Kleinräumiges Denken bei Mach 1,8

Wetten, dass die Europäische Union in 20 Jahren die Verteidigung ihres Luftraumes zusammengelegt hat? Luftpolizeiliche Dienste und Behauptung der Lufthoheit über europäischem Hoheitsgebiet werden dannzumal Aufgabe der vereinigten European Air Force. Selbst Alpennachbar Österreich wird dann vom Schutz einer gesamteuropäischen Luftwaffe profitieren, der unsere Flieger in den Schatten stellt. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam planen, zusammen einkaufen und einheitlich durchführen ist im Endresultat billiger und effektiver. Und mittendrin, wie immer: Die souveräne Schweiz auf eigenen Flugwegen.

Aber seien wir doch ehrlich: Unser kleinräumiges Denken bei Mach 1,8 ist nicht mehr angebracht. Startet eine F/A-18 irgendwo in der Schweiz, stösst sie nach spätestens 15 Minuten an jeder Grenze an. Frühes Abwenden ist angezeigt, damit nicht der Luftraum eines befreundeten Staates verletzt wird. Für die Kooperation mit anderen Staaten bei der Luftraumüberwachung brauchen wir jetzt schon spezielle Verträge und Vereinbarungen. Alles in allem viel Aufwand und hohe Ausgaben für ein kleines Land wie die Schweiz. Eine weitergehende Zusammenarbeit in Europa drängt sich früher oder später auf.

Vermutlich ist es besser, wenn sich Kampfjet-Befürworter schon jetzt mit einem «Nein» anfreunden.

Kooperationen mit Österreich hat es bereits gegeben: Schweizer F-5E-Kampfjet, der 2004 an Österreich vermietet wurde. (Bild: Keystone)

Kooperationen mit Österreich hat es bereits gegeben: Einer von zwölf Schweizer F-5E-Kampfjets, die 2004 an Österreich vermietet wurden. (Bild: Keystone)

Erst jüngst hat der Wiener Bürgermeister Michael Häupl die Zusammenlegung der Luftwaffen von Österreich und der Schweiz vorgeschlagen. Aufgenommen wurde das Thema auch von der Jungen CVP. Das zeigt, dass solche Ideen nicht aus der Luft gegriffen sind. Zwar hat der Bundesrat auf ebenjene Anregung aus Wien ziemlich abschlägig reagiert. Klar, neutralitätspolitische Bedenken, Aufgabe der Souveränität und Abhängigkeit von anderen Staaten – der Bedenken sind viele, der verfassungsmässigen sowie gesetzlichen erst recht. Diese Anregung gehört derzeit tatsächlich noch ins Ressort «Visionen».

Sollte das Schweizer Volk aber dereinst an der Urne einer Beschaffung von neuen Fliegern die rote Karte zeigen und die Schweizer Luftwaffe bis 2035 in Pension schicken wollen, dann sei daran erinnert. Vermutlich ist es besser, wenn sich Kampfjet-Befürworter schon jetzt mit einem «Nein» anfreunden. Immerhin gaben 57 Prozent in der jüngsten Umfrage der «SonntagsZeitung» an, sie wollten gar keine neuen Kampfjets.

Die Schweizer Beteiligung an einer europäischen Lösung könnte vermutlich sogar das politische Patt lösen, sprich die Linke mit ins Cockpit holen. Immerhin haben die Genossen in Armeefragen zumeist Wert darauf gelegt, dass man im Sicherheitsbereich über den Tellerrand der engen Schweiz hinausschaut. Es war wohl kein Zufall, dass es der Zürcher SP-Politiker Andreas Gross war, der Häupls Anregung als Anfrage dem Bundesrat antrug.

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