Endstation Ersatzbus?

Die Eltern unter uns wissen es sehr wohl: Kinder entwickeln eine ganz eigene Taktik, um ihren Willen durchzusetzen. Sie wiederholen ihre Bitte tausend Mal, in der Hoffnung, dass die Eltern irgendwann nachgeben. Hat sich auch das Bundesamt für Verkehr von dieser Methode inspirieren lassen?

Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass die führenden Köpfe der öffentlichen Mobilität in der Schweiz vorbringen, die Kosten der Regionalzüge seien viel zu hoch und darum müsse man diese durch Busse ersetzen.

Die Lösungen sind in der Bahn und nicht ohne die Bahn zu finden.

Fahrt ins Ungewisse: Regionalzug der Südostbahn auf einem Viadukt bei Lütisburg SG. (Bild: Keystone)

Fahrt ins Ungewisse: Regionalzug der Südostbahn auf einem Viadukt bei Lütisburg SG. (Bild: Keystone)

Eine neue Lawine haben die Kolumnen der «NZZ am Sonntag» ausgelöst, indem sie die Schmerzgrenze von nicht rentablen Strecken festlegten: 50 Prozent der Kosten sollen die Nutzer tragen, den Strecken, die darunter liegen, droht das Aus. Über das ganze Jahr gesehen erscheint diese Forderung für viele Strecken ausser Reichweite, und dies nicht nur ausserhalb der Ballungsräume. Das Regionalnetz zwischen Bern und Freiburg könnte dadurch zum Beispiel gefährdet sein.

Unbestritten ist, dass über die Effizienz und die Rentabilität des öffentlichen Verkehrs nachgedacht werden muss. Aber die Überlegungen haben unter Einbeziehung des politischen, geschichtlichen und kulturellen Hintergrunds zu erfolgen. Und dieser lehrt uns, dass die Lösungen in der Bahn und nicht ohne die Bahn zu finden sind.

Zuerst zur Politik: In dem Moment, wo die allgemeinen Anstrengungen in die Richtung einer breiteren Nutzung des Bahnnetzes gehen – die mit bedeutenden Investitionen einhergeht –, kommt man auf keinen grünen Zweig, wenn man die überfüllten Züge der Agglomerationen den leeren Zügen der anderen Regionen gegenübergestellt. Im Gegenteil, man gibt der Bevölkerung ein widersprüchliches Signal.

Dann zur Geschichte: Sie lehrt uns, dass alle öffentlichen Einrichtungen, die in ihrem Transportnetz auf die Bahn verzichtet haben, diesen Entscheid – der ihnen eine gesalzene Rechnung für den Wiederaufbau bescherte – bitter bereut haben.

Zuletzt zum Kulturgut: Das Schweizer Bahnnetz ist ein grosser Trumpf für unser Land und fester Bestandteil seines Tourismusangebots.

Diese Überlegungen müssen das Bundesamt für Verkehr und alle Akteure des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz davon überzeugen, dass der öffentliche Verkehr ganz sicher weder einen Kahlschlag noch vorgekaute Konzepte, sondern – wie ein Schweizer Uhrwerk – vielmehr laufend subtile Einstellungen benötigt.

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