Die SVP ist auf dem Holzweg

Wir alle haben einen rassistischen Schwager, Cousin oder Onkel. Man kennt das: Noch bevor der Abend zur Nacht wird, verspritzt er sein Gift über die Ausländer. Sie sind sein bevorzugtes Gesprächsthema. Die Volksinitiative der SVP «Gegen Masseneinwanderung» hätte aus seinem Kopf entspringen können.

Der Plan? Diese Franzosen nach Hause schicken, die unser Brot wegessen. Diese Deutschen, die sich aufführen, als wäre das hier ihr Land, mitsamt ihrem snobistischen Hochdeutsch rauswerfen. Raus mit allen, die unsere Strassen verstopfen. Haut ab, ihr Eindringlinge, die ihr unsere Züge überfüllt, unsere Wohnungen in Beschlag nehmt und uns unsere Spitäler und die Lehrstellen unserer Kinder wegnehmt.

Das Versprechen, die Einwanderung einzudämmen, die Grenzen zuzumachen oder sich von Europa abzukoppeln, ist schlicht nicht zu halten.

Plakat der SVP gegen Masseneinwanderung in Zuerich am Mittwoch, 14. September 2012. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die SVP-Initiative gefährdet Arbeitsplätze: Plakat der SVP gegen Masseneinwanderung, 14. September 2012. (Keystone/Walter Bieri)

Es braucht keine grossartige Geistesleistung, um zu begreifen, dass der Wohlstand der Schweiz auf der Einwanderung aufbaut. Hundertausende von Arbeitsplätzen wurden seit 2002 geschaffen. Die Arbeitslosigkeit ist derweil im nationalen Durchschnitt nicht angestiegen. Ohne Ausländer würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen.

Aber der Rassist in der Familie denkt nur selten nach. Aus ihm sprechen Angst und Besessenheit. Und er schafft es, sein Umfeld zu überzeugen, auch wenn er dafür absurde Argumente ins Feld führt: 2009 haben die Schweizerinnen und Schweizer eine Anti-Minarett-Initiative angenommen, um sich vor einer wahren Flut von sage und schreibe… vier Minaretten zu schützen.

Niemand bestreitet, dass die Demographie das Transportwesen, den Energieverbrauch oder die Kriminalitätsrate belastet. Der Druck auf Löhne und den Wohnungsmarkt ist schmerzhaft. Viele Schweizerinnen und Schweizer leiden darunter. Ohne wirklich fremdenfeindlich zu sein, könnten sie versucht sein, die Initiative anzunehmen. Ganz zurecht befürchten sie, dass der Überfluss an Personal die Arbeitgeber dazu veranlassen könnte, neue Arbeitskräfte einzustellen, anstatt die Umschulung von Schweizern zu fördern.

Das eigentliche Problem ist, dass die SVP-Initiative eine Illusion ist: Das Versprechen, die Einwanderung einzudämmen, die Grenzen zuzumachen oder sich von Europa abzukoppeln, ist schlicht nicht zu halten.

Die Arbeitgeber und die politische Mehrheit haben nun noch ein Jahr Zeit, Schweizerinnen und Schweizer davon zu überzeugen, dass die Lösung der SVP nicht die richtige ist – und dass sich ihr rassistischer Onkel auf dem Holzweg befindet.

document.write(„„);