Wir Arbeitnehmende und unsere Familien bezahlen den Preis

Im letzten Dezember hat die Grünliberale Fraktion eine Motion eingereicht, die zeigt, was die Liberalisierungsturbos bei den Ladenöffnungszeiten wirklich vorhaben. Die Grünliberalen verlangen, dass «künftig sämtliche Verkaufsstellen und Dienstleistungsbetriebe – unabhängig von Sortiment und Angebot –, welche eine Maximalgrösse von 120 Quadratmetern nicht überschreiten, auch sonntags und in der Nacht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen dürfen.» Mit anderen Worten: 24-Stundenbetrieb in Abertausenden von Läden und Filialen. Und zwar an sieben Wochentagen.

Interessant ist auch, wie die Grünliberalen diese radikale Deregulierung begründen: Das Parlament habe beschlossen, dass Tankstellenshops auf Autobahnraststätten und an Hauptverkehrswegen auch sonntags und in der Nacht Arbeitnehmende beschäftigen dürfen. Es sei aber «wettbewerbspolitisch falsch und unfair» und wegen des zu erwartenden Zusatzverkehrs auch unökologisch, wenn der 24-Stundenbetrieb nur auf diese Shops beschränkt bleibe: Wenn Tankstellenshops künftig rund um die Uhr Arbeitnehmende beschäftigen können, sollen auch andere Läden, «welche kein Benzin verkaufen, frei entscheiden können, ob sich eine Geschäftstätigkeit abends und in der Nacht für sie lohnt.» Frei nach dem Motto: Was die einen dürfen, kann man den anderen nicht verbieten.

Das Volk nämlich lehnt längere Öffnungszeiten an der Urne regelmässig deutlich ab.

Ein Tankstellenshop in der Nähe von Lausanne. (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Wer in der Nacht arbeitet, hat weniger Zeit für seine Familie: Ein Tankstellenshop in der Nähe von Lausanne, August 2010. (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Diese Salami-Taktik verfolgen die bürgerlichen Interessenvertreter nun schon seit Jahren: mit immer neuen Vorstössen in den Kantonen und auf Bundesebene, welche die Einschränkung der Nacht- und Sonntagsarbeit für den Detailhandel aufheben wollen. Zum Glück haben wir in der Schweiz die direkte Demokratie. Das Volk nämlich lehnt längere Öffnungszeiten an der Urne regelmässig deutlich ab.

Ein klares Nein ist auch am 22. September nötig, wenn wir über die Total-Liberalisierung des Verkaufs in den Tankstellenshops abstimmen. Denn die schrittweise Einführung des 24-Stunden-Arbeitstages geht auf unsere Kosten: Wir Arbeitnehmende und unsere Familien bezahlen den Preis dafür. Wer abends, in der Nacht oder am Sonntag arbeiten muss, hat weniger Zeit für die Familie und seine sozialen Kontakte. Zudem ist ständige Nachtarbeit gesundheitsschädlich.

Und wer profitiert? Der Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher behauptet in seinem Blogbeitrag, Polizisten, Taxifahrer und andere Schichtarbeiter seien auf den Nachtverkauf angewiesen. Das ist lachhaft. Wer in der Nacht arbeitet, kann dann ja gar nicht einkaufen gehen. Die einzigen Profiteure des 24-Stunden-Arbeitstages im Verkauf sind die grossen Detailhandelsketten und – im Falle der Tankstellenshops – die Schweizerische Erdölvereinigung. Deren Interessen sind bei Lüscher und seinen Lobbyisten-Kollegen im Bundeshaus gut aufgehoben.

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