Was darf die Schweizer Landwirtschaft kosten?

Während der Debatte im Nationalrat zur neuen Agrarpolitik wurde den Schweizer Bauernfamilien von einigen Nationalrätinnen und Nationalräten vorgerechnet, welchen Anteil sie noch zum Bruttoinlandprodukt leisten würden und welche Kosten sie verursachen.

Es lohnt sich einmal zu überlegen, was wäre, wenn die letzte Bauernfamilie in diesem Land die Stalltüren für immer schliessen würde und die Bewirtschaftung des Landes aus Kostengründen niemand mehr machen würde.

Im gesamten Mittelland würden wieder Eschen- und Eichenwälder wachsen. Während unseren Spaziergängen und Velotouren würden wir nicht mehr durch die schöne Aussicht und das Bestaunen von Blumenwiesen aufgehalten und könnten uns voll auf den Sport konzentrieren. In den höheren Lagen würden Fichten und auf den Alpen Büsche wachsen. Da beim Skifahren sowieso zu viele Unfälle passieren, könnte auch auf diesen gefährlichen Sport ohne weiteres verzichtet werden.

Die Lebensmittel könnten wir zu günstigsten Preisen vom anderen Ende der Welt «herkarren».

Ein Bauer im Berner Seeland begutachtet seine Kartoffeln. (Foto: Keystone)

Die Bedeutung der Schweizer Landwirtschaft scheint einigen nicht bewusst zu sein: Ein Bauer im Berner Seeland begutachtet seine Kartoffeln. (Foto: Keystone)

Die Lebensmittel könnten wir zu günstigsten Preisen vom anderen Ende der Welt «herkarren». Dort müsste nicht auf strenge Tierschutz-, Gewässerschutz- und Umweltschutzauflagen Rücksicht genommen werden. Auch beim Einsatz von Antibiotika kann in diesen Ländern in der Tierhaltung aus dem vollen geschöpft werden. Mit wachstumsfördernden Hormonen kann dort zu günstigsten Preisen Fleisch produziert werden.

Die ehemaligen Bauern würden allesamt bei den Gemeinden und Kantonen Arbeit finden, um die Strassen vor dem Einwachsen frei zu halten und das Gras sowie die aufkommenden Büsche entlang von den Wanderwegen im Wald zurückzuschneiden. Dies natürlich zu angemessenen Schweizer Löhnen. Langfristiges und nachhaltiges Denken würde endlich Quartalsdenken weichen. Wie würde sich wohl damit die Lebensqualität in unserem Land verändern? Wer möchte eine solche Entwicklung?

Die Schweizer Bauernfamilien wissen, dass ihre Leistungen von der Bevölkerung geschätzt werden und sind dankbar dafür. Bäuerinnen und Bauern arbeiten viel. Sie bleiben aber bescheiden. Sie lieben die Natur und ihre Tiere. Kultur und Brauchtum liegen ihnen sehr am Herzen. Immer mehr Menschen in der Schweiz wollen daran teilhaben und damit auch ein wenig zurück zu den Wurzeln gehen.

Der Nationalrat hat bei der Beratung der Agrarpolitik intensiv über die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft beraten. Welche Ziele sollen gesetzt werden? Was bedeuten gesunde Lebensmittel aus der Schweiz oder eine schöne Landschaft? Wie wichtig sind eine vielfältige Fauna und Flora für unsere Bevölkerung? Darf die Schweizer Landwirtschaft pro Kopf und Tag Fr. 1.20 kosten?

Was meinen Sie?

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