Für die SNB eröffnet sich eine zweite Kriegsfront

Die Lage in der Eurozone ist ernst. Diverse Auguren rechnen mit einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Andere sehen gar ein Scheitern der ganzen Eurozone als mögliches Szenario. Für die SNB bedeutet das Stress und zwar in grossem Ausmass. Den Bestrebungen, die Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro zu halten, steht der anhaltende Druck auf die Schweizer Währung entgegen. Investoren benützen die Schweiz als sicheren Hafen.

Die Nationalbank wird sich mit Händen und Füssen für ihre Unabhängigkeit wehren müssen.

Muss es allen recht machen: Thomas Jordan, Nationalbankpräsident. (Keystone)

Muss es allen recht machen: Thomas Jordan, Nationalbankpräsident. (Keystone)

«Die Situation in den letzten Wochen hat sich verschlechtert (…) wir beobachten gleichzeitig einen deutlichen Aufwertungsdruck auf den Franken», sagte jüngst SNB-Präsident Thomas Jordan. Für jemanden, der sich – wegen seiner Funktion als oberster Währungshüter – sonst immer äusserst zurückhaltend ausdrückt, sind das alarmierende Worte. Jordan sagt aber auch: «Wir werden auch in Zukunft selbst unter schwersten Bedingungen mit aller Konsequenz den Mindestkurs durchsetzen (…) ich betone, selbst unter sehr widrigen Bedingungen.»

Nun zeigt sich, dass diese «widrigen Bedingungen» nicht mehr nur durch ausländische Investoren, Anleger und Hedgefunds begründet werden. Neu formiert sich auch im Inland die Gegnerschaft der Euro-Franken-Untergrenze. Es sei nur noch «eine Frage der Zeit», bis die SNB die Untergrenze aufgeben müsse, schrieb Oswald Grübel in seiner Kolumne im «Sonntag». Und dem Wort des bekanntesten Bankers der Schweiz schlossen sich mit Christoph Blocher und Finanzmarktprofessor Martin Janssen gleich zwei weitere gewichtige Stimmen im Land an – zumindest in der Stossrichtung.

Wer glaubt, mit diesen drei kritischen Stimmen liesse sich leben, der rechnet nicht mit dem, was noch kommt. Demnächst wird nämlich die Nationalbank einen genaueren Einblick in ihre Bilanz gewähren. Am Stand der Devisenreserven lässt sich ablesen wie hart die SNB von den Finanzmarktakteuren herausgefordert wird. Wir ahnen es, der Devisenbestand wird grösser, möglicherweise sogar massiv.

Wie aber reagieren Politik und Öffentlichkeit, wenn sich zeigt, dass die SNB dutzende, wenn nicht sogar hunderte Milliarden Franken, für die Verteidigung der Untergrenze aufwenden/drucken muss? Genau: Dann kriechen sie immer zahlreicher aus den Löchern und schliessen sich Grübel und Blocher an. Sie schreien «Diebstahl am Sparer und Rentner», weil die massive Aufblähung der Geldmenge früher oder später zu Inflation führt – selbst wenn dieser Zusammenhang inzwischen auch angezweifelt wird.

Spätestens dann eröffnet sich für die Nationalbank im Krieg gegen den starken Franken eine zweite Front. Hat sie unter weitgehender Unterstützung der Schweizer Politlandschaft diese Untergrenze eingeführt – Blocher sprach im letzten September von einem Krieg, der mit allen Mitteln und aller Konsequenz geführt werden soll –, muss sich die SNB womöglich bald mit Händen und Füssen für ihre Unabhängigkeit wehren. Dem jüngsten Votum Blochers (warum er sich so scheinbar plötzlich vom Krieg gegen den starken Franken abwendet, sei hier einmal dahingestellt) werden sich im Lager der SVP weitere «Jünger» anschliessen. Es wird zu einem regelrechten Gezerre um die Aufrechterhaltung der Kursuntergrenze kommen.

UBS-Ökonom Caesar Lack beschrieb obigen Umstand jüngst so: «Die hohen und weiter steigenden Devisenreserven beinhalten hohe Bilanzrisiken (für die SNB, Anm. der Redaktion). Und Verluste führen zu politischem Druck, das hat man im letzten Jahr gesehen.» Diesem Druck müssen die Leute um Thomas Jordan nun standhalten – oder aber die Untergrenze aufgeben.

Die SNB, die Politik und das ganze Land werden in den nächsten Wochen und Monate auf ein harte Probe gestellt. Die Debatte um die Kursuntergrenze hat eben erst richtig begonnen – das Gezerre vor dessen Einführung am 6. September 2011 war wohl nur der milde Vorgeschmack.

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