Nacht- und Sonntagsarbeit: Regeln schaffen Freiheit!

Auf den ersten Blick denkt man bei Regulierungen nicht an Freiheit. Geht es aber um Arbeitsbedingungen, löst sich das scheinbare Paradox auf: Erst verbindliche Regeln schaffen Freiheit. Gäbe es keine Arbeitsgesetze, sähe es für die grosse Mehrheit der Bevölkerung übel aus. Die Freiheit, die bliebe, wäre jene der wirtschaftlich Mächtigen. Sie könnten noch stärker als heute diktieren, nach welchen Regeln sich die Beschäftigten zu richten haben, ohne dass ihnen wirksame Schranken gesetzt wären.

Wer uns auf den Rund-um-die-Uhr-Konsum reduzieren will, hat ein armseliges Menschenbild.

Schweiss am Sonntag, 7. Mai 2000: Gleisbauer auf dem Zürcher Paradeplatz. (Bild: Keystone)

Schweiss am Sonntag, 7. Mai 2000: Gleisbauer auf dem Zürcher Paradeplatz. (Bild: Keystone)

Zu den sensiblen Regeln gehören jene über die Sonntags- und Nachtarbeit. Sie sollen dafür sorgen, dass die Nacht- und Sonntagsarbeit auf jene Bereiche beschränkt bleiben, wo sie notwendig ist. Gegen die weitere Ausdehnung der Nachtarbeit sprechen allen voran gesundheitliche Gründe. Und der arbeitsfreie Sonntag ist für das Sozial- und Familienleben entscheidend.

Der nächste Angriff auf die arbeitsfreie Nacht und den arbeitsfreien Sonntag kommt aus Zürich («Der Kunde ist König»). Dahinter stehen wie so oft privilegierte Exponenten der FDP. Das gilt auch für den übernächsten Vorschlag: die Rund-um-die-Uhr-Öffnung der Tankstellenshops quer durch die Schweiz.

Ausgesucht für ihre Angriffe haben sich die Initianten mit dem Detailhandel nicht von ungefähr Bereiche, in denen die Arbeitsbedingungen besonders schlecht sind. Und in denen sich die Betroffenen besonders schlecht gegen Verschlechterungen wehren können. Fällt das Sonntags- und Nachtarbeitsverbot im Detailhandel, so gibt es auch in anderen Branchen kein Halten mehr. Die Auseinandersetzungen um die Zürcher Initiative und die Tankstellenshops strahlen deshalb auf die ganze Schweiz aus.

Die Menschen sind aber nicht nur Kunden, die rund um die Uhr shoppen wollen. Sie sind auch Menschen, die zu geregelten Bedingungen arbeiten wollen. Sie haben soziale Bedürfnisse und ein Familienleben. Wer die Menschen auf den Rund-um-die-Uhr-Konsum reduzieren will, der hat ein armseliges Menschenbild.

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