Die andere direkte Demokratie

Wer hierzulande von Demokratie spricht, meint vor allem die direkte. Und wer von der direkten Demokratie redet, denkt unweigerlich an Volksrechte: Referendum und Initiative sind die Instrumente, mit denen wir die Politik der Behörden bremsen und anschieben.

Mit dem Aufkommen des Cyberspace hat direkte Demokratie weltweit eine neue Bedeutung erlangt. Gemeint ist das, was die Kommunikationswissenschaft etwas ungelenk «Disintermediation» nennt: den Abbau von Vermittlern durch die Internetkommunikation. Denn mit dem Cyberspace brauchen Sender keine hochtrabenden technischen Kanäle mehr, um ihre Botschaften zu kommunizieren. Sie können es, mit einfachen Instrumenten der Kommunikation, häufig selber tun.

Nicht alle, die bloggen, sind damit glücklich geworden. Einzelne sind wegen unverzeihlicher Fehler gescheitert.

HERBSTSESSION, HERBST SESSION, NATIONALRATSSAAL,

In Kommentaren wird oft hemmungslose Kritik an Politikern geübt: Computer im Nationalratssaal (26. September 2013). Foto: Keystone

Bezogen auf die Politik relativiert das die Bedeutung der Repräsentation, wie sie Parlamente, Parteien und Verbände garantieren. Cyber-Kommunikation verstärkt Demokratie nicht per se, denn die direkte Kommunikation ohne Regeln erhöht die Unübersichtlichkeit und verringert die Sicherheit von Verfahren der Entscheidung.

An diese Seite solcher Risiken sind aber unerwartete Chancen getreten. Bundesräte wurden zu Bloggern. Fachleute erörtern mit ihren Kolleginnen und Kollegen relevante Fragen vor Publikum. Thinktanks propagieren ihre umfangreichen Berichte mit knappen Beiträgen, die zum Weiterlesen reizen. Lobbyisten schaffen Vertrauen, indem sie Transparenz über ihr Treiben herstellen. Das alles ist neu, und ohne Cyberkommunikation wäre es praktisch undenkbar.

Blogs sind ein Kind der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts. In der Schweiz durchgesetzt haben sie sich während der 00er-Jahre des 21. Jahrhunderts. Ihre Zahl, auch ihre Nutzerinnen und Nutzer sind nicht bekannt. Man spricht von 10 Prozent der Internetnutzer, die mit Blogs senden und empfangen.

Die Bandbreite der Stimmen, die dank Blogs öffentlich werden, ist heute pluralistischer denn je. Geöffnet wurde auch das Spektrum der Meinungen. Aus Organisationen werden Leader, Sprecher, die etwas zu sagen haben und es mediengerecht kommunizieren können.

Nicht alle, die bloggen, sind damit glücklich geworden. Einzelne sind wegen unverzeihlicher Fehler gescheitert – weit über die Blogosphäre hinaus. Andere können sich rühmen, Debatten über den Fallschirm des bestverdienenden Managers in unserem Land angeschoben zu haben.

Bei weitem nicht alles Neue ist den Bloggern zu verdanken. An ihre Seite sind Facebook und Twitter getreten, beides Instrumente, die recht einfach zu bedienen und mit beschränktem Aufwand zu betreiben sind. Blogs haben aber den Vorteil, dass man ausführlicher argumentieren kann, denn man ist beispielsweise nicht auf 140 Zeichen beschränkt. Und gerade in der Politik sind Blogs weniger auf das Bildhafte und Emotionale fixiert, wie das bei Facebook häufig der Fall ist.

Man kann es auch so sagen: Blogs sind jener Ort der standortbezogenen Kommunikation mit Argumenten und Fakten geworden, der von den agilen sozialen Medien konkurrenziert, aber auch befruchtet wird. Das Ganze zusammen hat das Mediensystem verändert. Hybrider, sprich gemischter, ist es geworden, sagen uns die Experten der politischen Kommunikation.

Bezogen auf Massenmedien haben Blogs gleich mehrere Funktionen. Zunächst sind sie Mikro-Vermittler zwischen politischen Akteuren und Massenmedien. Sie bereiten neue Geschichten vor, sie speisen vernachlässigte Sichtweisen ein und sie liefern auch mal Fakten, die unterzugehen drohen. Medien wiederum konsultieren Blogs, wenn sie eine Story brauchen, aber auch, wenn sie seriöse Recherche betreiben. Wer etwas zu sagen und schreiben hat, wird so gefragt (oder ungefragt) zur Referenz bei Medienschaffenden – auch ohne dass man jede Woche miteinander telefonieren muss.

Umstritten geblieben sind Blogs als Instrumente der Medien selber. Anfänglich standen die Blogger dem kritisch gegenüber; man fürchtete um Authentizität. Heute machen die meisten mit, wenn sie Angebote erhalten, via Plattformen der Medienhäuser ein grösseres Publikum ansprechen zu können. Geblieben ist die Skepsis, wenn Journalistinnen und Journalisten ihre Blogs nicht Dritten öffnen, sondern dazu gebrauchen, um ihre Artikel, die sich nicht platzieren konnten, auf diesem Weg zu publizieren.

Der Angelpunkt der Diskussion heute sind die Kommentarspalten zu den Blogs. Ohne Regeln, ohne Moderation können sie zum Tummelfeld der Kritik werden, die polemisch und verletzend agitieren kann. Das schreckt ab, denn mit gelebter Debatte hat das nichts zu tun.

Die kritischste Form der Blogs in Onlinemedien ist der digitale Populismus. Gemeint ist, dass als Reaktion auf Blogbeiträge häufig in anonymisierter Form hemmungslose Kritik an Politikern oder Politikerinnen und politischen Institutionen geübt werden kann. Denn so entziehen sich die Autoren ihrerseits der Kritik, der Prüfung von Fakten, der Präsentation von Argumenten, die sie widerlegen, aber auch der Verantwortung für das von ihnen Geschriebene.

Die so veranstaltete direkte Demokratie hat kaum mehr etwas damit zu tun, was wir uns alle wünschen: durch Debatten, Argumente und durch Fakten zu qualifizierten Standpunkten zu kommen – wo es zwar kein gesichertes Wissen gibt, aber Einschätzungen über den Moment hinaus fehlerhaftes Handeln verhindern sollen. Mit oder ohne etablierte Volksrechte, aber dank offener Diskussionen auch via Blogs.


 

Happy Birthday, Blogs! 15 verschiedene Blogs, mehrere tausend Beiträge und weit über eine Million Kommentare: Da stehen wir nach fünf Jahren. Die Blogs gehören heute zum festen Inventar von tagesanzeiger.ch. Nationale Bekanntheit haben nicht nur die Klassiker wie der Mama- oder der Sweet-Home-Blog erlangt. Auch neuere Blogs, wie etwa «Manage Your Boss» oder «Welttheater», fanden schnell Anklang bei den Leserinnen und Lesern. Grund genug um nach fünf Jahren Geburtstag zu feiern. In den kommenden zehn Tagen feiern wir unsere Blogs mit speziellen Postings. Und in Videos und weiteren Blogpostings gewähren wir Ihnen einen Blick hinter die Kulissen, porträtieren Autoren – und schreiben über unseren Umgang mit Kommentaren und Kommentarschreibern. Fehlt noch was? Ja! Erst durch die Kommentare von Ihnen, liebe Userinnen und User, entstehen spannende Diskussionen und Debatten. Ein herzliches Dankeschön dafür. Sie finden alle Jubiläums-Beiträge hier.

39 Kommentare zu «Die andere direkte Demokratie»

  • Frank Gerber sagt:

    Ob es in Blogs weniger „gesichertes Wissen“ gibt als in der einseitigen Berichterstattung unserer Medien würde ich bezweifeln. Man betrachte z.B. die Goldinitative: die Artikel in der Presse sind gefühlt 95 % kontra, 5 % pro. Würde man im redakitonellen Teil eine ausgewogene Zahl von Statements beider Lager publizieren, würde uns Bloggern ein Haufen Arbeit erspart. Ähnliches bei der Ukraine-Krise. Oder auch bei Impf-Debatten. Es gibt eine grosse Zahl von Experten, welche die Wirkung von Impfungen in Frage stellen (und dies belegen können). Zu Wort kommen aber ausschliesslich Impf-Befürworter

    • Oreg Meyer sagt:

      Das ist ein guter Punkt: Die Blogosphäre bietet leider auch Verschwörungstheoretikern aller Art eine Bühne, sei es die Verschwörung des Westens gegen Putin („der will doch nur spielen“), die Verschwörung der bösen Impfindustrie gegen vom Aussterben bedrohte Krankheiten oder die Verschwörung der Volkswirtschaftslehre gegen die mythische Kraft des Nationalbankgoldes. Leider gibt es Menschen, die den hanebüchenen Behauptungen irgendwelcher Blogger mehr vertrauen als der Wissenschaft.

      • Roland K. Moser sagt:

        Meinen Sie die Wissenschaft, welche behauptet, auf einem Planeten mit endlicher Oberfläche sei unendliches Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum möglich?

      • Linus Huber sagt:

        @ Oleg Meyer

        Ich finde es immer interessant, wenn das Schlagwort „Verschwörungstheoretiker“ Anwendung findet. Ganz abgesehen davon, dass viele sogenannte „Verschwörungstheorien“ sich an einem späteren Zeitpunkt bestätigten (z.B. NSA), basieren diese oft einfach auf deduktiver Logik angewandt auf das menschliche Verhalten. Es muss sich hierbei keineswegs um eine „Verschwörungen“ im engeren Sinne des Wortes handeln, sondern einfach die Bündelung gleich orientierter Interessen, welche durchaus in einer nicht klar strukturierten Form entstehen mag.

    • Thomas Flückiger sagt:

      Oder beim Thema Kobolde oder Einhörnern sieht man dieselbe Einseitigkeit… Mein lieber Herr Gerber. Ausgewogenheit bedeutet mit Nichten, zu jedem noch so abstrusen Thema die gleich Anzahl Pro- und Contra-Schreiberlinge zu Wort kommen zu lassen. Sie finden nun mal z.B. beim Thema Immunologie nur sehr sehr sehr wenig Spezialisten, welche Impfungen ablehnen. Es wäre also im Gegenteil sehr unausgewogen, beiden Seiten denselben Raum einzuräumen.

      • Frank Gerber sagt:

        Flückiger, ausgewogen ist sicher nicht, ausschliesslich die eine Seite zu Wort kommen zu lassen, da gehen Sie doch bestimmt mit mir einig?

    • Peter Krummbuckel sagt:

      Wie beim Klimawandel die Schuld dem Mensch in die Schuhe geschoben wird. Es gibt auch ausgezeichnete Wissenschaftler, die in der Sonne resp. deren Eruptionen die Ursache erkennen. Doch diese Wissenschaftler lässt man absichtlich aussen vor und vertreibt sie sogar von öffentlichen Lehrstühlen.

  • s.frei sagt:

    natürlich darf man statistiken nach „gefühlten“ und (vom staate/verwaltung) gedeckte fragen aufstellen. nicht traurig und interpretationslos muss man halt in kauf nehmen , dass diese im leeren argumentieren. da hillft auch keine fliege. als vollständig selbst- und vorallem unabhängige institution müsste man sich sich halt in den frischen wind stellen, will man ja nicht. beamten definieren und srg sekundiert , er selbst darf sich jedesmal ( !) rausreden. so sieht’s doch aus. und nützen tut’s ja sowwieso nicht…die ralität gewinnt , immer !

  • Frank Gerber sagt:

    Dank den Blogs wird die Presselandschaft endlich wieder, was sie gemäss Auftrag schon immer hätte sein sollen: Die vierte Macht im Lande.

    • Pierre Vaterlaus sagt:

      Lieber Hr. Gerber, schön wäre es, die Blogs und Foren sind mittlerweile alle unterwandert, wie man unschwer erkennen kann, Meinungsbildung funktioniert hier via Zensur, Einheitsmeinung und Beschimpfung Andersdenkender. Beispiele dazu gibt es genug, gerade auch in TAGI und BAZ. Wer die Kommentare z.B. zum Interview von P von Matt liest, erkennt sehr schnell, was ich meine. Die 200 Mio. Stiftung Blochers wirkt bereits, die Volkserziehung a la Nordkorea macht grosse Fortschritte. Ob Sie wohl das meinen mit der 4. Gewalt?

  • Michael sagt:

    Wieso wird den Blogs so eine grosse Wichtigkeit unterstellt ? Da darf Hans und Franz doch schreiben was er will – Elvis lebt, Kennedy hat sich selbst erschossen, die Twintowers sind von alleine eingestürzt und Atomkraftwerke sind sicher. Dazu kommt, das der Bloginhaber Beiträge ohne einen Grund nennen zu müssen zensieren kann. In meinen Augen sollen Blogs nur dazu dienen, das die Bevölkerung ruhig auf ihren Sofas sitzen bleibt und nicht auf die Strasse geht – tut ja nicht mehr Not, man hat seinen Unwillen im Blog zu Sprache gebracht !

    • Linus Huber sagt:

      @ Michael

      Ein immer höherer Anteil der Bevölkerung (speziell die jüngeren Menschen) informieren sich zunehmend in diesen Blogs. Die Bedeutung der kontrollierten Medien auf die Meinungsbildung der Gesellschaft (auch in der Form der Themenkontrolle) verliert daher zunehmend an Gewicht, was natürlich nicht im Sinne derjenigen liegen kann, welche uns zu manipulieren versuchen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu erkennen, dass Politiker zwecks Erweiterung ihrer Macht und ihres Einflusses die Meinungsbildung via Medien zu ihren Gunsten zu beeinflussen versuchen.

  • Ronnie König sagt:

    Die fast wichtigste Erkenntnis kommt mit den letzten Zeilen! Demokratie hat offenbar viele Kanäle die letztlich aber auch das Gesicht der Demokratie beeinflussen und Stimmungen erzeugen kann. Also nicht nur die „Arena“. Und nur wenige Blogs haben den Eindruck, dass fundiertes Wissen gelesen werden kann. Aber was nützt dies letztlich, wenn der Volkswillen immer wie mehr verwässert oder gar missachtet wird? Demokratie zur manipulierten Demokratur wird, oder einfach die Diktatur des Kapitals sich etabliert, eine schleichende Feudalisierung statt findet. Da ist der Blog ziemlich hilflos.

    • Linus Huber sagt:

      Gesellschaftliche Bewusstseinsveränderungen laufen immer sehr träge und langsam ab, und dann auf einmal schnell.

  • Marcel Senn sagt:

    Wie ich gerade festgestellt habe bin ich hier auch nur in einem dieser zensuriertern Blogs — mein Kommentar wurde sang- und klanlos einamal mehr zensuriert`! Eure Meinungsfreiheit ist doch auch nur eine dieser beschissenen Lügen!! Verdammte Heuchler seid Ihr!

    • Oskar Brunner sagt:

      Da bin ich mal absolut gleicher Meinung mit ihnen Herr Senn!!

    • Walter Boshalter sagt:

      Gerne nochmals langsam zum mitschreiben: Blogs sind NICHT demokratisch verankerte Informationsquellen sondern unterliegen dem diktatorischen Gutdünken des Blogbetreibers. Dazu gehört auch die Kommentarfunktion welche an- oder abgeschaltet sein kann bzw. einer Zensur unterliegen mag. Ist jedoch kein Problem und gehörte schon immer zur Blogkultur. Wenn ein Kommentator nach „Meinungsfreiheit“ schreit, weil sein Komment nicht veröffentlich wird steht es ihm nämlich frei, einen eigenen Blog irgendwo in den Tiefen des Internets zu öffnen und dort seine Ansicht kundzutun.

      • adam gretener sagt:

        Das verwechseln viele Kommentatoren häufig. Ein Blog oder eine Kommentarfunktion einer Zeitung sind immer noch Privatgrund. Das Gegenteil der Zensur besteht ja darin, dass jeder seinen eigenen Blog, seine eigene Zeitung gründen kann und soll.

        Manchmal verstehe ich auch nicht recht, weshalb genau dieser oder jener Kommentar von mir nicht veröffentlicht wird. Sind ja alle eloquent, superschlau und sachlich…

  • rascha kocher sagt:

    Eine ‚Demokratur‘ der libertären Anarchismen verlangt ein direktdemokratisches Aufbäumen. Auch wenn sich Gebildete im Schosse der selbsterschaffenen Errungenschaften räkeln (dürfen), verheisst dies nicht, dass 99% andere AUCH den Planeten zum Teilen beanspruchen wollen und werden [inklusive sämtliche lebensbedrohten Lebewesen]…

  • zweistein sagt:

    Das Internet, die Blogosphäre kommt wunderbar ohne kommerzielle Massenmedien aus. Bundesräte, die bloggen: Gähn! Alternative Forscher, Denker, Bastler, Enthusiasten, Querköpfe, die über Staatsgrenzen hinweg, in Echtzeit ihre aktuellen Erkenntnisse mutig und freisinnig mit Gleichgesinnten teilen: Wow! Das ist umwerfend fantastisch. Das hat Weltveränderungs-Potential.

    • Linus Huber sagt:

      @ zweistein

      Genau so ist es. Gesellschaftliche Bewusstseinsveränderungen basieren auf neuen greifenden Ideen, welche sich wie ein Flächenbrand rasch zu verbreiten vermögen. Viele dieser Ideen sind die Mosaiksteine, welche auf einmal ein neues Bild (Gesellschaftsordnung) erkennen lassen.

  • Romy sagt:

    Die andere Demokratie demonstriert uns vor Abstimmungen immer Longchamp mit seinen Umfragen zwecks Manipulation zu Gunsten der Linken. Da „sein“ Forschungsinstitut und er als SP-Mitglied ohnehin nach dem Mund des ultralinken, hinterhältigen de Weck spricht, sollte einem jeden aufgefallen sein (Säuhäfeli – Säudeckeli). Longchamp war und ist noch nie neutral gewesen. Ich glaube seinen Umfragen nie, denn diese lassen sich bequem steuern, dazu benötigt man nur div. Gemeinden die hauptsächlich rot-grün gefärbt sind, ruft dort Einwohner an und schon kommt man auf von Rot-Grün gewünschte Resultate.

    • Michi sagt:

      Werte Romy,
      ich kann die Logik hinter dieser immer wieder auftauchenden Unterstellung einfach nicht nachvollziehen. Mir erscheint eine solche Manipulation einfach nicht sinnvoll. Den Effekt, dass Stimmbürger in Ihrer Meinungsbildung von Umfragewerten beeinflusst werden, halte ich gegenüber dem Mobilisierungseffekt durch schlechte eigene Umfragewerte für zweitrangig.
      Also ich persönlich habe noch nie gedacht: „Hmm, bei Vorlage XY wird hohe Zustimmung prognostiziert, da sollte ich wohl auch zustimmen.“ Und ich hoffe doch, dass sich die meisten Stimmbürger ihre Meinung etwas selbständiger bilden.

  • Adrian Bühlmann sagt:

    Was auch fasziniert, ist die Benutzerinteraktion über Kommentare – wie hier. So etwas hat es vor den Internetzeiten nicht gegeben. Die Reichweite, Glaubwürdigkeit und Bedeutung von Leserkommentaren sind natürlich unklar. Tortzdem ist es interessant, wenn ein CEO in einem Artikel über einen Mangel an Stellenbewerbern jammert und vor ener Beschränkung der Zuwanderung warnt, und darunter dann ein Person antwortet, sie habe als ü40 auf ihre Bewerbungen bei der betreffenden Firma nicht einmal eine Antwort erhalten. Das hat m.E. erhebliches demokratisches Sprengpotential – positives oder negatives.

  • Bruno Schwerzmann sagt:

    Auch bei jeder Gemeindeversammlung finden sich die üblichen Verdächtigen – Profilneurotiker, Partei-Präsenzmarkierer und Generalprotestierer, die zur Sache nichts beitragen und nur die Zeit der anderen verprassen. Diese müssen mit Augenmass im Zaum gehalten, aber nicht komplett unterdrückt werden. „Live“ sind diese Einschränkungen immer nachvollziehbar, digital fehlt aber diese Transparenz und das entsprechende gewachsene Vertrauen in die Moderation.

    • Hugo Reichmuth sagt:

      Das ist ein altes Thema…
      Für mich ist die Moderation in der „Zeit“ immer noch mustergültig: Man sieht ALLE Beiträge, nur dass die regelverstossenden ganz oder teilweise zensiert sind (mit Begründung). Ich kann mir aber jederzeit ein Bild von der Zensur machen.
      Ich begreife es echt nicht, wieso diese grundehrliche und transparente Art nicht auch in der Schweiz Einzug hält.
      Ich habe schon 4-6 Moderations-Diskussionen erlebt: Viele gute Vorschläge – null Umsetzung.
      Es wäre cool, wenn sich eine/-r der Moderationsverantwortlichen dazu äussern würde.

  • Walter Bossert sagt:

    Eine ganz besondere Abneigung gegen die neue Art der Kommunikation lese ich aber erstaunlicherweise immer aus den Beiträgen der Politiker, welche sonst für Weltoffenheit und Moderne sind! Da diskutiert man über Empfängnisverhütung und schon wird von der anderen Seite der Eindruck erweckt, ui über so was redet man doch nicht. Aber der Herr Senn hat es schon angetönt, ich würde es aber nicht gerade so krass beurteilen!

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    ich denke nicht, dass bloggen aufgabe der politischen gremien ist – zumindest nicht in der exekutive. hingegen ist es eine gute möglichkeit für die bürger, ihre meinung kund zu tun, die stimmung auszuloten und ihre meinung zu äussern. ich stelle persönlich fest, dass der schweizer bürger politisch weitgehend mündig ist.

  • O. Thalmann sagt:

    Blogs überbringen in vielen Fällen Wahrheiten, die von den Medien ignoriert werden. Deshalb sind Blogs eine erfrischende Ergänzung zu den Beiträgen der Journalisten. Doch die wahre Macht haben immer noch die Medienhäuser und sie beeinflussen das politische Geschehen manchmal weniger subtil, als man sich als Leser das wünschen würde. Die neutrale Berichterstattung über aktuelle Geschehnisse oder solche von Interesse, gehört der Vergangenheit an. Die Neugierigen sind auf jeden Fall besser informiert – also, sich an verschiedenen Orten informieren.

  • Felix Stern sagt:

    Ich denke, es ist absolut unbestritten, dass die Entwicklung der Blogs und der Social Media einen massiven Einfluss auf unsere Demokratie haben wird. Es ist auch zu befürchten, dass dieser nicht zwingend nur positiv sein muss. Dabei mache ich mir wegen der „unmoderierten Blogs“ wenig Sorgen. Was sich hingegen eher abzeichnet, sind die „Massenmeinungen“, die sich da irgendwie finden und festigen und zeitweise gar in Massenhysterien ausarten können. Kurz: wir können es mit einer neuen Art des Populismus zu tun bekommen. Diesen Populismus müssen wir erst noch bändigen.

    • Linus Huber sagt:

      @ Felix Stern

      Vielleicht ist es nicht die Bevölkerung, welche einer Bewusstseinsveränderung wahrnimmt, das Problem, sondern jene, welche aufgrund persönlicher Vorteile das bestehende Entwicklung der Gesellschaftsordnung mit allen Mitteln zu verteidigen versuchen. Diese Entwicklung führt zu einer immer anonymeren Verantwortung (niemand ist persönlich verantwortlich), erhöht immer stärker die Kluft zwischen intuitiver Wahrnehmung von Gerechtigkeit und angewandtem Recht (Institutionalisierung von straffreiem Fehlverhalten – Vetternwirtschaft) und immer weniger Transparenz (ausser beim Bürger).

  • Hannes Müller sagt:

    Meine wichtigste Erkenntnis it dem Internet und den Blogs ist die Ernüchterung, wie wenig Journalisten von dem verstehen, worüber sie schreiben, und wie lange sie versuchen, das als Wirklichkeit zu verkaufen, was sie selber gerne als Wirklichkeit hätten.

    Während ich mich früher auf Zeitungen abonnierte, um informiert zu werden, abonniere ich mich heute, um auf dem Laufenden zu bleiben bezüglich der handgestrickten Theorien der Medienschaffenden (zum Beispiel bezüglich Energietechnik).

    • Bruno Schwerzmann sagt:

      Völlig richtig, Herr Müller. Leider ist die ursprüngliche Aufgabe des Journalismus, eine Auslegeordnung und möglicherweise Übersicht der Welt zu erstellen, komplett vergessen gegangen. Artikel, die nur noch enthalten „Person A sagt Blahblah, Person B sagt Bluhbluh, sind mir zu billig. Und Teilanalysen wie Spillmanns Ecopop-Leitartikel in der Samstags-NZZ, sind zwar gut gemeint, aber eben einäugig …

  • Peter sagt:

    „Cyber-Kommunikation verstärkt Demokratie nicht per se, denn die direkte Kommunikation ohne Regeln erhöht die Unübersichtlichkeit und verringert die Sicherheit von Verfahren der Entscheidung.“
    Dieser Satz kann nur von einem Umfrage-Analysten kommen;-) Denn was hier als Sicherheit bezeichnet wird, meint eigentlich nichts anderes als die Vorhersehbarkeit des Resultats. Und was als Unübersichtlichkeit und damit negativ terminiert ist, könnte als Bemängelung der fehlenden Moderation der Debatte verstanden werden. Eine moderierte Debatte ist lenkbar und das Resultat vorherseh- oder produzierbar.

  • max sagt:

    Claude Longchamp selber wurde ja Gegenstand von lautstarker Polemik und von Spott in den Kommentarspalten zu Zeitungsartikeln und Blogs.
    Viele Schweizer werden seit 20 Jahren systematisch im öffentlichen Diskurs diskriminiert. Ihre Stellungnahmen werden regelmässig ins Lächerliche gezogen von mainstream Medien. Blogs sind der Ort, wo die Leute um Gehör kämpfen.
    Longchamp wird als Akteur wahrgenommen mit seinen fehlerhaften Prognosen. Vielleicht es er Opfer. Viele Leute lügen ganz einfach, wenn sie am Telefon begragt werden, weil sie nicht immer von neuem die Dummen spielen zu müssen.

    • bermhard moser sagt:

      @ Max ich finde es nicht i.O. wenn das gfs und die SRG, auf kosten des Gebührenzahlers, Umfragen machen die oftmals falsch sind! Zudem stelle ich den Nutzen in Frage, wenn z.B. wieder am 30 November wir um 13 Uhr eine Hochrechnung zu Abstimmungen erhalten, wo Longchamp uns a) mitteilen muss das er das Resultat auch erst sagen kann, wenn die letzte Stimme ausgezählt ist. b) man das Resultat schon erahnen kann, weil um 12h30 Glarus schon ausgezählt ist. Oder c) Longchamp zugeben muss, dass die Umfragen der letzten Wochen falsch waren!
      Evtl. diskutieren wir dies dann am 31 November.

  • Hefti Rolf sagt:

    Das beste an Blogs und modernen Medien sind für mich, der Mensch zeigt damit die absolute Wahrheit über sich selbst. Sport sei gesund, Dopingpraktiken im Internet beweisen anderes. Alles feiwillig und freizügig freigegeben dank eigenem Narzismus. Wahrheitsgehalt 100%. Das selbe gilt für Banker, Terroristen, Wirtschaftskapitäne und 1001 andere Spezialisten. Die armen Journalisten müssen leider lügen, weil die nur die Meinung ihrer Chefs vertreten und verbreiten, müssen. Das wirkt veraltet und ist verhasst bei der uneingeschränkten Macht, welche die Chefs heutzutage haben.

  • Roland K. Moser sagt:

    Ich sehe es so, dass aufgrund der neuen Kommunikationstechnologien die Stimmbürger sich selbst mehr regieren können, weswegen den Politikern Kompetenzen zu entziehen und an die Stimmbürger zu delegieren sind.
    Unter anderem müssen die Hürden für Referendum und Initiative primär beim Bund auf 0,5 bzw. 1 % der Stimmberechtigten gesenkt werden In den Kantonen und Gemeinden ist es meines Erachtens auch dringend nötig.
    Mehr Demiokratie – Mehr Harmonie!

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