Von Menschen und Mäusen

In Bern wollen Tierversuchsgegner das Referendum gegen den geplanten Laborneubau an der Universität Bern ergreifen. Es ist zwar fraglich, ob ein Baukredit wirklich das geeignete Streitobjekt ist, um eine Grundsatzdiskussion über Tierversuche zu führen. Doch da die Diskussion nun einmal angestossen ist, sollten wir die vorgebrachten Argumente etwas genauer unter die Lupe nehmen.

So behauptet einer der Referendumsführer in einem kürzlich publizierten Interview im «Bund», dass Tierversuche grundsätzlich unnütz seien: Einerseits seien ausreichend Alternativmethoden vorhanden, um Tierversuche vollkommen ersetzen zu können. Es fehle nicht an den technischen Möglichkeiten, sondern bloss am politischen Willen. Andererseits sei es «irrwegig», Menschen und Tiere miteinander zu vergleichen, weil die Unterschiede zu gross und die Erkenntnisse aus Tierversuchen damit nicht auf den Menschen übertragbar seien.

Beide Behauptungen entsprechen jedoch nicht den Tatsachen. Kein Forscher würde auf Ersatzmethoden verzichten, wenn er damit dieselben Fragen beantworten könnte wie mit einem Tiermodell. Zellkulturen oder Computermodelle sind nämlich nicht nur aus ethischer Sicht unverfänglicher als Tierversuche – sie sind auch günstiger und schneller. Forschungsnahe Organisationen wie die Stiftung 3R oder die Basler Deklaration haben es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Zahl der verwendeten Tiere zu reduzieren oder Tierversuche gleich ganz zu ersetzen – wo immer möglich.

Dieser letzte Zusatz ist dabei von entscheidender Bedeutung: Alternativmethoden können nämlich nur dann zum Zug kommen, wenn wir die Funktionsweise eines bestimmten Systems ausreichend erforscht und verstanden haben. Nur dann können wir dieses System nämlich genügend detailliert nachbilden, um diese Nachbildung anschliessend als Tierversuchsersatz benutzen zu können.

Wenn wir unser Verständnis von Krankheiten wirklich vorantreiben wollen, dann braucht es ein ausgewogenes Gesamtpaket.

Poster zum Referendum «Stopp Tierversuche Bern». (PD)

Tierverusche ohne klinischen Nutzen? Poster zum Referendum «Stopp Tierversuche Bern». (PD)

Doch auch wenn die biomedizinische Forschung zweifellos enorme Fortschritte macht – im Grunde steckt sie in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen: Wir wissen zum Beispiel nur sehr wenig darüber, wie unser Gehirn eigentlich funktioniert; das vielfältige Zusammenspiel zwischen Krankheitserregern und Immunsystem stellt uns immer wieder vor grosse Rätsel; und die molekularbiologischen und genetischen Ursachen von Krebs verstehen wir ebenfalls nur ansatzweise.

Ein komplexes biologisches System wie das Gehirn nur mittels Zellkulturen nachbilden zu wollen, ist deshalb so wenig zielführend, wie wenn jemand eine Fremdsprache lernen möchte, dafür aber nur die einzelnen Wörter betrachtet. Natürlich ist der Aufbau des Wortschatzes von grosser Wichtigkeit – doch ohne Kenntnisse der Grammatik lässt sich nicht nachvollziehen, wie die einzelnen Wörter im Kontext eingesetzt werden, wie sie konjugiert oder dekliniert werden, wie die Sprache als Ganzes funktioniert.

Ähnlich verhält es sich in der Wissenschaft: Selbst wenn wir die Geheimnisse einer einzelnen Hirnzelle bis ins letzte Detail erforscht hätten – was für sich gesehen schon eine regelrechte Herkulesaufgabe ist –, würden wir immer noch nicht verstehen, wie Hirnzellen im Verbund funktionieren, welche Botenstoffe dabei ausgeschüttet werden oder nach welchen Prinzipien verschiedene Hirnareale untereinander Informationen austauschen. Genau solche Informationen sind jedoch entscheidend, wenn wir die biologischen Ursachen von Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie oder Depression ergründen wollen.

Wenn wir unser Verständnis von Krankheiten und biologischen Systemen wirklich vorantreiben wollen, dann braucht es ein ausgewogenes Gesamtpaket: Dazu gehören klinische Untersuchungen an Menschen genauso wie Computersimulationen oder Versuche mit Zellkulturen. Und dazu gehören eben auch Tierexperimente.

Dabei bestreitet niemand, dass es Unterschiede gibt zwischen Mensch und Tier. Doch aufgrund der gemeinsamen evolutionären Vergangenheit teilen wir eben auch zahlreiche Eigenschaften mit unseren tierischen Verwandten – und je näher ein bestimmtes Tier mit uns verwandt ist, desto mehr Gemeinsamkeiten gibt es in der Regel.

Wenn Zebrafinken als Modell für das Erlernen einer Sprache benutzt werden, dann geschieht dies deshalb, weil wir von diesen Vögeln etwas über grundlegende sprachliche Lernprozesse erfahren können. Wenn Forscher Fruchtfliegen dazu benutzen, um verschiedene Krankheiten zu erforschen, dann tun sie dies, weil wir Menschen zahlreiche Krankheitsgene mit Fliegen teilen. Und wenn menschliche Erkrankungen an Mäusen untersucht werden, dann deshalb, weil es trotz aller Unterschiede eben auch unzählige Gemeinsamkeiten gibt.

Es ist deshalb nicht «irrwegig», Menschen mit Mäusen zu vergleichen. Irrwegig wäre es, dies nicht zu tun.

 

 

 

59 Kommentare zu «Von Menschen und Mäusen»

  • Olivia Kaufmann sagt:

    Es ist sehr einfach und logisch, somit für jedermann zu verstehen: Je ähnlicher uns Menschen ein Tier ist, desto weniger haben wir das Recht, dieses Tier für Versuche zu „verwenden“. Und je weniger ein Tier uns ähnelt, desto sinnloser sind Versuche an jenem Lebewesen.

    • Jan Holler sagt:

      Wieso soll das logisch sein? Im Gegenteil: Diese Argumentation öffnet dem rassischen Unterscheiden Tür und Tor. Wenn das Recht des Lebens von der Ähnlichkeit zur selber festgelegten Norm abhängt, dann muss man sich nicht wundern, wenn das auf den Menschen übertragen wird: andere Hautfarbe, andere Herkunft, usw.
      Genauso falsch ist es von der äusserlichen Ähnlichkeit auf die funktionalen oder genetischen Unterschiede zu schliessen. Wenn man weiss, dass wir sehr, sehr viele Gene sogar mit Regenwürmern teilen, dann zeugt eine solche Aussage von ideologischen Überzeugtheiten, denn von Fachwissen.

  • Roland K. Moser sagt:

    Ich bin Gegner von Tierversuchen und so bleibt es.
    Zoos sollte man auch verbieten.

    • Simi sagt:

      Na dann gehen wir davon aus, dass sie keine Medikamente zu sich nehmen und auch noch nie welche zu sich genommen haben. Falls sie mal krank sind, sehen sie davon ab, sonst unterstützen sie Tierversuche zwangsläufig.

      • Olivia Kaufmann sagt:

        @Simi, es gibt sehr viele Medikamente, die uns noch kranker machen….

      • Ralf Schrader sagt:

        @Simi, wo sehen Sie den Zusammenhang zwischen einer politischen Überzeugung (gegen Tierversuche) und einer privaten Episode? Privatleben und öffentliches Wirken haben nichts miteinander zu tun, auch bei Politikern nicht.

        • Max Wartenberg sagt:

          „Privatleben und öffentliches Wirken haben nichts miteinander zu tun“ Wirklich? Dafür gibt’s den Ausdruck „Wasser predigen und selber Wein trinken“

          • Ralf Schrader sagt:

            Der Ausdruck ist bekannt, ist aber höflich ausgedrückt Unfug. Privates und öffentliches Handeln haben nichts miteinander zu tun.

          • Max Wartenberg sagt:

            „Privates und öffentliches Handeln haben nichts miteinander zu tun.“ Da täuschen sie sich gewaltig. So erwarte ich zum Beispiel von einem Politiker einer grünen Partei, dass er sich in seinem privaten Handeln auch umweltbewusst benimmt. Proletet er öffentlich Parolen zu denen er privat nicht steht, ist der Mensch unglaubwürdig und in meinen Augen auch nicht ehrlich.

      • Ich nehme tatsächlich keine Medikamente zu mir, ausser es ist dringendst nötig. Das ist zum Glück nur alle paar Jahre der Fall. Meine „Mutter“ war drogensüchtig von Alkohol und Medikamenten. Ich kann die kleinen Dinger nicht sehen.
        Dass es keine Tierversuche ohne Medikament gibt, oder dass sie nicht deklariert werden, ist nicht meine Schuld. Könnte ich, würde ich es ändern.
        Und Tiere gehören in die Freiheit und nicht in Käfige. Bei Nutztieren kann man eine Ausnahme machen, wenn sie naturnah gehalten werden.

        • Korrektur
          „… Dass es keine Medikamente ohne Tierversuche…“

          • Hanspeter Niederer sagt:

            Bei Nutztieren kann man erst recht keine Ausnahme machen, da ihr Tod und ihr Leiden auf jeden Fall komplett sinnlos und überflüssig ist. Aber typisch für ethisch labile Menschen, dass sie für sich eine Ausnahme in Anspruch nehmen, wenn ihnen ein Gebot oder Verbot bei der Verfolgung ihrer Lüste und Gelüste in die Quere kommt.

      • Werner Ries sagt:

        Wo ist denn der Beweis, das Tierversuche auch nur eine einzige Verbesserung gebracht haben? Tiere sind so unterschiedlich von uns Menschen, das es einfach nur grotesk und primitiv ist, Tiere für so etwas leiden zu lassen. Passend dazu auch das Buch von P. Gotzsche, Tödliche Medizin und organisierte Kriminaltät!

      • Mare sagt:

        Das Argument, als Tierversuchsgegner müsse man auf Medikamente verzichten, ist einfach lächerlich:
        Man kann sehr wohl Medikamente zu sich nehmen und trotzdem gegen Tierversuche sein – solange es keine Alternative zu Medis, die mithilfe Tierversuchen entwickeln worden sind, gibt, bleibt einem im Ernstfall schliesslich keine andere Wahl.
        Oder verzichten Sie auf Natel/Computer? Nein? Obwohl sie sicher gegen Kinderarbeit sind, oder? Ihnen ist aber bestimmt die Tatsache bekannt, dass viele Rohstoffe, welche für die Herstellung von Natel/PC unerlässlich sind, durch Kinderarbeit beschafft werden?

  • Erich Müller sagt:

    Es stimmt durchaus, dass es derzeit in der Medizin keine Alternative zu den Tierversuchen gibt. Es wird ja auch nicht ernsthaft gesucht. Überigens sind die Versuche mit den Mäusen natürlich sehr günstig – viel günstiger als die Alternativen. Die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit darf bezweifelt werden, wie Ed Lein und Michael Hawrylycz vom Institute for Brain in Seattle mit über zehnjähriger Forschung aufzeigen. Rhesusaffen wären vergleichbarer, sind aber teurer. Für Publikationen und bequeme Forscher sind die Tierversuche super. Es ist aber auch bequem, keine Alternativen zu suchen.

    • Ralf Schrader sagt:

      Immer wenn Kosten und/ oder Gewinn in den Vordergrund gespielt werden, muss man an der Redlichkeit des Unterfangens zweifeln. Derzeit gibt es mehr offene ethische als biologische Fragen in der Medizin. An ‚Krankheiten‘ zu arbeiten, welche schon unsere Kinder nicht mehr als Krankheit sehen, ist ethisch nicht vertretbar. Aber gerade bei diesen werden, einem wie schon erwähnt mechanistischen Konzept folgend, die meisten Versuchstiere eingesetzt.

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Der junge Herr outet sich als Vertreter der gescheiterten Sichtweise des Menschen als Maschine, deren Einzelteile nur genügend verstanden werden müssen, um das Zusammenspiel eines Organismus zu verstehen. Die Meinung, dieses Zusammenspiel zu verstehen sei mit Tierversuchen besser zu erreichen, ist erstens ein Denkfehler und bedeutet zweitens, dass Tiere noch bis in alle Ewigkeit unter der rücksichtslosen Benutzung durch empathiefreie „Forscher“ zu leiden haben werden. Kleiner Tipp: Alzheimer, Parkinson und Krebs sind weitgehend die Folge des masslosen Konsums von Tierquälprodukten.

    • Thomas Winter sagt:

      „Kleiner Tipp: Alzheimer, Parkinson und Krebs sind weitgehend die Folge des masslosen Konsums von Tierquälprodukten.“
      Dass Sie in einem Rechtsstaat ungestraft diesen geistigen Durchfall absondern dürfen, ist höflich ausgedrückt bemerkenswert. Sie sind wohl der inkompetenteste Kommentator hier. Ihr Hass Auf Fleischesser hat pathologische Züge. Leuten mit Ihrem Weltbild sollte man jede medizinische Versorgung verweigern.

      • Hanspeter Niederer sagt:

        Haben Sie schon mal Ihren Hass auf echte Tierfreunde hinterfragt, deren Denken und Fühlen genügend aufrichtig ist, um sich kategorisch von der sinnlosen Ermordung von unschuldigen Mitgeschöpfen zu distanzieren, ganz speziell wenn es einem überflüssigen Gaumenkitzel dient? Ich werde übrigens garantiert Recht behalten mit meinen Aussagen. 92% der Giftstoffe in unseren Nahrungsmitteln stammen von Tierprodukten – Bundesamt für Gesundheit. Allen Ignoranten en Guete.

    • Max Wartenberg sagt:

      “ … masslosen Konsums von Tierquälprodukten.“ Kleiner Tip: Der Konsum von Mäusefallen kann Verdauungsprobleme verursachen.

    • Perez M. sagt:

      Dem kann ich nur zustimmen Herr Niederer. Glücklicherweise gibt es schon diverse (eben NEUTRALE) Studien zum Fakt, dass diverse tierliche Produkte für die Gesundheit des Menschen höchst bedenklich sind – siehe Harvard Studie, China Study zu Milch, div. Studien betr. Fleisch.

  • Manuela Tobler sagt:

    Die Tierversuchsbefürworter machen es sich immer einfach: „Es geht leider nicht ohne“, so ihr Credo.
    Dass sie nach 200 Jahren Tierversuchsforschung diese Behauptung aufstellen und dazu sagen, dass wir Tierversuche machen müssen, weil wir bei vielem in der Forschung noch am Anfang stehen, widerspricht sich für diese Menschen offenbar nicht. Mein Gott: Entweder bringen Tierversuche was, dann wären wir schon vielviel weiter oder sie bringen eben kaum was bis nichts. Deshalb das „Credo“ der AG STG: Wollen wir Tierversuche oder wollen wir medizinischen Fortschritt?

    • Linus Pauling sagt:

      „Entweder bringen Tierversuche was, dann wären wir schon VIELVIEL WEITER oder sie bringen eben kaum was bis nichts.“

      Achja.. und wieviel weiter hätten Sie’s denn gerne? In Tat und Wahrheit wären wir ohne Tierversuche noch weit zurück. Hier ein paar Dinge für die Tierversuche unentbehrlich sind/waren: Antibiotika (Penicillin), Bluttransfusionen, Makuladegenerationen, Asthma, Meningitis, Organtransplantate, Krebs, Insuling und generell alles was mit Toxikologie zu tun hat.
      Studien, welche ohne Tiere auskommen beruhen i.d.R. auf Erkenntnissen durch Tierversuchen aus der Vergangenheit.

      • Hanspeter Niederer sagt:

        Nach Lektüre Ihres Kommentars finde ich es ziemlich anmassend, sich mit dem Namen eines Nobelpreisträgers zu schmücken. Sie dreschen nämlich nur hohle Phrasen der skrupellosen Tierquäler in den Tierversuchs-Labors.

        • Manuela Tobler sagt:

          Danke Hanspeter
          Diese vermessenen Phrasen entbehren zudem jeglichem Wahrheitsgehalt, weshalb eine Antwort darauf flüssig, äh überflüssig ist. Schon das erste Beispiel (Penicillin) ist für alle die recherchieren und lesen können ein gutes Beispiel von Entdeckungen des Zufalls. Tierversuche wie sie heute gefordert und durchgeführt werden hätten die Entwicklung und Vermarktung dieses wichtigen Wirkstoffs verhindert …

  • Ralf Schrader sagt:

    Vor der Frage Laborneubau und Tierversuche käme für mich die der Begründung aktueller biomedizinischer Forschung. Der Eindruck, dass es dabei mehr um Profit statt um die ethischen Werte der Medizin geht, drängt sich ja zunehmend auf.
    Diese Forschung findet in einem erkenntnistheoretischen Niemandsland statt, denn eine Definition, was Krankheit überhaupt ist, haben wir nicht. Bei Alzheimer, vielen psych. Phänomenen wie ADHS, Borderline bezweifle nicht nur ich den Status einer Krankheit. Die Medizinalwirtschaft wendet mehr Mittel auf, neue Krankheiten = Gewinnzonen zu definieren, als zu forschen

    • Ralf Schrader sagt:

      So wäre meine erste und wichtigste Forderung, dass medizinische Forschung und Versorgung ausschliesslich nichtkommerziell erfolgt. Nur dadurch ist sichergestellt, dass nur an medizinisch notwendigen Problemen, nicht an Produkte mit maximaler Gewinnspanne gearbeitet wird.
      Akteure aus der kommerziellen Ecke verdienen kein Vertrauen und die Geschichte der Medizin beweist in der Mehrzahl der Fälle, dass es gänzlich ohne Gewinnstreben und Kommerzialisierung geht.
      Im Nebeneffekt mindert sich die Zahl der Tierversuche drastisch und lässt diese vielleicht tatsächlich einmal überflüssig werden.

    • Mark Keller sagt:

      Welchen Status hat den Alzheimer für Sie? Wie definieren Sie denn Krankheit?

      • Ralf Schrader sagt:

        Alzheimer kann man als eine Form des Alterns betrachten. Wenn ich Krankheit definieren könnte, wäre ich Kandidat für den Medizinnobelpreis. Meine Arbeitshypothese ist, dass die Medizin mit 3 Phänomen konfrontiert ist:
        1. Die generischen Krankheiten als differenzielle, Biographie- atypische Abweichungen von einer nicht näher definierten Normalen.
        2. Biographiegerechtes Altern, welches eben keine Krankheit ist, dem die Medizin aber das Leiden daran lindern kann und muss
        3. Gesellschaftlich definierte Abweichungen, welche den Betreffenden schlecht verwertbar machen, ohne Krankheit zu sein.

        • Ralf Schrader sagt:

          Beispiele für 1 sind Herzinfarkt, Schlaganfall,
          für 2 Alzheimer im höheren, nicht im Leistungsalter,
          für 3 Sucht, Persönlichkeitsstörungen, ADHS, usw.

          • Michaela Müller sagt:

            Herr Schrader sie sollten lieber schweigen als solchen Blödsinn zu erzählen. Ihre Kommentare sind ein Schlag ins Gesicht von Allen, die an einer schweren „Krankheit“ leiden und auf die bösen kapitalistischen Pharmaprodukte angewiesen sind. Sie sind sicher sehr grosszügig und sozial und bezahlen den ganzen Aufwand für die Erforschung der Produkte. Oder am besten sie forschen selber. Aber dies wird jedoch mit herumphilosophieren leider auch nicht erreicht, deshalb werden sie das auch nicht können.

          • Ralf Schrader sagt:

            Frau Müller, um Medikamente zu entwickeln und zu vertreiben, braucht man keine Pharmaindustrie, um Kranke zu versorgen braucht man keine Krankenhauskonzerne. Die gesamte med. Versorgung ist ohne wirtschaftliche Strukturen machbar, das beweisen 5.5 Tausend Jahre Geschichte der Medizin.
            Schauen Sie sich die jämmerliche Rolle der Pharmaindustrie bei der Bekämpfung von Ebola oder der multiresistenten Keime an. Die Wirtschaft reagiert nur in Profiterwartung, kranke Menschen allein locken die Med. Konzerne nicht aus der Reserve. Deshalb müssen die weg und durch hoheitliche Strukturen ersetzt werden.

  • Simone Machado Rebmann sagt:

    Die Argumente von Grüninger sind selbstredend: Nach Jahrhunderten von Tierversuchen steckt man also in den Anfängen der biomedizinischen Forschung! Auch die viel zitierte Krebsgenmaus hat keinen Erfolg gebracht. Man kann der Maus jetzt Krebs züchten und wieder heilen, aber das nützt dem Menschen nichts.

  • Sandro Bühler sagt:

    Tierversuche werden oft nicht sachgemäss durchgeführt (keine zufällige Zuteilung auf Versuchs- und Kontrollgruppen, die Experimentatoren kennen die Hypothese, die sie untersuchen, was zu einer Verfälschung der Resultate führen kann). In den Human- und Sozialwissenschaften sind randomisierte Doppelblindstudien seit bald 100 Jahren Standard. Folge: Den Resultaten kann nicht getraut werden. Die Tiere leiden völlig umsonst, was ein Skandal ist. Weiter zeigt sich, dass Tierversuche kaum je zu erfolgreichen Anwendungen führen (). Ohne Alternativmethoden geht es nicht (Pound&Bracken 2014).

  • Sandro Bühler sagt:

    Die dritte Kolumne für Tierversuche im letzten halben Jahr (der letzte auch von Grüninger, zuvor von einer Tagi-Journalistin unter dem Label „Analyse“). Darf es auch einmal eine tierversuchskritische Kolumne geben? Oder ist Meinungsvielfalt und Debatte nicht mehr erwünscht beim Tagi?

  • Reimann sagt:

    Während Jahrtausenden ging man davon aus, dass der Mensch eine Seele hat. Wenn Jemand krank war, versuchte man mit Ritualen die Seele zu heilen. Inzwischen wird die Seele im Heilungsprozess ausgeklammert und nur noch der „falsch funktionierende“ Körper als die Urache einer Krankheit angesehen. Beides ist nur halb richtig. Wenn wir lernen, den Menschen als ein Zusammenwirken von Körper Seele und Geist zu betrachten kann Heilung geschehen. Dann werden Tierversuche nutzlos, denn der Mensch ist in seiner Seele mit dem Leid der Tiere verbunden und das macht ihn krank.

    • Peter Fust sagt:

      Rudolf Virchow, 1821-1902, Prof. an der Berliner Charité wird der Ausspruch zugeschrieben : „Ich habe 1000 Leihen seziert und nie eine Seele gefunden“. So alt ist das mechanistische Weltbild der medizinischen „Wissenschaft“.

  • Reimann sagt:

    Der Mensch ist gesund, wenn er im Einklang mit sich, der Tierwelt und der gesamten Schöpfung lebt.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Kleine, nicht unwesentliche Ergänzung: und der Mensch BLEIBT nur WIRKLICH gesund, wenn er im Einklang mit sich, der Tierwelt und der gesamten Schöpfung lebt.

  • Onkel Arnold sagt:

    Die Ansicht, wir Menschen seien auf welche Art auch immer wertvoller als andere Tiere, kann man ähnlich gut rechtfertigen wie die Aussagen, Männer seien wertvoller als Frauen resp. Weisse wertvoller als Schwarze: nämlich gar nicht! Tierversuche sind speziesistisch und gehören sofort abgeschafft.

  • Der Grosse Rat befand in einer „reduzierten Debatte“ über die 141,5 Mio. Franken. Eine Wortmeldung stand nicht allen Ratsmitgliedern zu und eine Diskussion über die Erweiterungen der Kapazitäten für die Tierversuche wurde abgewürgt. Für den Rückweisungsantrag von Grossrätin Simone Machado Rebmann waren gerade mal zwei Minuten Redezeit erlaubt. Kritische Fragen waren nicht möglich. Und dies bei einem 141,5 Mio.-Projekt! Allein schon als Protest gegen diese undemokratischen Machenschaften des Kantonsparlaments ist es wichtig, dass das Referendum zustande kommt.

  • Boris Hueting sagt:

    Sevran Grüniger schreibt, dass kein Forscher auf Ersatzmethoden verzichten würde, «wenn er damit dieselben Fragen beantworten könnte wie mit einem Tiermodell. Zellkulturen oder Computermodelle sind nämlich nicht nur aus ethischer Sicht unverfänglicher als Tierversuche – sie sind auch günstiger und schneller.»

    Heutzutage bekommt die Stiftung 3R 300000.– Fr. vom Bund und nochmals so viel von der Pharam. Für Forschung an Tierversuchsmethoden gibt der Bund 76 Millionen aus. Es gibt viele Projekte, welche die 3R nicht unterstützen kann wegen fehlendem Geld.

  • Doktorandin Neurowissenscaften ETH sagt:

    Sehr geehrter Herr Grüninger,
    Leider ist Ihr Artikel sehr unreflektiert. Wie Sie selbst sagen, steht die Neurowissenschaften beispielsweise ganz am Anfang. Entsprechend werden leider auch viele Tiere für Versuche (miss)braucht, welche sich oft als komplett sinnlos erweisen, leider oft auch vorhersehbar. Und tatsächlich wird in meinem Fachbereich (Motorcortex) davon ausgegangen, dass ca 90% (!) der Ergebnisse nicht auf den Mensch übertragbar sind. Und selbst in der Schweiz wird mit den Tieren nicht gut umgegangen, wer anderes behauptet ist nicht ehrlich.

  • Peter Zweigelt sagt:

    REATCH ist keine „Denkfabrik“, sondern eine Gruppe Marionetten, die von Tierversuchslobbies bezahlt werden. Von denen braucht man kein Wort zu glauben.

    Wir machen keine Versuche an Waisen, Gefängnisinsassen oder geistig Behinderten. Dann gibt es auch keine Rechtfertigung, Versuche an Tieren zu machen. So weit hat der Autor wohl noch nie gedacht.

  • Hans Hegeschweiler sagt:

    Müsste man nicht zwei Fragen unterscheiden: 1. Lassen sich durch Tierversuche Gesundheitsschädigungen beim Menschen verhindern? 2. Darf der Mensch zu seinem Wohl tierisches Leben opfern? Die erste Frage lässt sich hier nicht sinnvoll diskutieren, die zweite Frage schon. Der überwiegende Teil der Menschheit wird eine Opferung tierischen Lebens für ethisch vertretbar halten, wenn schwerer Gesundheitsschaden für Menschen abgewendet werden kann.Das mag Spezies-egoistisch sein, ändert aber nichts an der Vertretbarkeit des Argumentes, das nur gilt,. wenn die Versuche nachweisbar Sinn machen.

  • Irene Varga sagt:

    Wer ein Spaceshuttle bauen will, sollte nicht Zeit damit verschwenden Modelle von Einfamilienhäuschen zu studieren. – Die Forschung hat sich beim Tierversuch komplett im Modell geirrt. Tiere sind nicht kleine, weniger komplexe Menschen, sondern eben ein ganz anderes, komplexes System. – Der Tierversuch hat jedoch einen unbezahlbaren Marketing-Wert: man kann damit beweisen, was man will. Darum werden ihn die Pharma-Branche und seine Verbündeten nie freiwillig aufgeben.

  • Toni Wälti sagt:

    Im Grunde ist es doch ganz einfach: Es war die Pharma-Industrie, die seinerzeit verlangt hat, dass Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben werden. Mit dem schönen Resultat: jetzt kann man unausgereifte Medikamente auf den Markt bringen, und wenn dann etwas passiert, kann man sich so wunderschön herausreden: Wir haben alle gesetzlich vorgeschriebenen Massnahmen erfüllt! Man kann also nicht haftbar gemacht werden und spart so Milliarden. (und die Kosten der Tierversuche zahlt der Verbraucher: Jeder, der Tierversuche durchführt, weiss, dass sie völlig sinnlos sind.

  • Wieso nicht Versuche am Menschen? Es gibt sie bereits. Man nennt sie einfach „Klinische Tests“ statt „Menschenversuche“, und ob ein Medikament überhaupt am Menschen wirkt bzw ob generell Ergebnisse aus dem Tierversuch „übertragbar“ sind, erfährt man immer erst in den Klinischen Tests (KT). Insofern sind Tierversuche also vollkommen überflüssig, denn es ist ein Prinzip der Aussagenlogik: wenn E(KT & Tv) = E(KT), dann ist Tv=Tierversuche für E=Ergebnis irrelevant. Wären Tierversuche relevant, würden wir keine Schokolade essen oder Aspirin schlucken, denn beides tötet Versuchstiere (Hunde)

    • Irene Varga sagt:

      Leider kann man auch mit den Menschenversuchen (rund 1000 – 70’000 Pers.pro Studie) sehr viel „Unfug“ anrichten. Zu verschieden sind die Individuen und deren Darmflora. Da rutscht schnell ein Simpson Paradox in die Auswertung (oft unabsichtliches gegenteiliges Ergebnis) oder gewisse Vorkommnisse werden unterschlagen (absichtliche Fälschung). Viel besser ist: Überlegen und Forschen mit menschlichen Zellen, Geweben, Organen (OP-Abfälle, Biopsien) und Computer gestützte Experimente auf „human-on-a-chip“. Also generell zuerst Wissen seriös erarbeiten, bevor man der Welt neue Substanzen zumutet.

  • franz sagt:

    Herr Grueninger, wir alle wissen was aus Contergan wurde. Auch dort wurden Tierversuche auch bei Schwangerschaft gemacht.
    Ausserdem ist es ja so dass der grösste Teil der Tierversuche nicht medizinisch begründet ist sondern etwa für Kosmetik und fúr die Tabakindustrie (JA, noch heute)!
    Wer sich zu diesem Thema wirklich informieren will sollte das auch auf den Seiten von Peta-Tierversuche tun. Dieser Artikel hier ist sehr flach!

  • Irene Varga sagt:

    Contergan beweist, dass die Medizin ohne Tierversuche, aber mit ausgiebigen Zell-, Organoid-, Organ-, Biochip- etc. -Studien besser da stünde: In der Türkei konnte Prof. Sureyya Tahsin Aygün aus Ankara damals schon an Zellkulturen (menschliche Leberzellen von Totgeburten) aufzeigen, dass Thalidomid, der Conterganwirkstoff, teratogen wirkt. Türkei stoppte deshalb die Thalidomid Einfuhr und rettete so die Gesundheit vieler Kinder. Zudem: Gerade bei Embryoschädigung ist der Tierversuch extrem unzuverlässig und widersprüchlich..

  • Bernhard TRachsel sagt:

    Wenn man wie Herr Grueninger die Thematik so oberflächlich „analysiert“, kann man natürlich zu einem befürwortenden Schluss kommen. Wer jedoch die bei klassischen Tierversuchen angewandten Methoden unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass ein Grossteil der Versuche wissenschaftlich so fragwürdig konzipiert sind, dass die Ergebnisse oft nur zufällig sind. Und dies wiederum ist einer der Gründe, weshalb man auch nach 40 Jahren Intensiv-Forschung nur sehr bescheidene Resultate erzielt hat. Es profitieren die Experimentatoren, aber nicht die Allgemeinheit.

  • Louis Odermatt sagt:

    Grüninger hat mit Recht einige wichtige Punkte in dieser Diskussion vertreten. Die Kommentare hier erinnern mich in fataler Weise an die Diskussionen um Gentechnik und Kernenergie. Ähnlich ideologisch geprägte Sichtweisen. Damit werden wir in der Schweiz keinen Schritt weiter kommen. Einzige Folge:Bestimmte Tierversuche – wenn es hier nicht mehr möglich ist – werden nach China oder Inden ausgelagert. Gleichesbahnt sich ja auch mit der sog. „Energiewende“ an: Wenn hier konstanter Strom nicht mehr aus AKWs kommen darf, so wird eben F-Atom- oder D-Braunkohlestrom importiert. Augenwischerei!

  • Henriette Kläy sagt:

    Ich frage mich schon lange, wozu diese Forschungen überhaupt noch gemacht werden: da werden wundersame Heilmöglichkeiten hebeirgezaubert, die dann doch dermassen teuer sind, dass sie in unserer 2-Klassenmedizin dem Gros der Bevölkerung gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Von den Krankenkassen wird nur bezahlt, was man nicht hat, und wer von AHV, IV, EL, Sozialhilfe usw. abhängig ist – und das sind Tag für Tag mehr! – dem wird ohnehin nur die allerrudimentärste Behandlung zugestanden. Diese Forschung ist ein teures Hobby für einige wenige Privilegierte, weg damit und Schluss mit der Quälerei!

  • Paul Grüni sagt:

    Ich wäre ja auch gegen Tierversuche. Leider hat der Aderlass, das Schröpfen, die Viersäftelehre und ja sogar die „moderne“ ganzheitliche Therapie noch kaum einem Krebspatienten das Leben verlängert.
    Herkömmliche Zellkulturexperimente werde selbstverständlich den Mausexperimenten bevorzugt, da schneller, billiger, etc. Jedoch entspricht der Plastikboden von Zellkulturschalen nicht gerade dem natürlichen Habitat von Krebszellen, selbst Kokulturen kommen der Wirklichkeit nur einen kleinen Schritt näher.
    Gut geplante Mausexperimente sind deshalb unverzichtbar.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Wenn man die Kosten der Krebsbehandlung durch die Schulmedizin mit den Resultaten vergleicht, so kann man in den allermeisten Fällen nur von einem totalen Desaster reden. Die meisten Menschen werden durch Chemo- und Strahlentherapie zusätzlich massiv geschädigt, wodurch die Lebensqualität bis zum baldigen Tod gründlich ruiniert wird.

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