Die Praxis ist auch eine Apotheke

Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes streiten Ärzte und Apotheker mal wieder darüber, wer den Patienten unter welchen Bedingungen rezeptpflichtige Medikamente abgeben darf. Heute Mittwoch befasst sich der Nationalrat mit der Revision. Nichts Neues im Milliardenmarkt des Gesundheitswesens, ist man mit Blick auf den Dauerkonflikt um die Medikamentenabgabe geneigt zu sagen. Die Vehemenz und Leidenschaft, mit der Ärzte und Apotheker diesen Streit führen, zeigt vor allem eines: Wie lukrativ es ist, Tabletten an den kranken Mann und die kranke Frau zu bringen.

Doch wie wäre es, wenn Ärzte und Apotheker in dieser Frage ausnahmsweise mal nicht primär an die eigenen Pfründe denken würden, sondern ans Wohl der Patienten – und an dasjenige der Allgemeinheit, welche die Medikamente am Schluss via Selbstbehalt, Krankenkassenprämien und Steuergelder bezahlt? Wie wäre es, wenn Ärzte und Apotheker ihre jeweiligen Kompetenzen bündelten, statt ob jeder Salbe neidisch zu werden, die der andere verkaufen darf?

Weshalb schiessen nicht reihum Gruppenpraxen mit integrierten Apotheken aus dem Boden?

Politblog

Medikamentenregal in einer Apotheke. Foto: Keystone

Konkret: Weshalb schiessen nicht reihum Gruppenpraxen mit integrierten Apotheken aus dem Boden? In denen der Arzt die Diagnose stellt und das Rezept ausfüllt und der Apotheker das richtige Produkt und die richtige Dosierung festlegt. Da er auf den Computer des Arztes zugreifen kann, sieht er sofort, ob der Patient Allergien oder andere Probleme hat, die bei der Wahl des Medikaments zu berücksichtigen sind. Da Arzt und Apotheker ein gemeinsames Patientendossier führen, erübrigen sich erst noch jene Zwangsgebühren, die heute in der Apotheke zu entrichten sind – und die keinen andern Zweck haben, als den Apothekern das Einkommen zu sichern.

Für Patientinnen und Patienten ist es praktisch und bequem, das Medikament direkt vom Arzt zu bekommen. Anderseits sind sie vielleicht zuweilen auch froh über die Zweitmeinung und den kritischen Blick des Apothekers auf das Rezept. Ideal wäre es daher, aus diesen unterschiedlichen Ansprüchen eine win-win-Situation zu schaffen: Arzt und Apotheker unter einem Dach, gemeinsam statt gegen einander. Die Budgetverantwortung der Gruppenpraxis sowie der Fixlohn sorgen dafür, dass Arzt und Apotheker nicht gemeinsam den Medikamentenkonsum ankurbeln, um Umsatz und Einkommen zu steigern. Wenn die Gruppenpraxis Rabatte mit der Pharmaindustrie aushandelt, kommt ein kleiner Teil als Bonus allen Angestellten der Praxis zugute, der Rest geht via Krankenkassen an die Versicherten.

Dass Ärzte und Apotheker Hand in Hand arbeiten, ist im Übrigen nichts Neues, sondern bewährter Alltag in den Spitälern. Daher ist es höchste Zeit, nach dem Spitalapotheker auch den Gruppenpraxenapotheker einzuführen.