Familien müssen vor Armut geschützt werden

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Herausforderung, die so alt ist wie die Menschheit. Jahrhundertelang reagierten unsere westlichen Gesellschaften mit einer einfachen Antwort: Der Mann arbeitet auswärts, während sich die Frau um Haus, Garten und Kinderbetreuung kümmert. Mit der Entstehung der sogenannten «modernen Gesellschaft», der Industrialisierung und der zunehmenden Bedeutung der Dienstleistungsgesellschaft hat sich dieses Modell jedoch stark gewandelt oder ist gar gänzlich verschwunden.

In keinem anderen Land ist die Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt so hoch wie in der Schweiz. Gleichzeitig gibt es in unserem Land auch sehr viele Frauen, die Teilzeit arbeiten. Für manche entspricht dies ihrer persönlichen Art, Beruf und Familie zu vereinbaren. Anderen wiederum wurde die Teilzeitbeschäftigung aufgezwungen. Dazu muss man wissen, dass rund 300’000 Teilzeitangestellte – die meisten davon Frauen – ihre Erwerbstätigkeit gerne rasch erhöhen würden, weil sie auf mehr Einkommen angewiesen sind.

Das Wohlergehen der Kinder steht mehr denn je im Mittelpunkt der Familienpolitik.

Eine Familie wandert in der Nähe von Schiers (GR), Oktober 2012. (Foto: Keystone/Arno Balzarini)

Die Familie gehört ins Zentrum der Politik: Eine Familie wandert in der Nähe von Schiers (GR), Oktober 2012. (Foto: Keystone/Arno Balzarini)

Trotz der sozialen Gegebenheiten und Entwicklungen wird weiterhin Wahlkampf auf dem Rücken der Familien betrieben. Wie die Präsidenten der FDP und der SVP oder auch Economiesuisse versuchen einige, eine angeblich perfekte Welt am Leben zu erhalten, in der der Mann morgens Frau und Kinder küsst und zur Arbeit fährt, um sich später mit den hübsch zurechtgemachten Nachkommen an den gedeckten Tisch zu setzen. Dieser Ansicht nach sollte sich der Staat von den Familien möglichst fernhalten und seinen Einfluss auf einige steuerliche Massnahmen und das Schulsystem beschränken.

In Wirklichkeit war dieses Weltbild aber schon immer die Ausnahme, und durch den wirtschaftlichen Druck und die Anforderungen des Arbeitsmarkts ist es heute bestenfalls noch eine Minderheitserscheinung. Das Wohlergehen der Kinder steht dennoch mehr denn je im Mittelpunkt der Familienpolitik. Dabei sind die Herausforderungen zahlreich: Es geht um massive Kapazitätssteigerungen in Kinderkrippen und Tagesstätten, die Erhöhung der Familienbeiträge und Krankenkassensubventionen, den Ausbau des Mutterschaftsurlaubs, die Einführung eines umfassenden Elternurlaubs und den Kampf gegen die wirtschaftliche Armut von Tausenden von Haushalten, in der «Working Poor»-Familien trotz doppeltem Einkommen kaum über die Runden kommen.

Der Verfassungsartikel über die Familienpolitik, über den wir am 3. März abstimmen, wird diese grundsätzlichen Probleme nicht unmittelbar lösen können. Seine Annahme würde jedoch erstmals in der ganzen Schweiz den Willen veranschaulichen, konkrete Massnahmen zur besseren Organisation des Familienlebens einzuführen. Denn schlussendlich geht es doch ausschliesslich um eines: Die Familien ins Zentrum der Politik zu rücken, indem man ihre grundlegende Bedeutung für die Zukunft unseres Landes anerkennt.

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