Der Druck auf mittlere Löhne nimmt zu

Als Arbeitnehmerorganisation setzen sich die Angestellten Schweiz selbstverständlich für faire Löhne ein. Dieses Ziel über einen flächendeckenden, vom Staat verordneten Mindestlohn zu erreichen, erachten wir aber als den falschen Weg. Diese Gründe sprechen aus unserer Sicht gegen die Mindestlohn-Initiative:

Nur etwa 10 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz kommen auf einen Lohn von unter 4000 Franken. Die mittleren Löhne der grossen Mehrheit würden durch einen Mindestlohn unter Druck geraten. Es besteht die Gefahr, dass sich die Arbeitgeber daran orientieren und die mittleren Löhne nach unten nivellieren. Der Ökonom Reiner Eichenberger befürchtet denn auch, dass die «allgemein negative Wirkung von Mindestlöhnen» Konsequenzen für den Mittelstand hat. Dieser werde die negativen Folgen in der einen oder andern Form mitzutragen haben.

Statt in Mindestlöhne sollte man in die Bildung der Betroffenen investieren.

Der Mittelstand muss negative Konsequenzen mittragen: Passantin vor einem Unia-Ballon in Basel. (Foto: Keystone)

Der Mittelstand muss negative Konsequenzen mittragen: Passantin vor einem Unia-Ballon in Basel. (Foto: Georgios Kefalas/Keystone)

Mit dem vorgeschlagenen Mindestlohn von 4000 Franken dürften aber auch Arbeitsplätze verloren gehen. Betroffen wären vor allem wenig Qualifizierte – besonders Frauen und Junge. Wir sind überzeugt, dass die Arbeitnehmenden besser und nachhaltiger gefördert werden, indem man in ihre Bildung investiert statt in Mindestlöhne.

Ein flächendeckender Mindestlohn ist ein zu starres Korsett. Die Kunst der Regulierung besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen der Angestellten nach höheren Löhnen und dem Bedürfnis der Arbeitgeber nach Flexibilität zu finden. Um diesen Ausgleich zu erreichen, setzen wir auf die bewährte Sozialpartnerschaft.

Die Mindestlöhne durch den Staat festlegen zu lassen, würde ein erfolgreiches System zur Lohnfindung infrage stellen. Dazu besteht keine Notwendigkeit. Die jetzige freie Lohngestaltung ermöglicht es den Betrieben, auch gering Qualifizierte und weniger Leistungsfähige in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Natürlich sind die exorbitanten Managerlöhne der Herren Dougan, Ermotti und Co. ein Ärgernis und eine Provokation. Dass deshalb viele mit einem Ja zur Mindestlohn-Initiative liebäugeln, nur um ein Zeichen zu setzen, ist verständlich. Trotzdem sprechen die dargelegten Argumente für ein Nein. Wohin «Denkzettel-Abstimmungen» führen, wissen wir spätestens seit dem knappen Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative.