Die Albaner werden dereinst so integriert sein, wie die Italiener

Die in die Schweiz eingewanderten Albaner und andere Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien sind heute in unserem Land das, was die Italiener, Portugiesen oder Spanier früher waren: unbeliebte und teilweise sogar verhasste Ausländer. Natürlich sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegen einzelne Volksgruppen kaum vergleichbar. Es gibt jedoch Ähnlichkeiten in der Art, wie diese Ausländer von den Einheimischen betrachtet werden.

So wird zu oft ein Bild von Menschen aus Balkanstaaten vermittelt, welches sie mit Delinquenz und Unsicherheit in Verbindung bringt. Dass dieser Eindruck entsteht, ist auch den Medien zu verdanken: In der Rubrik «Vermischtes» scheinen Ex-Jugoslawen ein Generalabonnement zu besitzen. So beschmutzt eine kleine, delinquente Minderheit den Ruf einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Dabei geht die grosse Masse derer vergessen, die friedlich und gut integriert in diesem Land lebt, arbeitet, lernt und konsumiert.

Die soziale Diskriminierung durch dumpfe Klischees wie «alles Diebe, Schmuggler und Mörder» geht mit diffusen Ängsten einher: «Sie nehmen uns die Arbeit weg.» Dieses Empfinden lässt sich übrigens bei Schweizern genauso wie bei Ausländern oder Eingebürgerten finden, die schon seit zwei oder drei Generationen in der Schweiz leben. Ob die durch diese Vorurteile und Befürchtungen angesprochenen Menschen nun politische oder wirtschaftliche Flüchtlinge sind, scheint nicht so wichtig zu sein. Die Meinungen sind gemacht: Sie beanspruchen zu viel Platz. Sie nehmen uns etwas weg.

Es liegt in der Verantwortung der Schweizer, eine Hauptrolle bei der Integration der Ausländer zu spielen, und zwar aller Ausländer.

Die meisten Albanerinnen und Abaner sind bestens integriert: Teilnehmerin an einer Kundgebung zur Unabhängigkeit von Kosovo in Genf (Februar 2008).

Die meisten Albanerinnen und Albaner sind bestens integriert: Teilnehmerin an einer Kundgebung zur Unabhängigkeit von Kosovo in Genf (Bild: Keystone, Februar 2008).

Vor 30 oder 40 Jahren mussten besonders die Italiener die unfreundlichen oder gar hasserfüllten Blicke bestimmter Schweizer ertragen. Aber die «Mauros» von damals heissen heute «Blerim». Dieselben Italiener sind heute manchmal schweizerischer als gewisse Schweizer und zeugen von einer gelungenen Integration in der Schweiz.

Inzwischen sind an den Gemeindeversammlungen Abstimmungen über Einbürgerungen von Albanern an der Tagesordnung. Witzig, wenn ein Schweizer Gemeindepräsident mit der Aussprache von exotischen Namen seine Mühe hat. Weniger lustig, wenn anonyme und feige Stimmzettel mit einem Nein zu einer Person eingelegt werden.

Wir kennen sie schlecht, die Albaner. Dieses Volk, das sich über eine Sprache und nicht über ein einzelnes Land definiert, kommt ursprünglich vor allem aus dem Kosovo, aus Mazedonien oder Serbien. Ihr Dasein in der Schweiz geht aber nicht nur bis in die 90er-Jahre zurück. Schon vor einem halben Jahrhundert kamen die ersten von ihnen zu uns. Bekannt wurden sie nach den tragischen Ereignissen rund um die Kriege in Ex-Jugoslawien – der Grund, weshalb sie überhaupt in Massen ausgewandert sind.

Es liegt in der Verantwortung der Schweizer, eine Hauptrolle bei der Integration der Ausländer zu spielen, und zwar aller Ausländer. Sehen Sie sich die Italiener in unserem Land an. Sie gehören zur Schweiz, sind integriert in Gesellschaft und Politik, stehen sowohl links als auch rechts. Niemand stellt mehr Fragen zu ihnen. Integration braucht Zeit. Auch die Albaner werden eines Tages ein selbstverständlicher Teil unseres Landes sein. Aber das kann nur gelingen, wenn sich alle daran beteiligen. Viele machen das schon – auch Schweizer. Für die Albaner ist es eine tägliche Herausforderung, die sie aber meistern werden.

Übrigens findet zur Stellung der Albaner in der Schweiz im Juni in Bern in Zusammenarbeit mit Albinfo.ch und dem Politblog ein runder Tisch* statt. Das wird auch eine Gelegenheit sein, sich in Erinnerung zu rufen, dass diese ausländische Bevölkerungsgruppe mit ihren fast 250’000 Mitgliedern (einer von 30 Einwohnern der Schweiz!) eine der grössten des Landes ist.

*Podiumsgespräch, Albinfo.ch & Politblog.ch, Dienstag, 14. Juni 2011, 18h – 20h, Kuppelraum der Universität Bern, Hochschulstrasse 4, Hauptgebäude: Eine von dreissig Personen, die in der Schweiz wohnen, ist albanischsprachig. Welchen Einfluss übt diese Bevölkerung auf die Schweiz aus, welchen auf ihre Herkunftsländer? Moderatoren: Grégoire Nappey (Politblog) & David Schaffner («Tages-Anzeiger»/«Der Bund»). Podiumssprachen: Deutsch und Französisch, mit Simultanübersetzung.

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