«Ich möchte, dass meine Kinder studieren»

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Wer heute sagt, er sehe seinen Nachwuchs an einer höheren Schule, muss sich auf eine Reihe von Fragen gefasst machen, die eigentliche Vorwürfe sind: Noch so ein Rabenvater, noch so eine Tiger-Mom, die ihre Kinder ans Gymi pushen – selbstverständlich nur aus dummem Prestigegedanken. Denn korrekterweise hat man nachzuschieben: «Wenn sie es können und möchten.» Aha. Dann ist auch gleich die Rede vom Lebensglück, das natürlich unvereinbar ist mit tristem Drücken der Schulbank, und von Schulmüdigkeit, als ernsthaftes Argument gegen das Gymnasium.

Liegt die Lösung etwa darin, schulmüde Kinder aus der Schule zu nehmen? Tut man das vielleicht in der Primarschule? Hört man auf mit Zähneputzen, weil das Kind keine Lust hat? Man soll aufhören, die Eltern zu deckeln. Tagtäglich suchen sie nach besten Lösungen für ihr Kind, wägen Fordern und Beschützen sorgfältig ab – schon beim Haustier, dem Musikinstrument, der Sportart – und erst recht bei der Bildung.

Nicht die Eltern müssen sich ändern, sondern das Bildungssystem.

Chemiestunde am MNG Rämibühl in Zürich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Der Druck aufs Gymnasium ist die Lösung: Chemiestunde am MNG Rämibühl in Zürich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Der Diskurs ist strikt reglementiert, der Tenor klar: Eltern nerven. Selbstherrlich werden jene an den Pranger gestellt, die pushen statt kuschen. Dabei können einige ihre Kinder gar nicht unterstützen. Andere fürchten, ihr Fleisch und Blut zu verlieren an ein fremdes, akademisches Universum. Von jenen, die ihren Kindern bewusst Steine in den Weg legen, wollen wir gar nicht anfangen.

Das Elternhaus ist immer noch der zentrale Faktor bei der Wahl des Bildungswegs. Das wissen wir schon lange, vielleicht zu lange. Wir haben uns an die Ungerechtigkeiten gewöhnt, wir leben mit einer theoretischen Chancengleichheit, die faktisch nicht umgesetzt wird. Statt hier einmal mehr eine angestaubte Debatte loszutreten, muss die Frage doch lauten: Warum ändert sich das nicht? Es ist wahr: Die Berufsmatura und Fachhochschulen haben das Problem entschärft. Gelöst ist es nicht.

Die nervenden Eltern sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie zum Störfaktor degradiert werden. Das ist der eigentliche Skandal: dass ihr legitimer Bildungswille diffamiert wird. Genau so funktioniert Ausschluss von Bildung. Nicht die Eltern müssen sich ändern, sondern das Bildungssystem. Der Druck aufs Gymnasium ist nicht ein Problem, sondern die Lösung. Deshalb braucht es eine neuerliche Öffnung und Demokratisierung der verschiedenen Maturen und (Fach-)Hochschulen. In den letzten Jahrzehnten hat die Gymiquote ständig zugenommen. Jetzt soll sie stagnieren oder sogar sinken. Die bisherige Erfolgsstory des sozialen Aufstiegs war jene des Arbeiterkinds, das es zu höherer Bildung gebracht hat. Was werden diese Eltern nun sagen, wenn ihren Kindern die Bildung, die ihnen ermöglicht wurde, verwehrt wird?

Wer kümmert sich um die Jugendlichen, wenn nicht die Eltern? Wer vertritt ihre Interessen in bestem humanistischen Sinn – und nicht bloss die Bedürfnisse der Wirtschaft? Man darf sich nicht täuschen lassen: Gerade Akademikereltern verbergen ihre Ambitionen gerne hinter kuscheliger Kein-Druck-Rhetorik, ihre Kinder schaffen es scheinbar «zufällig» ans Gymnasium. Diesem Doppelspiel stelle ich meinen ehrlichen Wunsch entgegen, den sie vielleicht lustvoll durchkreuzen werden: Ich möchte, dass meine Kinder studieren.

71 Comments sur ««Ich möchte, dass meine Kinder studieren»»

  • Gerhard says:

    Die Schweiz weist eine der tiefsten Maturitätsquoten in ganz Europa auf. Hinter der Diskriminierung des gymnasialen Bildungswegs steckt System – und die Wirtschaft. Es gilt noch immer das Motto: “Büezer braucht das Land.” Die Folge davon ist, dass wir jedes Jahr Tausende von Ingenieuren, Informatikern etc. aus dem Ausland importieren müssen. Ausserdem passt es gewissen Politikern und Parteien aus politischen und ideologischen Gründen nicht, wenn eine immer breiter werdende Schicht der Bevölkerung eine akademische Ausbildung erhält. Weniger gebildete Menschen sind leichter manipulierbar…

    • Heinz says:

      Erstens braucht das Land tatsächlich Büezer, wenn ich sehe welche Schaden die “nur” studierten bei uns in der Firma in den ersten zwei Jahren anrichten wäre es besser diese Studis hätten mal richtig gearbeitet.
      Zudem müssen wir mit dem aktuellen Schulsystem auch in Zukunft Ingenieure importieren da die Mathematik zugunsten der Sprachen leider sehr vernachlässigt wird.

      Eine zu hohe Akademiker-Quote ist auch nicht die Lösung, es braucht unbedingt beides, Büezer und Studierte. Zudem sollten die Akademiker ab und zu auch mal auf die Büezer hören und nicht nur ihre HSG Theorien durchsetzen.

    • Reto Stadelman says:

      Wir haben eine sehr tiefe Maturaquote. Aber Papier ist geduldig… Bei der “realen Maturaquote”, also dem Vergleich des Bildungsniveaus, würde die Schweiz wohl eher nicht unter dem Durchschnitt abschneiden.
      Bei dem Thema Bildung geht es eben immer noch sehr emotional zu und her. Bildung bedeutet Status. Status bedeutet Privilegien und die will man nicht verlieren. Und schon gar nicht will man, dass der eigene Nachwuchs auf der Strecke bleibt. Das ist nur normal. Aber mit dem tatsächlichen Wissen das vermittelt wird, haben viele Rankings etc. wenig zu tun. Behalten Sie das bitte im Hinterkopf.

    • Chris says:

      Dass wir eine relativ tiefe Maturitätsquote haben, hängt auch damit zusammen, dass für den Uebertritt ins Gymnasium von den Kantonen verschieden hohe Anforderungen gestellt werden, nicht etwa, weil unsere Kinder dümmer sind als diejenigen im Ausland. So verlangen BL, SO, AG eine halbe Note mehr als BS, um die Gym-Stufe zu erreichen. Dieser Unterschied macht sich jedoch bis zu den Uni-Abschlüssen bemerkbar … zugunsten der Kantone BL, SO und AG!

  • Miggu says:

    Eine “Demokratisierung der Maturen”? Sie moechten also, dass die Eltern abstimmen und das Kind bekommt das Maturitaetszeugnis? Das koennen Sie auch ohne das Gymnasium haben.
    Nein, Hand aufs Herz, das Geheimnis des Erfolges unserer Ausbildung (und das nicht nur am Gymnasium) ist doch das, dass eine gewisse Leistung erreicht werden muss. Wenn wir diesen Standard aufgeben, gehen unsere Schulen bachab. Den Druck braucht nicht das Gymnasium sondern gelegentlich der Gymnasiast. Und nicht zu vergessen: Es gibt valable Alternativen zum Gymnasium.

    • Blanche Wu says:

      und wo herrscht zu wenig Chancengleichheit? Wenn Primarschüler auf die Möglichkeit des Gymnasiums aufmerksam gemacht werden od. später in der Sekundarschule warum sollte ein Kind aus einer ausländischen Familie od. Arbeiterfamilie nicht die Möglichkeit haben die Gymi Prüfung zu machen? Das Kind wurde informiert über seine Möglichkeiten und jetzt muss es halt lernen, lernen, lernen und fleissig sein damit es ans Gymi kommt. Wenn es natürlich nicht will, ja was soll man dann tun? Andersherum gibt es Kinder die ans Gymi gezwungen werden und absolut unglücklich sind und abbrechen.

      • Conte Roberto says:

        Ich glaube ich höre nicht ganz richtig! Tiefe Maturaquote dass ich nicht lache Schauen sie sich einmal wie viele Maturanten mit einer Top Einstellung ihre Gymnasiumszeit bestreiten! Die kann man prozentual an einer Hand abzählen. De anderen gehen ins Gymi um dann wenn die Lektionen enden sofort das Smartphone welches ihr einziger Begleiter ist, ob in der Pause oder nach der Schule anzuschmeissen um Online zu sein wird mir übel. Dies sollen unsere zukünftigen Spitzenfachkräfte sein ohne jegwelche praxisnahen Erfahrungen. Kommt auf den Boden der Realität, unsere Jungen haben andere Interessen.

  • Anton Schneider says:

    Worum geht es – um Chancengleichheit oder Gleichschaltung?
    Geht es um Jugendliche, die, wenn richtig gefördert, eine höhere Ausbildung geniessen sollen, oder darum, dass alle eine “höhere” Ausbildung geniessen dürfen z.B. die Matura für alle? Das ist die entscheidende Frage an die Leute, welche die Berufslehre zweitklassig beschreiben – denn das tun sie, alleine schon mit diesem “Blog”. Die Frage ist doch nur, wenn alle ans Gymnasium “gefördert” werden und für den Abschluss entfach das Niveau gesenkt wird. Ein Abi wie in Deutschland, ein Bacca wie in F oder die Matur wie in Portugal? Gewollt?

    • Blanche Wu says:

      und warum sollte jemand mit Lehre weniger gebildet sein? Es ist doch egal ob jemand mit Uni od. Lehre in den Beruf startet, solange er danach eine gute Chance im Leben hat. Aber viele Leute meinen man hat nur Chance mit Gymi und Uni. Das ist falsch. Weiter geht das Gerücht umher, dass jemand mit Lehre nicht gebildet ist und man nur via Uni ein eigenständig denkender Mensch werden kann. Das ist ebenfalls falsch! Es benötigt doch beide und beides ist auf seine Art wertvoll! Aber vielleicht können das nur solche beurteilen die Lehre inkl. Studium gemacht haben und beides kennen???

  • Hans says:

    Eine solche Aussage kann leider nur von einer Person kommen, die das schweizerische Bildungssystem nicht gut kennt und den gymnasialen Bildungswegs (weil selbst ziemlich sicher durchlaufen) noch immer für den Königsweg hält. Dass Sie zudem möchten, dass Ihre Kinder studieren, ist u.a. auf Ihre eigene Bildungsbiografie zurückzuführen. Denken Sie, dass eine bildungsferne Familie dies gleich sieht? Eher nicht. Setzen sich solche Eltern für ihre Kinder ein? Kaum (u.a. sprachliche Barriere). Sie möchten schlussendlich lediglich der Bildungselite (noch) höhere Chancen zur Statuserhaltung geben.

    • T. Meuli says:

      Sie haben aber schon kurz nachgeschaut, wer diese Person ist, oder???? Er ist Gymnisiallehrer. Gehen wir davon aus, dass er ganz sicher das Gymnasium selber besucht und er wird auch das Bildungssystem besser kennen als Sie. Ob seine subjektive Meinung die Bessere ist, sei dahingestellt. Eine Meinung kann man gerne kund tun. Aber versuchen Sie wenigstens im Ansatz die vorhandenen Tatsachen aufzunehmen. Genau das unterscheidet dann die Bildungsfernen von den Akademikern. So führt man sich selbt ad absurdum. Gut sind Sie nicht repräsentativ und es gibt genug intelligente Nichtakademiker.

  • urs says:

    Eltern haben Bildungswillen für Ihre Kinder und der sollte nicht gestoppt werden, weil mit dem Gymnasium steigt man sozial auf…. ich arbeite viel in Frankreich, und da wird sehr oft der Kaffee von sozial aufgestiegenen Akademikern serviert. ich bin fast erschrocken, wie naiv ein Gymnasiallehrer und Bildungsjournalist sein kann. Und nein, ich freue mich auch an hohen Akademikerquoten. Aber ich erlebe auch auf dem Fussballplatz, wie 83% der Eltern finden, dass ihr Sohn zum fussballprofi geboren ist und nun bilden wir halt mal 83% Fussballprofis aus…. S

  • Andreas M Müller says:

    Vielen Dank, Herr Pfister, für Ihre klaren Worte. Ähnliche Gedanken gehen mir auch schon lange durch den Kopf. Auch ich möchte, dass meine Kinder die (reguläre) Matur machen und danach studieren. Denn mit der (kantonalen bzw. eidg.) Matur stehen nun mal alle Wege offen und ich kenne einige Leute, die es heute noch bereuen, damals die Matur nicht gemacht zu haben.

    • Michu says:

      Es stehen einem zwar alle Wege offen, erreicht ist indes noch gar nichts.

      Wenn man dannach das Studium abbricht hat man gar nichts.

      Bei einer Lehre hingegen kann man selbst bei abgebrochenem FH-Studium auf dem Beruf arbeiten.

      Sie möchten zwar, dass Ihre Kinder studieren. Möchten das die Kinder auch? Und was ist, wenn sie das nötige Rüstzeug nicht haben?

      • Andreas M Müller says:

        Doch Michu, eine Matur ist erreicht! Das ist ziemlich viel mehr als “gar nichts”, auch wenn das Studium eventuell nicht abgeschlossen wird. Dann gibt es immer noch -zig andere Möglichkeiten arbeiten zu gehen oder aber jegliche andere Ausbildung zu machen. Eine Möglichkeit, welche nach einem Lehrabschluss nicht gegeben ist.

        • Blanche Wu says:

          @und wie können sie es sich erklären dass Leute welche das Gymi haben aber kein Studium im Nachhinein noch das KV machen, weil sie mit dem Gymi-Diplom keine Stelle im KV finden? Nein nur mit einem Gymi-Diplom stehen einem eben NICHT alle Wege offen, denn jeder Arbeitgeber wird bsp. jemandem mit KV Lehre einem Gymiler vorziehen, denn der hat eine Ausbildung und der mit Gymi eben nicht.

          • Andreas M Müller says:

            Falsch, Blanche Wu, der mit Matur hat sehr wohl auch eine Ausbildung und mit dieser kann eben auch noch eine KV-Lehre absolviert, wenn gewünscht. Somit stehen einem mit der Matur alle Wege offen. Ebenso kann der Gymiabsolvent irgendwann dann ohne Barriere doch noch ein Uni-Studium aufnehmen, wenn ihm denn danach ist (selbst nach der Pensionierung!)

          • Blanche Wu says:

            @Müller: Aber mit einer Lehre stehen einem auch alle Wege offen. Ein Gymiabsolvent ohne Studium muss ebenfalls eine Lehre absolvieren. Jemand mit Lehre welcher an die Uni will muss noch die BMS (wenn nicht schon gemacht) inkl. Passerelle machen. Also beide Seiten kommen weiter. Aber mit Lehre ist der Weg nicht verbaut! Aber alle tun immer so. Oder wie erklären sie es sich, dass es einige Menschen gibt die nach der Lehre noch an die Uni gingen? Wenn doch mit der Lehre das Leben vorbei ist und man am Hungertuch nagt? Wenn man eine Lehre hat und dann Studium abbricht, hat man etwas.

          • Andreas M Müller says:

            @Blanche Wu: Ich denke, mit der gymnasialen Maturität stehen dem jungen Menschen alle Wege offen. Ich kenne einige, die sich während der Lehre fest vorgenommen haben, noch die BM zu machen und noch die Pasarelle anzuhängen. Genau eine hat es dann letztendlich gemacht. Die anderen wären heutzutage zwar froh, sie hätten es gemacht, aber getrauen sich nicht mehr, da sie nun Familie, Hypotheke etc, aber auch zuwenig Energie dafür haben. “Hungertuch” u.ä. benutzen nur Sie im Zusammenhang mit Lehre. Aber ich denke, ja, es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Uni (!) und Lehre.

      • Stephan says:

        Wir sind zuhause 3 Geschwister gewesen. Alle haben wir die Matura gemacht, dass war unseren akademisch ausgebildeten Eltern wichtig. Zwei von uns haben studiert und arbeiten in gut bezahlten Jobs. Einer hat mit Mühe die Matura hingemurkst, das Studium abgebrochen, um doch noch etwas zu haben an einer privaten Ausbildungsinstitution noch einen eidgenössisch anerkannten Titel geholt und arbeitet nun in einem schlecht bezahlten Job. Eine Lehre wäre schlauer gewesen….

        • Michu says:

          Genau das meine ich auch. Die Matura kann für einige super sein, für andere hingegen nicht.

          Ich habe mich durch drei Jahre Gymi gequält. Habe dann, trotz Weiterkommen, abgebrochen und eine Lehre gemacht.

          Dann habe ich noch die FH drangehängt.

          Hat so für mich besser gepasst und bin wohl besser gefahren.

          Habe zwei Kollegen, die sich trotz Matur mehr schlecht als Recht durchschlagen, weil sie das Studium abgebrochen haben.

    • Blanche Wu says:

      mit einer Lehre und der BMS u. evt. sogar der Passerelle stehen einem auch alle Wege offen wenn nicht sogar mehr! Lehre ist nicht gleich Endstation. Ich kenne viele Menschen mit einer Lehre, welche danach noch an die Uni studieren gingen. Sie waren nie arbeitslos, mussten nie hungern und gehören auch nicht zu der untersten gesellschaftlichen Schicht.

      • Andreas M Müller says:

        Das mag sicher alles stimmen, Blanche Wu. Ich sage einzig, dass einem als junger Mensch mit Matur alle Türen aufstehen. Die Matur als Erwachsener noch nachzuholen geht sicher auch, ist aber mit viel mehr zeitlichem und finanziellem Aufwand und Mühen verbunden. Aber eigentich bestätigen Sie ja, was ich sagte, denn mit Paserelle sind Sie einfach oer Umweg genau auch dort, wo der ehemalige Maturand eben schon viel früher war: Bei der Universitätszulassung.

  • Meier says:

    Nichts gegen die Forderung einzuwenden, solange die Leistung der Schülerinnen und Schüler stimmt. Leider pushen aber in der Regel genau jene Eltern, deren Kinder bereits heute leistungsmässig am Anschlag sind. Der Zugang zum Gymi und zur Uni ist nicht eine reine Frage des Fleisses, sondern auch der intellektullen Fähigkeiten. Da sich die Kinder unterschiedlich entwickeln und vielleicht erst später ihre Interessen und Neigungen für eine höhere Ausbildung entdecken, ist es wichtig, dass der Weg an die Hochschule nicht nur über das Gymnasium verläuft, sondern auch später möglich ist.

  • Oreg Meyer says:

    In einer Wissensgesellschaft wie der unsrigen braucht es einfach mehr Studierte als in einem Arbeiter- und Bauernstaat. Wir müssen unseren Kindern die Bildung zuteil werden lassen, die sie in dieser Gesellschaft brauchen — auch um sie zu den Fachkräften zu machen, die diese Gesellschaft braucht.

  • Marco Gallati says:

    Ich möchte auch dass meine Kinder ans Gymi kommen. Dumm nur, dass wir im Kanton Glarus leben. Bei uns gibt es nämlich schon beim Gymi den “numerus clausus” und der besagt, dass nur soviele Kinder ans Gymi kommen, wie es sich der Kanton zu leisten gewillt ist. Und das sind pro Klasse zwei bis drei Kinder oder gerade mal 10% bis 13% aller Schüler. Bei schickt man Kinder in die Sek, die in anderen Kantonen problemlos ins Gymi können. Dazu kommt dann noch, dass man ohne Vorkurse heute keine Chance mehr hat. Und diese Vorkurse kosten ein Vermögen. Aber als Gymi-Lehrer haben sie das Problem ja nicht

    • Oreg Meyer says:

      Das ist in der Tat eine völlig absurder Verknappung der Bildung, die sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaft so wichtig ist.

    • Jan says:

      Vielen Dank für dieses Beispiel. Geht es nach der von den Superreichen gesteuerte Rechte wird das bald für das ganze Land gelten. Dann ist es wieder wie früher, an die Kanti kommen die eh schon besser gestellten Kinder, die andern sollen sich unterordnen oder sich für viel Geld aus der eigenen Tasche nach der Lehre weiterbilden.

    • Frau05 says:

      Ist im TG genauso. Ich bin schon dafür, Jugendliche ihren Neigungen entsprechend auszubilden, also auch Kanti! Und nicht gedeckelt bei den 2 Besten der Klasse. Und in der Berufschule und den überbetrieblichen Kursen wird gute Arbeit geleistet, nämlich ausgebildet, aber nicht gebildet! Und ja leider ist es auch für die
      , die gerne den beruflichen Weg einschlagen häufig so, dass sie von Bachelor konkurriert werden.

  • Peter Vogel says:

    Es ist eben kein “legitimer Bildungswille”, wenn Kinder ohne das nötige Potenzial ins Gymnasium gedrängt werden. Sie werden auch kein Studium erfolgreich abschliessen, jedenfalls keines nach heutigen Standards. Was hilft es, wenn, wie in anderen Ländern, einfach fast alle ein Pseudostudium absolvieren, das dann aber kaum etwas wert ist (deren Zulassung in der CH muss entsprechend überprüft werden)? Das führt dann einfach zu so genannten Eliteuniversitäten, und die undbedingt gewünschte Demokratisierung der Bildung ist wieder dahin. Unser Bildungswesen ist klar strukturiert und das ist gut so.

  • Früher war ich der Meinung, dass punkto Job und Zufriedenheit Handwerk goldenen Boden hat. Aber wegen der PFZ würde ich jedem von “nur” einer Lehre abraten. Wenn die Kinder über 40 sind, werden dann, vielfach unnütze Masters erfragt. Speziell, wenn der Inländervorrang kommt. Da wird der Seelenimporteur einen Master of L. and E. für die Mwst Stelle eines KMU fordern. Also gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder CH diskriminiert nicht weiter Eidgenossen (unwahrscheinlich) oder der Eidgenoss hat auch die jeweiligen Master.

  • Annalou says:

    Ich stimme ihnen zu, man soll sich um die Bildung der Kinder kümmern! Aber genau mit ihrer Haltung – höhere Bildung geht nur über Gymi u Uni – fördern sie eine Inflation der Matura u noch schlimmer, sie vermitteln Jugendlichen, dass Bildung und beruflicher Erfolg nur so zu erreichen ist. Gerade die CH ist ein Vorbild, dass die Lehre eine gute Basis ist. Gerade von einem Bildungsfachmann würde ich erwarten, dass er das Modell Deutschland kennen würde u analysiert, wie humanistisch es wirklich ist. …..Und ja, genau solche Erwachsene nerven

  • Peter Heller says:

    Das Problem ist doch, dass man in den Vergangen Jahren den Nicht-Voll-Mataura-Ausgebildeten mehr und mehr die Türen verschlossen hat. Das Bologna-System trägt seinen Teil bei. Das hervorragende Duale System wird Abseits gestellt, es braucht für alles einen Bachelor und einen Master und und und. Allerdings ändert sich das auch wieder; die Unternehmen erkennen langsam, wa sie am Dualen System haben. Und so wird das Pendel wieder vom “überforderten Hochschulabsolventen” zum für die Unternehmen besser geeigneten Berufsausbildungs-Absolventen schwingen.
    Dann muss auch nicht mehr jeder studieren…

  • Markus Kägi says:

    Das duale Bildungssystem in der Schweiz ist am Ende. Jedes Jahr braucht man mehr und mehr qualifizierte Mitarbeiter, die von Ausland in die Schweiz “importiert” sein sollen. Es wird weniger Industrie in der Schweiz geben, nicht nur wegen Kostendruck, aber auch durch den Technologievorsprung. Heutzutage braucht man eine Matura für irgendwelcher Job, auch weil der Chef von Ausland kommt und gar nicht von dem CH-dualen Bildungssytem etwas kennt. Es geht auch um Löhne. Die besten Jobs sind für gut ausgebildet Mitarbeiter (Universität, PH). Sollen die Schweizer die schlechten Stellen immer nehmen?

  • Christoph says:

    Wieso das Gymi nicht einfach zur obligatorischen Schulpflicht machen? Einen Abschluss muss ja nicht jeder (sofort) machen, aber alle hätten immerhin die Chance, irgendwann mal etwas zu studieren.
    Auch ein neuer Lebensentwurf in späteren Jahren ist womöglich einfacher, wenn man nicht erst noch die Matura nachholen muss. Eltern müssten sich nicht mehr erklären müssen, oder könnten es nicht mehr behindern.
    Es wäre auch kein Hindernis für einen handwerklichen Beruf oder eine Verkaufslehre.

  • Pascal Berger says:

    Ich möchte, dass meine Kinder sich beruflich so entfalten können, dass es für sie stimmt. Das ist mein einziger Wunsch. Ob in einem Studium, einer Berufslehre oder beidem (geht heute tiptop), spielt für mich absolut keine Rolle. Wichtig ist mir, dass sie einen gesunden Ehrgeiz zeigen für den Weg, den sie einschlagen. Wenn mein Sohn aber aus Überzeugung Metzger werden will, dann muss ich ihn nicht ins Gymi zwingen, damit er unmotiviert Geologie oder Philosophie studiert. Und da liegt das Problem, Herr Pfister: Ganz vielen Jungen geht es heute genau so! Das sollten sie als Gymilehrer wissen…

  • Pascal Sutter says:

    Die Antwort auf diese Frage wird mir mein Kind geben wenn es um die Berufswahl geht. Für diese Diskussion nehme ich den rat der Lehrer und meine Erfahrung zu Hilfe. Entgegen der Empörung vertraue ich unserem Bildungssystem und habe noch nie eine Lehrperson kennengelernt der unsere Argumente egal waren. Etwas Objektivität täte gut.

  • Felix Aebelard says:

    Im Ansatz kann ich Andreas Pfister zustimmen. Eine Demokratisierung der Bildung würde bedingen, dass alle die Möglichkeit für eine gymnasiale Bildung hätten. Dies ist in der Schweiz nun definitiv nicht der Fall. Tatsache bleibt aber auch, dass Menschen schulisch/akademisch unterschiedlich begabt sind. In der Schweiz will man nur einer relativ kleinen Elite das Gymnasium ermöglichen. Im Ausland ist das z.T. ganz anders. Ich meine, dass eine gute Allgemeinbildung von mind. 12 Jahren für ALLE nützlich wäre, beim Zugang für ein Studium müsste man mittels Aufnahmeprüfungen eine Selektion vornehmen.

    • Thomas Derungs says:

      Naja, wenn ich sehe, dass v.a. Kinder den Gymer besuchen, die das nicht selbst gewählt haben sondern von den Eltern dazu geprügelt werden (im metaphorischen Sinne natürlich!), dann frage ich mich, was aus diesen Leuten später wird. – Arbeitslose Akademiker, wie so viele andere? – Aber schon OK: Es braucht auch Taxifahrer mit Doktortitel…..

      • Christine says:

        Stimmt! Ich erinnere mich, als ein Geschwisterpaar das Liz zweimal, also definitv, nicht bestand, und sie total am Boden waren, habe ich sie gefragt, wieso sie dieses Studium gewählt hätten. Die Anwort kam postwendend: Der Vater hätte diesen Beruf und wollte, dass die Kinder dasselbe studierten, um später das Geschäft zu übernehmen!! Resultat: 12 oder mehr Semester pro Kind verplempert!

        • Andreas M Müller says:

          @Derunga: Zeigen Sie mir doch bitte einen, nur einen einzigen Taxifahrer mit Doktortitel. Tatsache ist einfach, dass Leute mit Uni-Abschluss weniger arbeitslos sind als der Rest der Bevölkerung (und Leute mir Dr. Abschluss noch weniger).
          Die alte Leier des Taxifahrers mit Dr. it so abgedroschen, doch wird er immer noch bemüht. Warum frage ich mich da bloss? Unwissen? Neid?

    • Frau05 says:

      Ja, eine breite Bildung ist wunderbar für den, der das Bedürfnis danach hat! Darauf haben schon meine Großeltern gehofft. Aber freiwillig! Ein Jugendlicher ohne eigenes Bildungsbedürfnis hat definitiv nichts an einer weiterbildenden Schule zu suchen. Aber mehr als die 13:/:, die für die Kanti zugelassen werden.

  • Peter Stämpfli says:

    “… wenn ihren Kindern die Bildung, die ihnen ermöglicht wurde, verwehrt wird?”
    Andreas Pfister geht davon aus, dass denen, die eine Lehre machen, Bildung verwehrt wird, Bildung, wie er sie versteht. Doch verwehrt wird in der Schweiz nichts. Wer eine Lehre macht, denen stehen heute alle Türen zur Uni offen. Also, wo liegt das Problem von Andreas Pfister? Eine humanistische Bildung ist auch via Lehre möglich – wenn man das will.
    Absolut unbedeutend ist, ob die Kinder den Weg gegen, den die Eltern gegangen sind. Wenn Eltern das doch wollen, dann haben sie nicht begriffen, was Bildung bedeutet.

  • Markus says:

    Für mich sind die heutigen Studierten das was im Mittelalter die Adeligen waren: Feudalherren bzw. Damen. Sie glauben sie seien was besseres, hätten mehr Rechte und Anspruch auf bessere Jobs, diese Jobs schotten die Studierten mit aller Macht ab. Wie wäre es, wenn alle mit einem EFZ eine Hochschulzulassung bekommen würden? Wieso schotten sich die Studierten ab, vor was haben sie Angst? Das sie ganz normale und austauschbare Menschen wären?

  • Philipp M. Rittermann says:

    nur soviel. es soll studieren, wer dazu befähigt ist. wir haben leider viel zu viele studenten, welche durch über-ehrgeizige eltern durch studiengänge “geprügelt” werden. das negative resultat sieht man dann bei gewissen managern in der wirtschaft. geld allein darf kein kriterium hierfür sein.

  • Thomas Staub says:

    Dem kann auch ich nur zustimmen. Vielen Dank für diesen längst fälligen Artikel.

  • Thomas Derungs says:

    Wenn ich sehe, wie viele Akademiker nach dem Abschluss der Uni ohne Job dastehen, dann ziehe ich den “Büezer-Weg” vor. – Aber es ist halt auch so: Als ich Schulabgänger war, gingen von 25 Schülern genau drei an den Gymer. Heute ist’s wohl genau umgekehrt. – Zudem stellt sich die Frage, ob wirklich jeder/jede eine Matura benötigt. – Meine Kinder haben, trotz einem 5.5er Notenschnitt, den Berufsweg gewählt und ich habe sie nie dazu gedrängt, den Gymer zu machen. – Aber das muss jeder selber wissen!

  • Claudia says:

    1. Was will und kann das Kind? Stimmen die Fähigkeiten und der Wille nicht, kann man als Eltern noch so lange pushen. Das Kind wird glücklicher auf einer anderen Stufe als das Gymnasium.
    2. Brauchen wir Theoretiker oder Praktiker? Viele können das studierte gar nicht in die Praxis umsetzen. Viele der Akademiker landen am falschen Arbeitsplatz oder auf der Strasse. Brauchen wir so viele Gymnasiasten?
    3. Wieso hat die Schweiz ein gutes Bildungssystem? Worin liegt die Stärke? Hier sollten wir bei der Stärke verbessern und nicht willkürlich alle ans Gymnasium senden.

  • Lala says:

    Uhm… Das höhere Bildung was tolles ist u.s.w. steht ja denke ich nicht zur Debatte.
    Das Eltern sich für Ihre Kinder die bestmöglichen Bildung wünschen und diese sofern möglich auch in diese Richtung “Lenken” dürfte auch normal sein.

    Ich verstehe irgendwie das Problem des Artikels nicht.
    Kinder die gern zur Schule gehen, schaffens heute schon ans Gymi/Uni, für die anderen gibt’s die Lehre und dann -> FH (-> Uni)… Mit “Dummheit bzw. Intelligenz” hat der früh gewählte Bildungsweg meiner Erfahrung nach häufig eher wenig zu tun. Es geht mehr um Fleiss und/oder Spass an der Schule.

    • Lala says:

      Wenn ich meine Altersgenossen anschaue und was deren Bildungsstand/Beruf macht. Da erkennt man am Beruf nicht mehr wer Gymi/Lehre gemacht hat.
      “Wir” wussten halt etwas weniger über irgendwelche Nebenfächer die der Student gewählt hat, dafür hatten wir Praxiserfahrung.
      3-4 Jahre nach dem Studium sind die Unterschiede dann aber nicht mehr erkennbar.

      Problem heute ist, dass jeder mit etwas Grips in der Verwaltung/Büro landet… Es wird im Normalfall schlicht deutlich besser bezahlt. Der Fachkräfte Mangel ist selbst gemacht, durch die Firmen und Ihre Lohnpolitik, NICHT durch das Bildungssystem.

  • Peggy Jurt says:

    ich lebe zZt in Schweden und hier gehen alle ans Gymnasium. Welche Qualität dieser gymnasiale Abschluss hat, kann man sich denken. Das ist nicht die Lösung. Aber trotzdem würde ich persönlich die Gymnasien öffnen und nicht nur – wie bisher – eine allgemeine Matura anbieten sondern noch mehr richtungsspezifische Gymnasien schaffen. Warum jemand, der sprachlich top (4 Sprachen!) und musikalisch hoch talentiert ist, der Zugang zum Gymnasium erschwert wird, weil er in höherer Mathematik und Chemie Schwierigkeiten hat, ist mir ein Rätsel.

  • Marie says:

    Müsste es vielleicht heissen: Ich möchte, dass meine Kinder die Matura machen KÖNNEN?

    Denn das ist es, was ich mir für meinen Nachwuchs wünsche, dass sie die Anlagen, Fähigkeiten, Umfeld und Motivation haben, um die Matura zu machen.

  • a. kademiker says:

    In den letzten Jahren mal einen Blick in einen Vorlesungsaal an der UZH geworfen? Die Uni ist sinnlos überfüllt, total überfordert mit der grossen Anzahl Gymi- Absolventen. Nun, was tun? Studium verschärfen, mehr Studenten durchfallen lassen. Und dann? 25 Jahre, Matur und abgebrochenes Studium.. Wie weiter? Quereinstieg bei einem Unternehmen, heutzutage ohne Diplom fast unmöglich. Von der Matur zur Hypothek für die Gesellschaft. Nein, das ist sicher nicht der richtige Ansatz. Lieber schwierigere Aufnahmeprüfung fürs Gymi, und höhere Massstäbe an die Matur.

  • Julia King says:

    Dass die Kinder/Menschen die eine Lehre und Gymnasium besuchen gleich gebildet sind, ist ein Märchen. Bei einer Lehre fallen viele Fächer ab (man lernt nur das, das nötig ist) die ein Jugendlicher im Gymnasium weiterhin lernen darf. Erstens ist bei Gymnasiasten die Allgemeinbildung viel besser, zweitens hat der Jugendliche viel mehr Informationen/Sicht/Wissen/Erfahrung um sich später für ein Beruf zu entscheiden.

    • Lala says:

      Vor allem hat er dank Gymi + Uni viel mehr Zeit sich zu entscheiden. Informationen/Sicht/Wissen/Erfahrung… Ja, er ist halt deutlich älter.

      Das ein Gymiabgänger eine bessere Allgemeinbildung hat als ein Lehrling, steht wohl ausser Frage. Alles andere wäre ja auch ein Armutszeugnis sondergleichen.
      Aber zu stark verallgemeinern würde ich auch hier nicht. 5 Jahre nach der Oberstufe mag das noch stimmen, 10 Jahre später hängt es aber meist mehr von den Interessen der einzelnen Person als sonst was ab.

    • Dorothée says:

      Das ist ja die grosse Lüge, dass die allgemein Bildung bei den Gymeler besser ist. Sie werden daran gewöht alles vorgekaut zu kriegen was sie wissen müssen. Mit dem Internet ist das Wissen für alle zugänglich, aber finden und zusammenstellen muss man es selbst! Das macht erfolgreich. In der heutigen Weltsituation, ist Wissen eine Frage des Überlebens, ob man da mit Psychologie, Geschichte gut gewappnet ist…..

      • Hansli says:

        In der Allgemeinbildung liegt der ganz grosse Unterschied zwischen dem Gymi-Ausbildung und allen anderen Ausbildungen. Und da die Gymischüler meist aus Akademikerfamilien stammen, wird der Unterschied noch grösser.

    • Marie says:

      Das stimmt so genau. Bloss darf man das in unserer auf Gleichheit bedachten Schweiz kaum laut sagen!

  • Dorothée says:

    Erfolg braucht Leidenschaft, ob mit oder ohne Studium, Berufslehre oder was auch immer, spielt eigentlich keine Rolle. Willi Michel, Ypsomed Gründer, hat eine Lehre als Chemielaborant gemacht, Georg Baus, eine Lehre als Schreiner- und Glaserhandwerker, Bernie Eccelstone hat die Schule mit 16 Jahren geschmiessen und arbeitete danach bei den Stadtwerken. Ich selbst habe das KV gemacht, und verdiene inzwischen mehr als manch Studienabgänger im gleichen Alter. Leistung, Kreativität, Zuverlässigkeit, Innovation kann nicht an einer Schule gelehrt werden.

  • Hanspeter Amstutz says:

    Es gibt Kinder, für die eine gymnasiale Laufbahn das Richtige ist. Diese Kinder schätzen intellektuelle Fragen, besitzen ein gutes Abstraktionsvermögen und sind bereit, viel Zeit in die Bildung zu investieren. Ein entsprechendes Begabungsprofil, aber auch ein vom Kind selber angestrebtes Berufsziel mit akademischen Anforderungen sind ein mögliches Indiz dafür. Eltern und Lehrkräfte haben die Aufgabe, diese Voraussetzungen ehrlich und ohne Projektionen zu überprüfen. Ob sie dies können, ist eine andere Frage. Der Hype Richtung Gymnasium erschwert eine objektive Beurteilung leider erheblich.

  • Kamran Safi says:

    Ich war stets ein katastrophaler Gymeler, habe 2 mal repetiert und war von der 4.-7. dauerprovisorisch. Erst im Studium, wo man mich ernst nahm und es um die Sache ging mutierte ich zum 6er Studenten, bin heute promoviert und selbst Dozent an einer Uni. Soviel zum denen, die es im Studium nicht schaffen, wenn sie mehr schlecht als recht durchs Gymi stolpern. Am allermeisten jedoch, im Nachhinein, bin ich der Zeit und den LeherInnen für meine humanistisch auklärerlische Ausbildung dankbar. Es war eine Zeit wo man Zeug lernte, die die Wirtschaft nicht braucht, aber die meinen Intellekt formten.

    • Hugo Knüsel says:

      @Kamran Safi: Schön für Sie. Bildungspolitisch relevanter wäre aber konkret zu wissen wieviele ALLER dauerprovisorischen Gymnasiasten später im Studium die Kurve eben doch nicht mehr kriegen.

      • Kamran Safi says:

        Ja, oder wieviele der Primüsser und Primusse danach sich slebst finden wollen und dabei verloren gehen (da kenne ich auch ein paar Fallbeispiele, die jetzt in irgendwelchen Diksos Platten auflegen und nebenbei Konzertposters für Geld an Bauabschrankungen befestigen) und wieviele dann entscheiden ihr Leben dann doch häuslichen Tätigkeiten zu widmen (was vollkommen ok ist, bzw. sicher vielfach gar nicht anders geht). Was ich auch bei aller Diskussion glaube: man kann selten zu viel wissen, die meisten wissen eindeutig viel zu wenig. Wer hat heutzutage schon Zeit Kant zu lesen und zu verstehen?

  • Amélie Müller says:

    Natürlich garantiert Matura und Studium keine glänzende Berufskarriere. Deshalb kann auch jeder ein paar Beispiele nennen von Leuten, die trotzdem gescheitert sind. Aber die Statistik zeigt klar, was Sache ist: Je tiefer der Schulabschluss, desto höher die Gefahr, arbeitslos zu werden. Die kleinste Arbeitslosenquote haben die Akademiker. So einfach ist das. Ist es den Eltern zu verdenken, wenn sie das Beste für ihre Kinder wollen?

    • Blanche Wu says:

      Es geht aber bei der Frage der Arbeitslosigkeit nicht nur um die Ausbildung. Es geht auch um den Charakter. Wenn das Kind eine Lehre macht und den Willen hat etwas zu erreichen ist die Gefahr arbeitslos zu werden auch geringer und wenn der Mensch später den Job verlieren würde, dann kommt es wieder auf den Charakter drauf an wie man damit umgeht: bsp. Umschulung, Neuorientierung, etc. Aber nur weil ich ein Diplom in Germanistik habe, stehen keine Unternehmen bei mir Schlange und bieten mir einen Job an. Jeder muss selber aktiv werden und wenn ein ehem. Lehrling den Willen hat im Leben…

  • sepp z. says:

    eigentlich sollte ja die leistung darüber entscheiden, wer studieren darf und wer nicht.
    aber was kann man sich schon nicht kaufen in der schweiz (politiker, gerichtsurteile) weshalb also nicht auch den gymiplatz für den nachwuchs.

  • Urs Leutwiler says:

    Es heisst immer, Leistung sei gefragt. Für mich war auf dem schulischen Weg (Primar, Sek, Gymi, ETH) vor allem Anpassungsleistung gefragt. “Soft Skills”. Das fängt im Kindergarten an (Lernziel: “Still sitzen und Klappe halten”) und zieht sich bis in den Berufsalltag weiter. Während diese Soft skills total überbewertet sind, werden “harte” Fähigkeiten wie Mathematik und Naturwissenschaften als nettes Beigemüse angesehen. Und dann beklagt die Wirtschaft, dass keine brauchbaren Ingenieure und Nat.wissenschafter in der Schweiz zu finden sind. Ja, das Schulwesen muss über die Bücher. Dringend!

  • Martin Waldner says:

    Ich denke nicht, dass die Wirtschaft daran schuld ist. Aber ansonsten kann ich die Aussagen unterschreiben. Für jeden Zeitungsartikel, der eine höhere Gymiquote will, lese ich ca fünf, die sagen, die heutige reiche oder sei schon zu hoch. Ich sehe dies als unheilige Allianz derjeniger, die selbst aus der Berufsbildung kommen und deren Wertschätzung hochhalten wollen, und derjeniger, die studiert haben und weiterhin Teil einer Elite sein wollen (während sie, wie im Artikel trefflich geschrieben, ihre eigenen Kinder wieder heimlich an die Unis schleusen).

  • Othmar says:

    Ich finde es auch durchaus legitim, als Elternteil zu fordern, dass die eigenen Kinder, die ausreichend Lern- und Leistungsbereitschaft zeigen sind eine Matura machen können. Das dies mittel- und langfristig zu einer höheren Maturandenquote führt erscheint logisch. Die Forderung nach vermehrter staatlicher Bildungsleistung ist legitim. Wer nur vom Bedarf der (‘heutigen’, ‘aktuellen’) Wirtschaft ausgeht, spricht sich für die Rationierung von Bildung aus. Bildung ist aber ein grundlegendes Bürgerrecht.

  • Othmar says:

    Erschwerend kommt dazu, CH-Kindern wird der Zugang zum Gymi deutlich erschwert, seit die Kinder von gut ausgebildeten EU-Immigranten aus Ländern mit Maturaquoten deutlich über 50% mit Vehemenz an die CH-Gymis drängen. Es findet ein Verdrängungseffekt statt, durch den einheimische Kinder diskriminiert werden. Diesem sollte durch eine höhere Zahl von gymnasialen Ausbildungsplätzen begegnet werden. Ich habe demnach volles Verständnis für die Argumente von Andreas Pfister.

  • Othmar says:

    Ich gehe davon aus, dass die familiäre Bildungskultur mindest zu 50% für den Schulerfolg der Kinder verantwortlich sind. Natürlich spielen Schulen/Lehrpersonen bei den restlichen Einflussfaktoren eine wichtige Rolle. In der pädagogischen Literatur und Lehre wird unter dem Thema Chancengerechtigkeit jedoch stets so gefaselt, als ob die Pädagogen zu 100% für Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg verantwortlich wären. Weil dies nicht so ist, heisst dies zu Ende gedacht aber auch: Bildungserfolg ist ein intergeneratives, langfristiges Projekt. Ich weiss wovon ich spreche. Mein Vater war Bützer.

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