerung schon gar nicht!

    • Franz Biberkopf sagt:

      Bildungsfern bedeutet, dass weder Vater noch Mutter noch Grosseltern ein Studium gemacht haben.
      Es hat nichts mit Intelligenz, Geld oder Schulpolitik zu tun. Tatsache ist, dass in bildungsfernen Familien für die Kinder zuerst an einen Lehrabschluss gedacht wird, in bildungsnahen Familien hingegen, wird den Kindern von Klein auf ein Studium als einziger Weg aufgezeigt.
      Hier könnte die Primarschule m.E. Gegensteuer geben.

      • Anna sagt:

        Meine Mutter ist Coiffeuse, mein Bruder geht an die ETH

        „Bullshit“ oder „Ausnahme bestätigt die Regel“ muss ich mich hier fragen. Wie bei einigen in meinem Jahrgang haben weder meine Grosseltern noch meine Eltern studiert und trotzdem besuchten mein Bruder und ich das Gymnasium. Heutzutage werden gute Schüler und deren Eltern von den Oberstufen-Lehrern darauf hingewiesen, dass das Gymnasium ein möglicher Ausbildungsweg für das Kind wäre. Sind die finanziellen Mittel nicht vorhanden, kann man auch in der Schweiz Stipendien beziehen.

        • Stefan W. sagt:

          Das stimmt so nicht. An unserer Dorfschule wurde exakt null mal vom Gymi gesprochen. Bei Elterngesprächen ging es immer nur darum, dass er „ganz klar“ auf die Sek A gehöre (Er hatte vorwiegend 6er im Zeugnis). Dass es im Prinzip auch die Möglichkeit gegeben hätte, ihn fürs Gymi anzumelden, war uns als Neuzuzüger im Kanton ZH gar nicht wirklich bewusst, und wir waren naiv der Meinung, dass man uns in der Schule schon über den weiteren Weg aufklären würde, Da gab es aber nur Sek. Und auch in der Sek war das Gymi nie Thema. Diesmal haben wir uns selber informiert.

          • Blanche Wu sagt:

            Ja vielleicht muss man im Kt. ZH das System wie in St. Gallen einführen. In Rapperswil konnte man erst ab der 2. Sekundarschule ins Kanti und der Lehrer musste einen aufklären über diese Möglichkeit. Weiter wurde schon in der 6. Klasse danach gefragt, da man in Sek A,B,C (nicht Realschule, sondern Klassennamen der gleichen Stufe) eingeteilt wurde, wobei die C-Klässler zusätzlich Latein hatten um danach ans Kanti zu gehen. Aus dieser C Klasse kommen meistens alle ins Kanti (natürlich mit Prüfung) und die anderen dürfen natürlich auch die Prüfung versuchen. Besser als Kurzzeitgymi?

        • Franz Biberkopf sagt:

          Mir ging es lediglich darum, das Wort bildungsfern zu erklären.
          @Anna: Schön für Sie und ihren Bruder, dass die Lehrer Sie darauf hinwiesen.
          Leider ist der Normalfall eher so wie bei Stefan W. Wie sonst erklären Sie sich, dass an der Uni Zürich lediglich 10% Bildungsferne studieren?

  • Christian Müller sagt:

    Eine Gesellschaft, die gegen die Erbschaftssteuer ist, ist natürlich auch gegen Wettbewerb in der Bildung des Sprösslings. Wo kämen wir denn da hin, wenn der Batzen der Eltern nicht mehr die gesellschaftliche Vorrangstellung des Kindes – egal ob dumm oder intelligent – sichern kann?

    • Leo Lisser sagt:

      Umgekehrt macht es aber auch keinen Sinn, wie in Deutschland für jedes Kind ein Abitur zu designen. Hinterher gibt es dann zwar Unmengen an Abiturienten, braucht man aber für eine einfache Banklehre schon das Abitur, wertet also die anderen Abschlüsse ab und schütteln die Hochschulrektoren den Kopf, was da mit angeblicher Hochschulreife so an der Uni strandet. Deshalb Selektion ja, aber bitte nicht aufgrund des familiären Hintergrundes.

      • Mathias sagt:

        Wo ist das Problem, wenn junge Leute angehalten werden sich anzustrengen und (vermeintlich «Unnützes») zu lernen? Welchen Schaden hat ein Mensch schon davongetragen, dass er sich als Gymnasiast etwa eingehend mit Dostojewskis Gebrüder Karamasow befassen musste? Oder noch schlimmer, Geräteturnen und ein Musikinstrument erlernen musste? Solche Chancen hat man nur einmal, und später wird man darauf stolz sein! Aber in der hier Schweiz ist Minimalismus und Faulheit Trumpf: Es muss immer das schnellste und das am wenigsten anstrengende Programm absolviert werden! Da lobe ich mir die Deutschen…

        • Hans Meier sagt:

          Dann loben Sie sich die Deutschen. Wieso sind Sie denn nicht in Deutschland? Da könnten Sie sie persönlich loben 😉

          Unsere Arbeitslosikeitsrate spricht für sich, so schlecht kann das System nicht sein. Abgesehen davon das die Schüler bei früherem Eintritt in die Arbeitswelt dem Staat kürzer auf der Tasche liegen.

        • Chris Z. sagt:

          Das stimmt so pauschal natürlich nicht, Mathias. Ich kenne viele Schweizer, die nach der Lehre Weiterbildungen in diversen höheren Fachschulen bzw. Fachhochschulen absolviert haben über X Jahren – berufsbegleitend = Zusatzaufwand! Natürlich kenne ich auch viele, die neben der „Grundausbildung“ nicht mehr wirklich viel gemacht haben. Aber die Deutschen pauschal „besser“ zu stellen, lasse ich hier nicht gelten. Natürlich kann man viel „studieren“, aber nicht alle Studien sind auf gleichem Niveau und gleich anspruchsvoll. Es gibt eben auch z.B. Hochschulen und „Hochschulen“.

        • Bruno Schwerzmann sagt:

          Die Deutschen mieten ja später auch die hässlichsten Wohnungen, das ist ein Vorteil fürs Leben; aber im Ernst: was später einmal wichtig wird, kann kaum jemand beurteilen, auch die Eltern nicht, und das Kind ist mit der Pubertät schon ziemlich ausgelastet. Minimalismus stelle ich als Trend vor allem in den Berufsschulen fest, das ist ja auch eine Vorbereitung auf den grassierenden Neoliberalismus (wie schaffe ich eine genügende Note mit möglichst wenig Aufwand) ?

      • Blanche Wu sagt:

        Wo findet denn die Selektion aufgrund des familiären Hintergrundes statt? Wenn ich ein Kind aus einer armen Familie bin, aber trotz allem in Gymi will, dann kann ich das schaffen. Niemand verbietet es mir dies nicht zu können. Weiter heisst es nicht, dass Menschen aus Schweizer Familien (ohne Migrationshintergrund) und höherem Geldbeutel das Kanti schaffen oder sogar mehr Bildung zuhause erfahren. Ich kenne viele Südeuropäer und diese sind alle darüber besorgt, dass ihre Kinder gute Noten schreiben, sich gut weiterbilden, etc. und diese fördern ihre Kinder auch wenn sie ins Gymi wollen.

        • Mario M sagt:

          Das stimmt, es ist möglich. Aber sehr sehr schwieirig und oft gegen den Willen der Lehrpersonen! Denn es kann ja nicht jeder ins Gymnasium… und wenn die Plätze begrezt sind, dann eher für die Schweizer vorgesehen.
          Meine persönliche Erfahrung (italienischer Secondo aus bildungsfernen und armen Verhältnissen; jetzt Doktorand ETH)

  • starfish sagt:

    ich mag es jedem Kind gönnen, das es schafft mit oder ohne Elternhilfe – aber wenn man dann etwas in die Zukunft blickt, muss man feststellen, dass damit potentiell unfähige Leute an die Uni kommen und schlimmstenfalls dann auch dort sich durchmogeln, mit dem Resultat, dass wir, die Allgemeinheit, dann zunehmend schlechte bis mittelmässige Ärzte, Anwälte, od. allg. Entscheidungsträger haben. Nicht zwangsläufig zwar, aber doch potenziell, denn nicht jeder/jede macht an der Hochschule den „Knopf“ auf. Daraus wird ersichtlich, dass Selektion je länger, je wichtiger wird.

    • Mathias sagt:

      Die ETH macht das schon ganz gut mit der Basisjahrprüfung und für das Medizinstudium muss man bekanntlich eine Eignungsprüfung für einen Studienplatz ablegen. Doch gerade der NC führt dazu, dass es zu wenig Nachwuchs gibt und die Ärzte aus dem Ausland rekrutiert werden müssen. So weit ich mitbekommen habe, passt das den Leuten auch wieder nicht. Die Schulen müssen allgemein wieder strenger werden, die Jungen fordern und nicht zulassen, dass man sich unter dem Radar bis zum Abschluss durchmogeln kann bzw. ganze Klassenverbände kollektiv bremsen und so das Erreichen des Lernziels verunmöglichen.

    • Peterhans sagt:

      Die Frage der Selektion bedeutet nicht, dass man deswegen bessere oder schlchtere Aerzte hat. Die Zusatzprüfungen für das Medizinstudium fördern intellektuell begagte Studenten. Sind das deswgen auch gute Aerzte? Oder gehörte dazu nicht eine gewisse Intuition? Am Unispital in Zürich schickte man im Jahre 2014 einen Patienten in die Musiktherapie. Erst nach dem Tod fanden die Intellektuellen heraus, dass der Patient an der Kreutzfeld-Jakobs-Krankheit litt. Stimmt die Gleichung, je intellektueller desto besser wirkllich?

  • Beat Fisch sagt:

    Das Problem ist die Diplom- Gläubigkeit der heutigen Gesellschaft! Alternativen zum Studium sind toll, aber nur wenn diese auch anerkannt werden. Nach über 38 Jahren in der IT (branchenwechsel nach Stifti) – damals gabs sehr wenig Ausbildung in diesem Bereich – stehe ich vor dem nichts. Sogar als ‚Klo-Mann‘ würde ich einen Bachelor in Facility Management brauchen … Erfahrung? Das können die diplomierten und dekoriertewn Mitarbeiter im HR nicht beurteilen. Kein DIplom = Kein Wissen. Von daher bedauere ich, dass meine Eltern damals keinen Druck für eine höhere Ausbildung gemacht haben

    • Fritz Weber sagt:

      Und Sie haben es zu 200% auf den Punkt gebracht Herr Fisch. Zudem verstecken sich HR und Personalvermittler hinter Papieren und Diplomen damit wenn es in die „Hose“ geht sie eine perfekte Ausrede ihrer Inkompetenz und mangelnden Bildungskenntnissen haben. Wenn jemand 10 Jahre lang seinen Job macht und kein Diplom dafür hat ist natürlich kein Fachwissen vorhanden, nur wenn er die „Kurse“ gemacht hat und dann die Realität kennenlernt. HR und Personalvermittler kennen ältere Berufsausbildungen schon gar nicht mehr ganz zu schweigen von deren Anforderungen und Ausbildungsstand. DAS ist das Problem

      • Beat Fisch sagt:

        Danke Herr Weber – noch was zum HR – Fragen Sie den Bäcker nach der besten Wurst? Den Schreiner nach der Badewanne und den Doktor nach der Wandfarbe? Nicht nötig – die Leute im HR wissen ALLES! Und in den Fachabteilungen darf man sich dann über die rekrutierten Leute ärgern …. Und klar – Erfahrung bringt nix, sondern kostet nur ….

        • Beat Fischer@…Stimme Ihnen betreffend HR 100%ig zu. Die HR ist eine wichtigtuerische Kaste mit grossartigem Gehalt. Warum? Weil sie als Teil der Geschäftsleitung das Vertrauen der obersten Entscheidungsträger geniessen. Dieses Vertrauen wird krass missbraucht: Seriöse Untersuchungen zeigen, dass die fähigsten Kandidaten für eine bestimmte Selektion nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 65% gefunden werden. Das sind gerade mal 15% über der Zufallswahrscheinlichkeit (1:1). Viele HR-Leute bekennen, dass sie nach Bauchgefühl entscheiden. Die Auslese geschieht rein nach Sympathie und Tagesstimmung

        • Fritz Weber sagt:

          Ist es nicht so Herr Fisch das wir an allen Ecken und Enden immer mehr immer besser(?) ausgebikdete Fachleute haben und doch geht immer mahr in die „Hose“ oder einfachste Abläufe funktionieren nicht. Ich weiss gar nicht mehr wie oft wir vor Ort Probleme lösen mussten die beim jahrelangen planen übersehen, vergessen, nicht beachtet oder sogar trotz Bemerkungen und informieren ignoriert wurden, das ist Alltag.

      • Fritz Weber@…Ihr Bericht stimmt mit meiner Erfahrung: Für meine Bewerbung in der Lonzaforschung wurde ich stundenlang auf Herz, Nieren und CV geprüft. Bei der Besprechung vernahm ich vom HR-Gremium (Psychologen, Apotheker, Mathematiker, Lehrer, Ökonom, Sekretärin), dass ich weder als Mensch noch als Fachkraft geeignet sei für diese Stelle. Zufällig traf ich danach den Forschungsleiter, berichtete ihm vom Misserfolg. Während er mir seine Labors zeigte, hatten wir ein super Gespräch miteinander. Dannach offerierte er mir die Stelle! Als Chef hatte er die Kompetenz dazu, ignorierte das HR.

    • Amélie Müller sagt:

      @Beat Fisch

      Nach 36 Jahren Berufstätigkeit sind immer noch die Eltern Schuld am fehlenden Diplom?

      • Fritz Weber sagt:

        Sie haben nicht ganz verstanden was Herr Fisch geschrieben hat Frau Müller (versehentlich oder absichtlich). Herr Fisch schrieb von bedauern, Sie reden von Schuld, Herr Fisch schreibt „Druck für eine höhere Ausbildung gemacht zu haben“ Sie schreiben „nach 36 Jahren Berufstätigkeit sind immer noch die Eltern Schuld am fehlenden Diplom“. Aus Ihren zwei Posts ist auch nicht heraus zu lesen ob Sie dies versehentlich oder absichtlich „falsch“ verstehen, abgesehen davon haben Ihre Zeilen überhaupt nichts mit dem Post zu tun. Weder Problemstellung noch Lösung – eigentlich schade.

      • Michael sagt:

        Viele Berufe kann man nur Vollzeit erlernen, was als Jugendlicher mit Hotel Mama am besten geht. Später hat man diese Möglichkeit nicht mehr, nicht mal Teilzeit.

    • Keller sagt:

      Eine IT-Ausbildung heisst: ein paar jahre nach Studiumabschluss ist man u.U. beruflich im Pensionsalter. Das machen die Inder etc. billger. Also kann man IT nur als Zweitstudium machen, um darin Kenntnisse zu erwerben, die man in betriebswirtschaftlicher Hinsicht, z.B. im HR oder anderweitig, oder um im HR Eindruck zu schinden, vorlegen kann. Eine IT-Ausbildung allein ist eine geeigneter Möglichkeit, keineswegs zwingend, um auf dem Sozialamt zu landen.

  • Roland Steiner sagt:

    Das Problem ist doch auch, dass immer mehr Berufe eine Matura voraussetzen!!! Ist doch klar, dass dadurch die anderen Ausbildungswege an Attraktivität verlieren. Wozu braucht z.B. eine Kindergärtnerin oder ein Primarlehrer eine Matura??? Ich bin überzeugt, dass es viele Jugendliche gibt, die die nötige Sozialkompetenz für solche Berufe mitbringen, aber Probleme mit einer Matura (Mathematik, Physik usw.) haben.
    Diese Akademisierung von Berufen muss endlich aufhören, dann haben auch andere Bildungswege als die Matura wieder die nötige Anerkennung.

    • Peterhans sagt:

      Wer zu meiner Zeit aus dem Gymi flog oder ging oder wie auch immer, der wurde Primarlehrer. Und heute braucht es für den Job als Kindergärtnerin die Matura. Und da will eine Lehrerin, mit kaum mehr zu überbietender Arroganz, die selber promovierte, erzählen, es sei ungerecht oder anmassend, die Kinder ins Gymi zu schicken. Sie beweist damit vor allem eines: Auch ein Uniabschluss schützt nicht vor oberlehrerinnenhaftem Verhalten. Wenn immer möglich ist der Weg ans Gmyi zu wählen. DAs hat nichts mit Neigungen zu tun. Die ändern ohnehim im Laufe des Lebens. Das Gymi schafft mehr Möglichkeiten.

    • bohrerin sagt:

      dass primarlehrerinnen matur haben sollten finde ich sehr wünschenswert, ein bisschen mehr an wissen schadet is diesem fall grad mal gar nix. wenn ich mir die arbeitsblätter meiner kinder manchmal anschaue (1. und 3. klasse), da wird also gerne mal dem soliden halbwissen gefröhnt, muss doch nicht sein. und auch zu wissen, was einen teil der schüler an den weiterführenden schulen erwartet, schadet der lehrperson sicher nicht

  • Ryffel sagt:

    Es kommen also Eltern ohne Bildung in die Schweiz und es ergeben sich daraus Kinder, die daheim nicht gefördert werden und so ein Leben lang unter dieser „ungerechtfertigten Diskrepanz“ leiden. Eben diese Kinder müssen auch den Wert von Lehre, Weiterbildung kennen lernen und können dann wieder ihre Kinder besser fördern und ausbilden lassen. Klar kann man Kleinkinder fördern, Eltern bilden, aber alles hat Grenzen. Deswegen die anderen herunterzustufen wäre dann doch etwas gar „gerecht“.

  • Stefan W. sagt:

    Das Problem ist ja nicht, dass die Eltern unbedingt das Gymnasium „wollen“. Das Problem ist, dass für immer mehr Berufe die Matur schlicht Voraussetzung ist. Und selbst wo nicht, wird der Schulabgänger bei der Stellensuche mit Mitbewerbern konkurrieren, die ein deutsches Abitur oder ein französisches Bac haben. Und häufig wird eben schon beim Sichten der Bewerbungen eine Filterung nach Schulabschluss vorgenommen.
    Mit anderen Worten: Ein Kind, das nicht schon einen klaren Berufswunsch im Lehrbereich hat, sollte lieber die Matur machen.

    • Michu sagt:

      „Ein Kind, das nicht schon einen klaren Berufswunsch im Lehrbereich hat, sollte lieber die Matur machen.“
      Bei Ihnen tönt es so, als ob es eine Wahl wäre. Ist es aber oft nicht. Viele haben es einfach nicht auf dem Kasten, die Matur zu machen.
      Die Eltern sehen das natürlich nie.
      Und eine Lehre kann genauso anspruchsvoll sein, wie der Gymer.
      Ich kenne beide Systeme. Und es kommt enorm auf die Person an. Und nicht darauf, ob die Eltern wollen oder nicht.
      Und nebenbei: Eine Matura berechtigt zum weitermachen. Wenn man das dann nicht hinbekommt, wird’s richtig schwierig.

      • Blanche Wu sagt:

        Vielen Dank. Ich kenne auch beide Systeme, resp. Lehre und Fachhochschule…und ich weiss nicht ob gewisse Gymiler mit einer Dreifachbelastung von Arbeit, Berufsschule und technischer BMS durchkommen würden. Zuhause gibt es noch Aufgaben, Musikunterricht, Orchesterbeteiligung, etc. Man ist also nonstop dran und der Lehrmeister schaut genau auf die Noten und wenn sie sinken gibt es eine Rüge und von den Eltern gleich mit. Das ist nichts mit faulenzen und schönes Leben. Zudem hat man nur 5 Wochen Ferien und in der Kanti mehr…ein Zuckerschlecken ist eine Lehre die 4 Jahre dauert inkl. BMS nicht

        • chocolate sagt:

          Blanche Wu: Sie haben eben genau NICHT die Erfahrung beider Systeme gemacht (wie die allerwenigsten!), sondern den Weg über Lehre, BMS und Fachhochschule gewählt. Das ist absolut nicht dasselbe wie Matur und Uni/ETH, es werden z.T. gänzlich andere Ansätze und Inhalte vermittelt. Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
          Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist dieser Anti-Akademiker-Reflex in der Schweiz. Es sind nämlich meistens die Minderwertigkeitsgefühle (warum eigentlich, wenn doch die Lehre plus ev. FH das beste sein soll?) der Nicht-Akademiker, die die Debatte vergiften…

      • Stefan W. sagt:

        Ich bin in einem Kanton aufgewachsen, in dem man automatisch ins Gymi konnte, wenn man einen 5er Durchschnitt in der Primarschule hatte. Die ersten zwei Jahre nannte man „Progymnasium“, und wer davon überfordert war, konnte immer noch auf eine andere Schulstufe wechseln. Ich hatte zwar locker den 5er Schnitt, aber die Zürcher Gymiprüfung hätte ich damals kaum geschafft, wenn ich heute so die Prüfungsblätter ansehe, die meine Söhne machen mussten. Trotzdem habe ich das Gym und die Hochschule geschafft. Ich kann nicht erkennen, worin der Vorteil liegen soll, Kinder von diesem Weg abzuhalten.

        • Blanche Wu sagt:

          @Oberhausen: Mit dieser Begründung müsste man auch jedem Sekundarschüler mit 5er Schnitt den Gratiszugang zur BMS gewährleisten. Warum gibt es dort Aufnahmeprüfungen? So gemein, unfair, diskriminierend und Chancenversperrend für junge Menschen die in der Lehre mehr machen wollen als nur…aber darüber spricht niemand, da die BMS für viele Akademiker ja sowieso ein Witz ist…und nur das Gymnasium die Creme de la Creme.

  • Anna Burger sagt:

    Man hat den Graben zwischen Gymi und der Sek viel grösser gemacht, indem alles was nicht Gymi ist, eben Sek genannt wird. Das ist zwar eine Aufwertung für die Oberschule, aber eben auch eine Abwertung für die frühere Sek. Vielleicht wollte man absichtlich diese elitäre Entwicklung.

  • alder sagt:

    Auffälligerweise schreibt die linke Autorin nichts darüber, ob sie eigene Kinder hat bzw. wie sie mit deren Ausbildung umgegangen ist. Es gibt ja viele Gutverdienende bzw. solche mit viel Ferien, die keine Kinder wollen. Dieses linke Moralisieren ist typisch. Als ob eine Berufslehre ein Zuckerschlecken sei, als ob der zweite Bildunsweg nicht mühsam ist; Sie schreibt auch nichts darüber, ob sie im ersten oder zweiten Bildungsweg war, vermutlich im ersten. Typisch der erhobene Zeigefinger. Typisch, dass sie dazu noch ein bisschen akademisch sich mit Menschenrechten beschäftigen will.

    • urs sagt:

      und wollten Sie uns noch was sagen? oder war ihre Botschaft, dass dies eine arrogante Linke ist, an sich schon aussagekräftig genug (vielleihct dass Menschenrechte auch so linkes Zeugs sind). Gerne hätte ich Ihre ‚rechte‘ Meinung dazu vernommen. Sollen gemäss Ihnen alle ins Gymnasium (war glaub ich, eher ein linkes Anliegen). Oder wollen Sie ein Blogverbot für Linke als Antwort auf Gymilehrer, welche Gymnasium für alle fordern?

    • Albert sagt:

      alder, ist das wirklich alles, was Sie dazu zu sagen haben? In unserer pluralistischen Demokratie? Ihre Tirade hört sich sehr so an, als fühlten Sie sich in ebendieser Demokratie nicht wohl. Warum suchen Sie sich nicht eine hübsche rechte Diktatur? Echte Schweizer können auf bramarbasierende extrem rechte Antidemokraten wie Sie gern verzichten. Dass diese ewige rechte Hetze unser Land vergiftet und unsere Gemeinschaft zerstört, sollte sogar Ihnen klar sein. Oder langts nicht mal für diese bescheidene Einsicht?

  • Kern sagt:

    Die Frage bleibt im Raum, warum eine promovierte Lehrerin den Eltern einreden will, es brauche eine Rechtfertigung, die Kinder ans Gymi zu schicken. Wohl schaffen möglicherweise andere Berufe mehr Vermögen, etc.; aber der Weg über das Gymi gibt mehr Gestattungsräume.. Es gibt einen Numerus Clausus, indem der Zugang zum Gymi mittels Prüfung und Probezeit auf die vorhandene Plätze limitiert ist. Rare Güter sind begehrt, und notabene, der Text der Autorin im Oberlehrerinnenton enthält keine Angaben, warum sie nicht selber eine Berufslehre machte. Das ist offenbar der WEg für die „andern“

    • Hans Weder sagt:

      Ich vermute zwei Dinge: 1.- Die Bedeutung des Gymnasiums für den Arbeitsmarkt wird nicht vernünftig eingeschätzt – typischerweise von Menschen, deren Biografie nicht durch das Gymnasium führte. 2.- Aufgrund dieser Fehleinschätzung wird die Bildungsrendite drastisch sinken. Sie, Kern, irren sich: Die „vorhandenen Plätze“ werden Jahr für Jahr ausgebaut – die sind keineswegs limitiert. Die zentrale Frage ist: Warum nicht? Sollte die höchste Bildungsstufe nicht der wissenschaftlichen Elite vorbehalten sein – ist die Gefahr der Verwässerung der Bildung durch „wannabe – Tourismus“ nicht allzu gross?

    • Blanche Wu sagt:

      Ich sehe nicht ein, warum einen mit einer Lehre inkl. BMS die Wege nicht offen stehen? Ein Jahr Pasarelle und ich kann an die Uni/ETH und wissen sie was! Ich habe sogar schon einen Berufsabschluss und stehe eigentlich schon mehr im Leben als jemand der frisch aus dem Gymi kam. Die Wege sind nicht versperrt und ich bin dafür, dass die Elite (Uni/ETH) nicht noch mehr verwässert wird, dass noch mehr Studienplätze entstehen, etc. denn desto mehr Leute an der Uni, desto mehr leidet die Qualität. Ich dachte früher es hätte nur Genies an der Uni. Leider ist dem nicht so.

  • Angehrn sagt:

    Sicher schafft der zweite Bildungsweg auch Möglichkeiten, aber andere, und vor allem weniger. Eine Lehre ist kein Zuckerschlecken. Ein Gymi bringt auch Stress, Belastungen, aber auch ein klares Ziel. Das Gymi ist der Königsweg für die meisten, weil er mit vertretbaren Umtrieben an die Uni führen kann, aber nicht muss. Das Gymi gibt mehr Freiheit, mehr Wege, und damit mehr persönliche Unabhängigkeit. Ausser im Staatsdienst muss jeder damit rechnen, nach Mitte vierzig, im IT-Bereich mit Mitte dreissig beruflich entsorgt zu werden. Das ist die Realität. Das müssen die Kinder wissen.

  • Gallmann Martin sagt:

    Die Notwendigkeit einer tertiären Ausbildung hat sich in den letzten Jahren noch verschärft. Aufgrund der grösseren Auswahlmöglichkeit infolge Globalisierung ist der Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt massiv gewachsen. Wer das nicht realisiert, kommt im Leben nicht mehr weit (…ausser er ist der geborene Unternehmer).

    • Carl Blumer sagt:

      Die Tertiarisierung ist als Faktum hinzunehmen. Es gibt aber keine adäquate Kausalität zwischen Gymnasium und Ausbildung auf der Tertiärstufe. Die grosse Mehrheit der in der CH erworbenen Abschlüsse auf der Tertiärstufe (höhere Berufsbildung, HF, FH) setzen keine (gymnasiale) Matur voraus.

  • Carl Blumer sagt:

    Ich habe zwei Hochschulabschlüsse, zwei Staatsexamen bestanden und übe einen diskussionslos als wissenschaftlich gesehen Beruf aus. Ein Gymnasium habe ich nie von innen gesehen und eine Maturitätsprüfung habe ich auch nie abgelehnt. Dass das Gymnasium irgendetwas für eine wissenschaftliche Ausbildung und Tätigkeit Unabdingbares vermittelt ist ausserhalb meines Vorstellungsvermögens. Es geht nur um etwas: Sozialprestige in der Traditio griechisch-römischer/mosaisch-christlicher Wertvorstellungen um nicht zu sagen Unterscheidung von Mensch und Sklave.

    • Stefan W. sagt:

      Hierzulande ist es relativ schwierig, ohne Matur an eine Hochschule zu kommen. Ich weiss nicht, wo Sie Ihre zwei Hochschulabschlüsse abgelegt (oder abgelehnt) haben, aber Sie können das jedenfalls nicht für alle Schweizer Kinder verallgemeinern.
      Ich gebe Ihnen durchaus Recht, dass das Gymi nicht viel praktisch Verwertbares vermittelt. Das muss es aber auch nicht. Idealerweise bringt einem das Gymi bei, wie man sich Wissen aneignen kann.

      • Raymond Allaman sagt:

        Etwas Allgemeinbildung hat noch niemandem geschadet. Wer viel weiss, versteht auch mehr. Ich zehre heute noch (20 Jahre nach der Matura) von meinem an der Kanti erworbenen Wissen in Geographie, Geschichte, Biologie, Chemie, Physik oder VWL. Dazu habe ich dort Italienisch, Französisch und Englisch gelernt. Auch wurde mein Interesse für die deutsche und fremdsprachige Literatur geweckt. Meine beiden Buben (fünf und sieben Jahre alt) wissen es jedenfalls sehr zu schätzen, dass ich ihnen so Vieles erklären und vermitteln kann.

  • Emil Roduner sagt:

    Danke Frau Holenstein. Ich gehe zu 100% mit Ihnen einig. Auch die Berufsbildung ist Bildung, und den „zweiten Bildungsweg“ muessen wir unbedingt offen halten.

  • Stefan Meier sagt:

    Ich kann den Weg über die Lehre -> Berufsmittelschule -> Fachhochschule nur Empfehlen. All den Uniabsolventen in meiner Abteilung geht das Fachwissen ab, die Detailkenntnisse, die zwingend nötig sind, ein Projekt zum Erfolg zu bringen (und nein, ein Kunde akzeptiert keine 80%-Lösungen, wie auch wir daheim nicht akzeptieren, wenn das Auto nur an 8 von 10 Tagen funktioniert). Also Ingenieur kann man sehr wohl gestalten, man kann elegante technische Lösungen entwerfen, deren Schönheit im Detail sitzt. Nicht mal das sehen unsere Uniabsolventen.

  • Emil Roduner sagt:

    Die Aufwertung der Alternativen beginnt in den Bueros der Personaldienste der Firmen, wo allzu oft das Abschlusspapier einer Hochschule, auch wenn es eine auslaendische ist mit viel hoeherer Zulassungsquote, hoeher eingestuft wird als eine exzellente Berufsausbildung.
    In diesem Zusammenhang freue ich mich, dass vor einiger Zeit eine grosse deutsche Chemiefirma beschlossen hat, die Angestellten nach Funktion zu bezahlen und nicht nach Abschlusspapier. Das heisst, dass ein Chemielaborant, der ein Labor leitet, denselben Lohn hat wie ein Akademiker mit einem Doktortitel in derselben Funktion.

  • meyer max sagt:

    Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte ich den Gymer. Ach war das eine schöne Zeit. Keine Verantwortung, viele Ferien, Zugang zu Kultur und Gemeinschaft, Kreativ sein, Blau machen usw. Die armen Schweine, welche eine Lehre absolvierten: Phuuu. Unglaublich früh aufstehen um dann mit den älteren Arbeitern an die Arbeit zu gehen und zu schuften, bis der Abend einbrach.
    Meinem Kind werd ich auf alle Fälle den Gymer empfehlen. Gibt dir die Möglichkeit, den Übergang von Kindheit zum Erwachsensein zu geniessen. Und das, kann man mit 40 nicht mehr nachholen!

    Nach der Matur hast du dann wieder alle Möglichkeiten offen. Ich z.B. hab dann erstmal eine Lehre gemacht☺

    • Sander Wermelinger sagt:

      Ich weiss nicht wann & wo Sie das Gymnasium gemacht haben, aber solche Geschichten von wegen Blaumachen & das Leben geniessen kenne ich nur von meinem Vater, der in den 60ern am Gymnasium war. Zu meiner Gymnasiums-Zeit hat man diese Institution längst in ein Gefäss mit grossem Leistungsdruck & massiven Arbeitspensen umgebaut, welche diejenigen einer „42-Stunden-Woche“ bei weitem in den Schatten stellten. Blaumachen war da nicht. Diejenigen dies trotzdem versucht haben, gehörten zu derjenigen Hälfte unserer Klasse, die sich bereits vor der Matur verabschieden mussten.

  • Hans Weder sagt:

    Massgebend muss sein, ob ein Kind geeignet ist für das Gymnasium. Interessant sind dazu die Resultate von Elsbeth Stern et al. – die Vermutung liegt nah, dass Eltern sich selber und insbesondere ihre Sprösslinge kategorisch überschätzen. Weil, wie hier diskutiert, private Entscheidungen von Eltern öffentliche Kosten erzeugen, muss die Eignung der Kinder besser abgeklärt werden. Kurz: Die Selektion muss deutlich strenger werden. Die Folge: Die Nachfrage nach alternativen Bildungsangeboten wird weiter zunehmen – und dadurch an Wert gewinnen. Erfolg: Effizienter Einsatz von Bildungsinvestitionen.

  • Benni Aschwanden sagt:

    Es ist einfach in den Köpfen gewisser Eltern verankert, das Kind auf Biegen und Brechen ins Gymnasium zu bringen, weil damit rosarote Zukunftsaussichten fürs Kind (und vermutlich Sozialprestige für die Eltern) verbunden werden. Ob es für die Lebensumstände und Eigenart des Kindes passt oder nicht. Natürlich wissen viele Kinder am Ende der Primarschule noch nicht, welchen Beruf sie ausüben möchten. Einfach mal ein bisschen länger zur Schule gehen (inkl. anschliessendes Studium) und ohne Selbstverantwortung auf Kosten von Hotel Mama und Papi-Bancomat abhängen ist halt schon verlockend.

    • Markus sagt:

      Jetzt müssen sie mir nur noch sagen in welchen Lebensumständen keine rosarote Zukunftsaussichten erwünscht sind? Das eigentliche Problem ist, dass nur noch eine Uni/Hochschulbildung zu rosaroten Zukunftsaussichten führen, das müssen wir wieder ändern. Der erste Schritt wäre, dass jeder mit Berufslehre ohne Prüfung an Unis bzw Hochschulen zugelassen wird. Da werden sich die feinen Herren und Damen ganz sicher dagegen wehren. Nur schon weil die meisten Bildungspolitiker eine Matur haben.

      • Mathias sagt:

        Wenn Sie sich für fähig halten, dann bereiten Sie sich doch autodidaktisch auf die Eidg. Maturprüfung oder die Aufnahmeprüfung der ETH vor. Für jemanden wie Sie, mit einer Berufslehre im Sack, sollte diese Kleinigkeit doch ein Spaziergang sein, welchen Sie mit Vergnügen vorführen sollten. Zeigen Sie, dass Sie es können! Man könnte aber fast schon meinen, Ihnen selbst dämmert, dass die Hürde weit höher ist als die Oberseite einer simplen Bordsteinkante. Und auch das Studium wäre nicht so der Schleck wie von den Beschwörern der angeblich so tollen und allem überlegenen Lehre immer behauptet.

      • chocolate sagt:

        @Markus: Ach ja, lassen wir also z.B. einen jungen Mann, der eine 3jährige Lehre gemacht hat (ohne BMS: 1.5 bis 2 Tage Schule) zusammen mit jenen antreten, die 4 Jahre lang voll zur Schule gegangen sind. Wie lange glauben Sie, bis er frustriert das Handtuch wirft? Oder soll man ev. seine Leistungsanforderungen senken? Das kann ja heiter werden…
        JEDER kann in der Schweiz an die Uni (wenn es ihm/ihr denn intellektuell gegeben ist): Lehrer mit BMS, Passerelle, Uni/ETH. Da braucht es dann halt ein wenig Fleiss, aber es ist machbar. Also: Nicht motzen, Ärmel aufkrempeln und los!

  • Jan Holler sagt:

    Was Frau Hollenstein in Ihrem Beitrag Herrn Pfister vorwirft, kann ich nicht in dessen Text entdecken, weder will er Anerkennung, noch lässt irgend etwas aus dem Text schliessen, dass er die „anderen 80%“ vergisst. Auch ist mit Ausdrücken wie „Bildungschancen höchst ungerecht verteilt“ und „qualvoll“ nicht viel anzufangen. Der ganze Text ist nicht stringent. – Es fällt auf, dass viele, die über die Schule schreiben, nicht die Schule meinen, sondern ihre persönlichen schlechten Erfahrungen mit der Schule ausbreiten. Es wird gefühlt, nicht gewusst. Und jede/r meint, dazu etwas sagen zu müssen.

  • Martin Frey sagt:

    „Die Tatsache ist bekannt, dass in der Schweiz die Bildungschancen höchst ungerecht verteilt sind. Schon beim Schuleintritt sind die Unterschiede der Schülerinnen und Schüler zwischen «bildungsfern» und gutbürgerlich so krass, dass man sich wundert, dass sie in Jahrgangsklassen unterrichtet werden können.“
    Wie kann man in einer Kolumne nur so einen Unsinn behaupten ohne zu erröten? Das Gegenteil ist der Fall. Viele Studien zeigen die äusserst grosse soziale Mobilität, insbesondere auch in Bildungsfragen, wenn man die CH mit anderen Ländern vergleicht. Eine Bildungspolitikerin sollte das wissen

    • Martin Frey sagt:

      Die Gymnasien sind zusehends international durchmischt, die Universitäten sowieso. Einzelne Ethnien hinken dabei hinterher, was aber nicht zwingend der Fehler des Schulsystems ist. Denn die Gründe für unterschiedliche Gymiquoten sind mannigfaltig. V.a. aber ist es an sich richtig dass nicht jede/r die Matur machen sollte. Eben dieselben „Bildungspolitiker“ schielen immer nur auf die Abiquoten in anderen Ländern und halten diese irgendwie für erstrebenswert. Dabei vergessen sie gerne, dass wir ein ganz anderes, hervorragendes duales Bildungssystem haben und all die Abis/Lycees wenig wert sind.

    • Martin Frey sagt:

      Ansonsten ist der Autorin natürlich beizupflichten. Denn mit der Verwässerung der Matur kommt Hand in Hand auch die Entwertung der Berufsbildung. Sprich wenn man für jede Banklehre oder als Krankenschwester eine Matur braucht, was sollen all die Sek-Abgänger noch für Berufsziele haben?
      Die Gymnasien wie auch die Hochschulen sollten eher wieder elitärer werden, in einem qualitativen Sinn. Denn an Selektion ist per se nicht schlechtes. Hier kommt die Chancengleichheit wieder ins Spiel, denn begabte, hungrige Schüler aus bildungsfernen Milieus sollen alle Chancen haben die dies Land zu bieten hat

    • Oreg Meyer sagt:

      Was Sie Unsinn nennen ist leider die Realität. Die Zahlen zeigen seit Jahren, dass die sozialen Aufstiegschancen in der Schweiz am unteren Ende der OECD-Länder liegen, zusammen mit den USA.
      .
      Leider stellt die Selektion unseres Schulsystems im Ergebnis eher auf die Bildung der Eltern ab statt auf die Intelligenz der Kinder. Es kommen eben nicht die schlauesten Kinder aufs Gymi sondern die mit den ehrgeizigsten Eltern, während intelligente Handwerkerkinder sich aus falscher Bescheidenheit oft mit einer Lehre zufriedengeben.

  • beat lauper sagt:

    Herrjemine, wieder so ein luzi stamm artikel der im land mit der tiefsten maturitätsquote uns glaubhaft machen will dass es bei bildung eben um arbeitsmarkt anstatt um lebensqualität geht

    • Bruno Schwerzmann sagt:

      Genau dieser Bereich wird völlig ausgeklammert, irgendwie tönt der Text so hoffnungslos banal wie Schneiderammann himself. Nicht alles, was man im Gymi lernt, muss in mess- oder geldwerte Vorteile umgemünzt werden können (und die Allgemeinheit möchte dann eben genau nichts mehr daran zahlen, wenn man an etwas Spass bekommt ;-). Und, übrigens, wenn jemandem das triste Los als Scheidungsanwalt nicht mehr gefällt, kann man immer noch als Quereinsteiger in den Bundesrat. Matur ist OK.

  • James Lehm sagt:

    Selektion finde ich ein notwendiges Übel. Obs nun bei der Lehre oder beim Studium ist. Man hat immer eine Art Eintrittstest. Aber nachher wird meiner Ansicht nach viel zu wenig auf Förderung und Training gesetzt.

  • Chris Müller sagt:

    Allen Unkenrufen zum Trotz, ich habe meine Jahre an der Kantonsschule Enge genossen. Es war die Möglichkeit sich mit allgemeinbildenden Fächern auseinanderzusetzen, was mir besonders gut in Erinnerung bleibt.

    Daher wünsche ich mir für meine Kinder, dass sie einmal den gleiche Erfahrung machen dürfen.

  • Peter Moser sagt:

    Man sollte sich keine Illusionen machen, mit der weiterfortschreitenden Automatisierung und Technologisierung werden in Zukunft weniger Arbeitskräfte wichtige Jobs (sprich gut bezahlte) haben, alle anderen werden zu schlechten Bedingungen arbeiten müssen (schlechteren als heute). Durch andere Steuermodelle (Kapital statt Arbeit) könnte man etwas Gegensteuer geben, aber da passiert nichts.
    Die besten Chancen werden diejenigen haben mit Studium, das ist aber auch keine Garantie nur diejenigen mit Lehre werden in Zukunft vorallem noch billig Jobs machen.

  • Hansruedi Zürcher sagt:

    Wenn auch nur ein kleiner Funken Hoffnung zum Bestehen des Gymis besteht muss der Versuch gemacht werden! Nur ganz wenige schaffen auf dem sogg. 2. Bildungsweg einen Master oder ein MBA das MUSS man sich bewusst sein!, zudem kostet diese Art Ausbildung sehr viel und ist für viele einfach unerschwinglich! Dazu kommt der Konkurrenzdruck von ausgezeichnet ausgebildeten ausländischen „Fachkräften“! Also: Ab ins Gymi, zurück könnt ihr immer!

  • Gertrud Weiss sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel. Er tat meiner Seele gut. Aus einer serbischen Gastarbeiterfamilie stammend, habe ich als einzige das Gymnasium absolviert, danach die Studien in Genf. Stets mit Leistungsausweis von 5, 5 in der Mittelschule und 5.0 in Genf, als Absolventin von 23 Jahren. Es war nicht immer einfach, und leider kann ich nicht sagen, auf diesem Wege viele Freunde gefunden zu haben. Stets war da eine Feindseligkeit vorhanden, oder ein sich Entfremden, als ich mit 24 nicht eine Bundesstelle vom Beziehungsnetz her bekam, sondern in der Bank anfing zu arbeiten…

  • Reto Meyer sagt:

    Habe selber tech. Lehre, Matura, Ingenieur & HSG Abschluss gemacht.
    Selbst und ohne Stipendium finanziert, geht aber braucht halt Durchsetzungswillen.
    Unsere Regierung ist die grösste Misere im Bildungswesen!
    Sie preist im Ausland das duale Bildungswesen, macht es aber in der Schweiz kaputt.
    Nach drei/vier Jahren Lehre kriegt man nicht mal den Bachelor für int. Vergleich, obwohl meist
    besser ausgebildet. In Italien hat es war 60% Maturanden, aber auf ganz anderem tieferen Niveau.
    Soviel dümmer sind wir nicht. Wir machen uns selbst schlecht und behindern uns im Vergleichsprozess
    zur Konkurrenz.

    • chocolate sagt:

      Auch im Ausland bekommen Sie keinen Bachelor für 3 bis 4 Jahre Lehre! Bitte informieren Sie sich mal, was die Voraussetzungen dafür im Ausland sind, bevor Sie solch unrealistische Forderungen stellen.
      Würden Sie verlangen, dass man für Abschlüsse an der HF einen Professional Bachelor bekäme, wäre das was anderes, aber Sie wollen gleich einen nach der Lehre?!?
      Da entwerten Sie dann die ganze höhere Berufsbildung! Oder finden Sie, dass jemand mit HF oder FH gleich einen Doktortitel verdient…

  • java Luna sagt:

    „Im gegenwärtigen Umfeld garantiert Selektion die Qualität der Bildung“
    … meine Tochter hat nach ! 4 Std.! Lernaufwand die Gymiprüfung aus der 2. Sek. locker bestanden. Aber sie will NICHT ans Gymi, weil ihr die Schule in der Sek komplett verleidet ist (langweilig, unmotivierte Lehrpersonen, wird nicht für voll genommen).
    Sie sucht jetzt eine Lehrstelle als MPA mit BMS1 (Mutter-Tochter-Kompromiss). Darüber bin ich eigentlich sehr glücklich, denn mit 19 Jahren wird meine Tochter mit Maturitätsabschluss UND einer gewissen Erfahrung im Berufsleben bestimmt besser dastehen, als ein Gymi-Schüler

    • Bruno Schwerzmann sagt:

      Ich darf wohl annehmen, dass diese Gymiprüfung nicht im Kt.ZH stattfand, oder sie hatte einen unwahrscheinlich guten Lehrer. Und doch, man kann später auch mit einem Masterabschluss im Sack durchaus noch Jahre „verlölen“: es gibt durchaus wichtigere Glücksfaktoren als Karriere. Als MPA bekommt man das wahrscheinlich sowieso mit.

      • Java Luna sagt:

        Beide Ihrer Annahmen sind falsch. Sie hat die Prüfung im Kanton Zürich abgelegt und die Lehrerschaft ist eher schwach (…stimmt nicht ganz, der Mathe-Lehrer ist toll)… aber sie hat ein unwahrscheinlich cleveres Mami :-), daher erblich belastet… im Ernst, bewiesener massen verfügt meine Tochter über einen überdurchschnittlichen IQ, was auch ihre Langeweile und die Überforderung der meisten Lehrer erklärt.
        Meiner Meinung nach ist eine Lehre & BMS keinesfalls die Jahre ‚verlöled‘, sondern der effizienteste Weg, gute Bildung, Maturität und Eigenständigkeit zu erwerben.

    • chocolate sagt:

      Genauer gesagt hat sie dann eine Berufsmatur. Was auch gut ist. Damit kann sie an alle Fachhochschulen. Will sie an die Uni oder die ETH, muss sie noch 1 Jahr Passerelle anhängen, was ja bei der Intelligent Ihrer Tochter kein Problem sein sollte.
      Ich finde es wichtig, dass man bei diesen Dingen genau ist. Denn nur so kann man Unsicherheiten und Ungenauigkeiten abbauen.
      Vor allem aber: Es ist, zum Glück, in der Schweiz durchaus möglich, via Lehre an die Uni/ETH. Ist doch schön!

  • Oreg Meyer sagt:

    Frau Weidmann behauptet, ein bildungsfernes Elternhaus lasse sich in der Schule nicht wettmachen, doch die Selektion im Schulsystem garantiere die Qualität der Bildung. Nicht nur gibt es für diese Behauptungen keinerlei Belege (siehe PISA) — sie widersprechen sich sogar: Wie kann ein Schulsystem, dass intelligente Kinder ungebildeter Eltern vom Gymi fernhält, von hoher Qualität sein? Warum sollen sich diese theoretisch begabten Kinder mit einer praktischen Berufslehre zufriedengeben, die ihre Talente nicht fordert?

  • Chris Fogg sagt:

    Als Vater von 3 Kindern muss ich leider sagen: Es gibt Eltern die machen alles, damit ihre Kinder die perfekte Ausbildung bekommen. Das Mindeste ist natürlich Gymnasium. Freier Wille der Kinder? Fehlanzeige! Besonders ein-Kind Familie investieren unglaubliche Zeit um das Kind zu drillen.
    Wir hingegen möchten, dass unsere Kinder selber entscheiden und einen Beruf wählen wo sie Freude haben. Die Bildungswege in der Schweiz sind so offen. Es können doch nicht alle studieren gehen? Wer arbeitet denn noch?

    • Mathias sagt:

      Es hat noch keinem Kind geschadet, wenn die Eltern ein vernünftiges Ziel vorspuren und zur Erreichung Disziplin und Leistung einfordern. Eine gute Kindheit hat man, wenn man von den Eltern geliebt, geachtet aber auch gefordert wird – und dabei bestärkt wird, die Herausforderung zu suchen und sich (gerade in der Pubertät) auch dann anzustrengen, wenn man vermeintlich Unnötiges tun muss. Nach der Matura kann man immer noch eine Lehre machen. Kraft des geschulten Inellekts und der charakterlichen Reife geht das auch viel leichter von der Hand. Davon würden Lehrbetriebe ungemein profitieren.

  • Oreg Meyer sagt:

    Das Studium sollte für alle theoretisch, die Lehre für praktisch begabte Kinder offen sein — unabhängig vom Elternhaus. Das schafft unser Schulsystem zurzeit nicht.
    .
    Frau Weidmann gibt sich damit zufrieden, das Gymi den Bildungsbürgern vorzubehalten und verweist all anderen auf die Lehre, egal ob sie das praktische Talent dafür mitbringen oder auf einer theorielastigen Uni viel besser aufgehoben wären. Chancengleichheit sieht anders aus.

    • Mathias sagt:

      Diese strikte Unterteilung in Praktiker/Theoretiker ist Quatsch. Nicht zu fassen, dass man jungen Leute in ihrer Orientierungszeit auch heute noch so etwas erzählt. Als Jurist käme man mit blossem Theoretisieren zu keinem Honorar, ja nicht einmal zu einem Fall. Selbst ein angeblich so brotloser Philosoph muss kraft seiner Ausbildung den unmittelbaren Bedürfnissen der Gesellschaft nach Anwendbaren Rechnung tragen. Und in den MINT-Fächern, in der Medizin (was macht z.B. der Chirurg?) und auch in der angewandten Kunst geht erst recht nichts ohne Theorie als auch tüchtiges Anpacken.

      • Oreg Meyer sagt:

        Von einer strikten Trennung war keine Rede.
        .
        Sie werden nicht ernsthaft verleugnen, dass der Schwerpunkt in den meisten Lehrberufen auf praktischen Fähigkeiten, an der Uni hingegen auf der Theorie liegt? Viele Kommentatoren hier wollen die Uni sogar einer „Elite“ vorbehalten und meinen damit sicher kein Geschick im Handhaben von Werkzeugen.

  • Markus Wettstein sagt:

    Wer behauptet, bei uns in der Schweiz seien die Bildungschancen praktisch von Geburt weg ungleich und ungerecht verteilt, der tut das entweder wider besseres Wissen oder aus Ignoranz. Gerade das zeichnet die Schweiz aus, dass jeder gemäss seinen Fähigkeiten und seinen Leistungen im Leben sprichwörtlich ALLES erreichen kann. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind wir eine Meritokratie, was – unter anderem – ein entscheidender Faktor für unsere politische Stabilität und unseren Wohlstand ist.

    • Stefan Effenmann sagt:

      Zu behaupten, Herr Wettstein, in der Schweiz würden Beziehungen keine Rolle spielen und sich jeglicher beruflicher Erfolg nur an den Leistungen und anderen besonderen ehrenvollen Verdiensten orientieren, ist doch ziemlich arrogant. Das wichtigste Verdienst ist ja zunächst einmal ein Schweizer zu sein, am besten noch ein aufrechter, der den richtigen Vereinen angehört und nicht müde wird immer wieder zu betonen, was die Schweiz vor allem auszeichnet. Kann man ja für verdienstvoll halten, wenn man möchte.

  • Frank Oberhausen sagt:

    Es wurde bereits mehrfach bewiesen, dass von den Gymnasiasten etwa 30 Prozent die notwendigen intellektuellen Voraussetzungen nicht mitbringen. 30 % Soziale Ungleichheit ist eindeutig zu viel. Ich selber habe nicht eine Matura absolviert und durfte mein Leben lang ohnmächtig zusehen, dass nicht die Leistung, sondern ein (mitunter vor vielen Jahrzehnten erworbenes) Diplom über die Verteilung von interessanten Aufgaben, attraktivem Gehalt und Aufstiegschancen entscheidet. Daher rate ich allen, die die Möglichkeit dazu haben, machen Sie eine Matura und studieren Sie….

  • Marcel Zufferey sagt:

    Ungleich verteilt sind auch Intelligenz und Fähigkeiten! Dabei spielt die soziale Herkunft überhaupt keine Rolle. Die Gesellschaft über die Bildungspolitik gerechter „machen“ zu wollen, dürfte ein schwieriges Unterfangen sein, wie ein Blick auf Frankreich bestätigt: Das „80% au bac“-Ziel der französischen Regierung ist grandios gescheitert und hat lediglich ein Zweiklassen- Akademikersystem hervor gebracht.

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